Test EIZO CG279X – Bildqualität in Perfektion
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Farbraumvergleiche

Vergleich Adobe-RGB Modus mit dem Adobe-RGB-Arbeitsfarbraum

Diagramm: Farbwiedergabe in der Werkseinstellung, Bildmodus „Adobe RGB“
Farbwiedergabe in der Werkseinstellung, Bildmodus „Adobe RGB“

Im Adobe-RGB-Modus wird es noch besser. Auch die Range bei der Graubalance sinkt unter 1 %. Gaubalance und Farbabweichungen sind erstklassig. Für die Farbraumabdeckung von „nur“ 95 % gilt das Gleiche wie oben.

Viel bemerkenswerter ist, wie es den EIZO-Grafikmonitoren gelingt, Farbtemperatur, Gammaverlauf und Farbraum praktisch nahezu unabhängig und äußerst präzise zu verändern. Unsere Messungen zu Farbtemperatur und durchschnittlichem Gamma sind immer noch die gleichen wie im User-Modus. Der Gammaverlauf ist hier aber der Norm entsprechend wieder linear. Auch sonst ist die Farbraum-Transformation auf Adobe RGB sehr präzise gelungen.

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Vergleich DCI-P3-Modus mit dem DCI-P3-Arbeitsfarbraum

Diagramm: Farbwiedergabe in der Werkseinstellung, Bildmodus „DCI-P3“
Farbwiedergabe in der Werkseinstellung, Bildmodus „DCI-P3“

Die Graubalance ist wie gehabt erstklassig. Die Farbabweichungen sehen optisch in der Grafik zumindest bei Rot, Grün und Gelb etwas erhöht aus. Das aber nur, weil die anderen Werte so extrem gut sind. Tatsächlich kommt auch die Maximalabweichung kaum über ein Delta E94 von 1,5 hinaus.

Die hohe Gammavorgabe von 2,6 stellt für den EIZO CG279X auf jeden Fall keine Hürde dar. Auch das ist insofern bemerkenswert, da wir erst kürzlich Hardware-kalibrierbare Monitore anderer Hersteller im Test hatten, die hier grandios scheiterten.

Aufgrund der Farbraumabdeckung von „nur“ 94 % reicht es beim DCI-P3-Modus in der Standardkalibrierung aber nach unserem Wertungsschema diesmal nur für ein „Gut“. Stören muss das niemanden, da man sich problemlos über eine Farbraum-Emulation behelfen kann. Der native Farbraum des CG279X ist auf jeden Fall in der Lage, auch diesen Farbraum nahezu vollständig abzudecken.

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Messungen nach Kalibration und Profilierung

Hardware-Kalibration

Im Gegensatz zu Standardmonitoren bieten professionelle Displays von EIZO die Möglichkeit zur Hardware-Kalibrierung. Die dazu notwendige Software heißt bei EIZO ColorNavigator und gehört generell zum Lieferumfang.

Dabei handelt es sich um ein mächtiges Kalibrierungswerkzeug, das professionellen Ansprüchen gerecht wird und dennoch einfach zu bedienen ist. Hat man die Software-Lösungen anderer Hersteller erlebt, ist der ColorNavigator für sich schon ein ausschlaggebender Grund, zu einem EIZO-Monitor zu greifen.

Bei der Hardware-Kalibrierung werden die Kalibrierungs-Einstellungen via USB-Verbindung direkt im Monitor vorgenommen. Daher enthält das anschießend vermessene Profil auch keine Kalibrierungsdaten mehr, die bei einer Software-Kalibration bei jedem Systemstart in die LUT der Grafikkarte geschrieben werden. Eine Hardware-Kalibration ist somit von Computer und Grafikkarte völlig unabhängig.

Das ermöglicht eine deutlich höhere Präzision bei der Kalibrierung und vermeidet gleichzeitig die unerwünschte Beschneidung von Farbabstufungen. Während bei einer Software-Kalibration die Anzahl möglicher Farbwerte durch die RGB-Anpassung über die RGB-Gain-Regler des OSDs beschnitten wird, bleiben bei einer Hardware-Kalibration die maximal möglichen 256 Farbstufen pro Farbkanal voll erhalten.

Neben den entsprechenden Hardware-Voraussetzungen im Monitor selbst ist dazu auch eine herstellerspezifische Software nötig. Die Software, die mit den Kolorimetern mitgeliefert wird, ist dazu in der Regel nicht in der Lage. Bei einem Grafikmonitor ist das notwendige Zusammenspiel von Hard- und Software also ein ganz wesentliches Qualitätskriterium.

Neuer ColorNavigator: Version 7 vs. Version 6

Zusammen mit dem EIZO CG279X wurde mit Version 7 auch gleich eine neue Hauptversion des ColorNavigator vorgestellt. Für den CG279X ist sie Pflicht. Alle Besitzer von halbwegs aktuellen EIZO-ColorEdge-Monitoren kommen aber auch in den Genuss der neuen Funktionen. Die beiden 27-Zoll-Geschwister (CG2730 und CS2730) werden beispielsweise voll unterstützt.

