Bitte um Klärung der Begriffe Kalibrierung, Profilierung, Validierung (allgemein, und konkret am EIZO ColorNavigator)

  • Hallo


    ––
    kurz:
    1.: Ist Hardwarekalibrierung nur Einstellen, oder Einstellen – Messen (Soll-Ist) – Nachjustierien?
    2.: Ist Profilieren nur ein Bericht über (verbleibende) Abweichungen vom Soll der Einstellungen?
    3.: Ist Validieren nur ein Bericht über die Eignung der Einstellungen für das, was dargestellt werden soll?
    ––


    Ich bin mit diesen Themen noch so unvertraut, daß ich die Grundbegriffe nicht verstehe. Leider finde ich sie auch nirgends* eine Erklärung, die auch nur kurzem Nachdenken standhielte, und vermutlich kommt man am Ende doch besser damit zurecht, wenn man weiß, warum man was macht.
    * (der hier: Monitor-Neukauf (NEC MultiSync® PA271W), Kalibrierung, Profilierung! angegebenen Link ist leider tot)


    (Hardware-)KALIBRIERUNG soll* darin bestehen, hardwareseitig einige Werte** einzustellen; lt. Wikipedia dagegen bedeutet Kalibrierung nur das Messen der Abweichung des Ist- vom Sollwert.
    * lt. oder
    ** (der Luminanz, des Gamma und des Weißpunktes vor allem; vielleicht des Schwarzpunktes?)


    PROFILIERUNG ist nach fotovideotec (s.o.) etc. das, was Wikipedia Kalibrieren nennt. Das Profil würde dann darin bestehen, die Abweichungen vom Soll festzuhalten. Vermutlich damit die Daten, die dem Bildschirm zur Darstellung geschickt werden, an irgendeiner Stelle so verändert werden können, daß die Abweichung des Monitors ausgeglichen wird – was an anderer Stelle* als Softwarekalibrierung beschrieben wird. Oder besteht es noch in etwas ganz anderem?
    * (nämlich der in dieser Hinsicht übrigens weitgehend nutzlosen Cleverprinting-Broschüre ())


    Ist das richtig? Das würde bedeuten, daß die Kalibrierung ohne Messung stattfindet und ohne den Versuch, die (angeblich erst beim Profilieren gemessene) Abweichung hardwareseitig zu beheben. Warum würde ein hochwertiger Softproof-Monitor (in meinem Fall ein EIZO CD247) mit eingebauter Kalibrierungshardware darauf verzichten, gemessene Abweichungen selbst zu beheben?*
    Falls solches Nachjustieren innerhalb der Kalibrierung aber doch geschieht, scheint mir der Unterschied zwischen Kalibrierung und Profilierung oben falsch, oder unvollständig beschrieben:
    Im Profil wäre dann nur noch die Restabweichung, die harwareseitig nicht mehr behoben werden kann, verzeichnet. Auf dieses Profil würde dann die Software zugreifen, um die zu emulierenden Farbräume möglichst richtig zu emulieren (warum übrigens spricht man von Emulation nur bei Farbräumen additiver, nicht bei solchen subtraktiver Farbmischung?).
    * (Dafür, daß solches Nachjustieren doch geschieht, scheint auch die Terminologie im ColorNavigator zu sprechen, der nämlich nicht von Einstellungen, sondern von einem Kalibrierungsziel redet, was ja bedeutet, daß in der Kalibrierung Anstrengungen auf dieses Ziel hin unternommen werden.)


    VALIDIERUNG scheint (jedenfalls in EIZOs ColorNavigator) die Eignung der Monitoreinstellungen* für die Emulation oder Darstellung eines Ausgabeprofils, etwa im Softproof von Druckprofilen zu prüfen.
    * (die hier „Ziel“ genant werden, was wohl das Hardwarekalibrierungsziel meint, also die Einstellungen oder auch die hardwareseitig am Sollwert korrigierten Einstellungen, also eine faktische Annährung an einen meßbaren Sollwert)


    Soweit meine selbstzusammengesuchten Ideen dazu. Ich glaube nicht, daß das so richtig ist. Wie ist es aber dann?


    Vielen Dank für geduldige Lesen, und für jede Antwort und jeden guten Literaturhinweis natürlich


    N.

  • Hallo,


    ich will mich ebenfalls in diese Thematik einarbeiten.
    Ich habe seit Anfang der Woche einen Eizo CS240 und tue mich mit der Begrifflichkeit des Color Navigators schwer.


    Zum Farbmanagement hat Andreas Beitinger eine ganz gute webseite:


    Grüße Michael


    PS: Was ich aktuell nicht "über die Bühne bekomme", ist der Check, wir weit mein jetziger Monitorzustand prozentual vom idealen
    sRGB-, Adobe-RGB und ISOcoated_v2 abweicht.

  • Hallo Michael


    Sind das tatsächlich EIZO-Begriffe? Vielleicht spricht nur EIZO von Validierung. Von Kalibrierung und Profilierung spricht sowohl fotovideotec, die wir ja beide zitieren, als auch die cleverprinting-broschüre, beide ohne sie besonders auf EIZO zu beziehen. Und falls die Arbetsabläufe bei allen Softproof-Monitoren im Grunde dieselben sind, wird es auch zur Validierung Entsprechungen in anderen Systemen geben.
    Mich wundert es etwas, daß ich diese Grundbegriffe nirgends knapp, durchdacht, logisch nachvollziehbar erklärt finde. Falls eine solche Erklärung wirklich nicht zu finden ist, sollten wir versuchen, eine zu verfassen. Möglichst mit Hilfe der Hersteller. Ich glaube nicht, daß eine solche Erklärung einem Studium der Elektrotechnik gleichkäme und nur in einem solchen zu erreichen wäre. Meistens lassen sich die Dinge knapp und logisch erklären. Und ich kann mir vorstellen, daß das für alle gut wäre, für uns und dieses Forum ebenso wie für die Hersteller, die dann weniger verständnlslose Fragen gestellt bekämen.


