HP L1925 (Prad.de User)

  • Bevor ich das Display zu meinen Eltern verfrachte, hier ein kurzer Testbericht, um mich endlich auch mal für den Gewinn durch dieses Forum revanchieren zu können.
    Der Monitor ist zwar keine Novität mehr und wurde hier ja auch schon hinreichend oft getestet, allerdings hoffe ich, dass dieser Bericht durch meine anders gewichteten Schwerpunkte dennoch dem einen oder anderen nützlich ist.



    [vorweg]
    Das Display ist gebraucht erworben, Herstellungsdatum laug Rückseite: 03.11.2003. Es kam leider ohne Kabel, Handbücher & Software und hatte merkwürdiger Weise oben links noch den Pivot-Aufkleber, der die Panel-Ecke überlappte. So richtig viel in Benutzung kann es also wohl nicht gewesen sein.



    [Kaufentscheidung]
    Der 17"-CRT meiner Eltern war altersschwach geworden, deshalb musste was neues her, warum also nicht gleich ein TFT. Da die beiden selbst auch nicht mehr die jüngsten sind, votete ich für ein 18" oder 19", das aber dennoch nicht zu teuer werden durfte. Weitere Anforderungen waren: helle Front, ruhiges Bild, analog & DVI (das Display wird an einen Scenic X100 angeschlossen, der noch nicht über DVI verfügt, über eine PCI-Karte aber damit ausgerüstet werden kann und dies auch bald wird). Wichtig war ausserdem, dass das Display weit nach unten zu stellen geht, da es in einem Computerschrank ohnehin schon recht hoch stehen würde.


    Letzteres entpuppte sich bald als k.o.-Kriterium für viele überhaupt nicht höhenverstellbare Displays, Displays mit Lautsprechern (da diese bei der Mehrzahl der Modelle in einem breiten Rand an der Panel-Unterseite verbaut sind), und Displays, deren Höhenverstellung zu unflexibel war, wie dem Fujitsu 19-1A.



    [18" oder 19"]
    Dies war vorwiegend eine Preisfrage. Da die Auflösung dieselbe ist, ist grösser eigentlich nur besser. Ausserdem hatte ich ein bischen gerechnet:
    Unter Berücksichtigung des Umstands, dass ein 17"-CRT ca. 15"-16" sichtbares Bild hat, ergeben sich folgende Vergleichs-DPI-Werte (horizontal):


    17" - CRT, 1024x768: 80-85 DPI
    17" - TFT, 1280x1024: 96 DPI
    18" - TFT, 1280x1024: 91 DPI
    19" - TFT, 1280x1024: 86 DPI


    Ergo käme ein 19"er der Pixelgrösse, die sie bisher hatten am nähesten und wäre wohl auch das beste. Dazu kommt, dass 18"-TFTs preislich nicht wirklich mittig zwischen 17"ern und 19"ern liegen, sondern eher zu den 19"ern hin.


    Dennoch ersteigerte ich zuerst ein IBM L180p, der Verkäufer meldete sich jedoch nicht, zumindest nicht rechtzeitig. Also wieder gesucht und den HP L1925 recht günstig bekommen (ca. 450 eur).



    [Design]
    Ziemlich gelungen. Der schmale silberne Rahmen (1,8mm, unten 2,0mm) mit seinen leicht abgerundeten Kanten und Ecken wirkt sanft, schlicht und dezent. Er verhilft dem Display ausserdem zum TCO'03-Zertifikat. Ein kleines HP-Logo oben mittig, sowie die winzige Modellbezeichnung unten mittig, fünf ovale Tasten und eine ovale grün/rote LED fügen sich ebenfalls wenig aufdringlich in die Frontansicht ein.
    Ansonsten ist das Display schwarz und bis auf die unverkleidete VESA-Aufhängung kann es sich auch von hinten sehen lassen.
    Einzig der breite Fuss (Latsch!) auf dem das Display steht, bricht die sonstige Dezenz.