Wer bereits die Version 6 im Einsatz hat, sollte allerdings das Upgrade mit Bedacht angehen. Nicht, weil man es mit Adobe-Software zu tun hat, wo jedes kleine Update kürzlich behobene Fehler wieder aufs Neue einbaut oder den mühsam erarbeiteten Workflow gleich komplett zum Erliegen bringt. Der ColorNavigator ist ausgesprochen stabil und zuverlässig, was auch für die Version 7 gilt.

Allerdings hat EIZO das Konzept grundlegend geändert, und auch die neue Benutzeroberfläche ist am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig. Daher empfehlen wir Bestandsnutzern, sich vor dem Upgrade zunächst in Ruhe mit den Änderungen auseinanderzusetzen und es nicht mitten im Produktiveinsatz durchzuführen.
Das von Version 6 her gewohnt gute und ausführliche Handbuch stand zum Testzeitpunkt für Version 7 noch nicht zur Verfügung. Für Upgrader gibt es zumindest in Englisch einen kleinen Usage-Guide, der die wichtigsten Änderungen erklärt.

Im Folgenden möchten wir zum einen auf die aus unserer Sicht wichtigsten Änderungen eingehen und zum anderen EIZO-Neulingen einen kurzen Einblick in Funktionsweise und Ablauf geben und zeigen, wieso die Entscheidung für einen Grafikmonitor von EIZO trotz des hohen Preises eigentlich recht einfach ist.

In Version 7 werden zum einen der „normale“ ColorNavigator und der bisher getrennt existierende und eher Netzwerk-orientierte ColorNavigator NX in einer Software zusammengefasst. Noch viel wichtiger ist aber die jetzt geänderte Beziehung zwischen Zielvorgabe und Farbmodus.

Unterschied V6 zu V7: Beziehung zwischen Zielvorgabe und Farbmodus (Screenshot Handbuch EIZO)
Unterschied V6 zu V7: Beziehung zwischen Zielvorgabe und Farbmodus (Screenshot Handbuch EIZO)

Bisher konnten im Cal-Mode zwar beliebig viele Ziele definiert und kalibriert werden, die anderen Farbmodi aber nicht kalibriert werden. Dadurch waren sie eigentlich nur bedingt verwendbar. Anstelle des sRGB- und Adobe-RGB-Modus war es eigentlich besser, sich dafür ein eigenes Kalibrierungsziel zu erstellen, dieses separat zu kalibrieren und dann im Cal-Mode darauf umzuschalten.

Noch deutlicher wird das vielleicht mit folgendem Desktop-Screenshot (EIZO CS2730 mit CN V6):

CN V6: Umschalten am Desktop
CN V6: Umschalten am Desktop

Unter Version 6 steht von den Farbmodi nur der Cal-Modus zur Verfügung. Allerdings mit sämtlichen definierten und kalibrierten Zielen. Per Mausklick kann blitzschnell darauf umgeschaltet werden. Das dazugehörige ICC-Profil wird in der Systemsteuerung automatisch ausgetauscht. Das gilt aber nur für den Cal-Modus und das Umschalten über die Software. Wechselt man im Monitor-OSD den Farbmodus, ist das Profil in der Systemsteuerung falsch. Außerhalb von Farbmanagement-fähigen Anwendungen spielt das keine Rolle – innerhalb aber schon, da dann Anwendungen wie Lightroom und Photoshop von falschen Informationen ausgehen.

10 KOMMENTARE

  1. Für einen selten so präzisen Monitor in puncto „Farbleistung und Homogenität“ zahle ich gerne diesen Preis.
    Gerade als Profi, will ich meinen Kunden im ColorGrading nur verlässliche Filme und Trailer abliefern.
    Eine Tagesgage jenseits von 500€ erlaubt und berechtigt gerade zu nur das beste zu kaufen, da sehe ich neben EIZO wohl nur noch NEC Monitore.

    Klar, für den Anfang langt auch ein „farbtreuer“ Monitor anderer Hersteller, aber irgendwann macht man richtige Jobs mit Grading Panels und entsprechende Software.
    Klickt man nur in Premiere in Colorista rum und regt sich über den Preis hier auf, wird man nicht das Klientel für diese Sparte sein.

  2. Sorry
    Der Anschaffungspreis sollte immer abhängig der absoluten Leistung stehen und in Bezug zur Nutzung in Jahren. Persönlichen Einschätzung haben bei einem objektivem Test nichts zu suchen oder sind explizit als solche zu erwähnen.
    Danke.

    • Natürlich fließen in einen Test auch subjektive Beurteilungen ein. Das machen wir seit 17 Jahren so und werden das sicherlich nicht ändern! Alles ist nicht messbar!