    Konkret: Ich bin garnicht so sicher, ob die Begriffe Kalibrierung und Profilierung bei EIZO überhaupt in dieser Weise verwendet werden. Es scheint vielmehr, als wären „Kalibrierungsziel“ und „Profil“ dort gleichbedeutend, was die von mir vermutete Beziehung der beiden natürlich über den Haufen werfen würde, weil dann das Profil ja eben die Bezeichnung der Einstellungen wäre* und nicht die Bezeichnung der Abweichung von den Sollwerten der Abweichung.
    * Vielleicht zur Erläuterung meiner Unterscheidung (unter 1.) zwischen Einstellen und Einstellen-Messen-Nachjustieren: Eine Einstellung kann sich ja zunächst auch einfach nur auf eine Einstellung im wörtilichen Sinne beziehen – so, wie wenn ich den Lautstärkeregler meines Radios auf 7 stelle. Auf wenn neben der 7 ein Dezibel-Wert geschrieben steht, sind damit vorerst nur Spulen und Regler eingestellt. Erst wenn ich ein Mikrophon aufstelle und überprüfe, ob der Dezibel-Sollwert mit dieser Einstellung tatsächlich erreicht wird, beginne ich – was? Eine Kalibrierung auf ein gesetztes Kalibrierungsziel (nämlich den Dezibel-Wert)? Jedenfalls würde ich dann den Kreislauf von Einstellen – Messen (Sollwert / Istwert) – Nachjustieren beginnen.


    Zwischendurch habe ich mich gefragt, ob ich nicht einen Denkfehler gemacht und übersehen habe: Daß nämlich das, was ich als Profil vermute, wie jedes andere Ausgabeprofil die Aufgabe hat, in den Zielfarbraum zu übersetzen; und dieser Zielfarbraum wäre der jeweils hardwareseitig mit bestimmter Luminanz, Gamma, Temperatur eingestellte. Aber das ist, wenn ich richtig verstehe, selbst ein Denkfehler, denn diese Einstellungen sind ja gerade dazu da, die Ausgabe zu verändern. Besonders einsichtig vielleicht an der Einstellung der Farbtemperatur, des Weißpunktes: Die hier vorgenommene Einstellung soll ja gerade nicht wieder herausgerechnet, die Farbe nicht möglichst unverändert, sondern eben verändert dargestellt werden. Zwar muß eine Übersetzung des Quell- und den Zielfarbraum erfolgen, aber der Zielfarbraum wäre auf irgendeine Weise der native (oder?)* des Monitors, und die vorgenommenen Einstellungen greifen er nach dieser Übersetzung. Ein Profil der Art, wie ich es vermutet und aus fotovideotec ebenso wie aus cleverprinting … herausgelesen habe, müßte also tatsächlich nur die hardwareseitig nicht mehr korrigierbaren Abweichungen der Ist- von den Sollwerten verzeichnen und herauszurechnen erlauben (und zwar indem es dem, was ich in nachstehender Anmerkung die Zuordnung eines Grundwerts genannt habe, entsprechend verschiebt, also einen leicht veränderten Grundwert zuordnet).
    * Nein, wohl nicht. Was sollte das sein? Einen Monitorfarbraum ohne besondere Einstellungen gibt es nicht. Irgendetwas ist immer eingestellt. Denkbar ist aber vielleicht, daß jeder, sagen wir, L*a*b*-Wert einen Grundwert der technologischen Umsetzung (Ampère-Stärken beispielsweise) zugeordnet bekommt, auf den die Einstellungen dann rechnerisch oder durch Veränderung anderer Hardwareparameter angewendet werden.


    Ich halte diese Fragen wirklich für Grundvoraussetzung zum kompetenten Umgang mit einem Softproof-Monitor und würde mich freuen, wenn die Sachkundigen hier eingreifen und auf Text, wo auch immer zu finden, verweisen oder selbst mit Erklärungen weiterhelfen könnten.


    Vielen Dank.


    N.

  • Vielleicht meldet sich Denis sich noch. Er ist unser Experte für dieses Thema.


    Ich denke EIZO meint das folgendermaßen:


    Kalibrierung


    Ich denke das dürfte klar sein. Der Monitor wird gemäß von Vorgaben (Weißpunkt, Gamma und Helligkeit) kalibriert.


    Profilierung


    Am Ende der Kalibrierung kann das Ergebnis in ein ICC Profil gespeichert werden. Dies ist die Profilierung.


    Validierung (Profilüberprüfung)


    Diese Funktion misst Farbfelder auf dem Monitor, um den Abstand (Delta-E) von erwarteten Farben und den tatsächlich angezeigten Monitorfarben zu ermitteln. Dies ermöglicht es, die Ergebnisse der Kalibrierung zu überprüfen, oder zu kontrollieren, wie weit sich die Monitorfarben seit der letzten Kalibrierung verändert haben.


    Insbesondere bei der Validierung ist zu beachten, dass hier lediglich die Abweichung des Profild seit der letzten Kalibrierung zum jetzigen Zustand gemessen wird. Direkt nach der Kalibrierung dürften die Abweichungen also fast 0 sein. Die gleiche Validierung nach 4 Wochen zeigt größere Abweichungen und kann durch eine Nachkalibrierung behoben werden.


    Eine tatsächliche Abweichung der dargestellten Farbe zu einem bestimmten Farbwert kann nach meiner Kenntnis keine herkömmliche Software. Für unsere eigenen Tests wurde diese Funktion speziell programmiert.


    Quelle: EIZO ColorNavigator - Leistungsmerkmale und Funktionsbeschreibung in Kürze

  • Hallo zusammen,


    bei dieser Thematik rauchen schnell die Köpfe... ;)


    Ich verstehe die Begriffe folgendermaßen:


    1. Basis
    Profilierung: Das Monitor-ICC-Profil ist nach meinem Verständnis der "RAW-Zustand" des Monitors und gibt die Größe seinesdarstellbaren RGB-Farbraumes an. In diesem größtmöglichen Farbraum sind sRGB, Adobe-RGB, ECI-RGB...usw. mehr oder weniger abgebildet. Auf dieser Basis erfolgen die Kalibrierungen auf bestimmt Ziel-Farbräume hin.


