Macht Hardwarekalibrierung ohne angepasstes Colorimeter überhaupt Sinn?

  • Das wird der eine oder andere hier vielleicht als etwas ketzerische Frage sehen, deswegen hier einige Worte zur Erklärung:
    Es gibt hier im Forum ja den einen oder anderen, der einen semiprofessionellen Monitor besitzt, der auch hardwarekalibierbar ist, wie z.B. den NEC 2690WUXI2. Dazu gibt's ja jenseits vom großen Teich die SpectraView Software und speziell angepasste Colorimeter, die man in Old Europe aber regulär nicht bekommt. Wie dem auch sei, wird der eine oder andere sich über einen Cousin oder eine Cousine in Amerika vielleicht die Software besorgt haben und nun seinen Monitor damit kalibrieren. Schön wenn man auch das zum Monitor gehörige angepasste Colorimeter hat, was aber wenn nicht?
    Über die Problematik bei der Verwendung von Colorimetern bei Wide-Gamut-Monitoren ist hier auf Prad schon viel geschrieben worden.
    Lassen sich prinzipiell bessere Ergebnisse mit der Hardwarekalibrierung erzielen oder mit einer Softwarekalibrierung aber mit generischer Korrektur wie z.B. in iColor mit dem DPT94. Die SpectraView Software bietet eine solche Korrektur meiner Meinung nach nicht.
    Der Vorteil der Hardwarekalibrierung ist natürlich die feinere Gradation, es gibt kein Banding usw., aber was bringt's wenn der Weißpunkt nicht stimmt und alle Bilder einen Farbstich haben?

  • Es gibt ja genügend Lösungen zur Hardwarekalibrierung die Korrekturmatrizen verwenden. iColor bietet für die Quato eigenen, hardwarekalibrierbaren Modelle angepasste Korrekturen, Eizo implementiert das in Color Navigator auch, und Lacie dürfte das für die eigenen Modelle ebenfalls umsetzen. HP vertreibt für den LP2480zx ein selektiertes EO Display2. Ob hier bereits im Colorimeter geeignete Anpassungen stattfinden, kann ich nicht sagen, weil es fest an die Software gelockt ist. Die Ergebnisse stimmen in jedem Fall.


    Gruß


    Denis

  • Habe vor kurzem begonnen mich mit dem Thema Monitorkalibrierung zu beschäftigen. Habe mit einem Spyder 3 begonnen und war nicht besonders mit dem Ergebnis zufrieden und habe dann im Internet recherchiert und einige interessante Threads gefunden. Warscheinlich sind sie eh bekannt aber ich poste sie mal hier.
    Langer Thread über Colorimeter/Spektrometer wo auch der Autor eines großen Colorimtertests auch dabei ist:

    Einen Teil des Tests gibt's hier kostenlos zum download:


    Habe nun eine Lizenz zu basiccolor 4 und ein XRite DTP94B (Modell von Eizo - keine Software beiliegend). Das DTP94B hab ich neu um 160€ bekommen. Die Spyder 3 habe ich im Moment auch noch hier.


    Für Windows XP hab ich noch ein Tool von Microsoft gefunden:


    Damit lassen sich uA Profile grafisch (3D) vergleichen und es gibt auch die Möglichkeit ein ICC Profil das eine LUT enthält in die Grafikkarte zu laden (Option /L)
    siehe
    Somit kann man ein erstelltes Profil (mit Korektur über LUT) auch auf einem PC laden, wo man die spezifische Kalibrierungssoftware nicht installiert hat.

  • Dass die vom Monitorhersteller selektierten Geräte genau messen, will ich ja gar nicht anzweifeln. Die Frage, die ich mir gestellt habe, war vielmehr, ob es sinnvoll ist ein anderes Gerät zu verwenden, dass von der Software zwar unterstützt wird, aber nicht vom Monitorhersteller vertrieben.
    Beispiel:
    NEC vertreibt in America zur 90er Serie die SpectraView Software und ein spezielles NEC/X-Rite iOne Display V2. Diese Geräte sind selektiert und wahrscheinlich ist die Software mittels Korrekturmatrizen darauf angepasst. Die Software unterstützt aber auch diverse andere Messgeräte wie das DTP94, die Spyder-Serie, etc.. Bedeutet es dann automatisch, dass hier auch Korrekturmatizen hinterlegt sind? Was ist, wenn ich ein DPT94 von Quato nehme und damit in der SpectraView-Software einen dieser Wide-Gamut Monitore kalibriere? Wird dann eine Korrektur durchgeführt oder nicht?

