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REPORTAGE

Holt WindowsPhone gegenüber iOS und Android Marktanteile auf?

Von Simon Blohm
05.09.2012


Smartphones nehmen im Leben vieler Menschen eine immer größere Rolle ein. Längst sind mobile Telefone nicht mehr nur dazu da, zu telefonieren und Kurznachrichten zu schreiben. Vielmehr kann man mit ihnen im Internet surfen, Fotos machen, Spiele spielen und nützliche Anwendungen ausführen. Sie sind sozusagen kleine Computer für die Hosentasche. Und wie ein Computer ein Betriebssystem braucht, benötigt auch ein Smartphone eine Software, auf deren Basis sämtliche Programme laufen.

Die beiden momentan bedeutendsten Betriebssysteme für mobile Telefone sind zum einen iOS für das iPhone von Apple und zum anderen Android, das unter anderem von Google auf Basis von Linux entwickelt wurde. Zur Zeit ist Android das mobile Betriebssystem, das mit einem Marktanteil von mehr als 50 Prozent am weitesten verbreitet ist. Doch ein Programm wird immer beliebter, nämlich Windows Phone. Entwickelt wurde das Betriebssystem von Microsoft, die aktuelle Version ist Windows Phone 7.5. Es wurde jedoch bereits die Version 8 für das Ende des Jahres 2012 angekündigt. Auch wenn der Anteil der Smartphones, die auf Basis von Windows Phone laufen, zur Zeit noch unter zwei Prozent liegt, ist die Tendenz stark ansteigend. Vor allem in China sind Mobiltelefone mit Microsofts Betriebssystem jetzt schon beliebter als das iPhone.

Für viele Menschen ist das Betriebssystem ein entscheidendes Kriterium bei der Wahl ihres Smartphones. So finden viele beispielsweise das iPhone als Gerät optisch ansprechend, mögen aber die Funktionalität von Apples Software iOS nicht. Wenn dem so ist, muss man notgedrungen zu einem anderen Smartphone greifen. Denn die Frage nach dem Betriebssystem ist bei Mobiltelefonen noch strenger als bei Computern. Hat man bei PCs, die nicht aus dem Hause Apple stammen, noch die Wahl zwischen den beiden Betriebssystemen Linux und Windows, so gibt es diese Wahl bei Smartphones nicht. Das iPhone läuft ausschließlich mit iOS, ein Android-Telefon nutzt nur Android, und wenn man sich für Windows Phone entschieden hat, muss man zumindest bei diesem Gerät auch dabei bleiben.

WindowsPhone 8 erscheint Ende des Jahre (Bild: Microsoft)

Microsoft hatte bereits vor Windows Phone mit Windows Mobile ein eigenes Betriebssystem auf den Markt gebracht. Dieses orientierte sich an der Oberfläche von Windows für den PC und ließ sich nicht per Touch-Screen, sondern nur mit einem Eingabestift bedienen. Spätestens mit dem großen Erfolg des iPhones und seinem Touch-Screen verlor Microsoft bei den mobilen Geräten immer weiter an Boden und brachte schließlich 2010 das komplett neu entwickelte Betriebssystem Windows Phone auf den Markt. Ebenso wie iOS und Android ist es darauf ausgelegt, per Multi-Touch bedient zu werden.

Es gibt ein paar Funktionen in Windows Phone, über die die Konkurrenz nicht verfügt. Eine der wichtigsten Neuerungen sind die so genannten Live Tiles. Windows Phone nutzt keinen statischen Home Screen, wie es das iPhone tut, sondern zeigt als Startbildschirm eine Reihe quadratischer animierter Kacheln an, die man in beliebiger Reihenfolge anordnen kann. Sie sind jeweils mit Apps verlinkt und zeigen in Echtzeit, wenn es eine Veränderung gibt. Hat man beispielsweise eine E-Mail bekommen, sieht man dies bereits in der entsprechenden Live Tile im Startbildschirm, ohne die E-Mail-App überhaupt öffnen zu müssen. Auch Status-Veränderungen der eigenen Kontakte bei Facebook, Termine, das aktuelle Wetter oder verfügbare Updates für Spiele werden auf diese Weise übersichtlich in der jeweiligen Live Tile angezeigt. Mit einer einfachen Wischgeste kommt man vom Startbildschirm zum Hauptmenü, in dem sämtliche Programme, die man installiert hat, alphabetisch aufgelistet sind.