    2. Folgeschritt
    Kalibrierung: Auf einen Referenz-Farbraum bezogen, werden über einen Messvorgang (RGB) die aktuellen Parameter zu Weißpunkt, Schwarzpunkt, Gamma, und Farbwerten ermittelt. Die Software analysiert die Soll/Istwerte und schreibt die notwendigen Korrekturwerte zurück in die Monitor-Elektronik (LUT, Lookup-Table). Wenn keine solche Hardware-Kalibrierung möglich ist, ist die alternative Software-Kalibrierung über die Grafikkarte nachteilig, weil verlustbehaftet. Ziel ist in beiden Fällen, den Referenzfarbraum bestmöglichst zu erreichen.


    3. Folgeschritt:
    Validierung: Wenn dieser Kalibrierungs-Schritt getan ist, überprüft man über einen erneuten Messvorgang, welchen Erfolg/Misserfolg die Iteration gebracht hat. Die Validierung führt man nach meinem Verständnis direkt nach einer Kalibrierung durch. Und weiterhin in kürzeren Zeitabständen, um festzustellen, wann eine erneute Kalibrierung notwendig ist.



    Zuviel der Theorie.... meine praktischen Aufgaben der nächsten Tage... 8o


    • Checken, ob mein Spyder4pro alle Möglichkeiten des EIZO 240CS erfassen kann (Graubalance).
    • Die Einsetzbarkeit der beigelegten EIZO-Profile testen.
    • Prüfen, ob es eine Möglichkeit wie bei der Spyder4pro-Software gibt, welche die Farbraum-Größe grafisch darstellt. Ich würde gleich zu Beginn gerne wissen, wie sich der CS240 zum bisherigen Flexscan S2231W unterscheidet.


    Grüße
    Michael

  • falsch.


    Die Basis ist die Kalibrierung, d.h. Einstellung von Weißwert, Gamma, Grauachse und Helligkeit und ist nicht bezogen auf einen Farbraum.


    Der nächste Schritt ist die Profilierung.

  • Quote

    Daß nämlich das, was ich als Profil vermute, wie jedes andere Ausgabeprofil die Aufgabe hat, in den Zielfarbraum zu übersetzen;


    Jein. In den Zielfarbraum übersetzen spezielle DeviceLink-Profile, die zum Beispiel für eine definierte CMYK-zu-CMYK-Konvertierung unter Beibehaltung des Schwarzaufbaus genutzt werden. Ein klassischer "ICC-Workflow" nimmt dagegen den Umweg über mindestens zwei Profile und den sogenannten Profile Connection Space (PCS). Es handelt sich dabei um einen geräteunabhängigen Referenzfarbraum (XYZ oder CIELAB), der den Farbumfang aller beteiligten Geräte abbilden kann. Die Farbtransformationen übernimmt ein Color Management Module (CMM). Es ist Bestandteil farbmanagementfähiger Software, kann aber auch direkt auf Betriebssystemebene implementiert sein. Um geräteabhängige Farbwerte (RGB, CMYK) in den PCS und zurück zu transformieren, benötigt ein CMM Farbprofile. Sie enthalten die notwendigen Informationen für die Umrechnung (siehe letzter Absatz).


    Monitore sind im Hinblick auf ihre Reproduktionscharakteristik von Haus aus deutlich linearer als Drucksysteme, aber dennoch meist weit entfernt von einem idealen Zustand. Als direkte Folge können farbstichige Grautöne sowie unregelmäßige Farbverläufe auftreten. Außerdem muss der Weißpunkt in der Regel an die konkreten Abmusterungs- bzw. Umgebungsbedingungen angepasst werden. Die Monitorkalibration ist daher ein zweistufiger Prozess:


    Wie bei der Linearisierung professioneller Drucksysteme über einen RIP, wird in einem ersten Schritt ein definierter Basiszustand angestrebt. Viele Monitore für den Heimbereich verfügen über zumindest rudimentäre Einstellmöglichkeiten, mit denen sich aber meist nur Helligkeit und Weißpunkt anpassen lassen. Die exakte Helligkeitsverteilung für jeden Kanal (Tonwertkurve/ Gamma) muss über spezielle Farbtabellen (LUTs) auf der Grafikkarte korrigiert werden. Man bezeichnet dies als Softwarekalibration. Im Unterschied dazu steht die direkte, interne Kalibration des Monitors (=> Hardwarekalibration). Hier werden die geräteinternen LUTs zur Farbsteuerung von der Kalibrationssoftware beschrieben. Das ist präziser und meist völlig verlustfrei.


    Im zweiten Schritt wird das Farbverhalten des nun linearisierten Monitors auf Basis angezeigter Farbfelder ermittelt und in einem Farbprofil erfasst (wobei der Vorgang der Profilerstellung gerade bei komplexen Ausgabeprofilen weit über eine reine Charakterisierung hinausgeht). Man bezeichnet dies als Profilierung. Eine farbverbindliche Darstellung ist erst durch diese Informationen möglich, sofern die verwendete Anwendung auch darauf zurückgreift. Im Falle einer Softwarekalibration werden zudem die Korrekturdaten für die LUTs der Grafikkarte (siehe erster Schritt) in einem speziellen Feld (vcgt) des Farbprofils hinterlegt und bei Systemstart geladen.

  • Danke für diese Beschreibung, die einiges klargestellt hat.