  3. die reaktion von herrn Findeis ist schon seltsam, imho fast schon überheblich!

    „dann wird vielleicht auch dem anonymen Kommentarschreiber noch ein Licht aufgehen.“
    wäre der kommentar von „L.H.“ besser, wenn ein name dabei stände?
    scheinbar denkt herr Findeis so, was ich aber nicht nachvollziehen kann.
    der kommentar is doch berechtigt, nüchternere einschätzungen ohne werbetexte wären m.m.n. begrüßenswert! da brauch sich keiner auf den schlips getreten fühlen, oder?
    wo soll den dem scheinbar unterbelichteten kommentar-schreiberIn ein licht aufgehen?

    btw: vielleich ist das im test unglücklich formululiert, aber wenn man (wie der artikelautor) den preis ignoriert kann man keine preis-leistungs-einschätzung machen. das sehe ich genauso wie „L.H.“, oder liege ich da falsch?

    zum monitor: interessant+bestimmt toll, aber außerhalb von meinem bedarf (nicht nur preislich). danke für den test!

    • Es steht dort „vermeintlich hohen Anschaffungspreis“. Das vermeintlich soll zum Ausdruck bringen, dass der Monitor zwar teuer ist, aber der Preis aufgrund der gezeigten Leistung absolut gerechtfertigt ist. Auch ein Redakteur gerät mal ins Schwärmen, wenn der Monitor so restlos überzeugt.

  4. Leider vergessen viele, dass ein Preis-/Leistungsverhältnis eben zwei Seiten hat. Allzu oft wird zuallererst nur auf den Preis geschaut. Geht der über das hinaus, was man im Kopf als „richtig und vernünftig“ empfindet, fällt das Gerät schon durch das Raster. Unterschiede auf der Leistungsseite sind auch nicht immer sofort transparent und werden durch das Marketing der Hersteller nur allzu gerne verschleiert.

    Wir schreiben unsere Tests ferner nicht nur für Leser, die gerne stundenlang nüchterne Zahlenkolonnen miteinander vergleichen oder ihren Monitor sowieso von der Firma bezahlt bekommen.

    Wer als Selbständiger sein Budget genau im Auge haben muss, für den ist die Frage nach dem Preis-/Leistungsverhältnis schon mehr als berechtigt. Wieso sollte man für einen Monitor knapp 2.000 EUR ausgeben, wenn man einen 27-Zoll-WQHD-Monitor auch für 450 EUR kaufen kann? Oder zumindest für knapp 1.000 EUR in Verbindung mit den Schlagworten: Grafikmonitor, Hardware-Kalibrierung, erweiterter Farbraum und 3D-LUT? Bei einem Anschaffungspreis von 1.000 EUR und mehr lohnt es sich, sich erst einmal mit den Unterschieden auf der Leistungsseite auseinanderzusetzen. Und darauf geben unsere Tests mehr als ausführlich Antwort. Hardware-Kalibration ist eben nicht gleich Hardware-Kalibration und 1.000 EUR mit Minimal-Garantie können richtig teuer sein, wenn das Gerät nicht hält, was es verspricht.

    Schaut man also über den Anschaffungspreis des EIZO CG279X von knapp 2.000 EUR erst mal hinweg, dann wird vielleicht auch dem anonymen Kommentarschreiber noch ein Licht aufgehen.

    Wir haben schon seit geraumer Zeit mit zunehmender Tendenz Konsumer-Monitore im Test, die einerseits in immer schwindelerregende Preisregionen aufstrebenden und andererseits eine teils schwer erträgliche Diskrepanz zwischen Marketing-Aussagen und Realität bei uns im Testlabor zeigen. Das kritisieren wir auch regelmäßig in den entsprechenden Test-Berichten.

    Das eher zurückhaltende Marketing von EIZO ist da schon alleine eine Wohltat. Schaut man auf die Leistung des EIZO CG279X kann man sich auch als Redakteur einer gewissen Begeisterung nicht erwehren. Wer unsere Tests tatsächlich liest, der weiß auch, dass wir derart uneingeschränkte PRAD-Empfehlungen höchst selten aussprechen.

  5. „Schaut man über den vermeintlich hohen Anschaffungspreis hinweg auf die Leistung, ist das Preis-Leistungs-Verhältnis bei allen drei Modellen kaum zu schlagen.“

    Entschuldigung? Was soll mir dieser Satz sagen? Schaut über den Preis hinweg und betrachtet die absolute, sehr gute Leistung, ist auch die P/L herausragend?!?
    Bitte weniger von diesen Werbesätzen. Allgemein muss ich feststellen, dass ich die sachliche Seriösität und fachliche Distanziert in vielen Artikeln der prad der letzten Jahre zunehmend vermisse.
    Viele grüße

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