Wie funktioniert Kalibrieren

  • Ich verstehe das Konzept vom Kalibrieren nicht. Die meisten Monitore (zumindest die mit 8bit) haben doch genau eine Einstellung, die stufenlose Farb-und Grauverläufe zeigt und ein Maximum des Farbspektrums.
    Mein Dell 2407 z.B. zeigt nur bei Werkeinstellungen bzw. Benutzereinstellung von 100/100/100 stufenlose Verläufe, ist aber dabei etwas grünstichig. Sobald man nun aber Grün auf irgendeinen anderen Wert verstellt, gibt es deutliche Stufen im Grün- und Grauverlauf, unabhängig von den Rot- und Blauwerten. Zudem verliert man mit jeder Abstufung Farbtöne im dunklen Bereich, schon bei Werten von 95 sind im Dualmonitorverleich dunkle Details auf Fotos verschwunden.


    Was kann also das Kalibrieren erreichen? Vielleicht können einige Grundfarben an die Druckfarben angepasst werden, aber was nützt einem das, wenn man dafür viele andere Farben verliert und keine richtigen Farbverläufe mehr hat? Vielleicht reicht das ja für eine CMYK Vorschau, aber Bildbearbeitung im RGB Bereich ist doch so gar nicht mehr möglich? Ich verstehe also wirklich überhaupt nicht, wie Kalibrieren den Farbraum eines TFT irgendwie verbessern kann, er wird doch grundsätzlich kleiner dadurch.

  • Dazu musst Du Dich fragen, wie oft Du Dir Spiele, Fotos und Filme ansiehst, deren Farben stimmen sollen, und wie oft Du die volle Farbverläufe ansiehst?! Woran hast Du mehr Freude? Bei ersteren wirst Du kalibrieren, bei zweiterem lässt Du es. ;)


    Aber Scherz beiseite...


    Mittlerweile arbeiten die meisten TFT mit FRC/Dithering, auch bei 8 Bit Ausgabe. Intern arbeiten sie dann mit mindestens 10 Bit. Dadurch kannst Du die RGB-Werte bzw. den Kontrast am Monitor absenken, ohne Farbstufen zu verlieren. Allerdings kann FRC bei schlechter Umsetzung als Flimmern auffallen, da es bei aktuellen 60 Hz Monitoren nur mit 30 Hz Frequenz betrieben werden kann. Da die beim FRC vom Monitor hin- und hergeschalteten Farben bei 8 Bit Geräten jedoch näher beieinander liegen, funktioniert das schon ganz gut, je nach Umsetzung des Herstellers. Ich gehöre aber zu den Leuten, die das bei schlechterer Umsetzung sofort erkennen, leider.


    Bei der Kalibration passieren zwei Dinge:


    1. Die Farbtemperatur wird angepasst, und zwar nicht nur für Weiß, sondern für den gesamten Grauverlauf. Mein VP2330 ist zum Beispiel gegenüber sRGB (6500K) bei Weiß zu warm (ca. 6200K), bei 50% Grau aber zu kalt (über 7000K).


    2. Die Helligkeitsabstufungen des Grauverlaufs werden angepasst, in der Regel anhand einer Gammakurve. sRGB nutzt keine reine Gammakurve. Der Verlauf ist dem von Gamma 2,2 aber sehr ähnlich, nur die dunklen Grautöne sind etwas heller.


    Beide Schritte sind zum normalen Arbeiten nicht nötig, solange es nicht auf Farbverbindlichkeit ankommt bzw. einem egal ist, ob das Spiel, der Film oder die Fotos bei einem selbst genau so aussehen, wie bei demjenigen der sie erstellt hat.


    1. Das Auge passt sich an die Farbtemperatur an. Zu warm oder zu kalt gibt es also nicht, nach kurzer Zeit sieht es immer neutral aus. Allerdings spielt die Temperatur der Zimmerbeleuchtung und die Farbe der Wände da mit rein. sRGB nutzt 6500K als Standard, ECI-RGB nutzt 5000K, Adobe-RGB wieder 6500K. Das sind Werte auf die man sich als Standards geeinigt hat, sie orientieren sich am Tageslicht und dem angeblich üblichen Umgebungslicht.


