Eizo S2100: Streifen im Verlauf

  • Hallo,
    gestern kam mein neuer Eizo S2100 und ich bin echt geschockt. Wenn ich einen Grauverlauf über den Bildschirm aufziehe, habe ich in der dunkleren Hälfte lauter sichtbare Abstufungen. Da dies mein erster TFT-Bildschirm ist, kann ich gar nicht beurteilen, ob das einfach nicht besser geht oder ob ich das Teil zurückschicken soll.
    Auf alle Fälle hatte ich für 750.- EUR und mit 10 Bit LUT so etwas nicht erwartet. Immerhin wird der Monitor hier in der Kaufempfehlung für Grafiker empfohlen.
    Habe ich vielleicht nur ein Montagsmodell erwischt?


    Gruß
    Rainer

  • MrPink


    Hatte ich leider nicht gefunden den Beitrag. Danke.


    Das ist genau das Problem. Nur, was mach ich jetzt? Ich habe ja kein Eizo CG Gerät. Kann ich die Gammakurve auch verändern? Wenn ja, wie? Die ColorNavigator Kalibrierungs-Software liegt bei mir nicht bei und würde wahrscheinlich auf meinem Mac eh nicht laufen.
    Aber immerhin habe ich jetzt die Hoffnung, dass es über eine andere Einstellung lösbar ist.


    Gruß
    Rainer

  • Als erstes solltest Du den Grauverlauf nicht über die volle Fläche beurteilen, 1600 Pixel lassen sich nämlich nicht sauber durch 256 Graustufen teilen. Nimm 1536 oder 1280 Pixel breite Grauverläufe.


    Dann bedenke, dass tatsächlich nur 256 Graustufen aus Deiner Grafikkarte heraus kommen! Die Übergänge sind also tatsächlich so vorhanden, Dein CRT hat sie nur in Unschärfe und Dunkelheit verschluckt.


    Zu guter Letzt musst Du wissen, dass verschiedene Gamma-Einstellungen verschiedene Bereiche des Grauverlaufs hervorheben. Wenn Dir die dunklen Grautöne zu stufig (grob aufgelöst) sind, dann versuche einen anderen Gammawert per OSD-Menü einzustellen. Der S2100 erlaubt Werte von 1,8 bis 2,6. Dank 10 Bit LUT verlierst Du dabei keine Farben, kannst also nach Gusto daran drehen. Allerdings arbeitet sRGB (Internet, HDTV, Windows im Allgemeinen) mit einem Gammawert von ca. 2,2. Wenn Du den Gammawert also stark änderst, ist die Darstellung nicht mehr "korrekt". Ich empfehle bei Gamma 2,2 oder sogar 2,0 zu bleiben, und erstmal eine Weile real mit dem Monitor zu arbeiten.


    Danach kannst Du immer noch über den Sinn von ganzflächigen Grauverläufen in der Praxis nachdenken, oder Dir besser einen günstigeren Monitor kaufen! ;)

  • Ja, das mit den 256 Abstufungen der Grafikkarte verstehe ich.


    Natürlich ist es nicht unbedingt praxisnah einen Grauverlauf über den ganzen Monitor aufzuziehen. In Layouts kommt es ab und zu vor, dass ich einen Verlauf über eine A4 oder A3 Seite anlege. Aber die Fälle sind begrenzt.


    Hauptsächlich ging es mir darum, festzustellen, ob das so in Ordnung oder ein Fehler ist. Ich kenne bis jetzt nur CRT und da ist mir das nie so aufgefallen (in der Unschärfe und der Dunkelheit, wie Du so richtig geschrieben hast).


    Aber so ganz verstehe ich die Zusammenhänge noch nicht.
    Bedeutet das, dass es praktisch für keinen TFT-Monitor möglich ist, solche Verläufe sauber darzustellen (denn es bekommen ja alle nur 256 Abstufungen aus der Grafikkarte).


    Wenn das so ist, was bedeuten dann solche Aussagen in den Tests, wie:
    Feinste Farb- und Grauverläufe werden sauber dargestellt. Oder, ...perfekter Grauverlauf..
    Oder folgendes aus dem Test des Eizo S1931: ...sind die nicht ganz präzisen Übergänge sichtbar...Dies dürfte bei einem TFT mit 10 Bit LUT eigentlich nicht der Fall sein.


