Kontrastverhältnis in Tests nicht nachvollziehbar - Erklärung?

  • Hi,


    ursprünglich habe ich mich eigentlich nur gewundert über mein schlechtes Kontrastverhältnis meines Monitors (S24A850DW) gegenüber einem Review/Test im Internet. Vom Bauchgefühl passte der von mir ermittelte Wert (Spyder3Elite) durchaus. Ich habe eindeutig schon mal ein besseres Schwarz gesehen (für normale Anwendungen reicht es mir vollkommen aus). Bekannte Tests über PLS-Panels (auch Prad beispielsweise beim Samsung S27A850D und S27B970D) zeigen ein recht brauchbares Kontrastverhältnis von ca. 800:1 während mein Monitor gerade mal ca. 420:1 aufzeigt.
    Hier mal 2 Beispiele:


    [Quelle]



    [Quelle Kontrast für den S27A850D]



    Genau so viele Fragezeichen hatte ein anderer User eines Dell U2412M, der ebenfalls mit einem Spyder3 bei seinem Monitor ein Kontrastverhältnis von 400:1 ermittelt hatte (von Prad mit 800:1 getestet).


    Ich habe es dann auf dem Spyder geschoben - und gut ist. Trotz diesem niedrigen Verhältnis reicht mir ja auch das angezeigte Schwarz bei normalen Anwendungen.


    Nun habe ich einen anderen Test ausfindig gemacht, welcher dem Dell und auch dem Samsung ein noch schlechteres Kontrastverhältnis attestiert:


    [Quelle]


    Nun meine Frage @Prad:
    Da die von mir aufgezeigten Abweichungen eher horrender Natur sind, fragt man sich als Laie schon was da los ist.
    Ist das wirklich so, dass in Folge der Serienstreuung die Werte für Schwarz und Weiß so stark abweichen können (Weißwert geht hier beispielsweise von 386 cd beim ersten Test bis 241cd beim letzten Test für den S24A850)?


    -volker-

  • Quote

    Ist das wirklich so, dass in Folge der Serienstreuung die Werte für Schwarz und Weiß so stark abweichen können


    Auf keinen Fall.


    Quote

    Bekannte Tests über PLS-Panels (auch Prad beispielsweise beim Samsung S27A850D und S27B970D) zeigen ein recht brauchbares Kontrastverhältnis von ca. 800:1 während mein Monitor gerade mal ca. 420:1 aufzeigt.


    800:1 sind für die Testbedingungen (nach Kalibration auf D65) realistisch. Die erwähnten Panels (IPS/ PLS) sind nativ i.d.R. mit 1000:1 vom Hersteller angegeben. Manche Bildschirme reduzieren am unteren Ende der Helligkeitseinstellung nur noch den Weißpegel, was das Kontrastverhältnis in diesem Bereich natürlich stark reduziert. Einen Kontrastumfang >450:1 erreichten bereits mein Samsung 240T (24" PVA, vorgestellt 2000) und Apple Cinema HD Display in der ersten Revision (30" IPS, vorgestellt 2004).


    Quote

    Nun habe ich einen anderen Test ausfindig gemacht, welcher dem Dell und auch dem Samsung ein noch schlechteres Kontrastverhältnis attestiert:


    Ist gar nicht nachvollziehbar. Wenn per HDMI angeschlossen, könnte man ja noch von einer falschen Abstimmung des Signalpegels im Testszenario ausgehen – wie auch immer: Nein, die Ergebnisse repräsentieren nicht den Kontrastumfang der Geräte.

  • hmm....


    Hab meinen Monitor über DVI angeschlossen - trotzdem einen schlechten Schwarzwert.


    Hier mal nach Werksreset:


    Hier mal nach Kalibrierung auf D65:


    Für so manchen User (Link) ist der schlechte Schwarzwert der einzige triftige Grund einen PLS-Monitor wieder zurück zu schicken. Ich kann mir schwerlich vorstellen, dass eine ca. 800er-Wertung solch eine Reaktion hervorrufen kann - einen falschen Anschluss mal außen vor gelassen.
    Mir persönlich sind die Zahlenwerte schon irgendwie Schnurz (da ich bei normaler Anwendung äußerst glücklich mit meinem Bild bin - Filme, in einem abgedunkelten Raum, schaue ich auf dem Fernseher) - nur wundert mich diese Diskrepanz schon.