    2. Nur eine linieare Grauverlaufskurve (Gamma 1) wäre in der Helligkeitsverteilung gleichmäßig, jede der 256 Graustufen steigt gleich gegenüber der vorherigen an. Eine solche Kurve bietet nur der L-Star* Farbraum, welcher für Otto-Normal-User unrelevant ist. Es bleibt Deinem eigenen Geschmack überlassen, ob Du die dunklen Grautöne eher dunkler oder eher heller haben möchtest. Allerdings verschenkt ein zu niedriger Gammawert des Monitors zuviele Stufen für die dunklen Bereiche (wo es meist nur Bildrauschen gibt), ein zu hoher zuviele Stufen in den hellen Bereichen (wo das Auge die Stufen kaum noch unterscheiden kann).


    Das Internet, HDTV, die meisten Fotolabore und Windows allgemein nutzen sRGB (6500K, Gamma sRGB/~2,2), da der Standard von PAL/SECAM abgeleitet ist, nutzen auch diese 6500K, Gamma 2,2, bei fast gleichem Farbraumumfang (Gamut).


    Nach der Kalibration kommt übrigens noch die Profilierung. Dabei werden die vom kalibrierten Gerät ausgegebenen Farben gemessen. Diese sind nämlich nach der Kalibration nicht automatisch korrekt (es wurden ja nur Farbtemperatur und Verlauf der Grautöne angepasst). Die gemessenen Farben bzw. deren Abweichung von den definierten Standardfarben werden in ein ICC-Profil geschrieben, so dass entsprechende Anwendungen (z.B. Photoshop) diese zum Umrechnen nutzen können. Beim normalen Betrieb werden die Profile nicht genutzt!

  • Hm, dieses Flimmern musste ich auch bei meinem 2407WFP feststellen...wenn die die einzelnen Farbregler nach unten schraube wirkt das Bild irgendwie unruhig :(


    Kannst du irgendein günstiges Kalibrierunggerät empfehlen?
    Ich hatte mir mal das Spyder 2.0 Express von TopSystems rausgesucht. Das oll wohl nich schlecht sein.


    Bearbeite auch öfters mal Digitalfotos und wollte mein Display daher mal etwas genauer machen lassen ;)

  • Da ich selber nur praktische Erfahrungen mit dem Gretagmacbeth "Eye One Display 2" gesammelt habe, kann ich Dir nur schlecht was raten. Zum Spider habe ich aber mehrfach gelesen, dass es weniger exakt arbeitet (evtl. liegts auch an der Software) und Probleme mit TFT hat die einen größeren Gamut aufweisen (LED, verbesserter CCFL-Hintergrundbeleuchtung).


    Falls Du Englisch lesen kannst, schau mal in diesen Vergleichstest. Das dort genutzte LACIE entspricht dem Eye One Display 2, nur die Software ist eine andere (allerdings hat die Software durchaus einen großen Einfluss).



    Es gibt das Eye One als LT Version mit abgespeckter Software bei wohl gleicher Hardware. Wenn es nur darum geht den Monitor auf Gamma 1,8 bzw. 2,2 bei 5000K/5500K bzw. 6500K zu kalibrieren, dann reicht das LT. Dessen Software bietet nämlich keine freie Auswahl des Gamma und der Farbtemperatur. Zudem fehlt wohl die Möglichkeit die Leuchtdichte (Umgangssprachlich fälschlicherweise Helligkeit) des Monitors zu messen, und man kann Profile nicht auf spätere Abweichungen kontrollieren.


    Hier ist eine Übersicht der verschiedenen Features zu finden:



    Dort steht bei den größeren Versionen explizit, dass Matrixprofile unterstützt würden, was mich wundert, da das im Grunde Standard ist. LUT Profile sind genauer, aber auch entsprechend größer und werden laut Quato nicht richtig von Photoshop unterstützt. Letzteres sollte für aktuelle Versionen aber auch nicht mehr gelten, da die meisten Druckerprofile als LUT Profile daherkommen dürften.


    Ein vollwertiges Eye One Display 2 bekommt man bei Ebay ab ca. 160 Euro rum.

  • Ich hätte auch mal eine Frage zum Thema kalibrieren. Nachdem ich die neuen Forceware-Treiber installiert habe, sehen meine Einstellungen im Nvidia Kontrollzentrum so aus:
    Einstellungen


    Ist es normal, daß z.B. 9% Gamma eingestellt sind? Ich selbst habe die Regler nämlich nie berührt.
    Ich möchte meinen TFT jetzt auch noch mit Hilfe dieser Seite etwas kalibrieren. Sollte ich vor dem Start die ganzen Einstellungen bei Nvidia auf 100% (bzw. Gamam auf 0) stellen oder kann ich sie so lassen?


    Gruß,
    Niddi