Abweichung Colornavigator/CompensationTable

  • Hallo,
    bei dem Testbereicht zum cx240 ist mir aufgefallen, dass bei einem Kalibrationziel von 6500k mit dem i1display pro gerade einmal
    ca. 5900K erreicht wurde. Das ganze wurde laut Moderator mit dem i1Pro verifiziert.
    Das ist ja schon eine sehr sehr deutliche Abweichung, finde ich. Und würde erklären, warum mir meine Bildschirme immer deutlich wärmer vorkommen als andere auf 6500k kalibrierte. Kann ich davon ausgehen, dass das recht verbindlich ist? Warum ändert Eizo nichts an dieser Abweichung?

  • Quote

    Das ist ja schon eine sehr sehr deutliche Abweichung, finde ich.


    Zunächst muss man festhalten, dass das i1 Pro keine perfekte Referenz ist, sowohl in Bezug auf die absolute Genauigkeit (Link) als auch das sogenannte inter-instrument-agreement, also Abweichungen der Sonden untereinander (Link). Schon aufgrund physiologischer Mechanismen ist das aber – in gewissen Grenzen – unproblematisch. Der Einsatz von zwei verschiedenen (Consumer-)Sonden im Rahmen von Kalibration und Profilierung ist also immer mit erhöhten Abweichungen verbunden, selbst wenn es sich um das gleiche Modell handelt. Bei einem Colorimeter kommt in diesem Szenario erschwerend hinzu, dass (i.d.R. generische) Korrekturmechanismen angewendet werden müssen. Ob Eizo hier auf das ausgefeilte System zurückgreift, das X-Rite für das i1 Display Pro vorsieht (inkl. mitgelieferter Charakterisierungsdaten für verschiedene Bildschimtypen – idealerweise würden entsprechende Daten für das konkrete Modell eingepflegt), kann ich nicht sagen.Die erhöhten Abweichungen (vgl. u.a. hier) können ihre Ursache auch in spektralen Eigenschaften bzw. der Wahl der Messreferenz haben.


    Quote

    Und würde erklären, warum mir meine Bildschirme immer deutlich wärmer vorkommen als andere auf 6500k kalibrierte.


    Das ist in dem Zusammenhang (i1 Display Pro, passendes Charakterisierungsset ausgewählt), gerade im Einzelschirmbetrieb, unwahrscheinlich. Die Adaptionsspannbreite des Auges ist hoch, und normierte bzw. definierte Abmusterungsbedingungen liegen im Heimbereich ohnehin höchst selten vor. Vor dem Hintergrund absoluter Abweichungen in o.g. Größenordnungen bleibt festzuhalten, dass selbst bei idealer Messung erhebliche (!) Differenzen zwischen messtechnischer und visueller Beurteilung auftreten können. Die steilflankigen Spektren von Bildschirmen – dieses Attribut trifft insbesondere auf Varianten mit erweitertem Farbraum zu – verstärken das Problem. Weitere Infos hatte ich hier zusammengefasst. Auf den Einzelschirmbetrieb ohne weitere Randbedingungen (z.B. Normlicht-Abmusterung) hat selbst das aber nur geringe Auswirkungen.

  • Danke Dennis für die ausführliche Darlegung.
    Ja, ich finde es schade, dass sich alles in derart "weit gefassten" Toleranzbereichen abspielt.
    Bis vor kurzem hatte ich einen p223w mit spva panel. Dieser erschien mir immer sehr rötlich und das bereits ohne Vergleich zu einer Referenz. Nun habe ich den cx240 mit ips Panel und LED Backlight auf die selben 6500k mit dem gleichen Colorimeter kalibriert wie den p223w. Der Witz ist, dass mir der cx240 überhaupt nicht rötlich erscheint im direkten Vergleich zum P223w.
    Des öfteren habe ich allerdings Kollegen mit kalibrierten iMacs, Thunderbolts oder was auch immer hier (alles Bildschirme mit leicht größerem Farbraum als srgb) neben mir sitzen. Die Bildschirme sind alle auf 6500K kalibiert (mit meinem Colorimeter) und kommen mir kühler vor - bzw. mein CX240 kommt mir immer noch zu warm für 6500k vor.
    Wenn ich dich richtig verstehe glaubst du nicht, dass Eizo die Charakterisierungsdaten für das jeweilige Modell anpassen?
    Weißt du denn, ob dass im i1Profiler der Fall ist?