    Ein Anzeichen für gute Verarbeitung: der schmale Rahmen ist überall gerade und liegt, getrennt durch ein dünnes Polster, überall an der Panel-Fläche an.Bei anderen Herstellern, namentlich vor allem Samsung, findet man oft z.B. nach aussen oder unten gewölbte Rahmen an der Display-Unterseite. (Selbst beim 2180UX ist dies geringfügig der Fall.)



    [Ergonomie]
    So wuchtig der Fuss wirkt, so gut erfüllt er aber super seinen Zweck: das Display steht super stabil und muss schon über 25° nach vorn oder hinten gekippt werden (was beim Anrempeln kaum passieren dürfte), um umzufallen. Vier Gummi-Plättchen sorgen ausserdem für Rutschfestigkeit.
    In Kombination mit diesem schweren standsicheren Fuss bietet die leichtgängige Mechanik des Ständers ein Handling des Displays, das selbst das meines (hier und da etwas schwergängigen) 2180UX übertrifft.
    Buchstäblich mit dem kleinen Finger der linken Hand kann man das Panel nach links und rechts drehen und höhenverstellen (und bleibt dann trotzdem stabil, auch beim Anstossen und Wackeln). Das Neigen ist ein wenig schwergängiger, so dass man dabei leicht eine Höhenverstellung verursacht, wenn man nicht die zweite Hand zuhilfe nimmt.
    Positiv straff sind auch die Einrastpunkte der Pivot-Funktion, hier hört man das Einschnappen des kleinen Metallnippels wirklich recht laut, wie anderswo beschrieben. Klingt etwas billig, funktioniert aber umso präziser und macht vom Handling und optisch (man sieht wie gesagt die Mechanik des Gelenks) auch einen unverwüstlichen Eindruck.
    Etwas unschön hierbei ist, dass die Display-Ecke beim Drehen auf dem Fuss kratzt, sobald das Display tiefer als 13cm eingestellt ist.
    Die Höhenverstellung ist übrigens stufenlos von 6cm bis zur Unterkante (8cm zum Panel) bis zu beeindruckenden 17cm (19cm zum Panel). Diese Werte gelten allerdings nur bei genau vertikal ausgerichtetem Panel. Kippt man das ganze etwas nach hinten (wie bei tieferen Positionen meistens der Fall) so hebt sich der Minimalwert schnell um 2cm. Dies hat mich etwas enttäuscht, wird aber bei anderen Panels kaum anders sein, man sollte es einfach beim Lesen solcher Angaben bedenken. (Hier begeistert übrigens das 2180UX, dessen Unterkante sich auf 3,5cm (Panel bei 5cm) herunterbringen lässt.)
    Der seitliche Drehwinkel beträgt nach grober Schätzung ca. 45° in beide Richtungen und ist ebenfalls stufenlos einstellbar.



    [Schnittstellen, Kabelmanagement]
    In einer Aussparung der geschwungenen Display-Rückseite findet man nach unten zeigende Power-, VGA- und DVI-I Buchsen. Da Netzteil ist intern und ermöglicht damit die Verwendung eines Standard-Kaltgeräte-Kabels. Dank der enormen Höhenverstellbarkeit kann man die Kabel sogar recht gut managen, wenn der Zugang zur Display-Rückseite versperrt ist.
    Das Kabelmanagement ist ziemlich zweifelhaft. In der hinteren Fussunterseite sind dafür Aussparungen als Kabelkanäle eingelassen. Dies ist weder besonders hübsch, da die Kabel so trotzdem einfach hinter dem Panel herunterhängen, noch sonderlich praktisch, da sie beim Verwenden der Pivot-Funktion manuell nachgezogen werden müssen. Hier hätte man sich wirklich etwas besseres einfallen lassen können.



    [Bedienung/Menüsteuerung]
    Wenn man sich das L1925 so anschaut, und seine Menüsteuerung, die mit den insgesamt 5 Tasten prima auskommt, fragt man sich, warum mein 2180UX gleich 9 davon hat.
    Ein Standby-Taster dient zum An- und Ausschalten, wie man sich das so denkt.
    Zwei weitere Tasten repräsentieren die zwei Eingänge und lassen zwischen ihnen umschalten, währen sie bei aktiviertem Bildschirm-Menü zur Navigation dienen.
    Dann findet man noch eine Auto-Konfigurations-Taste, die im Menümodus als Set- bzw. Enter-Taste dient, und eine Menü-Taste.


