Posts by Denis

    Du zäumst das Pferd an dieser Stelle von der falschen Seite auf. Die 120% liegen ja monitorseitig vor. Du bearbeitest im konkreten Fall eine sRGB-Datei. Das Mapping für die Darstellung am Monitor ist also umgekehrt (kleinerer Quell- zu größerem Zielfarbraum).


    Natürlich kann es sein, dass der Monitor größere RGB-Arbeitsfarbräume (z.B. AdobeRGB oder ECI-RGB) nicht hinreichend abdeckt. Dann verlierst du mit entsprechenden Dateien in out-of-Gamut Farbwerten Präzision und Zeichnung in der Live-Darstellung (=> wichtiges Detail, denn du konvertierst ja nicht in Monitor-RGB).


    Kurz: Bigger is better.


    Der ICC-Workflow sieht übrigens auch für solche Szenarien (großer Quell-, kleiner Zielfarbraum) alternative Rendering-Strategien vor, firmierend unter einer wahrnehmungsorientierten Transformation. Diese spielen aber für den von uns gerade besprochenen Ablauf keine Rolle (da geht es eher um Ausgabeprofile) und haben ihre eigenen Fallstricke.

    Ich hoffe doch alle :)


    "Damit kann ein Farbrechner in farbmanagementfähiger Software bestmöglich in Monitor-RGB transformieren."


    => In einem entsprechenden Umfeld (Photoshop und Co.) also keine Probleme durch hohe Farbumfänge solange das Monitorprofil korrekt ist. Im Gegenteil.

    Nach der Kalibration (die einen definierten, gewünschten Grundzustand herstellt) wird die Monitorcharakteristik vermessen und in einem Farbprofil festgehalten - sowohl bei Hard- als auch Softwarekalibration. Damit kann ein Farbrechner in farbmanagementfähiger Software bestmöglich in Monitor-RGB transformieren. Grundkonzept dieses ICC-Workflows ist ein geräteunabhängiger Verbindungsfarbraum (PCS). Die im Workflow beteiligten Profile liefern die Übersetzungsvorschrift hinein und hinaus.


    Beispiel:


    Bild-RGB => AdobeRGB-Profil => PCS => Monitor-Profil => Monitor-RGB


    http://www.color.org/slidepres2003.pdf

    http://www.color.org/ICC_white…_role_of_ICC_profiles.pdf


    Heute gibt es i.d.R. auch noch Emulationsmechnismen auf Seiten der Monitorelektronik, die zum Zuge kommen können, wenn eine definierte Darstellung abseits des genannten ICC-Profil-Workflows gewünscht ist.

    Ein paar Dinge zur Weißpunktwahl:


    Im Rahmen der Erstellung der Monitorprofils wird vollständige visuelle Adaption auf den jeweiligen Monitorweißpunkt unterstellt - und die Messdaten dann chromatisch nach D50 adaptiert. Sonst müsste man für einen gültigen Workflow den Bildschirm immer auf D50 kalibrieren. Bei der Wahl der Monitorweißpunktes ist man sehr flexibel - deutlich flexibler oft angenommen.


    Die Abstimmung auf das Papierweiß unter den konkreten Abmusterungsbedingungen ist allerdings nicht ganz trivial. Rein messteschnich müsste man hier tatsächlich auf D50 kalibrieren und den sauber konfigurierten Softproof dann mit dem Hardproof unter D50-Normlicht vergleichen. Selbst wenn man Fallstricke wie optische Aufheller hier außen vorlässt, wird das zwar messtechnisch - ohne Rückrechnungen - korrekte Ergebnisse erzielen. In den allerwenigsten Fällen aber eine hinreichende visuelle Übereinstimmung. Die schmalbandigen Spektren moderner Wide-Gamut Monitore wirken sich hier sehr ungünstig aus und vergrößern Abweichungen zwischen normativem und realem Beobachter.


    Der Monitorweißpunkt ist entsprechend so zu wählen, dass sich im Rahmen der konkreten Abmusterungsbedingungen eine hinreichende visuelle Übereinstimmung ergibt - das ideale Ergebnis kann von Person zu Person unterschiedlich ausfallen. Der ICC-Workflow ist hier (siehe meinen ersten Absatz) relativ robust.


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    Zusätzlich: Wir haben die Bilder bei Tageslicht angefertigt, da ist der Weißabgleich der Kamera entweder auf das Papier oder den Monitor - da beide nicht den identischen Weißabgleich haben, ergeben sich hier auch wieder Verschiebungen.


