Kalibrierung meines neuen TFT

  • Hallo, ich werde heute wohl meinen neuen Monitor geliefert bekommen und habe mir dafür auch gleich den Spyder2 eines Freundes ausgeliehen.


    Ich habe schon lange nicht mehr mit dem Spyder kalibriert, nun meine Frage:


    Wie komme ich auf die ideale Helligkeit von 140 cd/m² (oder einer anderen Wunschhelligkeit)? Ist das Einstellen der Helligkeit Bestandteil der Kalibrierung? Sollte ja eigentlich nicht so sein, da man die Helligkeit der Umgebung anzupassen kann/sollte. Die Kalibrierung wäre dann zerstört!?!


    Vielen Dank.


    THK

  • In der Regel kannst Du vor der eigentlichen Kalibrierung mit Hilfe der Software die Helligkeit einstellen. Spricht Du drehst an der Helligkeitseinstellung des Monitors und die das Kalibrierungsgerät misst permanent und teilt Dir den aktuellen Wert mit. Du solltest die Helligkeit soweit möglich nur über die Helligkeitseinstellung ändern, nicht über den Kontrast. Wenn Du die Helligkeit später veränderst, hat das dann erstmal nur Auswirkung auf die Hintergrundbeleuchtung, nicht die Kalibrierung und Farben. Praktisch solltest Du aber für verschiedene Helligkeiten jeweils ein eigenes Kalibrierungs-Profil anlegen.

  • Hallo,


    und danke für die schnelle, kompetente Antwort. Und wo wir gerade dabei sind :-) Was entscheidet eigentlich über die richtige Wahl des Farbtemperatur (z.B. 6500K). Doch wohl eher die Anwendung (z.B. Bildbearbeitung) als der persönliche Geschmack? Ist die Kalibrierung hier bei einem Wechsel der Farbtemp. immer neu durchzuführen?


    Vielen Dank.


    THK

  • Die Wahl der Farbtemperatur hängt vom Nutzen ab. Wenn man keine Grafik- oder Videobearbeitung betreibt, dann kann die Farbtemperatur und Gamma-Kalibrierung im Grunde frei nach Schnauze gewählt werden. Wenn man Bilder, Spiele und Filme möglich "farbecht" sehen möchte, also mit den Farben, die der Ersteller des Materials vorgesehen hat, dann nutzt man den Farbraum und die Gammaeinstellung, die auch der Ersteller genutzt hat.


    Bei allen Internet-, HDTV- und PC-Anwendungen gibt es dazu den sRGB Standard, der einen Weißpunkt von 6500K (D65) vorsieht, bei einem Gamma das annähernd (aber nicht gleich!) 2,2 ist. In der Druckbranche wird meist mit einem Gamma von 1,8 gearbeitet bei 5000 - 5800K Weißpunkt. Das Gamma ist historisch bedingt, zum einen, weil MAC mit diesem Wert arbeiten und zum anderen, weil es den damals üblichen Druckmaschinen am nächsten kam. Die Farbtemperatur wird deshalb so gewählt, da Ausdrucke i.d.R. unter 5000K Normlich (D50) kontrolliert werden. Allerdings hat sich herausgestellt, dass ein Wert von 5000K am Monitor (selbstleuchtend) optisch nicht ganz den beleuchteten Ausdruck entspricht, deshalb werden oft etwas kältere Werte genommen (die UGRA schlägt 5800K vor).


    In Büroanwendungen ist es oft nützlich eher kältere Weißpunkte zu wählen (7000-9000K), da dadurch der Eindruck eines klareren Schriftbildes entsteht. Zudem werden Büros meist durch kältere Leuchtmittel als die gute alte Glühbirne zuhause beleuchtet und oft auch stark von Tageslicht durchflutet.


    Insgesamt macht es durchaus Sinn die Farbtemperatur dem Umgebungslicht anzupassen. Ansonsten bleibt man bei 6500K für alle sRGB Sachen (und AdobeRGB).


    Bei Wechsel der Farbtemperatur ist immer eine neue Kalibration durchzuführen, da die "neutralen" Grauwerte ebenfalls auf die neue Temperatur kalibriert werden müssen. Ob ein Grauton zu warm/rotstichig oder kalt/blaustichig ist ergibt sich schließlich nur im Vergleich zum Weiß. So wie es kein neutrales Weiß gibt, gibt es auch kein neutrales Grau (ist ja nur dunkles Weiß).