    Für ein besseres Verständnis habe ich die Schritte nochmals für mich zusammengefasst:


    • Als Bedingung für das Monitor-Farbmanagement benötigt man für reproduzierbare Ergebnisse einen definierten Basiszustand.
    • Diesen Basiszustand erreicht man über eine Kalibrierung (Linearisierung) des Monitors.
    • Kalibrierung = Monitorvoreinstellung + darauf aufsetzende Software-, bzw. Hardwarekalibrierung.
    • Bei der Hardwarekalibrierung ergeben sich keine Tonwertverluste wie bei Berechnungen über die Grafikkarte (Softwarekalibrierung).
    • Nach der Kalibrierung erfolgt die Profilierung (Charakterisierung) des Monitors. Hierbei wird durch das Einmessen definierter Farbfelder mittels Colorimeter/Spektralfotometer der Farbraum des Monitors erfasst und in Form eines Monitor-ICC-Profiles gespeichert.
    • Das Monitor-Profil wird beim Softproofing für die Darstellung von Druckprozessen am Monitor benötigt (z.B. in Photoshop, Acrobat).
    • Die Graubalance wird im Zuge der Profilierung mit durchgeführt.
    • Die Validierung dient der Qualitätssicherung des Monitorprofils.


    Ich hoffe, jetzt stimmt´s :)
    Grüße
    Michael

  • Die Graubalance wird im Zuge der Profilierung mit durchgeführt.


    nee, ist Bestandteil der Kalibrierung, entweder in der LUT der Graka oder in der LUT des Monitors. Werden nur als eigenständige Daten im Monitorprofil abgelegt.


    "6.Das Monitor-Profil wird beim Softproofing für die Darstellung von Druckprozessen am Monitor benötigt (z.B. in Photoshop, Acrobat)."
    nicht nur, das farbmanagementfähige Programm rechnet den Farbraum des Bildes in den Monitorfarbraum um, z. b. Bild in srgb, Monitor stellt aber aRGB dar. So nebenbei werden damit auch Farbfehler des Monitors korrigiert.

  • Lieber Denis, Micha, Uli, Andi,


    vielen Dank für eure Antworten und eure Mühe. Immerhin bin ich ja offenbar nicht ganz der einzige, der diese Fragen hat, vielleicht lohnt es sich also, das ganze weiterzuführen bis wir einen klaren Überblick verfaßt haben, der auch anderen zur Orientierung dienen kann.


    Meine Antwort hat etwas auf sich warten lassen, weil ich versucht habe, alles zu lesen (auch die referenzierte Literatur) und zu durchdenken, soweit mir möglich. Ich nehme Michas Zusammenfassung auf und ergänze ihn etwas, mit Fragen darin und danach.



    A Kalibrierung


    1 Als Bedingung für das Monitor-Farbmanagement benötigt man für reproduzierbare Ergebnisse einen definierten Basiszustand.
    2 Diesen Basiszustand erreicht man über eine Kalibrierung (= Linearisierung) des Monitors.
    3 Kalibrierung = Monitorvoreinstellung (nämlich Gammakorrektur, Weißwert (Weißpunkt, Farbtemperatur), Grauachse (erzielt Graubalance) und Luminanz (Gesamthelligkeit)), und zwar
    3a als Softwarekalibrierung in der Grafikkarte, also in der Veränderung des Signals, das an den Monitor geht, oder
    3b als Hardwarekalibrierung in Form mechanischer Einstellungen im Monitor selbst.
    3.1 (Diese Kalibrierung heißt Linarisierung, weil es das Monitorbild an die Umgebungsbedingungen anpaßt und so perzeptuelle Linearität herstellt.)
    4 Bei der Hardwarekalibrierung ergeben sich keine Tonwertverluste. Anders bei Berechnungen über die Grafikkarte (Softwarekalibrierung).
    4.1 Messen und hardwareseitiges Nachjustieren findet nicht statt. (Gemessen wird in der Profilierung, vgl. 5)


    B Profilierung


    5 Nach der Kalibrierung erfolgt die Profilierung (Charakterisierung) des Monitors. Hierbei wird durch das Einmessen definierter Farbfelder mittels Colorimeter/Spektralfotometer der Farbraum des Monitors erfaßt und in Form eines Monitor-ICC-Profiles gespeichert.
    6 Das Monitor-Profil wird beim Softproofing für die möglichst akkurate Darstellung dessen verwendet, was andere Augabegeräte (Druckergebnisse oder Darstellung an anderen Monitoren (mit anderen RGB-Farbräumen) verwendet (z.B. in Photoshop, Acrobat).


    C Validierung (Profilüberprüfung)


    8 (s.o., Andi) mißt den Abstand zwischen den erwarteten und den tatsächlich angezeigten Monitorfarben. — Ist das nicht genau das, was eigentlich in 5 geschehen soll? Welche Erwartung ist hier der Bezugspunkt? Die Erwartung laut Kalibrierung, oder die laut Profil? — S.u., Frage II.



    Frage I.


    zu 4-1, 5 und 8. Meine Grundfrage wäre hier: ergeben sich aus den Einstellungen, die in der Kalibrierung vorgenommen werden, Sollwerte (anstatt daß nur physikalische Werte eingestellt werden, etwa die, welche Spannung an welche Diode (?) angelegt werden soll) ?


    Wenn JA (Möglichkeit I-a), dann verstehe ich nicht (I.1) warum (4.1) auf die Messung hin nicht nachjustiert, sondern die Abweichung lediglich ins Profil geschrieben wird; außerdem (I.2) nicht, was der Unterschied zwischen 5 und 8 ist (denn wenn der erwartete Farbwert sich aus der Einstellung, nicht aus der Messung ergibt, dann tut 8 doch genau das, was 5 schon tut, nur nocheinmal. Und wenn auf die Differenz der in 8 gemessenen Ist-Werte von den Sollwerten nach Einstellung (nicht nach Profil) nachkalibriert werden kann, warum kann das nicht gleich nach der Profilierung (5) oder vielmehr schon wie 4.1 geschehen?