    Die Kamera ist in diesem Zusammenhang ja auch ein weiteres Beobachter, der nicht exakt mit dem normativen Beobachter zusammenfällt. Es wird hier kein Abgleich auf Basis von Messwerten gelingen.

    "Messen wie man sieht" ist nicht vollumfänglich realisierbar: Du siehst nicht exakt wie der normierte Beobachter. Das ist gerade bei der Vermessung von Monitoren nicht zu unterschätzen, weil sich deren schmalbandige Emissionsspektren besonders ungünstig auf diesen Umstand auswirken. Selbst bei (mit Handmessgeräten überdies kaum möglicher) idealer Messung kann es zu starken visuellen Abweichungen gerade in den Neutraltönen kommen, wenn unterschiedliche Monitore vermessen werden.

    Lösung: Kalibriere einen Monitor wie gewünscht. Das Weißpunkt-Ziel für die Kalibration des zweiten Monitors passt du so an, dass eine für dich (=> das ist tatsächlich individuell) hinreichende Übereinstimmung erzielt wird - kein kruder Workaround, sondern gelebte Praxis.

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    Die Monitore von Quato wurden ja zum Teil von NEC produziert und Quato hat nur sein Logo draufgepappt^^

    Nur 27" und 30", d.h. in der Spätphase. Nicht das Modell es OP. Da hatte Quato einen anderen langjährigen OEM (der ebenfalls noch existiert).


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    Wie ist es aber mit dem Flächenabgleich? Wie wird dieser nach dem Austausch berücksichtigt oder muss dieser gar zurückgesetzt werden? Quato, hat als die Firma noch existierte eine Optimierung dieses Flächenabgleichs angeboten, um die Alterung des Backlights zu kompensieren.

    Versuchen kann man es. Allerdings sind die Vorbehalte von Mediafrost auch nicht so ganz aus der Luft gegriffen: Ein CS2410 kostet inzwischen unter 500 Euro.

    Alles gut. Das Matrix-Profil setzt Schwarz auf absolut Null und unterstellt perfekte Neutralität. Es gibt in Color Navigator die Möglichkeit, die Helligkeit des tatsächlichen Schwarzpunktes in den TRCs des Profils festzuhalten. Dann wäre die Abweichung im Rahmen der Validierung verringert:


    https://www.prad.de/wp-content…zo-cg2730-monitor-cn7.jpg

    (Reflect... Checkbox anhaken)


    ... aber nicht aus der Welt, weil die TRCs für jeden Kanal identisch sind und somit weiterhin perfekte Neutralität unterstellen. Um den maximalen Kontrastumfang sicherzustellen, wird der Schwarzpunkt nicht optimiert. Das kannst du mit der Priority-Option steuern:

    https://www.prad.de/wp-content…zo-cg2730-monitor-cn5.jpg


    => Gray Balance führt zu einem neutraleren Schwarz, aber der Kontrastumfang leidet zwangsläufig. In der Regel ist das nicht sinnvoll, zumal schon durch den DUE Einbußen hinzunehmen sind.


    Grundsätzlich: 80 cd/m² sind ziemlich dunkel, in den meisten Anwendungsfällen ist ein Bereich zwischen 120-160 cd/m² sinnvoll. Farbraum für das Arbeiten in farbmanagementfähiger Software auf "nativ".

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    Kalibrierungsziel: Farbraum AdobeRGB, Farbtemperatur: 5000k, Leuchtdichte: 80cd/m2, Gamma 2,2


    Ich dachte, dass ich nach der Kalibrierung mit einem Colorimeter gleiche Bilder/Farben erhalte und prüfte es mit einem weißen Hintergrund.

    Wenn ich z.B. Notepad öffne und das Fenster über beide Bildschirme ziehe, sieht man deutliche Unterschiede.

    Hier spielen zwei Dinge hinein. Messfehler durch das Colorimeter und das, was man als "Beobachtermetamerie" bezeichnet. In deinem Fall wird beides hineinspielen. Der erste Punkt ist relativ selbsterklärend, daher kurz nur zum zweiten Aspekt: Ein normierter Beobachter kann die personenindividuelle Empfindlichkeit naturgemäß nicht exakt abbilden. Bei den schmalbandigen Monitorspektren und der Darstellung von Neutraltönen kommt es dann auch bei idealer Messung schnell zu erheblichen sichtbaren Abweichungen, die schon aus vergleichsweise geringen spektralen Unterschieden entstehen. Am Ende wirst du nicht umhin kommen, einen Monitor wie gewünscht zu kalibrieren und den Ziel-Weißpunkt des anderen Monitors so anzupassen, dass es zu einer visuellen Übereinstimmung kommt.


