Monitor für semiprofessionelle Bildbearbeitung: max. 600 Euro

  • Hallo :)


    Ich fotografiere sehr intensiv und möchte mir gerne eine Monitor kaufen, der meinen inzwischen sehr hohen Anforderungen genügt.
    Bisher arbeite ich ausschließlich im sRGB-Farbraum, möchte aber nicht ausschließen, dass ich in einem Jahr im erweiterten Farbraum arbeite. Deshalb möchte ich mich ungern auf einen Monitor festlegen, der nur den sRGB-Farbraum abdeckt (es sei denn, preislich ist nur das drin!).


    Meine Anforderungen:
    -irgendwas zwischen 20 und 24 Zoll
    -hohe Auflösung (am besten 1920x1200 Pixel, 1600x1200 wäre auch ok, grenzwertig: 1680x1050)
    -sehr gute Farbraumabdeckung von sRGB (und falls möglich auch Adobe-RGB-Farbraum)
    -gute Bildwinkelunabhängigkeit und gute Helligkeitsverteilung
    -unproblematische Kalibrierung mit einem Colorimeter / nicht alle 2 Tage neu kalibrieren
    -Preis: max. 600 Euro (Colorimeter nicht mit drin)


    Ich möchte meinen neuen Bildschirm ausschließlich für Bildbearbeitung nutzen.


    Über den ein oder anderen Tipp würde ich mich sehr freuen :)


    Gruß Christian

  • Nicht ganz einfach. Wenn es das Budget noch irgendwie hergibt, würde ich stark zum Eizo CG222W tendieren (Straßenpreis um die 750 Euro). Damit hast du ein (vorsichtig ausgedrückt) sehr vernünftiges Gerät mit WCG-CCFL Backlight, hardwarekalibrierbar (als Sonde dann das X-Rite DTP94) und mit flexibler Farbraumemulation. Abgesehen davon könnte man über den NEC 2490WUXi2 (hardwarekalibriebar über SpectraView II) nachdenken, der um die 650 Euro kostet. Im Gegensatz zum Eizo und dem NEC PA241W (der den 2490 gerade ersetzt und elektronikseitig nochmal mehr bietet) allerdings ohne erweiterten Farbraum. Weitere Alternative: Eizo EV2333WH (kein erweiterter Farbraum).


    Gruß


    Denis

  • Ich würde bei Stichworten wie "Semipro mit sehr hohen Anforderungen", intensiver Fotografie, ausschließlich EBV im sRGB und Adobe Farbraum ziemlich eindeutig auf die NEC PA Serie verweisen.


    Bei Geräten bis 600 Euro wirst du mit solchen Anforderungen noch nicht bedient.
    In diesem Preisbereich findest du eher Konsumenten-Allrounder, meist entweder / oder Geräte den Farbraum betreffend, elektronisch auf EBV bezogen einfache Geräte, aber noch keine Monitore die hauptsächlich auf EBV ausgerichtet sind oder gar hohen Semi-Pro Ansprüchen in dieser Disziplin gerecht werden könnten.

  • Hallo DerGeograph!


    Ich sehe es ganz ähnlich wie Sailor Moon und TFTshop.


    Der Eizo 2243 und 2433 sind gute Geräte. Nach Kalibrierung und in Verbindung mit farbmanagmentfähiger Software kannst Du im sRGB und AdobeRGB Farbraum arbeiten. Bei deinen jetztigen Anforderungen sind die Geräte in Ordnung


    Deine jetzt schon hohen Anforderungen werden garantiert noch steigen. In einem Jahr werden die Geräte deinen gesteigerten Anforderungen nicht mehr genügen. Also kann ich Dir nur dringend raten, schon jetzt mehr zu investieren.


    Meine Empfehlung:
    Eizo CG 222W bzw. CG 223W
    NEC PA 241


    Die Geräte sind Spitzenklasse und noch relativ preiswert.


