22'' oder 24" TFT - für sehbehinderte Menschen

  • Hallo,


    ich in auf der Suche nach einem möglichst großen und möglichst preiswerten Flachbildschirm für einen sehbehinderten Menschen. Das Problem hierbei ist die für TFTs empfohlene native Auflösung, die dazu führt, dass man zwar mehr auf einem großen Bildschirm darstellen kann, die Schrift / Icons an sich aber nicht größer dargestellt werden. Gesucht wird also ein TFT, der eine so gute Interpolation bietet, dass man problemlos auch eine kleinere Auflösung als die native auswählen kann.
    Desweiteren soll der TFT zusammen mit einem Bildschirmlesegerät (eine Kamera, die an den Monitor angeschlossen wird und mit der z.B. ein auf dem Tisch liegender Brief / Buch vergrößert auf dem Monitor dargestellt werden kann) betrieben werden können. Da die Briefe und Objekte beim Lesen bewegt werden müssen, hat man hier oft mit einem Nachzieheffekt oder Schlierenbildung zu kämpfen. Der Monitor sollte also auch eine gute Reaktionszeit aufweisen und nicht zu Schlierenbildung neigen.


    Kann mir jemand bei dieser doch vermutlich in diesem Forum eher ungewöhnlichen Fragestellung weiter helfen?



    Mit freundlichen Grüßen, Beryl

  • Ich finde, die Darstellung bei einem 24er bei einer Auflösung von 1920x1200 finde ich schon recht klein. Sowohl die Schriftgrösse als auch die Icons seind wirklich eher klein.


    Vielleicht solltest du den 27er von Dell in Betracht ziehen!
    Der ist nicht viel teurer (615 Euro), aber Schrift und Symbole werden auf den 7,5cm mehr Diagnoale deutlich grösser dargestellt. Auflösung ist bei beiden Grössen gleich.

  • Quote

    Original von Denim


    Wer hat dir denn das Märchen erzählt? Ich habe einen relativ alten und „lahmen“ Monitor, aber es gelingt mir nicht, durch bewegen eines Fensters für mich sichtbare Schlieren zu erzeugen. Bei schnellen Spielen mag das natürlich anders sein. Doch bei bewegten Fenstern wird wohl auch niemand lesen. Also ich denke, dass du die Reaktionszeit in dem Zusammenhang zurückstellen kannst, weil sie nicht von Belang ist.


    Nunja, auf http://www.incobs.de/ (Informationspool Computerhilfsmittel für Blinde und Sehbehinderte) schreiben sie:


    Bei der Nutzung des Monitors mit Vergrößerungssoftware oder Bildschirmlesegerät kann der sogenannte Nachzieheffekt auftreten. Gemeint ist damit ein verschwommenes, unscharfes Bild, das bei Bewegung entsteht, z.B. beim Arbeiten mit der Maus oder der Laufschrift der Vergrößerungssoftware. Verantwortlich für den Nachzieheffekt ist u. a. die Reaktionsgeschwindigkeit des Bildschirms.


    Momentan soll noch auf den Einsatz von Vergrößerungssoftware verzichtet werden und stattdessen einfach eine niedrigere Auflösung verwendet werden. Aber da es nicht auszuschließen ist, dass es irgendwann nicht mehr ohne den Einsatz von Vergrößerungssoftware geht, sollte der Monitor halt auch dafür geeignet sein.


    Quote

    Die Pixel eines 22- oder 26/27-Zoll-Monitors sind größer als die eines 20- oder 24-Monitors. Die größeren Pixel allein werden bei einer ausgeprägten Sehschwäche kaum Abhilfe schaffen können. Tendenziell würde ich zu einem 24er mit guter Interpolation raten. Die wird ja in jedem PRAD-Test unter die Lupe genommen, so dass die Frage anhand der Testberichte geklärt werden kann. Welche Auflösung wird denn angestrebt?


    Dass die Pixel bei einem 22" TFT größer sind als bei einem 20" oder 24" wusste ich nicht, ich werde mal versuchen, das umzurechnen (Verhältnis native Auflösung zu Bildschirmgröße, nehme ich mal an?) Aber so eine große Rolle wird das wohl wirklich nicht spielen. Dass die Interpolation bei den Testberichten auch mit geprüft wird, hatte ich schon gesehen, allerdings ist das ja in der Regel eher ein "Nebenaspekt", da die meisten Menschen (mich eingeschlossen) sowieso die native Auflösung nutzen.
    Zu der angestrebten Auflösung kann ich nur sagen, dass wir das wohl ausprobieren müssen. Bei elektronischen Lupen und Bildschirmlesegeräten verwendet derjenige ca. eine 5-fache Vergrößerung. Ich werde mal sehen, ob ich daraus irgendwie ableiten kann, welche Auflösung passend wäre.