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    Kalibrierungsziel: Farbraum AdobeRGB, Farbtemperatur: 5000k, Leuchtdichte: 80cd/m2, Gamma 2,2

    Dein Ansatzpunkt des visuellen Abgleichs mit dem Papierweiß unter der Ist-Beleuchtung ist schon einmal nicht schlecht, wenn das wirklich ein Einsatzgebiet ist. Mit 80 cd/m² stimmst du auf aber auf eine Beleuchtungsstärke von gerade einmal 250 Lux ab. ISO3664 definiert für die "praktische Abmusterung" 500 Lux (allerdings != Umgebungslicht), resultierend in etwa 160 cd/m² für den Monitor.

    Naja, NEC sagt ja selber, dass der Spectraview Calibration Sensor (MDSVSENSOR3) eine Spezielle Matrix intus hätte die explizit das Optimum am NEC herausholt.


    Ergo müsste ich mir nun doch mal so ein Ding zulegen sofern mir NEC ein Gerät stellt aber kaufen werde ich das nicht.

    Das i1 Display Pro kann für OEMs mit eigenen Charakterisierungsdaten (werden treiberseitig vorgehalten) ausgestattet werden. Hier geht es darum, den Restfehler weiter zu reduzieren. Eizo nutzt ja auch eigene Korrekturen via ColorNavigator. Der Zugewinn ist bei der Sonde und für die verwendeten Backlights eher "nice to have" (meine ich gar nicht negativ) und hat keinen Einfluß auf die Graubalance. Hier setzen wir ja den gemessenen Weißpunkt (der für die visuelle Adaption auch entscheidend ist) als Ziel.


    Wie gesagt: Aus der Hardware wäre via SVII sicher noch etwas mehr herauszukitzeln - am Ende ist es immer eine Frage, wie weit man optimieren möchte und wann man ein akzeptables Ergebnis erreicht. Letzteres ist ja völlig zweifelsfrei gegeben, Kritik also auf recht hohem Niveau.

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    Graubalance: Musste ich leider letztens auch feststellen. Gibt doch ein paar Schwankungen...ist kein handverlesenes Gerät mehr wo alles "passt".

    Natürlich macht man sich das Leben etwas einfacher, wenn Kalibration und Charakterisierung ab Werk schon sehr präzise erfolgt sind und man auf dieser Basis nur noch Feintuning betreibt. Am Ende ist es aber vor allem eine Frage der Implementierung der Software-Geräte Schnittstelle, insbesondere dem Umgang mit den Messdaten (gerade in den Tiefen). Nach kurzem Überfliegen der Ergebnisse: Auch mit dem "Standard-NEC", wie hier getestet, wäre bei softwareseitiger Workflow-Optimierung noch mehr drin, d.h. etwas Potential bleibt bislang liegen; nicht überdramatisch, maximal ein wenig ärgerlich, weil die Hardware es hergäbe. Das war zum Beispiel auch immer eine der Stärken der OEM Software für die Quato-Geräte, die über die Kalibration viel herausgeholt haben.

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    1x CG2420

    Damit kannst du weiterhin überhaupt nichts verkehrt machen. Gutes Panasonic Panel, präzise Kalibration bzw. Charakterisierung ab Werk. Das integrierte Messgerät ist etwas abgespeckt (keine Messung in den Mitteltönen möglich), allerdings ist die Philosophie von Eizo, sich ohnehin stark auf die Abstimmung ab Werk zu stützen. Zusätzlich steht dir ja mit dem i1 Display Pro seit geraumer Zeit ein hervorragendes, vollwertiges Colorimeter im unteren Preissegment zur Verfügung. Die Kernfrage ist an der Stelle ausschließlich, ob dir Größe und Auflösung reichen.

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    Sind die 10bit denn auch beim Print ein Vorteil, oder nur für die Darstellung auf dem Monitor?

    Mach' dich nicht verrückt. Auch im professionellen Umfeld der grafischen Industrie wird weiterhin überwiegend mit Ansteuerung (!= interner Verarbeitung im Monitor) in 8bit pro Farbkanal gearbeitet.

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    Siehst du den PA271Q vor dem CG2730?

    Der CG2730 verfügt ebenfalls über das sehr gute Panasonic-Panel. Alles im grünen Bereich. Die abgespeckte Sonde fällt insofern nicht so ins Gewicht, weil der Workflow ohnehin massiv auf Werkskalibration und interner Charakterisierung aufsetzt. Anderseits ist ein i1 Display Pro auch keine große Investition. Für deinen Einsatzbereich wäre der CS2730 allerdings auch alles andere als ein fauler Kompromiss. Er wird durchaus selbst in hochprofessioneller Umgebung verwendet.