    Wenn NEIN (Möglichkeit I-b), dann erklärt sich, warum 4.1 nicht stattfindet, und es wird klar, daß auf die Meßergebnisse der ersten Profilierung (5) hin nicht nach- oder neukalibriert wird (denn es handelt sich ja ohne Sollwerte auch nicht mehr um Abweichungen). Das Profil stellt dann nur noch eine Korrelation zwischen Eingabe (dem Signal, das von der Graphikkarte kommt) und Ausgabe (dem gemessenen Licht) dar (etwa in einer Look-Up-Table).
    Nebenbei stellt sich an die Hypothese I-b aber doch die Frage, ob es nicht wenigstens bei der Einstellung der Graubalance einen Sollwert, nämlich meßbare Neutralität gibt. Und läßt sich bei der Einstellung des Weißpunktes auf einen bestimmten Kelvin-Wert nicht einfach messen, ob dieser erreicht ist?


    Frage II.


    zu C und 8 (was ist Validierung)


    Validierung (wenigstens in EIZOs ColorNavigator, ähnlich aber auch in den Bildern vom Spyder4pro, die Micha uns zeigt) überprüft aber nicht nur das jeweilige Profil an seinen eigenen Meßwerten zum Zeitpunkt der Kalibrierung, sondern mißt auf ganz andere RGB- und Druckprofile hin – indem es Farben in ihnen von geeigneter Anzeigesoftware anzeigen läßt und den gemessenen mit dem Sollwert (der bei Druckergebnissen und vermutlich auch bei RGB-Anzeichen in CIE-LAB und CIE-XYZ vorliegt) vergleicht – und teilt die Differenzen mit. Ich habe das voreingestellte „Kalibrationsziel“ (was wohl die verschiedenen in der Kalibrierung vorgenommenen Einstellungen zusammenfaßt) „Druck“ auf: Anzeigesoftware Photoshop CC, zu emulierendes Profil: FOGRA39 ISOcoated_v2_300_eci validieren lassen. Ich hänge die Ergebnisse an; soweit ich verstehe, ist das Kalbrierungsziel „Druck" nach diesen Ergebnissen für den Softproof eines Druckes in diesem Profil unbrauchbar.
    Was muß ich tun, um ein Kalibrierungsziel zu erstellen, das für das Softproofen des jeweiligen Druckprofils möglichst geeignet ist? Wie finde ich heraus, welche Einstellungen dafür richtig sind?


    Ich bin nicht sicher, ob diese Frage richtig ist. Ist der Zweck des Kalibrierens überhaupt der, für die Emulation eines Druckprofils möglichst geeignete Einstellungen vorzunehmen? Oder nur der, den Monitor an Umgebungsbedingungen und, mit dem Weißpunkt, an die Papierfarbe anzupassen? Es scheint doch ersteres der Fall zu sein; jedenfalls bietet ColorNavigator schon nativ Kalibrierungsziele für verschiedene Emulationszwecke an (nämlich Druck, Photographie und Webdesign).


    Frage III


    Wenn die Gammakorrektur nur eine Linearisierung ist, warum kann man dann unterschiedliche Gammawerte (und sogar den Wert L*) auswählen?


    Soweit erstmal.


    Nochmal vielen Dank, Grüße


    N.


    CG247(42721016) FOGRA39 ISOcoated_v2_300_eci-21,72016-1PSCC.pdf

  • Quote

    8 (s.o., Andi) mißt den Abstand zwischen den erwarteten und den tatsächlich angezeigten Monitorfarben. — Ist das nicht genau das, was eigentlich in 5 geschehen soll? Welche Erwartung ist hier der Bezugspunkt? Die Erwartung laut Kalibrierung, oder die laut Profil? — S.u., Frage II.


    Bezugspunkt ist das Profil. Alle RGB-Farbfelder der Testform werden ohne weitere Transformationen - wie bei der vorausgegangenen Profilierung - angezeigt und vermessen. Die Referenzwerte ergeben sich durch eine Transformation der RGB-Werte in den PCS (CIELAB) über das Monitorprofil.


    Eine Profivalidierung zeigt damit auf, ob die Kalibrationsziele erreicht wurden und ob das Profil die Monitorcharakteristik exakt genug widerspiegelt. Das ist eine notwendige aber nicht hinreichende Bedingung für präzise Proofsimulationen - der Farbumfang des Monitor kann ja beispielsweise so eingeschränkt sein, dass viele Tonwerte des zu simulierenden Ausgabeprozesses nicht korrekt reproduziert werden können.


    Das Ugra UDACT vermisst daher noch den Ugra/ Fogra Medienkeil CMYK V3 (der wird auch auf jedem Kontraktproof ausgegeben) auf Basis der ausgewählten Druckbedingung. Referenzdaten, die dem Prozesstandard folgen, stellt insbesondere die Fogra zur Verfügung. Zum Beispiel FOGRA39Lfür Bogenoffset auf gestrichenem Papier (so sieht eine entsprechende IT8 Testform aus, die dann ausgedruckt wird).


    Auf diesen Daten basiert u.a. das ISO Coated v2 Profil der ECI (Anmerkung: Aus den gleichen Charakterisierungsdaten können unterschiedliche Profile erzeugt werden, das führt hier aber viel zu weit).


    Für die Überprüfung der Softproof-Eignung werden nun die Referenzwerte des angesprochenen Medienkeils über das Monitorprofil farbmetrisch in Monitor-RGB überführt, angezeigt, messtechnisch erfasst und mit den Referenzwerten verglichen.


    Der von dir angehangene Test in Color Navigator beschreitet einen ähnlichen Weg. Unterschied: Color Navigator führt die Transformation zur Anzeige nicht selbst durch, sondern nutzt externe Software (z.B. Photoshop) und deren Proofsimulation. In diesem Fall wird ein konkretes ICC-Ausgabeprofil eingebunden, z.B. eben ISO Coated v2:


    Prozess-CMYK => PCS (über Simulationsprofil) => Monitor-RGB (über Monitorprofil).


    Referenz über die Transformation der CMYK-Werte der Testform in den PCS (CIELAB). Alle Schritte mit (absolut) farbmetrischem Intent.


    Quote

    3b als Hardwarekalibrierung in Form mechanischer Einstellungen im Monitor selbst.


    Hier gefällt mir das Wort "mechanisch" nicht. Es werden im einfachsten Fall 3 1D-LUTs im Scaler-Signalfluss verändert.