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    Deine Vorgabe „möglichst preiswert“ schränkt doch sehr ein. Ich war bei den Computerkomponenten, mit denen ich unmittelbar in Berührung komme, also Bildschirm, Tastatur oder Maus, noch nie sparsam, bei der Prozessorleistung aber sehr wohl, denn bei der genügt mir Mittelmaß. Ich möchte doch dazu raten, die Qualität nicht so sehr hinter den Preis zu stellen.


    Das sehe ich ja eigentlich genauso - das Problem ist nur, dass auch noch der Kauf von anderen Hilfsmitteln ansteht, und das geht ganz schön ins Geld, da die Krankenkassen in der Regel erst zuzahlen, wenn das bessere Auge unter 10% liegt - und das ist eben noch nicht der Fall. Ein halbwegs gutes Bildschirmlesegerät kostet ca. 3.500 - 4.000 €, eine gute elektronische Lupe 800 - 2.000 €, Vergrößerungssoftware 550 € - da kommt schon was zusammen.


    Danke für die Links und Informationen, ich werde mir die empfohlenen Monitore mal anschauen und auch weiter in den Testberichten stöbern.



    Liebe Grüße, Beryl

  • da ich selbst bei einem Hersteller für sehbehinderte/blinde Arbeite ist der TFT an sich unproblematisch. 22-24" wäre optimal. (Kommt auch auf den Grad an wie stark die Sehbehinderung ist. Ob man z.B mit 1.5facher Vergrößerung noch hinkommt) Welches Panel stellt sich hier nicht so die Frage.
    Als Vergrößerungssoftware kommt Zoomtext oder Dolphin Lunar in Frage. Die Software verlangt aber nach einem relativ potenten Rechner. Wer eine mobile Lösung braucht ist mit dem Dolphin USB Pen Drive richtig.


    Der Vorteil bei der Lunar-Software ist Dual-Monitor Support.


    Produktübersicht:

    Mobile Lösung


    Zoomtext


    Welcher von beiden grundsätzlich besser ist, kann man nicht so einfach beantworten. Gerade im beruflichen Umfeld gibt es das ein oder andere Programm (im speziellen Java-basierte Programme, die sich nicht an die Java-Access-Bridge halten) die mit dem ein oder anderen mal nicht funktionieren



    Gruß


    In Windows 7 ist z.B. ein deutlich besserer Magnifier (Vergrößerungssoftware) + zusätzliche Lupenfunktion eingebaut, was ohne Performanceverlust vonstatten geht. (die Masse von Funktionen sind da aber nicht verfügbar!)

  • Ich sträube mich zwar immer dagegen, wenn man Monitore und Fernseher in einen Topf wirft, und darüber nachdenkt sich gleich einen flachen Fernseher als Monitor-Arbeitsplatz anzuschaffen. In der Regel macht das auch wenig Sinn, weil das Verhältnis Auflösung zur Diagonale bei Arbeits-Sitzabstand ungünstig erscheint, oder die Diagonale der Geräte bei ordentlicher (hoher) Auflösung einfach zu groß wird, um die Fläche aus üblichem Arbeitsabstand zu erfassen.


    Aber in diesem Fall ist dieser Gedanke vielleicht gar nicht abwegig.
    Denn a) bekommt man z.B. 32 Zoll Fernseher mittlerweile sehr günstig,
    b) wird man sich mit dieser Lösung wahrscheinlich die Vergrößerungssoftware gleichzeitig einsparen können.


    Wichtig: Der Fernseher sollte digital angesteuert werden können. Und es sollte natürlich kein "Full-HD" sein, sondern ein Gerät mit 1366x768 Bildpunkten (auf 32 Zoll!)...
    Achte auch auf eine tief regelbare Helligkeit des Gerätes!


    Mit dieser Auflösung sollte man in der Breite des Bildes ganz gut hinkommen, denn die meisten Webseiten werden wahrscheinlich ohne nach links/rechts zu scrollen komplett angezeigt. In der Höhe wird man durch die verhältnismäßig geringe Auflösung aber mehr scrollen müssen. -Letztlich bleibt dir das aber auch mit einer Zoom-Software nicht erspart.


    Die Lösungsvorschläge mit normalen TFT Monitoren, die man dann einige Stufen unterhalb der nativen Auflösung betreibt, sind natürlich ebenfalls ein guter Ansatz. -Allerdings auch die wahrscheinlich teurere Variante, denn du zahlst für ein Gerät mit hoher Auflösung, die du aber nie nutzen wirst.
    Merke: Der Preis der Geräte wird weniger von der Diagonale, sondern vielmehr von der maximalen Auflösung bestimmt.