  • Quote

    Habe nun eine Lizenz zu basiccolor 4 und ein XRite DTP94B (Modell von Eizo - keine Software beiliegend). Das DTP94B hab ich neu um 160€ bekommen. Die Spyder 3 habe ich im Moment auch noch hier.


    Eher kontraproduktiv. Das DTP94 zeichnet sich durch eine hohe "Stabilität" innerhalb der Baureihe aus, ist aber durch die Filterlösung ziemlich weit vom Normbetrachter entfernt. Entsprechend groß sind die Abweichungen bei Displays, die nicht das Spektrum emittieren, das zur initialen, colorimeterinternen Korrektur genutzt wird.



    Dafür eignet es sich, aufgrund besagter Stabilität, hervorragend für die Anwendung von softwarseitigen Korrekturmatrizen - und es ist sehr alterungsresistent. Oft lassen sich bereits mit den generischen Korrekturen in iColor Display gute Ergebnisse für Displays mit WCG-CCFL Hintergrundbeleuchtung erzielen (der DELL im Link wäre ein Beispiel). Deswegen ist genau die Kombination aus iColor Display und DTP94 aktuell mein Tip für eine preiswerte und meist ziemliche genaue Lösung für Bildschirme WCG-CCFL Hintergrundbeleuchtung.



    Quote

    Die Frage, die ich mir gestellt habe, war vielmehr, ob es sinnvoll ist ein anderes Gerät zu verwenden, dass von der Software zwar unterstützt wird, aber nicht vom Monitorhersteller vertrieben.


    Zumindest in iColor und Color Navigator sind Matrizen für alle unterstützten Colorimeter hinterlegt. Man kann ja mit enstsprechendem Aufwand über mehrere Colorimeter eines Typs mitteln, um eine möglichst brauchbare Matrix zu ermitteln. Allerdings sollte das eigene Colorimeter dann nicht zu weit von diesem Mittel entfernt sein. SV II ist eher ein Sonderfall. Ich gehe davon aus, dass keinerlei Korrekturen hinterlegt sind, sondern die Korrektur einzig im von NEC vetriebenen Colorimeter stattfindet. Wir werden das auch nochmal dediziert überprüfen. Hier sollte NEC relativ dringend den Weg der anderen High-End Hersteller einschlagen.


    Gruß


    Denis

  • Quote

    SV II ist eher ein Sonderfall. Ich gehe davon aus, dass keinerlei Korrekturen hinterlegt sind, sondern die Korrektur einzig im von NEC vetriebenen Colorimeter stattfindet. Wir werden das auch nochmal dediziert überprüfen.

    Heißt das, dass z.B. SVII in Verbindung mit dem DTP94 und einem Wide Color Gamut Bildschirm wahrscheinlich falsche Ergebnisse liefert? Dann können sie sich ja eigentlich das "kompatibel" (mit verschiedenen Messsonden) schenken... Bin gespannt auf eure Ergebnisse!

    Quote

    Hier sollte NEC relativ dringend den Weg der anderen High-End Hersteller einschlagen.

    Wenn man bedenkt, dass der PA241W schon auf dem Markt ist aber die dazu kompatible Software (so weit ich weiß) bisher nur auf japanisch erhältlich ist, frage ich mich ob die das schnell hin bekommen. Aber wer weiß was SVII 1.1.04 so mit sich bringt...


    Viele Grüße
    Raphael

  • Quote

    Heißt das, dass z.B. SVII in Verbindung mit dem DTP94 und einem Wide Color Gamut Bildschirm wahrscheinlich falsche Ergebnisse liefert?


    Ich befürchte ja.


    Quote

    Bin gespannt auf eure Ergebnisse!


    Aktuell konnten wir es noch nicht testen, weil ich noch kein angeaßtes SV II habe. Hoffen aber, es nachholen zu können.