    Quote

    zu 4-1, 5 und 8. Meine Grundfrage wäre hier: ergeben sich aus den Einstellungen, die in der Kalibrierung vorgenommen werden, Sollwerte (anstatt daß nur physikalische Werte eingestellt werden, etwa die, welche Spannung an welche Diode (?) angelegt werden soll) ?


    Es handelt sich nach der Kalibration um reine Messungen, die die aktuelle Monitorcharakteristik erfassen. Im Falle eines einfachen Matrix/shaper Profils reicht es dabei aus, die Primärfarben + Weiß + einige Neutraltöne zu vermessen.


    Quote

    Ich hänge die Ergebnisse an; soweit ich verstehe, ist das Kalbrierungsziel „Druck" nach diesen Ergebnissen für den Softproof eines Druckes in diesem Profil unbrauchbar.


    Es gibt beim Ablauf der Eizo Softproof-Validierung einige Fallstricke. Kontrolliere bitte die Einrichtung deiner Proofsimulation (siehe Bild). In Color Navigator auch die chromatische Adaption der Messwerte vom Monitorweißpunkt nach D50 aktivieren (wenngleich du ohnehin mit D50 kalibriert hast).


    Quote

    Ich bin nicht sicher, ob diese Frage richtig ist. Ist der Zweck des Kalibrierens überhaupt der, für die Emulation eines Druckprofils möglichst geeignete Einstellungen vorzunehmen? Oder nur der, den Monitor an Umgebungsbedingungen und, mit dem Weißpunkt, an die Papierfarbe anzupassen?


    Wichtig ist vor allem eine korrekte Anpassung des Weißpunktes und die Sicherstellung einer diesbezüglichen neutralen Grauachse. D50, wie im vordefinierten Target von Color Navigator, wird aber faktisch nie ein visuell vernünftiges Matching mit dem Papierweiß geben, selbst wenn du unter kontrollierten Bedingungen mit entsprechendem Normlicht arbeitest. Da spielen u.a. Metamerie-Effekte eine große Rolle. Ein guter Ausgangspunkt wären 5800K (im Rahmen der Profilerstellung wird ohnehin vollständige visuelle Adaption auf den Monitorweißpunkt unterstellt und nach D50 adaptiert).


    Quote

    Wenn die Gammakorrektur nur eine Linearisierung ist, warum kann man dann unterschiedliche Gammawerte (und sogar den Wert L*) auswählen?


    Im Prinzip könntest du tatsächlich mit Gamma 1.0 kalibrieren. Solange das Monitprofil diesen Zustand wiedergibt, wird in farbmanagementfähiger Software korrekt transformiert. Trotzdem ist es sinnvoll, eine zum Einsatzbereich passende Charakteristik zu wählen. Das steigert die Präzision und vermeidet/ vermindert Tonwertverluste (bei einer präzisen Hardwarekalibration). Gleichzeitig kann man so auch eine brauchbare Darstellung in nicht farbmanagementfähiger Software erreichen. Mit einer Gamma 2.2-Tonwertkurve oder sRGB-Charakteristik liegst du i.d.R. nicht verkehrt. L* böte sich bei der Retusche von Bildern im ECI-RGB v2 Arbeitsfarbraum an.

  • Lieber Denis,


    vielen Dank. — Hier ist noch einiges, das ich nicht verstehe. Ich fange mal mit dem einfachsten an, das an den Versuch, als ersten Schritt ein einfaches Grundschema zu erstellen, anschließt:



    Schema:


    „Es handelt sich nach der Kalibration um reine Messungen, die die aktuelle Monitorcharakteristik erfassen.“


    Nach der Kalibration erfolgt die Profilierung – das ist so richtig, oder? Die Profilierung erfaßt die Monitorcharakteristik.


    „Eine Profivalidierung zeigt damit auf, ob die Kalibrationsziele erreicht wurden und ob das Profil die Monitorcharakteristik exakt genug widerspiegelt. “


    Ich nehme an, das heißt: „Eine Profivalidierung zeigt damit auf, ob die Kalibrationsziele erreicht wurden und ob das Profil die tatsächliche Monitorcharakteristik immernoch exakt genug widerspiegelt.“
    Profilvalidierung bestünde also darin, zu messen, ob die bereits gemessenen Werte noch stimmen. Richtig?


    Daß die Profivalidierung aufzeigt, ob die Kalibrationsziele erreicht wurden, setzt, wenn ich richtig verstehe, voraus, daß den in der Kalibrierung getroffenen Einstellungen zu messende Soll-Lichtwerte unmittelbar zugeordnet sind. Stimmt das? Vielleicht verstehe ich nicht genau, was Kalibrierungsziele sind. Nach dem bisher mühsam Erarbeiteten bedeutet der Ausdruck „Kalibrieren“ ja einfach: Einstellungen vornehmen (die nicht mechanisch geschehen, sondern indem „im einfachsten Fall 3 1D-LUTs im Scaler-Signalfluss“ verändert werden).
    Wenn diese Einstellungen nun aber darin bestehen, daß man sagt, welche Werte dabei herauskommen sollen (an Luminanz, Weißpunkt etc.), dann verstehe ich, wie in Frage I – wenn JA … ausgeführt, nicht, warum meßbare Abweichungen nur verzeichnet, und nicht durch Nachjustieren behoben werden.



    Farbtemperatur:


    „Ein guter Ausgangspunkt wären 5800K … “ – Die bereits zitierte behauptet (S. 60), es sei zum Softproof der PSOc_v3-Profile eine Farbtemperatur von 5800K ungeeignet, weil das Profil mit Papieraufhellern rechnet, die einen höheren Blauanteil emittieren, was durch blauere Farbtemperatur des Monitors dann gedoppelt wird (was ich schon konzeptuell überhauptnicht verstehe. Heißt das nicht, daß jedes Profil für den Softproof auf eine bestimmte Farbtemperatur hin angelegt ist, um richtig dargestellt zu werden, so daß man sich den nicht beliebig aussuchen kann, sondern die wählen muß, die zum darzustellenden Profil paßt?)