    Den Lösungsansatz mit Hilfe eines 24 Zoll TN Panels würde ich streichen. Durch die engen Blickwinkel dürfte man sich in diesem Fall sicher ein weiteres, für einen Sehbehinderten mit größeren Hürden verbundenes Problem schaffen.

  • Danke für die verschiedenen Vorschläge, jetzt habe ich wieder genug Ansätze, die ich durchdenken und durchgoogeln kann.


    Auf die Idee, einen Flachbild - Fernseher als Monitor zu verwenden, bin ich noch nicht gekommen - vor einem Monitor sitzt man ja in der Regel viel dichter als vor einem Fernseher, kann das nicht zu Problemen wie z.B. Kopfschmerzen führen? (Mir spuken gerade Geschichten aus der Kindheit durch den Kopf, bei denen wir Kinder immer ermahnt wurden, wenn wir zu dicht vor dem Fernseher saßen "Das ist schlecht für die Augen". - ob das nur Geschichten waren, die man Kindern erzählt, um sie zu "erziehen" oder ob das wirklich begründet war, weiß ich bis heute nicht, mal ganz davon abgesehen, dass es sich damals in den 70 - 80ern noch um die uralten Röhrenfernseher handelte..... )


    Ansonsten werde ich mich mal weiter durch die Testberichte zu TFTs lesen.
    Es wäre schön, wenn man das Thema Vergrößerungssoftware noch so lange wie möglich aufschieben könnte. Derjenige, um den es mir geht, ist schon etwas älter und stellt sich dementsprechend nur ungern um, und Vergrößerungssoftware bedeutet eine Riesen-Umstellung, habe ich den Eindruck.


    Quote

    In Windows 7 ist z.B. ein deutlich besserer Magnifier (Vergrößerungssoftware) + zusätzliche Lupenfunktion eingebaut, was ohne Performanceverlust vonstatten geht. (die Masse von Funktionen sind da aber nicht verfügbar!)


    Ich habe mal die Bildschirmlupe von Windows XP ausprobiert - mal abgesehen davon, dass man unter der Lupe nicht "arbeiten" konnte (keine Links anklicken, schreiben, etc.), hat mir die Bildschirmlupe alle Icons auf dem Desktop durcheinander gewürfelt.... (gleicher Effekt wie bei einer Änderung der Auflösung). Für einen Sehbehinderten, der auch viel aus dem Gedächtnis sucht, wäre das fatal. Wäre schön, wenn Windows 7 das besser hinbekommen würde.

  • Unter Windows 7 ist es definitiv deutlich besser. Vergrößerung + Lupe.
    Natürlich wäre evtl. auch ein LCD - Bildschirm 32" möglich. Meistens ist das aus Kostengründen bzw. am Arbeitsplatz aus Platzgründen nicht möglich und auch überhaupt nicht ergonomisch!
    Da der Sehbehinderte teilweise nur max. 10cm vom Monitor entfernt ist, müsste er bei einem LCD-Fernseher auch noch aufstehen.
    Dies ersetzt trotdem nicht die Vergrößerungssoftware, da meistens auch noch Probleme mit den Farben dazukommen.
    Mit der Software kann ich eine Menge an Einstellungen machen, Falschfarben, Graustufen, Teilbereiche des Fensters nochmal vergrößeren. Dazu Sprachausgabe usw. und vieles mehr.


    Das mit den Schlieren liegt daran, dass bei den Kamerasystemen mit Autofocus gearbeitet wird. D.h. eine automatische Nachschärfung erfolgt (wenn man die Unterlage hin und herschiebt was beim Lesen normal ist), die braucht einfach seine Zeit. Das klappt tatsächlich mit dem Röhrenmonitor besser.


    Als Lösung für ein Notebook kann ich folgendes empfehlen:



    Nochmal, eine Sehbehinderung ist nicht nur einfach, oohh ich brauche ein größeres Icon und alles ist gut. Wir reden hier von Netzhautdegeneration (Makuladegeneration, Retinitis Pigmentosa usw).
    Als Sehbehinderter der Stufe 1 gilt man erst, wenn das bessere Auge (trotz Einsatz einer optimalen Brille) unter einer Sehstärke von 30% ist. Die Krankenkassen beteiligen sich erst unter 10%. Wer will, kann mal zum Optiker gehen und sich eine Brille geben lassen die das ganze Simuliert. Dann mal zu Hause einen TFT testen :)