    -volker-

  • Quote

    Für so manchen User (Link) ist der schlechte Schwarzwert der einzige triftige Grund einen PLS-Monitor wieder zurück zu schicken. Ich kann mir schwerlich vorstellen, dass eine ca. 800er-Wertung solch eine Reaktion hervorrufen kann


    Das kommt schon hin, gerade wenn mit aktuellen TVs bzw. Computerbildschirmen mit modernem VA-Panel verglichen wird. Bei dieser Beurteilung spielen auch Blickwinkeleigenschaften – in diesem Fall also die IPS typischen Aufhellungen – eine große Rolle.


    Hier auch mal das Datenblatt zu deinem PLS-Panel:

  • Einen Schwarzwert von 0,66 cd/m² bei voller Helligkeit hab ich bei aktuellen Panels schon lange nicht mehr gemessen, das ist schon merkwürdig. Dabei fällt mir ein, dass ich vor kurzem erst einen Monitor hier hatte, der - an DVI angeschlossen, nicht HDMI - im ATI Catalyst mit Win7 trotzdem einen Unterpunkt aufmachte, wo ich neben YCbCr auch RGB einstellen konnte, und zwar auch mit reduziertem Pegel 16-235. Das hätte dann genau das hier beschriebene Ergebnis gebracht, denke ich.

  • Hi flask,


    ich habe zwar nur einen nvidia-Treiber vom 22.06.2012 installiert (Grafikkarte evga 8800GT), aber dieser Treiber hat sich bei mir nicht verschluckt und zeigt keine TV-Daten diesbezüglich an. Der Menüpunkt (falls Grafikkarte im TV-Modus) "Digitales Farbformat" erscheint richtiger Weise also erst gar nicht. Obwohl ich nicht glaube das ein Treiberupdate für meine alte Karte noch was bringt, werde ich es trotzdem mal versuchen. Vielleicht klemmt ja trotzdem etwas. Vielleicht nehme ich auch mal den anderen DFI-Ausgang meiner Grafikkarte.


    -volker-

  • Nur zur Klärung: lade doch mal dieses Bild:


    Welche tiefste Schwarzstufe kannst du mit bloßem Auge bei normalem Abstand noch unterscheiden?


    Der nächste Test wäre dann dasselbe mit Weiß:


    Wird das Schwarz schwärzer, wenn der Samsung im OSD in den AV-Modus (statt PC-Modus) geschickt wird?

  • Hi flask,


    erst mal danke das Du Dir weiterhin Gedanken machst (netter Support hier). Von den schwarzen Quadern kann ich eigentlich Alle erkennen, wenn auch Nummer 1 nur so gerade eben erkennbar ist. Die weißen Schachbrettmuster sind bis auf 254 alle zu unterscheiden. Bei dem Schachbrett 254 sehe ich aber nur noch weiß.


    Bei der schwarzen Hintergrundfarbe (oder auch bei anderen schwarzen Bildern) macht es keinen Unterschied ob ich im AV- oder PC-Modus bin.


    -volker-

  • Hier ein erneuter Test des 27" SA850 mit ebenfalls niedrigem Kontrastratio -> Link.
    So aus dem Bauch heraus (und dem Vergleich mit meinen Werten) und gleichfalls schimpfenden Usern von PLS-Bildschirmen muss doch da etwas dran sein. Aber wie soll das bitteschön möglich sein, wenn - nach Prad-Meinung - die Schwarz- und Weißwerte niemals in einem starken Bereich schwanken können.


    Übrigens: Das ich den händischen Kontrasttest bestanden habe, ist für mich kein Zeichen einer hohen Kontrastratio - oder sehe ich das falsch? Meiner Meinung nach kann man unterschiedliche schwarze Tonwerte auch dann noch gut unterscheiden, wenn die Farbdarstellung der unterschiedlichen Hexwerte (127,127,127) zu beispielsweise (135,135,135) eben sehr genau vom Monitor dargestellt werden kann. Das sagt doch nur aus, das er einen Unterschied darstellen kann, nicht das das Schwarz auch Schwarz ist. Der Monitor besteht den manuellen Test eben mit der Darstellung unterschiedlicher Grautöne.


