LG UltraWide 34UM95 (User Test)

  • mini-Review des LG 34UM95 Monitors


    Ich werde mich auf die Dinge konzentrieren, die mir wichtig sind oder aus meiner Sicht von den PRAD Reviews abweichen. Ich habe den Monitor letzte Woche zusammen mit einem X-Rite i1 Display Pro gekauft. Die Einsatzbereiche sind Office-Anwendungen / Programmierung, Bildbearbeitung, Gaming und Filme schauen. Mein voriger Monitor war ein Dell U2711 und davor ein NEC 20WGX.


    Lieferumfang
    Zum Lieferumfang ist nicht viel zu sagen, außer dass ein passendes USB 3.0 Kabel fehlt sowie ein mini-DisplayPort auf DisplayPort Kabel, welches die allermeisten Grafikkarten erfordern oder zumindest einen Adapter. In der Preisklasse würde ich das erwarten.


    Äußeres
    Durch das wenig tiefe Gehäuse und dem schmalen Bildrahmen wirkt der Monitor trotz beeindruckender Displayfläche erstaunlich schlank und elegant. Die größten Design-Mankos sind der verchromte Außenrahmen und die Leiste unter dem Bild in hochglanz-Schwarz, welche aus allen Blinkwinkeln Glanzlichter bzw. Reflektionen erzeugen. Eine matte Ausführung wäre sicherlich die ergonomischere, wenn auch weniger marketingtaugliche Wahl gewesen.


    Die Verbindung von Monitor zur Basis wirkt nicht allzu robust und wippt auffällig. Eine Höhenverstellung wird (bis auf 2 Stellungen beim Anschrauben der Basis) vermisst. Ich musste den Monitor um 5cm aufsockeln, weil er mir sonst zu tief steht. Ebenfalls muss man auf die Möglichkeit der Drehung verzichten. Die griffigen Gummifüße unter der Basis sind zwar sinnvoll, erschweren aber auch das gewollte Verdrehen des Monitors auf dem Tisch.


    Ich überlege mir momentan die Anschaffung einer VESA-Halterung um die genannten Probleme zu umgehen.


    Menu
    Die Menuführung ist übersichtlich gestaltet. Leider braucht man recht viele Clicks um zu oft gebrauchten Einstellungen wie Helligkeit zu gelangen. Auch könnte die Reaktion auf Clicks etwas flotter sein.


    Display
    Das Display bietet einen auf Anhieb sehr guten subjektiven Eindruck, kontrastreich und differenziert. Der Platz ist großartig und Filme in Cinemascope kommen richtig zur Geltung.


    Die Entspiegelung würde ich als seidig bezeichnen und ruft kein Glitzern hervor. In diesem Punkt gefällt mir der Monitor viel besser als der U2711, der so stark geglitzert hat, dass es schwer viel zu sagen, ob ein Foto Farbrauschen hatte oder ob es der Monitor war.


    Das Reaktionsverhalten erscheint mir sehr gut. Auch schnelle Schwenks in Ego-Shootern stellen kein Problem dar. Overdrive Überschwinger sind nur auf der Stufe „high“ deutlich zu erkennen, schon auf „medium“ sind sie so gut wie weg.


    Mir sind bisher keine Ungleichmäßigkeiten bei der Helligkeitsverteilung aufgefallen, ebenso haben mich noch keine Lichthöfe im Dunkeln gestört.


    Der Regelbereich für Helligkeit fällt nicht üppig aus, für Arbeit in vollkommen abgedunkelten Räumen müsste er weiter runter reichen.


    Farben und Grauachse
    Ohne Kalibrierung wirkt der natürliche Weißpunkt des Monitors etwas zu kühl. Dies kann man im Custom Modus kompensieren, indem man die Blau- und Grünkanäle etwas herunterregelt. Allerdings sehen weiterhin einige Farbbereiche wie etwa Gelb und Grün nicht ganz natürlich aus.


    Und nun zum größten Problem: In den Schatten kommt es zum Absaufen. Es gibt zwar eine Einstellung für den Schwarzpunkt, aber auch auf „high“ sind die untersten Graustufen gecrusht. Dies ist in Filmen, Spielen, Fotos oder Testbildern deutlich zu erkennen. Die Kontrast- und Helligkeitseinstellungen haben kaum einen Einfluss darauf. Das Gamma-Setting auf Option 3 zu stellen bringt die Schatten zum Vorschein, allerdings ist dann der Rest vom Bild zu hell und ausgeblichen. Dass keine der drei Gamma-Optionen das gewünschte 2.2er Gamma trifft ist mit diesem Hintergrund dann auch nebensächlich. Einen wirklichen Ausweg bringt nur die Kalibrierung! Eventuell kann man auch tricksen, indem man im Grafikkartentreiber den Schwarzpunkt anhebt, aber das habe ich nicht versucht.


    Was mir ebenfalls zunächst als ein Manko aufgefallen ist, ist ein leichtes, gleichmäßiges Banding in Verläufen, welches in allen Kombinationen gleichermaßen sichtbar ist (mit und ohne Hardwarekalibrierung, Farbprofil, DisplayPort 1.2 Modus, sowohl in nicht-gemanagten Anwendungen als auch Farb-Managten). Ich habe dann aber die Anzahl an Bands gezählt und überschlagen, was auf ca. 256 Bands bringt. Die Erklärung hierfür ist, dass die Grenzen von 8 Bit pro Kanal durch den großen Kontrastumfang des Displays aufgedeckt werden. Das erscheint mir schlüssig und trotzdem erstaunlich.
    Eine Lösung würden vermutlich erst 10 Bit pro Farbkanal bieten, welche aber Workstation-Grafikkarten und entsprechende Treiber erfordern würden. Das ebenfalls notwendige DisplayPort 1.2 unterstützt der Monitor ja.


    Kalibrierung
    Über die mitgelieferte Software True Color Finder lässt sich zusammen mit einer Kolorimeter-Messsonde der Monitor hardwaremäßig kalibrieren und profilieren. Die Software ist auf das Allerwesentlichste beschränkt (Einstellung von Target-Helligkeit, Farbtemperatur und Gamma) und ist somit DAU-geeignet.


    Bei der Kalibrierung werden die notwendigen Korrekturparameter direkt im Monitor gespeichert, parallel dazu wird ein ICC Profil erzeugt und dem Monitor zugewiesen.


    Durch die Kalibrierung wird der Monitor in einen Modus versetzt, in dem alle Bildeinstellungen blockiert sind. Das ist zwar konsequent, allerdings kann man nicht mehr einfach die Helligkeit einstellen. Dazu muss man entweder die Kalibrierung deaktivieren oder die Kalibrierung mit anderem Helligkeits-Target nochmals durchführen, denn leider lassen sich die ermittelten Monitorparameter in der Software nicht speichern und laden.


    Nach der Kalibrierung mit der i1 Display Pro Sonde sind die zuvor beschriebenen Probleme mit den gecrushten Schatten in farbgemanagten Programmen gänzlich behoben und die Farben wirken durchgängig „gesund“. In nicht-gemanagten Programmen sind die Schatten zwar nicht mehr gecrusht, aber immer noch etwas zu dunkel.


    Fazit
    Ein toller Monitor mit kleineren Mängeln und einem Patzer bei der Grauachse. Wegen letzterem kann ich den Monitor nur mit Kalibrierung uneingeschränkt empfehlen. Ob es sich dabei um Serienstreuung handelt vermag ich nicht zu beurteilen.