Differenzen nach Monitorkalibrierung/Justierung

  • Hallo Leute. Ich nutze hier einen EIZO CG 318 und einen Quato IP 240 LED. Beide Monitore sind mit ihrer speziellen Software Color Navigator bzw. i Color Display hardwarekalibriert. Der Eizo kommt ja primär mit seinem eingebauten Swing-Colorimeter zurecht.
    Für den Quato nutze ich normal das Quato Silverhaze pro bzw. DTP94B.
    Beide Monitore werden im Weißpunt auf ein Ziel von 5800K über ihre Software eingestellt und erreichen dieses auch lt. ihrer Software mit einer Abeichung von max. 10k.
    Jedoch sagt schon der visuelle Vergleich beider Displays etwas anderes. Der Quato ist am Ende immer etwas wärmer abgestimmt als der EIZO. Mit der i Color Display Software und dem DTP94b habe ich mal das Weiß des Eizo vermessen. Tatsächlich bestätigt sich der visuelle Eindruck. Die Quato Software misst den Eizo etwa 400-500k kühler als die Eizosoftware. Um Differenzen zwichen den Messgeräten auszuschliesen, habe ich mir ein x Rite i1 Display Pro organisiert, welches mit Color Navigator und i ColorDisplay zusammenarbeiten kann. Leider ändert sich an dem Ergebnis nichts. Auch mit dem i1Display pro justiert Color Navigator den Eizo CG318 kühler als i Color Display den Quato IP 240 LED.
    Hat jemand eine Idee, woran das liegen kann.
    Letztlich sind beides Referenzgeäte, aber knapp 500k Unterschied sind weder wegzudiskutieren noch zu übersehen.
    Gruß. Jörg

  • Quote

    Jedoch sagt schon der visuelle Vergleich beider Displays etwas anderes.


    Das ist auch bei völlig fehlerfreier Messung mit absolutem Referenzequipment nicht zu vermeiden und verstärkt sich durch das schmalbandige Emissionsspektrum der Geräte. Du siehst nicht exakt wie der Normalbeobachter - dessen Spekralwertkurven zudem ohnehin nicht fehlerfrei sind. Es geht dabei nicht um Nuancen, sondern um deutliche visuelle Differenzen, die gerade in den Neutraltönen hervortreten.


    Gleichzeitig erreichst du mit deinen Sonden aber auch keine fehlefreie Messung im Hinblick auf den Normalbeobachter. Die Filter-Empfänger-Kombination des DTP94 weicht in ihrer Charakteristik relativ stark angestrebten Normal ab. iColor Display und Color Navigator implementieren zwar Korrekturen (in diesem Fall simple 3x3 Ausgleichsrechnungen), die aber nur generischen Charakter haben können und somit gerade vor dem Hintergrund schmalbandiger Emissionsspektren ebenfalls limitieren.


    Das i1 Display Pro ist da besser aufgestellt und zudem ab Werk charakterisiert. Zusammen mit bekannter Beobachterfunktion und bekannter spektraler Strahlungsverteilung des zu vermessenden Monitors können geeignete Kalibrationskoeffizienten berechnet werden. Allerdings ist eben diese spektrale Charakterisisierung des Monitors wiederum nur generisch. X-Rite liefert treiberseitig Spektraldaten für verschiedenste Hintergrundbeleuchtungen mit (z.B. RGB-LED, GB-LED, WCG-CCFL...). Das wählst du bei iColor Display im Feld "Wide Gamut Optimierung aus". Für das DTP94 verbergen sich dort 3x3 Korrekturen.


    Eizo setzt in Color Navigator eigene (3x3) Korrekturen um. Deswegen wirst du keine deckungsleichen Ergebnisse mit der gleichen Sonde erzielen - es sei denn, du deaktivierst sie:



    ("No compensation" auswählen).


    Für das DTP94 musst du in Color Display dann allerdings ebenfalls mit der Standard-LCD Einstellung messen (die sich auf einen Referenzmonitor mit CCFL-Hintergrundbeleuchtung stützt) und beim i1 Display Pro die generische Korrektur auswählen. Beides ist nicht sinnvoll.


    Kurz: Im Rahmen der Messung beeinflussen sich:


    - Beobachtervariabilität
    - Fehler des Normalbeobachters
    - Messfehler
    - Individuelle Korrekturen verschiedener Kalibrationslösungen


    Die angedeuteten, schmalbandigen Spektren von Wide-Gamut Monitoren sind diesbezüglich sehr ungünstig und führen zwangsweise zu teils erheblichen visuellen Unterschieden beim Abgleich. Optimierte Beobachterfunktionen können unter ganz bestimmten Umständen etwas Milderung verschaffen, setzen aber (meist) eine spektrale Messung voraus.


    Grundsätzlich bleibt ohnehin eher die Empfehlung, im Hinblick auf visuelle und nicht messtechnische Übereinstimmung hin zu kalibrieren. Wähle einen Monitor als Referenz und passe den Weißpunkt des anderen Monitors an. Sowohl Color Navigator als auch iColor Display bieten zu diesem Zweck Hilfen an, bei denen ein visuell angeglichener Weißpunkt vermessen und als Kalibrationsziel übernommen wird.


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    500k Unterschied sind weder wegzudiskutieren noch zu übersehen.


    Die korrelierte Farbtemperatur (CCT) ist eine eindimensionale Größe und daher für Farbvergleiche ungeeignet. Zwei Farbproben mit identischer CCT können sich erheblich unterscheiden.

  • Solche Gedanken habe ich mir auch schon gemacht.


    Aber sollten diese Probleme mit einem Spektralfotometer wie das i1 Basic pro nicht auftreten ?