    Soweit so gut, doch die Verwirrung beginnt mit dem Aufrufen des Menüs. Da sich Helligkeit und Kontrast ohne Menüaufruf nicht verstellen lassen, hat HP sie zumindest gleich an die oberste Position gepackt. Darunter findet sich dann nur noch ein Punkt zum Aufrufen des erweiterten Menüs. Dummerweise präsentiert sich danach bei jedem erneuten Menüaufruf das erweiterte Menü, solange, bis man den Modus in einem entsprechenden Untermenü wieder deaktiviert.
    Das ganze ist übrigens umrahmt von einem etwas hässlichen pseudo-3D-metallic-look-Rahmen. (Wenn im Firmware-Chip nicht genug Speicher für Vollfarb-Bilder ist, dann sollte man solchen Schnickschnack lieber ganz sein lassen.)
    Verwirrend ist die Navigation. Durch die vertikale Liste steuert man mit den rechts-links-Tasten. Das wäre völlig legitim, wenn nicht die rechts-Taste die Auswahl nach oben und die linke nach unten verschieben würden. Das ist konterintuitiv und bedarf Gewöhnung. Der Gedanke, dass dies wegen der Steuerung im Pivot-Modus so gewählt sein mag, entpuppte sich auch als falsch, denn das OSD-Menü lässt sich ohnehin nicht drehen (bedienungsmässig ein echter Minuspunkt).
    Ansonsten ist der Funktionsumfang der Einstellungen aber ausreichend. Einstellungen für die horizontale und vertikale Bildgrösse fehlen, Einstellungen für die Bildlage sind jedoch da. (Diese Einstellungen wurden bei mir aber an keinem der zwei Testrechner benötigt, auch nicht im Analogen Modus.)
    Auch Farbwerte lassen sich relativ frei regeln, wobei insgesamt auffällt, das viele Funktionen nicht sehr viele Einstellungsstufen haben.
    Ein letztes Bedienungsmanko ist das Verlassen des Menüs. Das ist nur per Timeout oder durch Zurückhangeln durch die Menü-Hierarchie zum Hauptmenü und dort das Anwählen des "Verlassen"-Punktes möglich. Warum man dies nicht einfach durch erneuten Druck auf die Menü-Taste ermöglicht hat, ist unklar.



    [Bildeigenschaften]
    Hierzu gibt es eigentlich nicht viel zu sagen, was als Kompliment zu werten ist. Das Bild ist stabil, klar, scharf, gleichmässig und gut. Die Display-Fläche wird gut ausgenutzt (ca. 1mm rundrum bis zum Rahmen). Auch Farben kommen ordentlich und realistisch.
    Etwas verwirrt war ich zunächst wegen der geringen Helligkeit im Vergleich zum 2180UX. Ich musste das HP auf 100% Helligkeit und 75% Kontrast stellen, um bei Tageslichteinstrahlung ein angenehmes Helligkeitsempfinden zu haben. Dabei erreichte es immernoch nicht die Helligkeit meines mit 50%/50% eingestellten NEC. Es war dann aber doch schon sichtbar heller als mein Notebook-Display und ich hab mir inzwischen auch bestätigen lassen, dass dies eher als Plus des NEC denn als Minus des HP zu werten ist (es mag auch sein, dass das HP-Display schon geringfügig verblasst ist, es ist ja nicht ganz neu).
    Die Ausleuchtung ist dennoch ebenfalls sehr gleichmässig und so sehr mich die geringe Einstellweite der Helligkeitsregelung enttäuschte, so sehr beeindruckt war ich vom Einstellverhalten des Kontrasts. Von anderen Displays kenne ich es, dass bei Erhöhung des Kontrasts Farbinformationen besonders in helleren Bereichen schnell verloren gehen. Nicht so beim HP, hier sind die Farben auch bei 75% noch sehr gleichmässig differenziert (und nicht helle Töne schon einfach weiss).
    Auch der Einblickwinkel ist horizontal wie vertikal ordentlich (wenn er auch nicht an den NEC herankommt), ich würde sagen in etwa bis 170° ohne auffällige Kontrastverluste, geht man darüber hinaus, sieht man es dann geringfügig.