    Gruß


    Denis

  • Wenn ich mir so Gedanken darüber mache (und mir die Tests von flatpanelshd und tftcentral anschaue, die beide um 5500K bei OSD 6500K messen, das DTP94 ohne Korrektur auch), scheint es, dass NEC es egal ist, dass ihr OSD Wert einzig und allein mit dem eigenen Sensor (und dem i1pro) übereinstimmt. So weit ich Infos zum PA241W gefunden habe preisen sie ihn doch gerade dafür an , dass er quasi nicht mehr kalibriert werden muss, weil alle OSD Daten ziemlich genau stimmen. Und nach meinen Messungen (mit generischer Korrektur) glaube ich denen das sogar. Wenn man nun mit SVII dann eigentlich noch genauer kalibrieren möchte erreicht man das Gegenteil und es stimmt dann gar nichts mehr...
    Ich glaube ich wiederhole auch nur gerade das, was in diesem Thread schon angeschnitten wurde...


    Woher kommt denn die Befürchtung?
    Wenn ich mich richtig erinnere hattet ihr doch in früheren Tests auch ohne Korrektur gearbeitet, oder? Dann wäre wahrscheinlich aufgefallen wenn SVII eine Korrektur benutzt und andere Werte liefert als iColor ohne Korrektur.


    Bin wirklich gespannt auf die neue Version.


    Viele Grüße
    Raphael

  • Ich habe jetzt mal ein paar Vergleichsmessungen mit dem DTP94 und dem Spyder3 an meinem Wide-Gamut-Monitor NEC PA241W und an einem (Standard Gamut) HP ZR24W in verschiedener Software gemacht.
    Die Monitoreinstellung war dabei immer auf 6500K Gamma 2.2 und 140cd eingestellt. Die Ergebnisse kann man eigentlich nur als erschreckend bezeichnen:


    Programm: ..................DTP94B....................DTP94B...................................Spyder3..........................Spyder3
    .....................................................mit generischer WG-IPS-Korrektur ............................mit generischer WG-IPS-Korrektur
    ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
    NEC PA241W:


    iColor Display 3.6 ...........5917K....................6590K.....................................7661K............................... 7391K
    SpectraView II 1.1.04 ....5942K ......................-...........................................7601K....................................-
    basICColor 4.1.9 ...........5910K.......................-...........................................7620K....................................-
    Spyder3 Pro 3.1.4 ..............-...........................-.......................................... 7660K................................... -



    HP ZR24W:


    iColor Display 3.6 ...........7078K.......................-...........................................6930K...................................-
    basICColor 4.1.9 .......... 7120K.......................-........................................... 6930K...................................-
    Spyder3 Pro 3.1.4 .............-........................... -........................................... 6929K...................................-


    Welche Farbtemperatur die Monitore tatsächlich hatten, lässt sich natürlich nicht genau sagen. Zumindest beim NEC gehe ich aber mittlerweile davon aus, dass er recht nahe beim Zielwert ist.
    Dennoch lässt sich folgendes ablesen.
    1. Beim Standard Gamut Monitor liegen die beiden Messgeräte recht nahe beieinander. Die Messungen vom Spyder3 erscheinen mir visuell etwas näher am richtigen Wert zu liegen.
    2. Beim WG-Monitor sind alle Messungen ohne WG-Korrektur so weit weg vom Zielwert, dass eine Kalibrierung beim diesem Monitor mehr schadet als nützt.
    3. Nur die iColor Software bietet eine Korrektur für WG-Monitore mit der man in Verbindung mit dem DTP94 recht nahe an die 6500K rankommt. Beim Spyder3 greift die Korrektur nicht so gut. (der Fairnis halber: basICColor 4.1.9 ist nicht die aktuelle Version)
    4. Selbst die SpectraView Software von NEC bietet keine Korrektur für den firmeneigenen WG-Monitor. Wer meint durch die Hardwarekalibierung einen Vorteil zu erlangen, erkauft sich diesen durch einen falschen Weißpunkt. Hier werden wahrscheinlich nur die angepassten iDisplay2 Colorimeter von NEC bessere Ergebnisse liefern.
    5. Die Ergebnisse beim WG-Monitor kann man alles in allem eigentlich nur als erschreckend bezeichnen. Ohne eine WG-Korrektur liefert jeder halbwegs neutrale Monitor in der Werkseinstellung genauere Farben als nach der Kalibrierung mit einem solchen Consumer-Colorimeter. :thumbdown: