Eizo Flexscan L568 (Prad.de User)

  • Nachdem ich in diesem Forum gute Berichte und Tipps zum Thema TFT´s gelesen habe, konnte ich mich nach langem Ringen endlich auch zum Kauf eines TFT´s entschließen.


    Da ich Hobbyfotograf mit recht vernünftiger Ausstattung bin, und von Berufswegen her digitale Grafikbearbeitung ausführe, drängte sich mir die Marke Eizo, bekannt für ihr Engagement für professionelle Monitore, förmlich auf. 5 Jahre Garantie und beste Tests in allen Publikationen, legten mir den Eizo Flexscan L568 ans Herz. Nun habe ich das sündhaft schicke, wenn auch nicht billige, Gerät vor mir stehen und möchte es keine Sekunde mehr missen.


    Gleichzeitig bestätige ich das sehr gute Gesamtergebnis meiner Vortester, auch wenn ich die Spieletauglichkeit noch etwas besser bewerten möchte. Einiges meines Testes wird daher sicher wiederholt klingen, ich habe aber nichts abgeschrieben - Ehrenwort. Nur verdient der Monitor auch meine Würdigung, nachdem ich wirklich hoch zufrieden damit bin.


    Lieferumfang
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    Neben dem Monitor gibt es ein Netzkabel, VGA(analog)-Kabel, USB-Kabel (für Steuerung des Schirmes per Software) und eine CD mit Treibern und Handbuch. Dazu eine Kurzanleitung in Druckform jedoch KEIN DVI-Kabel. Lieber Hersteller: bei allem Lob der Welt, ein LCD-Bildschirm ohne digitale Verbindung ist nur die halbe Miete! Erst recht bei 500 Euro Kaufpreis! Ich habe mir einen Tag nach Kauf des Bildschirms eine DVI-Strippe geholt.


    Auflösung, Schärfe
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    Der Traum eines Fotografen über die absolute Schärfe, jedem Bildpixel in der 100%-Ansicht ebenso ein Monitorpixel zuzuordnen, ist für mich erfüllt. Für einen Umsteiger von Röhre auf LCD wie mich ergibt sich schon jetzt eine neue Welt der Bildqualität. Lineal und Taschenrechner bemüht, besitzt der Bildschirm (mit 1280x1024 Pixeln) eine physikalische Auflösung von 96 dpi (Punkte pro Zoll), einen üblichen Arbeitsabstand vorausgesetzt bekommt man so praktisch eine fotorealistische Auflösung die um ca. 20 % höher ist, als die meiner alten Röhre.


    Die Schärfe ist über jeden Quadratmillimeter des Bildschirmes gleichmäßig perfekt. Wie auch sonst, da doch die LCD-Technik bauartbedingt keinen Schärfe-Verlust kennt. Konvergenzfehler oder Moirés sucht man beim Eizo selbst mit Testprogrammen vergeblich. Zusammen mit der verzeichnungsfreien Bildwiedergabe und der großen Bildfläche ist Arbeit am Computer fast so schön wie ein Kinobesuch. CRT, adé!


    Helligkeit, Farbe
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    Die Helligkeitsverteilung ist sehr gut, Schwarz ist fast ideal schwarz und Weiß ist so weiß, als ob Ariel und Persil tagelang die Bildfläche gebleicht hätten. Ist die Anzeige vollflächig schwarz und nur in der Bildmitte zeigt sich helles Geschehen, fallen mir an der oberen linken und unteren rechten Bildecke leichte Helligkeitsanhebungen auf, an denen Schwarz etwas aufgraut. Es sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt, da ich es nur bei einem Testbild bemerkt habe, beim normalen Arbeiten ist dieses Detail nicht zu bemerken.


    Der umgekehrte Fall, also teilweise Abdunkelung der Hintergrundbeleuchtung, ist nirgends zu sehen. Hier hält sich die Luminanz auf einem tadellosem Niveau, das ich übrigens auf lediglich 65% Helligkeit stellen musste, um leuchtendes Weiß zu erhalten. Es gibt also reichlich Reserven!