    Ich verstehe das so, dass es wohl möglich ist Grau- und Farbverläufe ohne Stufen hinzubekommen. Vor allem mit 10 Bit LUT.
    Sehe ich das richtig?

  • Quote

    Original von SaphodWenn das so ist, was bedeuten dann solche Aussagen in den Tests, wie:
    Feinste Farb- und Grauverläufe werden sauber dargestellt. Oder, ...perfekter Grauverlauf..
    Oder folgendes aus dem Test des Eizo S1931: ...sind die nicht ganz präzisen Übergänge sichtbar...Dies dürfte bei einem TFT mit 10 Bit LUT eigentlich nicht der Fall sein.


    Man muss zwischen fließenden Farb- und Grauverläufen und "sauberen" Abstufungen unterscheiden. Oftmals sind Grauverläufe farbstichig, so dass einzelne Abstufungen stark hervortreten (z.B. durch einen Rotstich). Zudem kommt jeder Monitor mit einer anderen nativen Gammakurve daher, und die hat einen starken Einfluss auf die Verläufe.


    Über das Thema wurden ganze Bücher geschrieben, deshalb kann ich nur grob antworten.


    Quote

    Ich verstehe das so, dass es wohl möglich ist Grau- und Farbverläufe ohne Stufen hinzubekommen. Vor allem mit 10 Bit LUT.
    Sehe ich das richtig?


    Jein! Grauverläufe sind immer an einer Stelle stärker "komprimiert" als an den anderen, das liegt am gewählten Gammawert. Da nur 256 Abstufungen vorhanden sind, und das menschliche Auge die Abstufungen im hellen Bereich weniger gut unterscheiden kann, werden sie im dunklen Bereich immer stärker auffallen. Allerdings hängt von der Gammakurve ab, wieviele Abstufungen für den dunklen und mittlerem Bereich genutzt werden. Ein kleinerer Gammawert nutzt in der Regel mehr Abstufungen im dunklen Bereich (sofern er auf Hardwareebene und nicht durch Softwarekalibrierung zustande gekommen ist), wirkt dafür aber insgesamt heller. Viele Monitore stellen den dunklen Graubereich im Vergleich zu sRGB etwas zu dunkel dar, da sie eine normale Gammakurve nutzen (ca. 2,2), sRGB die dunklen Grautöne aber etwas anhebt, während der Restverlauf sich danach stark an Gamma 2,2 angleicht.


    Welche Gammakurve jetzt dem menschlichen Empfinden eines gleichmäßigen Verlaufs am nächsten kommt, darüber streiten sich die Geister und vor allem Farbexperten. Das wichtigste an der ganzen Gamma-Geschichte ist, dass der mittlere Grauton (RGB 128 ) möglichst halb so hell erscheinen soll, wie das hellste Weiß, dazwischen ist alles möglich. Ein Monitor muss in erster Linie sRGB darstellen können, und dessen Grauverlauf ist nicht ganz fließend, sondern so gewählt wie Monitore im Schnitt in der Lage sind es darzustellen (kleinster gemeinsamer Nenner)! Wenn also ein Monitor die Graustufen sehr "schön" fließend darstellt, dann ist das noch lange nicht korrekt, sondern kann arg daneben liegen. Sieht dann zwar im Grauverlauf toll aus, stellt Fotos/Bilder im Internet und Filme aber falsch dar. Zudem funktionieren nicht nur die Augen verschiedener Betrachter anders, sonder das ganze hängt noch von der gewählten Helligkeit und dem Umgebungslicht ab. Je dunkler der Raum umso besser kannst Du dunkle Stufen unterscheiden, im gleißenden Licht bleibt nicht viel, da Deine Augen sich auf die höhere Helligkeit umstellen.


    Nutze zum Testen Deiner Farbverläufe mal folgendes Tool und stelle dort als Auflösung 1280 x 1024 oder benutzerdefiniert 1536 x 1200 ein, wähle den Punkt Graustufen/Farbbrillianz.


    Übrigens noch ein Grund, warum die Verläufe am CRT besser aussehen ist, dass man dort kleine Auflösungen nutzt. Schau ihn Dir mal bei 1024 Breite an, da sind die einzelnen Stufen nur noch 4 Pixel breit, während sie bei 1600 6,25 Pixel breit sind (was natürlich nicht aufgeht, deshalb wird's nochmal unschöner).