Oldie-Test: Eizo L795 (Prad.de User)

  • Ich bin ja nicht neugierig, aber wissen wollte ich's dann doch: Was kann man eigentlich mit einem >10 Jahre alten Oberklasse-Monitor heute noch anfangen? Will man sowas noch haben? Vorab, die Antwort lautet "kommt drauf an"...


    Bei so alter Hardware ist nämlich tatsächlich alles drin. Grundsätzlich funktionieren dürfte so ein Gerät i.d.R. noch völlig klaglos (in Nobel-Hardware wurden nun mal gottlob keine auf Kante genähten Billigelkos verbaut), aber es kann gut sein, daß die CCFLs der Hintergrundbeleuchtung schon ziemlich fertig sind. Gerade bei Modellen mit IPS-Panels und gehobener Ausstattung kann es gut sein, daß da vorher lange Jahre Bildbearbeitung angesagt war und Helligkeit und Farbdarstellung gerade mal noch für den Officebetrieb genügen. (Wer Erfahrungen mit einer diesbezüglichen Renovierung hat, könnte sich bei Gelegenheit gern mal dazu auslassen, ich fände es auf jeden Fall interessant.)


    Mit meinem jüngsten "Fang" bin ich da irgendwo im Mittelfeld gelandet. Ein L795 war seinerzeit (ab ca. Anfang 2004) schon ein dolles Ding mit so Sachen wie Bild-im-Bild-Funktion und Hardware-Rotation, auch ein USB(-1.1)-Hub ist drin. Ausgestattet mit PVA-Panel, war er eher für den Business-Anwender gedacht, der einen knappen Tausender dafür hinzublättern bereit war (was freilich ein gutes Jahr davor nur für ein Consumer-Modell gereicht hätte... so ändern sich die Zeiten). Es ist schätzungsweise das gleiche Samsung-Panel verbaut wie in meinem alten 191T (oder im L767), die Specs von 500:1 und 170/170° sind als recht konservativ anzusehen.


    Erster Bildeindruck: Schon recht gelblich, der gute. Gut 5000h auf der Uhr, Gehäuse teils deutlich vergilbt, also schätzungsweise öfter mal bei höherer Umgebungshelligkeit gelaufen. (Ein S1921 nach fast 10000h Officebetrieb sieht da noch deutlich besser aus.) Es ließ sich aber mit der Farbtemperatureinstellung auf ca. 8000-8500 K die Darstellung meinem NEC 1990SXi auf 5900K noch recht gut angleichen (woran ich beim 191T kläglich gescheitert war, auch ein gut ausgelutschter NEC 1980FXi kann das so nicht). Einzig dieses ganz tiefe Blau, das packen VA-Panels einfach nicht so recht.


    Die Maximalhelligkeit ist tagsüber bei Sonne noch ausreichend (ähnlich dem NEC auf ca. 62%), viel Luft ist da nicht mehr. Dafür läßt er sich ziemlich weit runterregeln, wobei die Skala linear zu sein scheint, also subjektiv oberhalb von 50-60% nicht mehr viel passiert. Viel Aufwärmzeit braucht er übrigens nicht.


    Eine 6-Achsen-Farbkorrektur habe ich im Menü ebenso vergeblich gesucht wie eine Gammaeinstellung, der Datenbankeintrag ist wohl in dieser Hinsicht falsch. Gerade der Blaukanal scheint hier ein deutlich erhöhtes Gamma aufzuweisen, in den anderen ist es eher ein wenig zu niedrig. Dafür läßt sich immerhin die blaue Betriebsanzeige-LED auf Wunsch abschalten.


    Der Kontrast hinterläßt bei Videomaterial einen ähnlichen Eindruck wie mein NEC mit seinem S-IPS-Panel, der da eigentlich minimal schlechter dastehen müßte. Durch die Farbtemperatur-Einstellung geht aber schon merklich Helligkeit flöten, was natürlich direkt vom Kontrast abgeht. Schätzungsweise sind wir da jeweils noch in der Größenordnung 500:1. Für ein subjektiv sattes Schwarz unter Normalbedingungen reicht's, einem Videoabend steht damit grundsätzlich nichts im Wege. Nur unter verschärften Bedingungen geht es halt recht schnell ins Dunkelgrau.