    Eizo wird seinem Ruf der sehr guten Farbwiedergabe absolut gerecht. Der Weißpunkt lässt sich exakt auf 6500 Grad Kelvin einstellen und reproduziert diesen auch perfekt. So reines Grau habe ich bisher auf keinem Bildschirm erlebt. Dies ist extrem wichtig für die Grafikbearbeitung! Letztendlich mit Adobe Gamma kalibriert liefert der Eizo L568 im RGB-Farbraum ein überragendes Bild, sehr gut für anspruchsvolle Grafiker. Das Gerät lässt sich jedoch auch in verschiedene Voreinstellungen schalten, die für Text, Internet etc. optimiert sind. Mit wenigen Knopfdrücken springt man jedoch, wenn gewünscht, wieder auf sein Custom-Programm. Nettes Gimmick, ich brauche es allerdings nicht.


    Da ich den Monitor am ersten Tag per analog-VGA betrieb, und über die Qualität erstaunt war, konnte ich mir kaum eine Steigerung beim DVI-Betrieb vorstellen. Und so war es denn auch. Die Monitor-Elektronik hat eine tadellose analog-digital-Wandlung. Ein einmaliger Druck auf eine Bedientaste genügte, den Monitor auf ideale Bildlage, Phase etc. in Sekunden einzurichten. Die Schärfe ist auch analog verbunden praktisch perfekt. Bei DVI bedarf es natürlich keiner Einrichtung (außer bei Helligkeit u.ä.). Doch braucht kein Besitzer einer Grafikkarte mit VGA-Ausgang diesen Monitor scheuen, eine gute Signal-Ausgangsqualität vorausgesetzt.


    Spiele
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    Wie erwartet, kann das hier verbaute MVA-Panel nicht mit der kurzen Reaktionszeit eines Röhrenbildschirmes mithalten. Eine gewisse Schlierenbildung ist bei Konzentration auf diese also erkennbar. Mir fallen die leichten Unschärfen bei heftigen "Kamera"-Schwenks jedoch im Spielverlauf nicht auf. Unter sehr bunten und hellen Spielen ist diese Einschränkung auch sehr viel weniger spürbar als bei eher dunklen Szenarien mit schwachen Kontrasten.


    Da sich jedoch Ego-Shooter-Freunde ohnehin kein Display für professionelle Grafikanwendung kaufen, dürfen alle anderen auf die wirklich gute, wenn auch sicher nicht perfekte, Spielwiedergabe vertrauen. Die Schlierenbildung tritt beim Monitor im kalten Zustand, gerade zur kalten Jahreszeit in ungeheizten Räumen, etwas stärker auf. Nach einem gewissen "Warmlaufen", vielleicht 15 Minuten, legt sich diese auf das übliche Maß.


    Der Hersteller gibt zwar für dieses Panel 25ms Reaktionszeit an, jedoch wird man in der Praxis messtechnisch unter 20ms ermitteln. Eizo geht wie beim beliebten aber Vorgängermodell L557, das angeblich ein noch langsameres Panel hat und bereits spieletauglich war, wohl vom Schlimmsten aus, um in der Praxis besser dazustehen.



    Ergonomie
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    Das Display ist horizontal und vertikal ausreichend schwenkbar, lässt sich höhenverstellen und für den Pivot-Betrieb um 90 Grad im Uhrzeigersinn drehen. Warum in dieser Preisklasse keine Pivot-Software beiliegt, ist nicht erklärbar, mein Grafiktreiber bietet diese Funktion nicht an. Doch ich komme erst mal ohne aus.


    Das ruhige, flackerfreie Bild ist sehr angenehm und bereitet keine Kopfschmerzen. Der Gehäuserand des sauber verarbeiteten Kunststoff-Gehäuses um die Bildfläche ist nur einen guten Zentimeter breit und verschwindet förmlich neben dem leuchtendem Bild, gerade als ob sich aus dem Nichts ein Bild aufbaut - beeindruckend!


    Nach Vorgeben der Grundeinstellungen über die Gehäusetasten (Menü deutschsprachig einstellbar), muss man diese später kaum mehr benutzen. Denn der Großteil der Bildparameter kann direkt über die beiliegende Steuerungssoftware (Kontakt zum Bildschirm per USB) eingestellt werden, die Software ist jedoch kein Muss, im Gegensatz zu neuen Samsung-TFT´s, die nur per Computer zu steuern sind.