  • Hallo Denis und vielen Dank für deine Erläuterungen.
    Ja. ich befürchte auch, dass ich mich mit der visuellen Weißpunkt-Übernahme an eine Übereinstimmung herantasten muss. Zumindest solange es keine Drittsoftware gibt, die beide Geräte hardwareseitig kalibrieren kann.
    Da dürfte in der Perspektive ohnehin nur Basicolor in Betracht kommen.
    Der Quato wird dort unterstützt. Wie weit das mit dem EIZO schon funktioniert, weiß ich noch nicht. Damit könnte man dann wenigstens mit einem Instrument (i1 D3) und einem Softwareansatz arbeiten.


    Nichts desto trotz hätte ich bei dem gebotenem Aufwand, den beide Hersteller in die genannten Monitore incl. zugehöriger Kalibrierlösungen gesteckt haben, mehr visuelle Weißpunktübereinstimmung erwartet.
    Eizo stimmt ja angeblich jeden CG Monitor dieser Baureihe mit dem eingebauten Swingcolorimeter aufeinander ab. Vermessen wird da, ich glaube, mit professionellen Spektralphotometern als Referenz. Bei Quato wurde das doch ähnlich gehandhabt.


    Für das DTP94b liefert iColor Display eine dezidierte Korrekturmatrix für die Serie IP 240LED mit seiner RGB Hintergrundbeleutung.
    Letztlich ist die Differenz zwischen DTP94b mit Quato 240 LED Korrektur und dem i1D3 mit der implementierten RGB LED Korrektur in iColor Display nur ca. 20-30K gewesen. Das sieht für mich nach einer angemessenen Adaption an die RGB LED Technik aus.
    Ähnlich gering sind die Unterschiede zwischen Eizo Swing und i1D3 im Color Navigator. Wobei ich im CN für das i1D3 keine Auswahlmöglichkeiten für die Hintergrundbeleuchtung gesehen habe. Das wird möglicherweise automatisch selektiert.


    Somit bleibt irgendwie das Gefühl, dass die beiden Softwarelösungen mit identischem Messgerät zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Zumindest sind die Gesamtunterschiede deutlich größer, als die kleinen Differnzen die sich bei den Kreuzversuchen mit den drei Colorimetern zeigten.


    Da fragt man sich, ob die teuren Spektralphotometer derer sich EIZO bzw. Quato als Referenz bedienten, der Grund für diese Abweichung sein könnten?


    Schließlich möchte der Kunde in dieser Klasse auch glauben, dass 5800k als Ziel angezeigt werden und nicht 5400K oder 6200K.
    Egal bei welchem Hersteller.


    Gruß. Jörg

  • Quote

    Nichts desto trotz hätte ich bei dem gebotenem Aufwand, den beide Hersteller in die genannten Monitore incl. zugehöriger Kalibrierlösungen gesteckt haben, mehr visuelle Weißpunktübereinstimmung erwartet.


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    Aber sollten diese Probleme mit einem Spektralfotometer wie das i1 Basic pro nicht auftreten ?


    Da kann man leider nicht viel machen. Die Differenzen treten, wie angedeutet, auch bei nahezu fehlerfreier Messung auf, d.h. selbst wenn du ein absolutes High-End Spekatralradiometer wie das Minolta CS-2000 verwendest (Emissionsmessungen sind für das i1 Pro (2) eher sekundärer Einsatzzweck; neben dem problematischen Signal-Rauschabstand, der Messungen in den Tiefen unpräzise macht, ist der optische Bandpass mit 10 nm relativ grob). Hier limitieren Beobachtermetamerie und Fehler des Normalbeobachters. Das Problem wird sich in Zukunft weiter verschärfen. Da die Beobachtervariabilität nicht "wegoptimiert" werden kann, geht der Trend wohl eher in die Richtung, das Spektrum von Selbstleuchtern (die Messung von Körperfarben ist wesentlich unproblematischer, hier ist das Reflexionsspektrum sehr breitbandig) im Hinblick auf möglichst geringe Metamerieeffekte anzupassen. Um einen großen Farbumfang abzudecken erfordert dies den - wiederum in anderer Hinsicht nicht unproblematischen - Einsatz von mehr als drei Primärfarben.


    Quote

    Wobei ich im CN für das i1D3 keine Auswahlmöglichkeiten für die Hintergrundbeleuchtung gesehen habe. Das wird möglicherweise automatisch selektiert.


    Mit der "Color Management" Einstellung der "Compensation Table": Ja. Das ist eine individuelle Korrektur von Eizo. Deswegen auch die Nicht-Vergleichbarkeit bei Nachmessung in iColor Display.

  • Hallo Denis. Danke für die ausführlichen Hinweise. Hast du zum i1Display Pro Colorimeter noch etwas genauere Informationen?
    Es wird ja geschrieben, dass dort die Korrekturen für diverse Paneltechnologien im Gerät implementiert seien. Greift die Auswahl von Quato i Color Display Solution auf eben diese zurück oder hat Quato auch eigene Korrekturen in der Software?
    Gruß. Jörg

  • X-Rite liefert spektrale Charakterisierungen für verschiedene Ausgabegeräte mit. Die werden dann zur Berechnung der Korrekturkoeffizienten für die Filterkanäle herangezogen. iColor Display reicht diese Auswahl ans Frontend weiter. Allerdings sind Erweiterungen (z.B. für GB-LED Hintergrundbeleuchtungen) nicht mehr eingeflossen. Individuelle Korrektur-Matrizen, die auf einer bestimmte Auswahl fußen müssten, werden nicht angeboten.

  • Hallo Denis und vielen Dank. ich werde mal mit BasIC Color Display experimentieren. Da wird ja noch weiterentwickelt, was bei QUATO leider nicht mehr der Fall ist.
    Gute Nacht. Jörg