    Grüße
    Winston Smith

  • Beim NEC muss man aber dieses spezielle Colorimeter aus dem Ausland importieren? Oder gibt es auch Lösungen, die für den europäischen Markt konzipiert sind und gut mit dem NEC harmonieren?
    Oder anders gefragt: Ist eine Hardwarekalibrierung beim NEC überhaupt notwendig?

  • Hallo Christian!


    Der NEC läßt sich auch sehr gut mit der Kombination iColor Display DTP94 kalibrieren.


    Die Hardwarekalibration ist etwas besser geht aber nur mit der SpectraView II Software und dem NEC Colorimeter.


    Dazu habe ich dir eine PN geschickt.


    Grüße
    Winston Smith

  • Quote

    Könnt ihr was zum Eizo 2232, bzw. 2243 oder 2433 sagen?


    Sind alles gute, allerdings auch reine Wide Gamut Bildschirme.
    Eine echte Farbraumemulation beherrschen die nicht.


    Quote

    Beim NEC muss man aber dieses spezielle Colorimeter aus dem Ausland importieren?


    Das Colorimeter ist ganz regulär auch in Deutschland erhältlich.


    Quote

    Oder anders gefragt: Ist eine Hardwarekalibrierung beim NEC überhaupt notwendig?


    Gegenfrage: Kann eine höhere Präzision durch völlig unverbogene Grafikkarte durch Selbstprogrammierung des Bildschirms schaden?
    Die Frage ob's nötig ist oder nicht, finde ich eher irrelevant. Man kann! Allein das die Möglichkeit hierzu besteht, ist schon Gold wert. Nutzen musst du es nicht. Denn auch mit einer normalen Softwarekalibration weiß der NEC bereits zu begeistern und liefert sagenhafte Leistung ab. Wer ihn maximal ausloten will, kann ihn halt durch die genannten Mittel an seine Leistungsgrenze führen. -Und die ist alles andere als gewöhnlich. :D

  • Der NEC klingt wirklich sehr interessant.
    Ich lese mich seit einigen Tagen in das Thema Kalibrierung und Farbmanagement ein, und einige Dinge sind mir bisher noch etwas unklar.
    Zum Beispiel der Unterschied zwischen Hardware- und Softwarekalibrierung (oder Kalibration?). Ich dachte bisher, dass, wenn ich ein Colorimeter mitsamt Software nutze, dies eine Hardwarekalibrierung ist. Aber inzwischen bin ich unsicher geworden. Und bevor ich mir einen für mich als Studenten sehr teuren Monitor kaufe, möchte ich mich natürlich eingehend mit der Materie beschäftigen.
    Kann mir jemand in 1 - 2 kurzen Sätzen den Unterschied zwischen Hardware- und Softwarekalibrierung erklären oder einen Tipp geben, wo ich dies selbst nachlesen kann? Vielen Dank! :)

  • Eine Meßsonde kommt in beiden Fällen zum Einsatz. Im Rahmen der Kalibrierung wird der Bildschirm auf deine Vorgaben "getrimmt" (Weißpunkt, Gradation (=> Gamma), Helligkeit) und neutralisiert (du willst ja auch keine unangenehmen Farbstiche in der Grauachse). Vor Beginn der Kalibration versuchst du bei einer Softwarekalibration mit den Bordmitteln des Bildschirms die gewünschten Kalibrationsziele möglichst exakt zu erreichen. Die Software unterstützt dich dabei. Hat den Hintergrund, dass durch die potente Elektronik der besseren Geräte (alle hier genannten Bildschirme) Tonwertverluste vermieden werden. Die anschließende Kalibration realisiert notwendige Korrekturen dann über die 8bit Grafikkarten-LUT (werden bei Betriebssystemstart geladen). Umfangreiche Eingriffe führen hier zu unschönem Banding, gleichzeitig werden die Änderungen bei bestimmten Aktionen (z.B. Start eines Spiels) verworfen. Bei vernünftigen Geräten werden diese Eingriffe allerdings sehr gering ausfallen, weil die Monitore sich per OSD den Kalibrationszielen sehr exakt annäheren lassen und sie sich außerdem ab Werk schon sehr neutral verhalten (bis hin zu dem Umstand, dass die Kalibration hier durch Ungenauigkeiten der Consumer-Meßgeräte sogar noch minimale Verschlechterungen bringen kann). Beim NEC PA241W führen auch etwas ausgefallenere Kalibrationssziele (z.B. L*-Gradation; wählbar beim NEC direkt im OSD) zu faktisch keinen Eingriffen in die Grafikkarten-LUT. Man kann damit festhalten, dass bei besseren Geräten die Grenze zwischen Hard- und Softwarekalibration verwischen. Eine Hardwarekalibration unterscheidet sich von einer Softwarekalibration dadurch, dass du am Gerät gar keine Einstellungen vornimmst. Alle notwendigen Korrekturen werden direkt in der Monitor-LUT durchgeführt - und damit genauso verlustfrei wie die OSD-Einstellungen. Hat zusätzlich den Charme, dass beim Systemstart nichts geladen werden muß (und damit auch, s.o. nichts verworfen werden kann). In beiden Fällen wird anschließend die Bildschirmcharakteristik im Rahmen der Profilierung erfaßt. Erst damit können in farbmanagementfähiger Software die notwendigen Transformationen anhand der beteiligten Profile über einen geräteunabhängigen Farbraum als Bindeglied durchgeführt werden.