    Frühere Eizo-Bildschirme sollen gebrummt haben, gerade wenn die Helligkeit heruntergeregelt wurde. Mein Display ist totenstill, trotz des im Gehäuse integrierten Netzteiles.


    FAZIT
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    Eigentlich müsste ich von Eizo Geld bekommen, für die Lobpreisung dieses edlen Stückes Technik. Leider wird wohl daraus nix. Doch die investierten 500 Euro sind nicht umsonst. Top-Verarbeitung, top-Design, top-Bildqualität und null Pixelfehler machen es mir wirklich schwer, Negatives zu finden, was bei einer objektiven Betrachtung eigentlich immer dazugehört. Da mir an der Technik jedoch nichts Negatives auffällt, nörgel ich eben auf anderem Terrain.


    Die Ausstattung an Software ist dürftig. Treiber, Handbuch und Steuer-Software auf CD - das soll alles sein? Wie wäre es mit einem kleinen Goodie? Ein DVI-Kabel sollte auch zum Lieferumfang gehören, Zielgruppe sind schließlich keine Media Markt-Kunden.


    Meine Kaufempfehlung bekommt der Eizo Flexscan L568 uneingeschränkt, er erfüllt meine Wünsche und Zwecke in vollstem Maße, und wird dies sicher auch bei anderen tun.

  • Ich möchte zu meinem obigen Beitrag eine kleine Ergänzung bringen, zu der sich auch gern andere äußern dürfen.


    Streitthema "Interpolation am TFT":
    Bekanntermaßen muss der TFT Pixel neu berechnen, wenn er eine andere Auflösung empfängt als sein Panel darstellen kann (und zwangsläufig darstellen muss). Ähnlich dem Digitalzoom bei Kameras können dabei Unschärfen entstehen. Prinzipiell ist das auch richtig.


    Abhängig von der Art des Bildes (Bitmaps erscheinen nach meinem Eindruck weicher als gerenderte Objektkanten) schlägt sich der Eizo L568 recht wacker mit diesem Problem. Spiele in 1024x768 statt in nativen 1280x1024 können durchaus die Weichheit bei Schwenks und damit eine gewisse Schlierigkeit negativ begünstigen, doch wer vor einem Spiel sitzt und nur am Monitor herummäkelt, statt Spaß zu haben, sollte besser Briefmarken sammeln.


    Völlig überrascht war ich jedoch, als ich nicht nur 1024x768 Pixel, sondern ganz bewusst die vor vielen Jahren standardmäßige 640x480 Pixel-Auflösung in einem Grafikbenchmark einstellte. Erst dachte ich, der Auflösungswechsel hätte nicht geklappt. In einigen Objekten wurde zwar Treppchenbildung und eine Vergröberung feiner Linien ersichtlich, doch von einer miesen Auflösung konnte wirklich keine Rede sein. Das Bild wirkte tatsächlich "hochauflösend".


    Ich erinnere mich sehr gut an meinen ersten PC von 1995, 640x480 Pixel waren da höchst rechenintensiv (obwohl nur ein 4tel !!! der Pixelmenge von 1280x1024), und trotzdem waren die Pixel so groß wie Legobausteine. Nun besitzt mein Monitor eine Bildfläche, die um zig-% größer ist als die meines ersten 15-Zollers, und muss doch größere Pixel bei gleicher Auflösung darstellen! Doch Pustekuchen, das genaue Gegenteil ist der Fall! Hätte man solche Bildschirme früher gehabt - der Prozessoren- und Grafikkartenlobby würden heute die Argumente für ihren überteuerten Aufrüstwahn fehlen.


    Die Interpolation bietet also nicht nur Nachteile, sondern kann schwaches Bildmaterial außerordentlich aufwerten. Da wohl kaum noch Anwendungen verfügbar sind, die immer noch in VGA-Auflösung laufen, dürfte diese Eigenheit einer guten Signalverarbeitung im TFT vielen verborgen sein oder bleiben. Doch das Vorurteil, TFT´s würden bei jeder anderen als ihrer nativen Auflösung ein schlechtes Bild darstellen, kann so nicht aufrecht erhalten werden.


    Meinungen sind willkommen!