    Gamma:


    „Mit einer Gamma 2.2-Tonwertkurve oder sRGB-Charakteristik liegst du i.d.R. nicht verkehrt. L* böte sich bei der Retusche von Bildern im ECI-RGB v2 Arbeitsfarbraum an.“
    Die Darstellung in nicht farbmanagementfähiger Software spielt in meinem Fall keine Rolle (dafür habe ich andere, einfachere Monitore). Da ich aber Bilder immernoch gerne unmittelbar in CMYK bearbeite, würde mich noch interessieren, welchen Wert Du für die Bearbeitung da empfiehlst.



    Terminologie:


    Übrigens benutzt EIZO die Begriffe, soweit ich sehe, ganz anders als wir sie hier bestimmt haben.
    Bei uns: Einstellungen vornehmen = Kalibrieren. Bei EIZO: Einstellungen vornehmen = Zielerstellung
    Bei uns: Kalbrieren = Einstellungen vornehmen. Bei EIZIO: Kalibrieren, = Meßvorgang zur Profilerstellung.


    Ist das einfach eine andere Terminologie, oder haben wir die Begriffe doch immernoch falsch gefaßt?



    Softproofeignung des Kalibrationsziels:


    Ich habe nach Deinen Vorschlägen ein neues Kalibrationsziel angelegt, und zwar:


    Nativer Monitorfarbraum (warum würde man je einen anderen wählen? Alle anderen können doch nur kleiner sein)
    Helligkeit 80cd/m2
    Weißpunkt 5800K
    Schwarzpunktauswahl deaktiviert
    Gamma 2,2
    Priorität: Graubalance
    Zielname: 80cd 5800K 2,20


    Kalibrierung
    Meßgerät: Integriert
    Referenzgerät: Keines


    Damit scheint das Ergebnis erfreulicherweise sehr viel besser. Die größte dEab ist bei 100%C 3,43, was, soweit ich verstehe, doch nicht ganz wenig ist. Gibt es da noch etwas an meinen Einstellungen zu verbessern, oder kann das jetzt schon als eine „präzise Kalibrierung“ gelten?


    Nochmal vielen Dank, Gruß


    N.

  • Hallo zusammen,


    ich muß mich jetzt erst einmal aufschlauen, und mir wieder einiges Wissen "reinziehen".
    Die Thematik ist ziemlich komplex.


    Dabei war dies alles vor einigen Jahren noch mein berufliches Thema.
    Schon arg, wie schnell Wissen wieder verloren gehen kann... ;(


    Aber Gott sei Dank bringt Denis diese knifflige Materie sehr kompetent und verständlich rüber. Lob hierfür! :thumbup:


    Grüße
    Michael


    ...also, dann bis demnächst

  • Nativer Monitorfarbraum (warum würde man je einen anderen wählen? Alle anderen können doch nur kleiner sein)


    z.B. für Videoschnitt


    Das ist nunmal der Nachteile von Hardwarekalibrierung mit Farbraumemulation. Der Monitor kann dann nur einen Farbraum darstellen. Entweder es wird dann von Hand auf einen anderen Farbraum umgeschaltet oder man verwendet eine Kombination von Software- und Hardwarekalibrierung.

  • Ich nehme an, das heißt: An dieser Stelle wird festgelegt, welcher Monitorfarbraum emuliert wird —Durch Kalibrierung, Charakterisierung und Profilierung entsteht ein Farbraum. In den umzuwandeln hilft das Profil, und diese Umwandlung ist die Emulation. Richtig?
    (Meine Verwirrung an dieser Stelle rührt wahrscheinlich daher, daß dasselbe für Druckprofile nicht gilt. Die kann man zwar auch emulieren, aber an dieser Stelle wird man dafür wohl keinen anderen als den nativen, also größtmöglichen Farbraum wählen. Die Emulation geschieht dann, wenn ich richtig verstehe, in der Anzeigesoftware. Glaube ich. Oder?)

  • Quote

    Nach der Kalibration erfolgt die Profilierung – das ist so richtig, oder? Die Profilierung erfaßt die Monitorcharakteristik.


    Richtig.


    Quote

    Daß die Profivalidierung aufzeigt, ob die Kalibrationsziele erreicht wurden, setzt, wenn ich richtig verstehe, voraus, daß den in der Kalibrierung getroffenen Einstellungen zu messende Soll-Lichtwerte unmittelbar zugeordnet sind. Stimmt das? Vielleicht verstehe ich nicht genau, was Kalibrierungsziele sind.


    In erster Linie zeigt die Profilvalidierung, ob das Monitorprofil den Monitor exakt genug beschreiben kann. Wenn er sich beispielsweise total nichtlinear verhält, kann das selbst in einem dicken CLUT Profil nur schlecht erfasst werden, von einem einfachen Matrix/shaper Profil ganz zu schweigen.


    Kalibrationsziel: Leuchtdichte, Weißpunkt, Tonwertkurve. Also z.B. 140 cd/m², D65, Gamma 2.2.


    Das überprüft man im Rahmen der Validierung letztlich gleich mit:



    => Siehe beispielsweise die erste Seite unserer Validierungsmessungen.


    Quote

    dann verstehe ich, wie in Frage I – wenn JA … ausgeführt, nicht, warum meßbare Abweichungen nur verzeichnet, und nicht durch Nachjustieren behoben werden.


    Man kann ja eine erneute Kalbration + Profilierung im Anschluss durchführen, sofern Unstimmigkeiten auftreten. Das handelt man nicht im Rahmen von Kontrollmessungen ab.


    Quote

    Die bereits zitierte behauptet (S. 60), es sei zum Softproof der PSOc_v3-Profile eine Farbtemperatur von 5800K ungeeignet, weil das Profil mit Papieraufhellern rechnet, die einen höheren Blauanteil emittieren, was durch blauere Farbtemperatur des Monitors dann gedoppelt wird (was ich schon konzeptuell überhauptnicht verstehe. Heißt das nicht, daß jedes Profil für den Softproof auf eine bestimmte Farbtemperatur hin angelegt ist, um richtig dargestellt zu werden, so daß man sich den nicht beliebig aussuchen kann, sondern die wählen muß, die zum darzustellenden Profil paßt?)