    Beim Eizo CG hat die Hardwarekalibrierung über Color Navigator (wird mitgeliefert) noch den Vorteil, dass die Farbraumemulation (für das Arbeiten in ungemanagter Umgebung, z.B. eben Spiele oder Filme) komplett eingebunden ist. Du kannst hier verschiedene Targets definieren und dann mit einem Klick umschalten. Zum Beispiel also vor Spielstart dein vorkalibriertes/ profiliertes sRGB Target aufrufen und danach, wenn du in Photoshop Bilder bearbeitest, ein Target, das mit nativem Gerätefarbraum erstellt wurde. Auch NECs SpectraView erlaubt die Definition und einfache Umschaltung von userseitigen Targets, allerdings ist die (sehr gute) Farbraumemulation leider faktisch nicht eingebunden (was aber grundsätzlich erstmal keine Katastrophe ist).


    Gruß


    Denis

  • Herzlichen Dank für die sehr ausführliche und verständliche Erklärung!! :thumbup:
    Also benötige ich für die Hardwarekalibration beim CG222 bzw. 223 kein zusätzliches Gerät, während ich beim NEC PA241W extra dieses
    Spektra View II kaufen muss?

  • Quote

    Also benötige ich für die Hardwarekalibration beim CG222 bzw. 223 kein zusätzliches Gerät, während ich beim NEC PA241W extra dieses
    Spektra View II kaufen muss?


    Die notwendige Software liegt bei, eine Meßsonde müßtest du beim Eizo noch separat kaufen, oder ein Bundle mit Bildschirm wählen. Zu empfehlen wäre das DTP94 (am besten gleich das Silver Haze Pro Bundle, d.h. mit iColor Display für ~200 Euro - damit kannst du auch den NEC, oder einen anderen Bildschirm softwarekalibrieren). Eizo implementiert Korrekturen für das Spektrum der Hintergrundbeleuchtung in Color Navigator. Willst du den NEC hardwarekalibrieren müßtest du zu der besagten "NEC Sonde" greifen, sonst stimmen die Ergebnisse nicht (Alternative wäre ein Spektralfotometer, die aber relativ teuer sind).


    Gruß


    Denis

  • Habe mir jetzt den Eizo CG223 mal genauer angeschaut und gelesen, dass die 10bit Farbdarstellung nur über eine Displayport-Schnittstelle möglich ist. Gibt es aktuell bezahlbare Grafikkarten, die ihr empfehlen könntet?

  • So, die Entscheidung naht und ich benötige nur noch einen kleine Schubs. ;)


    Ist der NEC PA241W mit Softwarekalibrierung genauso gut/besser/schlechter (wenn man das so sagen kann) wie der EIZO CG223W mit Hardwarekalibrierung?