Produktvorstellung WindowsPhone 8 (YouTube Video)

Eine weitere Besonderheit, die man bei anderen mobilen Betriebssystemen vergeblich sucht, sind die sogenannten Hubs, mit denen Windows Phone arbeitet. Diese bündeln verschiedene Funktionen und zeigen sie gesammelt an. Dabei gibt es die folgenden Hubs: Kontakte, Office, Bilder, Social Networks, Musik, Videos und Spiele. Wie genau die Hubs funktionieren, lässt sich sehr gut mit den Kontakten beschreiben. Hier treffen alle Kommunikationswege zusammen, die man nutzt. Erhält man eine Nachricht über Facebook, wird dies genauso im Hub Kontakte angezeigt wie eine neue SMS, eine E-Mail oder eine Twitter-Nachricht. Kommuniziert man mit einer Person hauptsächlich per E-Mail, ist mit ihr aber auch bei Facebook befreundet, so wird bei den Kontakten das entsprechende Status-Bild der Person im sozialen Netzwerk angezeigt.

Doch nicht nur mit einzelnen Personen kann man auf diese Weise kommunizieren, sondern auch mit vorher definierten Gruppen. So kann man zum Beispiel seiner ganzen Familie, einer Gruppe von Studienfreunden oder seiner Fußballmannschaft die gleiche E-Mail oder Kurznachricht schicken oder mit allen gleichzeitig chatten. Auch aus einer Gruppe kann man eine Live Tile machen, die man auf dem Startbildschirm positionieren kann, um immer auf dem Laufenden zu sein.

Der Hub Bilder umfasst sowohl die Fotos, die man mit der Kamera des Smartphones gemacht hat, als auch die, die online gespeichert sind oder aus denen man in einem sozialen Netzwerk ein Fotoalbum erstellt hat. Über den Office Hub hat man Zugriff auf die Anwendungen, die man bereits von Microsoft Office für Windows kennt, also auf das Textverarbeitungsprogramm Word, die Tabellenkalkulation Excel oder die Datenbankverwaltung Access. Dies ist ein Vorteil gegenüber iOS oder Android, da man bei diesen Betriebssystemen für derart hochwertige Programme Geld zahlen muss. Der Hub für Spiele verbindet das Smartphone mit dem Service Xbox Live. Über diese Plattform kann man im Windows Phone Marketplace Spiele erwerben.

Sehr wichtig bei der Wahl des Betriebssystems ist die Software, die man für das jeweilige Gerät erwerben kann, also die so genannten Apps. Während es für Android verschiedene Online-Software-Märkte gibt, unter denen Google Play zur Zeit das größte und am schnellsten wachsende ist, greifen sämtliche iOS-Geräte, also nicht nur das iPhone, sondern auch das iPad und der iPod Touch, auf den App Store von Apple zu. Ebenfalls auf nur eine Plattform konzentriert ist der Windows Phone Marketplace. Dieser stellt die einzige Möglichkeit dar, Spiele für Windows Phone zu erwerben. Mehr als die Hälfte der mittlerweile über 60.000 angebotenen Apps sind kostenlos, zum Herunterladen benötigt der Nutzer allerdings eine Windows Live ID. Eine Besonderheit im Vergleich zu anderen App-Stores ist die Funktion "Try before you buy", die es im Windows Phone Marketplace gibt. So kann man Apps ausprobieren, bevor man sie kauft, in manchen Fällen aber mit eingeschränkten Funktionen.

Da man mit Windows Phone auf den Service Xbox Live zugreifen kann, kann man nicht nur allein spielen, sondern auch unterwegs gegen Freunde im Netzwerk antreten. Dabei ist es sogar möglich, mit einem Smartphone mit Windows Phone gegen jemanden zu spielen, der das gleiche Spiel auf der Konsole Xbox 360 nutzt.

Um Daten wie Musik oder Filme von einem Computer mit Windows Phone zu synchronisieren, benötigt man eine Software namens Zune. Diese ist in ihrer Funktionalität vergleichbar mit dem Programm iTunes von Apple. Auf dem Zune-Marktplatz kann man Musik, Videos und Apps erwerben. Die Inhalte, die man so auf sein Gerät geladen hat, werden in den jeweiligen Hubs Musik und Videos übersichtlich angezeigt.