    Es wurde schon seinerzeit die Bildstabilität im Analogbetrieb bemängelt, und in der Tat, feine Muster bekommt man auch mit manuellem Feintuning der Phase - die der Autoadjust nicht perfekt erwischt - nicht ganz wellenfrei. Eigentlich untypisch für einen Eizo. (Ich vermisse auch Funktionen für eine weitere Erhöhung des Kontrasts und zum Nachschärfen.) Ich habe aber eh den Eindruck, daß das Modell seinerzeit irgendwie ein Nachzügler war, vielleicht weil die komplizierte Elektronik die Entwicklung verzögerte (als ausgereift würde ich Flachmänner ab ca. 2006 betrachten). Immerhin sind Umschalten und Signalerkennung angenehm schnell.


    Leichtes Banding in den dunkleren Bereichen, dafür ist eine Differenzierung der Helligkeitswerte bis runter zu 1 und rauf zu 254 ohne weiteres gegeben.


    Im Betrieb ist keine nennenswerte Geräuschentwicklung feststellbar. Nur im Standby ist aus dem Netzteilbereich ein hochfrequentes Britzeln zu hören, das im Soft-Off ein wenig leiser wird. Bei Inbetriebnahme des USB-Hubs verschwindet dieses wieder, wohl weil dieser dann etwas Strom zieht. Aber eigentlich hätte es das An- und Abschwellen der Power-LED im Soft-Off (dann ebenso wie im Standby orange) gar nicht wirklich gebraucht. ;) Naja, abschalten (Netzschalter ist gut zugänglich auf der Oberseite links) und gut ist.


    Das Gehäuse klingt übrigens seitlich ähnlich hohl wie beim S1923, scheint aber intern bombastisch stabil zu sein. Zur Kabelarretierung am Standfuß kommt noch die klappbare Metallklammer zur Einsatz, spätere Modelle hatten da einen Plastikdeckel.

  • Nachtrag -


    Stromverbrauch:


    Soft-Off: etwas unter 2 W
    Standby: etwas über 3 W
    Standby mit USB-Hub: etwas über 4 W (PF ~35-40%)
    Standby nach Betrieb, USB-Hub wieder abgezogen: 1 W
    Soft-Off nach Betrieb, USB-Hub wieder abgezogen: <1 W (PF ~15%)
    Nach Ausschalten und Wiedereinschalten bleibt es dann ohne USB bei den kleineren Werten. Whatever.


    Normalbetrieb, VGA, Helligkeit 0%: 17 W (PF ~67%)
    Normalbetrieb, VGA, Helligkeit 25%: 25 W (PF ~80%)
    Normalbetrieb, VGA, Helligkeit 33%: 28 W (PF ~83%)
    Normalbetrieb, VGA, Helligkeit 50%: 32 W (PF ~93%)
    Normalbetrieb, VGA, Helligkeit 100%: 37 W (PF ~97%)


    Die Erwärmung des nach heutigen Maßstäben geräumigen Gehäuses ist auch bei maximaler Helligkeit moderat, wie das auch schon beim 191T der Fall war. NECs mit IPS-Panels sind da deutlich hitzköpfiger.


    Wie man schon erahnen konnte, schaltet das Gerät die Hintergrundbeleuchtung nicht "an jeder Milchkanne" ab, sondern wartet damit vernünftigerweise auch bei Signalverlust noch einige Sekunden lang. Das fand ich beim Samsung immer ziemlich bescheuert, auch deswegen hat der immer recht lang zum Umschalten gebraucht.


    Zur Benutzerführung:


    An sich finde ich das Bedienkonzept mit den großen qudratischen Tasten auf der Front recht gelungen, die lediglich eingeprägte Beschriftung ist allerdings auch beim hellgrauen Gehäuse nicht besonders gut erkennbar. Druck auf eine der Pfeiltasten fördert das Helligkeit-Kontrast-Menü zutage, eine direkte Belegung mit der einen oder der anderen Funktion wäre mir heutzutage lieber (mit 4 Pfeiltasten wäre das ja durchaus gegangen). War halt damals alles noch nicht so ganz raus.

  • Danke für Deinen Retro-Test :-)

    Danke für die Blumen. ;)


    Das Panel scheint übrigens doch nicht ganz das gleiche wie im 191T zu sein, dieser weist nämlich eine leicht bläulich schimmernde Oberfläche mit IMO deutlich besserer Entspiegelungswirkung auf. Es gibt ja auch eine ganze Reihe von Paneltypen; der 191T soll eine der LTM190E1-Varianten haben, der L795 ein LTM190E1-L03, der Unterschied scheint also wirklich im Detail zu liegen. Nun war mein 191T aber 2005 auch beim Service, und das Panel wurde getauscht, da mag eine etwas neuere Version verbaut worden sein. Der L795 datiert vom April 2004.