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    Den exorbitanten Unterschied zwischen CG2730 und CG277 konnte mir bis heute noch niemand praixsnah erklären... es kommt immer nur "277 hat 3D LUT, 2730 nicht", aber niemand kann erklären, was das in der Praxis ausmacht..

    Für dich exakt nichts* - es wäre schlimm, wenn zum Beispiel die 3D-LUT wirklich integraler Bestandteil sein müsste (abgesehen von Anwendungsbereichen im Videosegment, wobei hier dann auch gerne extern transformiert wird).


    * Etwas überspitzt; es bleibt am Ende für dich aber tatsächlich nur das vollwertige Messgerät als zählbarer Vorteil. Mit ihm kann insbesondere die Graubalance messwertbasiert optimiert werden. Allerdings ist die Ausgangsbasis sehr präzise (Verschlimmbesserungspotential!) - und ein gutes Messgerät (siehe oben) ist ja preisgünstig erhältlich.

    Es stimmt tatsächlich. Bei CRTs wird ein Teil der Bildröhre vom Gehäuse überdeckt. In Summe etwa 1,5 Zoll. Zusätzlich kann man bei einem LC-Display die Fläche natürlich voll nutzen. Beim CRT hat man einen mehr oder weniger kleinen Rand gelassen.

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    Ich vermute, das 3D LUTs dann hilfreich sind wenn es darum geht nicht-lineare Farbraumemulationen bereit zustellen. Wenn z.B., ein Film oder Druckerpapier Farben in diversen Farbraumabschnitten so "mischt" dass sie nicht der Linearkombination der Primärfarben entspricht, dann wird eine 3D LUT notwendig.

    Wie angedeutet, ist eine 3D-LUT erst einmal nicht notwendig, um eine Farbraumemulation umzusetzen. Das hast du selbst ja auch schon korrekt für den ICC-Workflow festgestellt, in dem z.B. für RGB-Arbeitsfarbräume und Monitorprofile mit einfachen Matrix Shaper Profilen (durchaus sehr präzise) gearbeitet werden kann. Ähnliche Mechanismen verwenden Monitore mit Farbraumemulation, d.h. es kommt hier minimal eine Front-LUT => Matrix => Back-LUT Konfiguration zum Einsatz. Die RGB-Eingangswerte werden über die Front-LUT linearisiert, dann erfolgt die gewünschte Transformation und abschließend die notwendige Gamma-Korrektur im Hinblick auf die native Tonwertkurve des Panels. Monitore, die eine 3D-LUT in ihrer Scaler-Pipeline einsetzen, nutzen diese nicht unbedingt für die Farbraumemulation. Hier werden tatsächlich eher letzte Nichtlinearitäten beseitigt - wirklich notwendig für ein gutes Ergebnis ist das i.d.R. nicht. Monitore verhalten sich meist sehr gutmütig, kein Vergleich zu Ausgabeprozessen im Druck, wo wir mit CMYK dann noch zusätzlich eine überbestimmte Primärfarbenkonstellation vorfinden.


    Über die LUT => Matrix => LUT Konfiguration wird, wie bei Matrix Shaper Profilen, nur ein einfacher farbmetrischer Intent umgesetzt. Sollen keine Out-of-Gamut Tonwerte abgeschnitten werden, erfolgt eine Anpassung des Emulationsziels. Hier böte eine 3D-LUT (die aber nie alleine steht) mehr Möglichkeiten, wie sie auch mit entsprechenden ICC-Profilen zur Verfügung stehen (auch hier ist eine 3D-LUT insbesondere in vor- und nachgeschaltete 1D-LUTs eingebunden). Das hat aber für die meisten Benutzer nur eine untergeordnete Bedeutung, genauso wie das Hochladen bereits vorberechneter Tabellen.


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    Ich würde es bevorzugen jegliche softwarebasierten Berechnungen zu vermeiden, da es auf diese Weise nicht mehr darauf ankommen sollte ob eine Applikation Farbmanagement unterstützt


    Der Flexbilität des ICC-Workflows solltest du dich nicht berauben. Mit einer Farbraumemulation bist du immer auf eine Quelle festgelegt, auch wenn Monitore wie die Eizo CS/CG eine sehr komfortable Verwaltung bieten. Auf Basis einer guten Hardwarekalibration, bei der die LUT der Grafikkarte unangetastet bleibt, sind die Farbraumtransformationen eines CMM meist ziemlich harmlos. Der CG2420 ist hier schon eine sehr gute Basis.