    PS: Um hier keinen falschen Eindruck zu hinterlassen. Nach wie vor ist bei der normalen Anwendung mir die Darstellung von Schwarz ausreichend genug. Nur bei vollflächigem Schwarz zeigt der Monitor diesbezüglich seine Schwächen.


    -volker-

  • Zunächst ist es eine Frage des Messequipments. Im Consumer-Bereich sollte man für hinreichend zuverlässige Messungen im unteren Helligkeitsbereich zu einem guten Colorimeter greifen. Aktuell bietet sich besonders das i1 Display Pro von X-Rite aufgrund seiner Optik an. Der Discus von basICColor ist ebenfalls sehr geeignet. Mit dem Spyder4 habe ich noch keine Erfahrung. Wir verwenden hier das besagte i1 Display Pro oder das gute alte DTP94. Mit bestimmten Bildschirmen stößt man auch hier an Grenzen, das betrifft aber IPS- und PLS-basierte Geräte nicht.


    Die Herstellerangaben beziehen sich auf den nativen Weißpunkt der Geräte, auch das sollte man berücksichtigen. Unsere Messungen werden, um konsistent zu bleiben, immer nach Kalibration auf D65 als Weißpunkt durchgeführt (wir geben i.d.R. aber auch das Kontrastverhältnis für 100% Helligkeit bei nativem Weißpunkt – sofern erreichbar – an). Eine etwas "schlampige" Kalibration, bei der Weiß- und Schwarzpegel nicht ideal abgestimmt werden, senkt der Kontrastumfang allerdings mehr als nötig. Hier muss man etwas aufpassen, d.h. insbesondere nicht alle drei RGB-Gain-Regler absenken und den Schwarzpunkt nicht über eventuell vorhandene Offset-Regler erhöhen. Als Kalibrationsvorgabe dann den Schwarzpegel nicht erhöhen und am besten keine Weißpunkt-Leuchtdichte vorgeben. Die stellt man im ersten Schritt der Kalibration manuell selbst sicher. Im High-End-Bereich verfügen die Bildschirme über eine Funktion zur Verbesserung der Flächenhomogenität, die den Kontrastumfang zwangsweise reduziert.


    Darüber hinaus sollte man natürlich die angesprochene "FullRange-Videolevel-Problematik" beachten, wobei das wirklich sofort auffällig ist. Wenn die Messungen trotz Beachtung alle angesprochenen Fallstricke einen ungwöhnlich niedrigen Kontrastumfang ausweisen, sollte man noch überprüfen ob im Bereich des Messfläche nicht eine stärkere Aufhellung vorhanden ist (Stichtwort: Clouding/ Wolkenbildung).

  • Hi Denis,


    ich werde mal Deine Tipps berücksichtigen. Inbesondere "nicht alle drei RGB-Gain-Regler absenken" trifft bei mir zu. Meine Gainregler stehen nämlich auf 40/31/26 für Rot/Grün/Blau.


    -volker-

  • ...habe nun den roten Anteil auf die Werkseinstellung von 50% gebracht und danach den Weißpunkt auf D65 kalibriert (und damit die anderen Gains eingestellt). Weißpunktleuchtdichte zuerst auf Werkseinstellung gelassen (kaum Unterschied) um dann letztendlich auf 100 cd/m² profiliert. Schwarzpunktoptimierung nicht auf den gemessenen Wert, sondern Vorgabe von mir 0,0.


    ...bleibt alles beim Alten


    ...wie gesagt - für mein Empfinden reicht mir das Schwarz. Nur die Werte variieren offensichtlich. Es kann ja durchaus sein, das mein Messequipment fehlerbehaftet ist, oder ich einen dicken Fehler in meinem Verständnis habe. All das kann sein, bloß das andere professionelle Teams dabei gleichfalls ins Klo greifen sollen, dass finde ich ansatzweise schwerlich nachvollziehbar. Sei's drum, man kann schließlich nur dokumentieren, was man auch gemessen hat. Das gilt für jeden Test - wer jetzt näher an der Wahrheit ist, dass kann keiner sagen (meiner Meinung nach).

  • Quote

    ...wie gesagt - für mein Empfinden reicht mir das Schwarz. Nur die Werte variieren offensichtlich.