  • Noch ein Nachtrag zum Thema Schwarz- und Weißdifferenzierung:


    Hoppla, da war ja noch das Monitorprofil meines 1990SXi drin. Ohne sieht das ganze schon etwas anders aus:
    Obenrum sind Werte bis 253 noch von Weiß zu unterscheiden. Untenrum ist so ab 3-4 ist langsam was zu erahnen. Mit dem von Eizo herunterzuladenden Farbprofil zum L795 wird es besser: 254 ist zumindest zu erahnen, und 1 ist schon sichtbar. Weitere manuelle Korrekturmöglichkeiten am Monitor selbst gibt es nicht.
    Ohne Farbprofil ist (wie gehabt über VGA) eine ganz leichte Abstufung im Grauverlauf zu sehen, während beim digital angeklemmten 1990SXi alles "smooth" ist. Dafür saufen beim NEC in Werkseinstellung unkorrigiert die dunklen Grautöne sehr früh ab (~10), was mir übrigens auch schon beim 1980FXi mit gleichem Panel aufgefallen ist (wie auch etwas zu niedriges Gamma, Einstellung ~2,4 nötig), und das Ergebnis mit am Monitor hingefummelten Schwarzpunkt und Kontrast sieht IMO nicht sooo schön aus.


    Und sonst:


    In Sachen Farbtemperatur bin ich jetzt eher bei 8000 K gelandet. Bei Video macht 7500 K den noch etwas stimmigeren Eindruck, man sieht's auch am Grauverlauf. Die Gain-Einstellung scheint übrigens genausogut zu funktionieren wie die Farbtemperatureinstellung, nur weniger bequem.


    Subjektiv ist übrigens die Schwarztiefe noch einen Hauch besser als beim 1990SXi. Der hat so einen ganz leichten bläulichen Schimmer, und der violette IPS-Glow tut ein übriges. Dafür ist beim L795 PVA-typisch die Gammastabilität unter Winkel eher mau. Muß mir das mal morgen im Büro beim S1932 mit seinem S-PVA ansehen. Jedenfalls haben beide ihr Für und Wider.


    Ein großflächiges Phasentestmuster sorgt für ein sehr hochfrequentes Pfeifen. Aber sowas zeigt man ja normalerweise nicht an.


    Die Ausleuchtung meines L795 ist subjektiv sehr gleichmäßig, dabei kann der m.W. nichts "wegrechnen" wie etwa der NEC. Da merkt man eben doch das Oberklassegerät.

  • So, nachdem ich mir letzte Woche ein Kolorimeter geleistet habe (i1Display Pro 2 - Spektralphotometer sind leider nicht ganz meine Preislage), habe ich mir auch mal den L795 vorgeknöpft.


    Der native Kontrast liegt bei etwas über 1000:1 (1028:1, 1050:1) - gar nicht schlecht für so'nen Oldie (April 2004). Mein alter 191T aus dem Jahr davor schafft es kaum auf 700:1 (673:1 packt sogar noch mein neuzeitliches TN-Notebookpanel der beseren Sorte, Samsung 156HT), der S1932 im Büro mit seinem S-PVA liegt bei 1500:1. Es sollte mich nicht wundern, wenn in meinem L795 gar nicht mehr das LTM190E1-L03 (600:1 typ) verbaut wäre, sondern ein neuerer Typ wie das E4-L03. Oder aber Samsung hat klammheimlich das Panel verbessert, damals ging ja noch einiges.


    Die CCFLs sind in der Tat ziemlich pferdig mit sich und der Welt. Weißpunkt liegt noch bei 5300K mit deutlichem Grünstich, die maximalen 154 cd/m² (von nominell 250) werden bei Einstellung 63/100 erreicht. Immerhin ist der Weißpunkt konsistent - der 191T wird zu den dunklen Tönen immer blauer, und zwar ganz extrem. Besser wird es, wenn man das Blau runterdreht (!). Kein Wunder, daß ich mit dem farblich auf keinen grünen Zweig mehr gekommen bin. (Dort wo der jetzt steht, kann ich das aber witzigerweise mit dem Einstellungen der S3-Onboardgrafik ganz gut ausgleichen, so daß er jetzt wenigstens im Bereich 5500-7500K bleibt.) Im CIE-Diagramm kann man auch sehen, wie bei den ausgelutschten CCFLs das Blau deutlich ins Grünliche abgewandert ist, die Diskrepanz zum sRGB-Eckpunkt ist bei einem Gerät mit wenig Betriebsstunden deutlich geringer.