    [Analog-Betrieb]
    Das Display funktoniert auch am analogen Anschluss tadellos. Ein Knopf auf den Auto-Setup-Knopf stellt das Bild in zwei bis drei Sekunden ein, leider nicht ganz perfekt. Es empfielt sich, ein feines Moire-Muster (Schachbrett-Muster, jeder zweite Pixel weiss) anzuzeigen (das Nokia-Monitortest-Programm bietet sehr schöne Moire-Muster, der Standard-Hintergrund des X-Servers unter Linux ist auch prima), und die Phasen-Einstellung zu korrigieren (bei mir ein wenig nach oben hin).
    Dann erreicht man ein wirklich fast flimmerfreies und fast scharfes Bild. Mein altes NEC 1510V schaffte das zuletzt nicht mehr (Grafikkarten-abhängig), und beim Samsung 193T einer Freundin erschöpften sich die (begrenzten) Bemühungen letztlich darin, dass das Flimmern auf einen schmalen Streifen am linken Bildrand begrenzt werden konnte.
    (Das ist ein relativ normaler Effekt beim Betreiben eines TFTs am analogen Eingang, ebenso wie leichte Schatten/Unschärfen. Manchmal kann man durch Ändern der Bildlage grafikkartenseitig und dann Neu-Kalibrieren des Displays noch was machen, aber die Möglichkeiten sind begrenzt. Auch sieht man das Flimmern in der Regel nur bei Moire-Mustern, im normalen Betrieb wird es meist nicht bewusst wahrgenommen.)
    Ich war jedenfalls beeindruckt, wie gut das ganze beim L1925 doch ohne tiefergehende Bemühungen aussieht.



    [Spieletauglichkeit etc.]
    Hierzu möchte ich garnicht erst den Versuch machen, mich zu äussern.
    Da sowohl ich, als auch meine Eltern keine oder sonstige Action-Spieler sind, ist uns das ziemlich wurst. Auch lege ich eher Wert auf ein wirklich gutes Bild als Schlierenarmut. Ich hab insgesamt recht wenig Verständnis für den Anti-Schlieren-Hype, genausowenig wie für den Anti-Pixelfehler-Hype, da viele Displays für meinen Geschmack immernoch ganz andere Probleme haben (Farbdarstellung, Einblickwinkel, Geräuschentwicklung, Analogbetrieb etc.).
    Da es sich um ein PVA-Panel handelt, ist hier auch kein Wunder zu erwarten. Das Verhalten beim Scrolling oder die Schlieren des Mauszeigers finde ich akzeptabel. Was mir auffällt, ist dass er mehr schliert als ghostet, was die Maus betrifft.



    [Fazit]
    Ein 19"er, der seinem Ruf als ehemals einer der besten am Markt gerecht wird.
    Leise Kritikpunke sind lediglich der Helligkeit, die kleinen Mankos bei der Menüsteuerung und die quasi nicht vorhandene Kabelführung.



    André.

  • Hi awy.
    Sehr interessanter Test, hat Spaß gemacht zu lesen.
    Könntest du evtl. noch ein Bild nachreichen? Ich bin da etwas neugierig. ;)
    Danke!

  • Danke auch. ;-)


    Das Tageslicht ist leider schon weg, ich mach morgen ein paar Bilder und stell sie irgendwo ins WEB.


    Gruss,
    André.

  • Thx.
    Sieht ja gar nicht so schlecht designt aus, bis auf die "Kabelführung".
    Die ist ja mal mehr als inakzeptabel, aber ansonsten ein durchaus schönes Gerät.
    Mögen deine Eltern viel Spaß damit haben. :]

  • Sehr schöne Bilder. Vor allem der 2180UX gefällt mir ;)

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