    Wie gesagt, eine Streuung in solchen Größenordnungen ist auszuschließen. Natürlich könnte man sich ein Gerät vorstellen, dessen Schwarzpegel out of the box künstlich angehoben wurde, siehe z.B. den sRGB-Modus (Link) des S27B970, den wir vor kurzem getestet haben. Damit kann man die Neutralität in den Tiefen (letzte vermessene Stützstelle bis Schwarz) verbessern. Im eigenen Kalibrationsworkflow ist das ebenfalls möglich, wird aber kaum angewendet. Denkbar wäre auch eine unbeabsichtigt falsche Werksabstimmung mit zu hohem Schwarzpegel (ohne Korrekturmöglichkeit im OSD, also einem klassischen Helligkeitsregler), was im Rahmen einer Serienfertigung sehr unwahrscheinlich ist. Selbst das wäre am Ende aber keine Charakteristik, die aus einer – wie auch immer soetwas praktisch aussehen sollte – Streuung in der Panelfertigung selbst resultierte. Enorme Kontrasverluste am unteren Ende der Helligkeitseinstellung sind wiederum recht verbreitet. Solche Bildschirme erlauben eine Absenkung der Helligkeit über den Regelungsbereich der Hintergrundbeleuchtung hinaus.


    Quote

    ...bleibt alles beim Alten


    Wie lauten denn die Messwerte bei 100% Helligkeit, nativem Weißpunkt (RGB-Gains in Ausgangsstellung) und ohne Kalibration? Bezgl. der visuellen Beurteilung: Ein Kontrastumfang im Bereich von 800:1 +/- 200 führt noch lange (!) nicht zu einem enormen "Punch" in Szenen mit entsprechenden Anteilen in den Tiefen und Lichtern. Hast du eventuell die Möglichkeit, zumindest leihweise an ein DTP94 oder i1 Display Pro zu kommen?


    Quote

    All das kann sein, bloß das andere professionelle Teams dabei gleichfalls ins Klo greifen sollen, dass finde ich ansatzweise schwerlich nachvollziehbar.


    Ich möchte mich an dieser Stelle nicht über die oft "kreative Anwendung der Farbmetrik" auslassen. Das ist leider ein großes Problem, da am Ende häufig nur schöne bunte Balken mit dafür ungeeigneten oder im falschen Kontext verwendeten Werkzeugen (das bezieht insbesondere die Softwareseite ein) erzeugt werden. Hinsichtlich unseres Problems hier ist das ohnehin nur zweitrangig, da es ja lediglich um die Erfassung von Weißpunkt- und Schwarzpunktleuchtdichte geht.


  • Wie lauten denn die Messwerte bei 100% Helligkeit, nativem Weißpunkt (RGB-Gains in Ausgangsstellung) und ohne Kalibration?


    ...steht eigentlich schon auf der ersten Seite dieses Threades - aber ich habe diesmal kein Werksreset gemacht sondern nur die Gains auf Faktorysetting gestellt (50/50/50_ Kontrast auf 75) - kommt eigentlich auf das Gleiche raus wie ein kompletter Reset.


    Den höchsten unkalibrierten Kontrastwert, den ich bisher hatte war 525,7:1 - bei 100% Kontrastregler-Einstellung und 50/50/50er Gain.


    ...ist halt so! Und auch ein ausführliches User-Review kommt zu folgender Erkenntnis:"Die neue PLS-Technologie ähnelt den TN/IPS-Panels in Sachen Kontrasten sehr stark. Leider erreicht der Monitor aufgrund des hohen Schwarzwertes nur einen Kontrast von ca. 541:1 (sRGB-kalibriert).....Dadurch dass das Panel aber nur gering entspiegelt ist, wirkt der Kontrast viel besser als seine Messung." [Quelle - auf "Kontraste" runter scrollen].


    -volker-

  • Quote

    ...ist halt so! Und auch ein ausführliches User-Review kommt zu folgender Erkenntnis:


    Selbst bei seiner Messung sind es vor der Kalibration immerhin 750:1 (dazu kommt noch erschwerend eine Aufhellungssituation in der Mitte). Die Post-Kalibrationsergebnisse sind ohne Kenntnisse des genauen Ablaufs (edit: Die RGB-Gains hat er ja gepostet, da wird der Weißpegel ordentlich und unnötig abgesenkt) nicht zu beurteilen, siehe dazu meine bereits verfassten Kommentare. Aber ich will hier auch nicht missionieren, d.h. man mag mir die Ausführungen glauben oder nicht.