    Beim Kalibrieren habe ich mich erst ewig abgemüht, weil das Ergebnis ganz offenkundig total daneben war - mit aktiver Farbverwaltung waren helle Grautöne grünstichig. Irgendwann ist mir dann aufgefallen, daß gesättigte Grundfarben offenkundig geclippt wurden, und in der Tat, in den Farbeinstellungen des Monitors stand die Sättigung auf +10. :cursing: Ich hatte das nicht eingestellt, muß noch vom Vorbesitzer gewesen sein. So langsam wird auch mir der Nutzen eines Werksresets klar... (Beim L795 kann man ja die Farbeinstellungen sogar getrennt zurücksetzen.)


    Am Gamma mußte ich eigentlich fast nichts machen, das habe ich so gelassen. Leichte Aufhellung unten, leichte Abdunkelung der hellen Töne, sieht etwas unspektakulär aus. (Ein Fujitsu A19-1 dagegen ist untenrum zu duster und obenrum zu hell, zzgl. Verblauung der dunklen Töne ähnlich wie im 191T.) Habe mich dann als Kompromiß zwischen Leuchtdichte und Farbdarstellung für 6000K entschieden, den Weißpunkt am Monitor passend eingestellt und die Kalibrierung durchlaufen lassen. Helligkeit steht jetzt auf 35 bei ca. 73 cd/m². Mißt sich gut und sieht auch so aus. Vom Kontrast sind noch knapp 900:1 übrig. Einziger Nachteil: Die Schlieren bei Bewegtbild (wir reden hier immerhin über ein klassisches PVA-Panel mit 25 ms ohne Overdrive) werden rotstichig, und das kann schon mal nerven.


    Verwende übrigens dispcalGUI und HCFR.

  • Nachtrag / Korrektur:

    Es sollte mich nicht wundern, wenn in meinem L795 gar nicht mehr das LTM190E1-L03 (600:1 typ) verbaut wäre, sondern ein neuerer Typ wie das E4-L03.

    Nö, das ist wohl schon alles richtig so. Das "alte" E1-L03 wurde in so einigen Modellen mit nominell 1000:1 oder wenigstens 800:1 Kontrast verbaut (Samsung 910T, 194T etc.pp.). Damit war der L795 Anfang 2004 wohl einer der ersten Monitore, die diesen damals noch sehr neuen Paneltyp verwendeten (die Datenblätter sind von 10/11-2003). Die Datenblatt-Spec kann als äußerst konservativ angesehen werden. Naja, seinerzeit waren ja sogar noch die Hersteller von TN-Panels ehrlich (ab 2006/7 wurde dann gelogen, daß sich die Balken biegen - ich kenne Monitore mit nominell 140/130° 10:1, die blickwinkeltechnisch einen erheblich besseren Eindruck machen als etwas neuere mit 160/160° 10:1).


    (Hab die Woche noch 'n bißchen kalibriert. FSC A19-1 Kontrast nativ 567:1. Mein oller 191T bringt auf 5900K kalibriert und RGB 53/40/50 [analog] noch 603:1, von nativ ~670:1. Interessanterweise ist der noch gar nicht mal so furchtbar duster, wenn er mal aufgewärmt ist [auf Helligkeit 43 nativ ~116, kalibriert ~106 cd/m²], aber die Verschiebung der Blau-Ecke im CIE-xy-Diagramm ins Grünliche ist schon ziemlich heftig, der Blau-Phosphor damit wohl entsprechend runter. Die CCFLs im weniger benutzten BenQ FP992 mit Fujitsu-MVA und fester Helligkeit sind da noch besser beieinander - Kontrast nativ 898:1 bei noch 168 cd/m², in RGB 50/46/50 bleiben 826:1 und 144 cd/m² bei nur wenig von 6200K Tageslicht abweichendem Weißpunkt übrig. Rot- und Blau-Ecke sind etwa gleich viel gen grünlich verschoben.
    Für einen Lauf dispcalGUI kann man übrigens auf einer ollen Möhre mit P4-Celeron à 3,2 GHz und 1GiB Einkanal-DDR1 schon mal 55 Minuten einplanen, ein "ausgewachsener" P4 mit HT, 2 MB L2 und 2 GiB DDR2 rechnet schon erheblich weniger langsam.)