    [Exkurs]
    OBAs steigern den Weißegrad des Papiers durch Anregung im UV-Bereich und Emission im sichtbaren Bereich - und sind grundsätzlich ein Problem, schon beim echten Hardproof (Auflagenpapier oft mit Aufhellern, Proofpapier meist ohne). Hier spielt hinein, dass die Messung der Vorlagen bislang meist nach Messbedingung M0 (Lichtart A*, geringer, undefinierter UV-Anteil), selten gar nach M2 (mit UV-Sperrfilter) durchgeführt wurde. Mit der neuen ISO 12647-2:2013 wird M1 bevorzugt, und damit ein höherer, definierterer UV-Anteil. Es bleiben genügend Probleme, z.B. was die Anregung in der Abmusterung betrifft. Im Ergebnis können zwischen Prüf- und Auflagendruck weiterhin deutliche visuelle Unterschiede entstehen


    ---
    * Wichtig: Die in einem ersten Schritt ermittelten Reflexionswerte sind beleuchtungsunabhängig, da zuvor immer auf einem Weißstandard kalibriert wird.
    [/Exkurs]


    Das von dir beschriebene PSO Coated v3 Referenzprofil der ECI basiert auf neuen Charakterisierungsdaten (FOGRA51), die in Übereinstimmung mit der neuen ISO 12647-2:2013 ermittelt wurden. Damit fallen (=> Messbedingung M1) die optischen Aufheller nun stärker ins Gewicht.


    Für die Proofsimulation am Monitor bei paralleler Abmusterung eines Prüf-/ Auflagendrucks gilt: Der Monitorweißpunkt sollte visuell mit dem Papierweiß zusammenfallen. Hier gibt es schon ganz ohne Aufheller genügend Unwägbarkeiten, die ein rein farbmetrisches Matching ausschließen. So führt beispielsweise die eigentlich naheliegende emissive Messung des Papierweiß im Normlichkasten nicht zu einem sinnvollen Zielweißpunkt für die Monitorkalibration - schlimmer noch: Schon eine Abstimmung zweier Monitore ist auf rein messtechnischer Basis selten erfolgreich. Zwischen dem Weißpunkt meiner beiden Monitore liegt ein dE ~ 10 bei visueller Überstimmung (Beobachter-Metamerie => Hintergründe).


    Kurz: Den für dich und deine Umgebungs-/ Abmusterungsbedingungen passenden Weißpunkt musst du selbst finden, die 5800K sind aber ein brauchbarer Startpunkt. Bei rein isolierter Monitornutzung bist du ohnehin flexibel, zumal die Bedingungen im Heimbereich selten fixiert und definiert sind. Hier spielt die Adaptionsfähigkeit des Auges mit seinem "automatischen Weißabgleich" eine große Rolle.


    Quote

    Da ich aber Bilder immernoch gerne unmittelbar in CMYK bearbeite, würde mich noch interessieren, welchen Wert Du für die Bearbeitung da empfiehlst.


    Du kannst da ruhig beim Gamma 2.2 oder der sRGB-Tonwertkurve bleiben. Dringende Empfehlung von meiner Seite ist aber, so lange wie möglich medienneutral zu arbeiten, d.h. in diesem Fall in einem geeigneten RGB-Arbeitsfarbraum. Selbst im PDF/X Workflow ist der Trend unverkennbar, auch wenn es durchaus (teils nicht unerhebliche) Vorteile haben kann, die Daten in einem letzten Schritt selbst nach CMYK zu separieren.


    Quote

    Bei uns: Einstellungen vornehmen = Kalibrieren. Bei EIZO: Einstellungen vornehmen = Zielerstellung
    Bei uns: Kalbrieren = Einstellungen vornehmen. Bei EIZIO: Kalibrieren, = Meßvorgang zur Profilerstellung.


    Jein. Wer Kalibration sagt, meint im Hinblick auf Monitore meist Kalibration (Linearisierung) + Profilerstellung.


    Quote

    Damit scheint das Ergebnis erfreulicherweise sehr viel besser. Die größte dEab ist bei 100%C 3,43, was, soweit ich verstehe, doch nicht ganz wenig ist. Gibt es da noch etwas an meinen Einstellungen zu verbessern, oder kann das jetzt schon als eine „präzise Kalibrierung“ gelten?


    Das Ergebnis liegt völlig im grünen Bereich. Die erhöhte Abweichung ist keine erhöhte Abweichung. Hier wird das einfache Abstandsmaß ausgegeben, d.h. der Betrag des Abstandsvektors von Probe und Referenz in CIELAB. Allerdings ist CIELAB keinesfalls gleichabständig, gerade in stark gesättigten Farben wird überbewertet. Zum Ausgleich wurden optimierte Farbabstandformeln entwickelt. Der von dir verlinkte Test gibt daher auch Abstände nach der CIE2000-Farbabstandformel (dE2000) aus. Daran solltest du dich orientieren.



    Passt soweit, ich empfehle aber eine höhere Leuchtdichte zwischen 120-160 cd/m², du arbeitest ja sicher nicht in der dunklen Höhle.


    Quote

    Ich nehme an, das heißt: An dieser Stelle wird festgelegt, welcher Monitorfarbraum emuliert wird —Durch Kalibrierung, Charakterisierung und Profilierung entsteht ein Farbraum. In den umzuwandeln hilft das Profil, und diese Umwandlung ist die Emulation. Richtig?


    Eine Farbraumemulation kommt in Szenarien zum Zuge, in denen Farbmanagment nicht greift (hier sorgt ja ein CMM für die Farbraumtransformationen). In diesem Fall muss der Monitor selbst die geforderte Charakteristik möglichst präzise reproduzieren, z.B. Rec. 709 (Farbumfang = sRGB) im Videobereich.