  • Habe jetzt mein Dell 2407 kalibriert. Und zwar mit der Vorgabe 6500 2.2. Dies wurde auch als Standardprofil abgelegt.


    Meine Werte RGB: 93/92/96 Sollte ja bei anderen 2407-Nutzern ähnlich sein.


    Helligkeit auf 0%


    So sollte es ja von Programmen mit Farbprofil (Photoshop) genutzte werden. Die Spyder2 Software bietet nun auch eine Kalibrierung direkt zu sRGB an. Ist dies nun doch etwas anderes als 6500/2.2?? ImWesentlichen möchte ich Digitalbilder meiner Kamera bearbeiten. Da ist sRGB doch richtig?


    Ach noch etwas: Schon beim ersten testen war mir der Monitor viel zu hell. Habe die helligkeit auf 0% gestellt und auch so kalibriert. Die Kalibration bescheinigt mir immer noch rund 171 cd/m2. Normal?


    Vielen Dank.


    THK

  • Die RGB-Einstellungen am Monitor beeinflussen lediglich und Ausschließlich die Farbtemperatur! Mit 6500K bist Du da für sRGB richtig.


    Beim Gammawert ist es so, dass sRGB eine Gammakurve nutzt, die fast deckungsgleich mit Gamma 2,2 ist, aber eben nur fast. Die dunklen Graustufen sind bei sRGB leicht angehoben, also heller. Deshalb haben die meisten Kalibrierungskurven unserer neueren Test im unteren Bereich einen kleinen Schwenk nach oben. Monitore kommen in der Regel mit einer reinen Gammakurve daher, während sRGB eben nicht ganz algorithmisch ist. Der Unterschied ist nicht groß, wenn Du aber die Wahl hast, dann kalibriere auf sRGB, selbst wenn dabei durch die Software-Kalibrierung einige Farbstufen verloren gehen.


    Hier das Beispiel einer Tonkurve des NEC 2470, im unteren Abschnitt sieht man eine kleine Ausbuchtung aller drei Farbkurven nach oben (rot am stärksten, da die Grauwerte des Monitors dort wohl auch zu kalt waren), dort sind die Grauwerte des Monitors also dunkler als im sRGB-Standard vorgesehen und werden durch die Kalibrierung entsprechend leicht angehoben. Das gilt wie gesagt für die meisten Monitore, die mit Gamma 2,2 arbeiten.

  • Hallo,


    danke für Deine Erklärungen. Nun ist mir aber eines nicht mehr ganz klar:


    Was mache ich eigentlich? Ein Hardware- oder Softwarekalibrierung. Die Spydersoftware gibt mir Anweisungen die RGB-Fareben am Monitor zu verändern (Hardware!?). Andererseits wird aber beim Computerstart eine ICC Datei gestartet (Software).


    Was ist richtig?


    Vielen DAnk, THK

  • Deine Vermutung ist soweit richtig. Allerdings enthält die ICC Datei eigentlich nichts anderes als das Messprofil (quasi ein vereinfachtes Protokol der Messung). Die Messung findet statt nachdem Du die Einstellungen an der Monitor-Hardware vorgenommen hast. Die Kalibrations-Software installiert ein Programm zum Windows-Start, dass die Ausgabe der Grafikkarte anhand dieses Profils zu Deinem gewünschten Zielgamma und Farbtemperatur verbiegt. Je näher die Monitoreinstellungen am gewünschten Ziel sind, desto weniger muss verbogen werden. Dies alles nennt man Software-Kalibrierung, da die Ausgabe der Grafikkarte per Software verändert wird, dabei gehen Farben verloren.


    Es gibt Grafiker-Monitore, bei denen die Ausgabe von der Kalibrations-Software direkt per Hardware im Monitor verändert werden kann, in diesem Fall spricht man von Hardware-Kalibrierung. Dabei gehen normalerweise keine Farben verloren, da diese Geräte intern mit höherer Farbauflösung (10, 12, 14 Bit) arbeiten als die Grafikkartenausgabe (8 Bit).