Mit Windows Phone greift man auf die geballte Kompetenz von Microsoft zu. Zum Surfen im Internet nutzt man den bewährten Internet Explorer in seiner mobilen Version, die Suchfunktion des Smartphones geschieht über die hauseigene Suchmaschine Bing. E-Mails werden über Outlook Mobile abgerufen, markiert und gruppiert. Jeder Nutzer von Windows Phone erhält kostenlos 25 GB Speicherplatz auf der virtuellen Festplatte Windows Live SkyDrive. Hier kann man beispielsweise Word-Dateien ablegen, an denen man auf dem Smartphone zu schreiben begonnen hat, und sie zu Hause am PC fortsetzen.

Microsoft hat den Smartphone-Herstellern, die ihre Geräte mit Windows Phone ausstatten wollen, recht strenge Auflagen diktiert. So muss das Telefon mindestens einen Arbeitsspeicher von 512 MB haben sowie einen minimalen Flash-Speicher von 8 GB. Dazu fordert Microsoft unter anderem einen kapazitiven Multi-Touchscreen, einen GPS-Empfänger, eine eingebaute Kamera mit mindestens 5 Megapixeln und eine Schnittstelle für WLAN und Mobilfunk. So stellt der Software-Hersteller sicher, dass das Betriebssystem reibungslos funktioniert und dass alle Geräte HD-fähig sind.

Microsoft hat ebenfalls dafür gesorgt, dass alle Geräte mit Windows Phone über die drei Windows Buttons verfügen. Mit dem Home Button kehrt man wieder zum Startbildschirm mit den Kacheln zurück. Drückt man länger darauf, ruft man die Sprachsteuerung auf. Mit dieser kann man sein Telefon bedienen, indem man mit ihm spricht. So kann man jemanden anrufen, eine Kurznachricht schicken oder im Internet suche. Der Zurück-Button bringt den Nutzer einen Schritt zurück, mit einem längeren Druck ruft man die Multitasking-Funktion auf. Dank dieser kann man die eine der fünf Apps nochmals starten, die man zuletzt genutzt hat. Mit dem Such-Button schließlich greift man auf die Suchmaschine Bing zu, um im Internet zu suchen.

Im Oktober 2010 wurden die ersten Smartphones mit Windows Phone vorgestellt. Da Microsoft eine Allianz mit dem finnischen Hersteller Nokia eingegangen ist, werden vor allem die Geräte von Nokia mit Windows Phone ausgestattet. Das Nokia Lumia 800 war im November 2011 das erste Smartphone, das Windows Phone nutzte. Auch sein Nachfolger, das Lumia 900, läuft mit dieser Software. Der Hersteller HTC stattet unter anderem seine Geräte HTC Mozart, HTC Trophy und HTC Pro mit Windows Phone aus, auch Samsungs Focus-Reihe arbeitet mit Microsofts Betriebssystem. Weiterhin nutzen einige Geräte der Hersteller LG, Dell und Acer Windows Phone.

Prouktneuheit Nokia Lumia 920 mit WindowsPhone 8 (Bild: Nokia)

Die Kooperation mit Nokia wird auch mit Windows Phone 8 fortgesetzt, ebenso scheint eine weitere Zusammenarbeit mit Samsung sicher, da der Hersteller im Februar das Erscheinen der neuen Version angekündigt hat. Gerüchten zufolge werden auch Smartphones von HTC mit Windows Phone 8 ausgestattet sein. Mit welchen weiteren Geräteherstellern Microsoft zusammenarbeiten wird, steht leider im Moment noch nicht fest. Windows Phone 8 wird unter anderem die Nutzung von Micro-SD Speicherkarten unterstützen. Außerdem wird Microsofts Videotelefonie-Dienst Skype stark in die Software integriert sein.

Windows Phone bietet vor allem dank seiner Übersichtlichkeit und der Nutzung vieler bekannter und qualitativ hochwertiger Programme und Services eine echte Alternative zu Android-Smartphones und zum iPhone. Es gilt als sicher, dass die Marktanteile von Microsofts mobilem Betriebssystem immer weiter ansteigen werden.

Weiterführende Links zum Thema

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