Hardware-Farbkalibrierung: Brauche ich trotzdem ein .icc-Farbprofil?

  • Ich möchte meinen BenQ SW240 mit einem X-Rite i1 Display Pro Kolorimeter kalibrieren und habe Mühe, den Unterschied oder das Zusammenspiel zwischen Softwarekalibrierung und Hardwarekalibrierung zu verstehen.


    Wenn ich den Text auf der BenQ-Website richtig verstehe, habe ich zwei Möglichkeiten: Entweder ich benutze mit dem Kolorimeter eine Software wie iProfiler und erstelle damit ein .icc-Farbprofil. Dieses weise ich dann in den Windows Systemeinstellungen meinem Monitor zu. Das wäre die Software-Kalibrierung. Oder ich benutze mit dem Kolorimeter die Software Paletter Master Element von BenQ und schreibe damit die Kalibrierungsdaten direkt in die LUT des Monitors. Das wäre die Hardware-Kalibrierung, die allgemein eher empfohlen wird.


    Was ich nun nicht verstehe: Wenn ich die Hardware-Kalibrierung wähle, brauche ich dann trotzdem ein .icc-Farbprofil, oder muss ich dann in den Windows Systemeinstellungen dem Monitor kein Farbprofil zuweisen?

  • Klar brauchst Du ein icc Farbprofil. Der Unterschied ist doch nur, dass bei der reinen Softwarekalibrierung die Grafikkarte verbogen wird und bei der Hardwarekalibrierung in die LUT geschrieben wird. Dennoch benötigen Windows oder Bildbearbeitungssoftware doch ein Farbprofil.

  • Puh, ich als jemand, der keine Ahnung hat (nicht gar keine), bin mir da nicht so sicher. Wenn ich einen Windows PC in Betrieb nehme, wohl auch die meisten Monitore, dann gehen die alle von sRGB aus. Alles funzt und spielt zusammen. Über irgendwelche Profile braucht man sich keine Gedanken machen.


    Jetzt soll der Monitor "ein gutes Bild machen", deshalb wird er kalibriert, um die Unzulänglichkeit der diversen beteiligten Toleranzen wegzurechnen, z. B. nach Änderung der Helligkeit oder Alterung. Wenn jetzt bei der Kalibrierung der Monitor bei sRGB bleiben soll und die Korrekturwerte intern im Monitor bleiben, dann ist das so, als ob der im Werk bei der Fertigung andere Werte bekommen hat. Das nennt sich, glaube ich, Farbraumemulation. Im PC braucht man da nichts ändern. Wo immer man was eintragen kann, sollte da sRGB IEC61966-2-1 stehen oder ggf. nichts, die Voreinstellungen halt.


    Was anderes ist es, wenn man dem Monitor z. B. sagt, du machst jetzt AdobeRGB. Dann geht die Arbeit auch im PC los. Es betrifft nicht nur ICC-Profile im Betriebssystem, sondern auch in einigen Programmen. Wenn ein jpg angezeigt werden soll, ist das sRGB oder AdobeRGB oder enthält das selber ein Profil? Berücksichtigt der Bildbetrachter überhaupt das Profil? Man sollte man ganz genau wissen, was man macht. Wenn man es nicht weiß, dann bei besser bei sRGB bleiben. Wenn der Monitor so aussehen soll, wie ein Ausdruck, dann wird das wohl noch komplizierter. Aber davon habe ich überhaupt keine Ahnung.


    Was hast du wie kalibriert, mit welchem Ziel?

  • Ich arbeite momentan ausschliesslich mit sRGB, auch zum Fotos ausdrucken. Mein Ziel war einfach eine möglichst exakte Farbwiedergabe.


    Ich habe nun zwei Kalibrierungen gemacht und in der LUT abgespeichert, eine sRGB und eine Adobe RGB. Das Kalibrierungsprogramm hat aus diesen beiden Messungen auch jeweils ein .icm-Farbprofil erstellt, das ich jetzt in der Systemsteuerung dem Monitor zuweisen kann.


    Was ich jetzt beobachte, ist Folgendes: Wenn ich auf dem Monitor die sRGB-Kalibrierung wähle und ausschliesslich im sRGB-Farbraum arbeite, dann spielt es überhaupt keine Rolle, welches Farbprofil ich dem Monitor in der Systemsteuerung zuweise - oder ob ich ihm gar keines zuweise. Von dem her scheint das Farbprofil wirklich nicht nötig zu sein.


    Mit Adobe RGB beginnen tatsächlich die Probleme. Ich habe ein paar Testbilder runtergeladen und drei Varianten getestet: 1) Adobe RGB Kalibrierung + Adobe RGB Farbprofil, 2) Adobe RGB Kalibrierung + kein Farbprofil, 3) sRGB Kalibrierung + Adobe RGB Farbprofil.


    Die Ergebnisse sind unterschiedlich. Aber ich weiss nicht, welches richtig ist :(


    Kann mir jemand sagen, ob die beiden angehängten Fotos identisch oder unterschiedlich aussehen sollten, wenn sie in einem Programm mit Farbmanagement geöffnet werden?


  • Ich habs inzwischen rausgefunden. Die Adobe RGB Version des Fotos hat etwas intensivere Rottöne in den Wolken, wenn man die richtigen Farbeinstellungen macht.


    Fazit für mich: Arbeite ich nur mit sRGB, brauche ich im Prinzip kein Farbprofil in Windows. Die Hardware-Kalibrierung reicht. Arbeite ich jedoch mit sRGB und Adobe RGB, dann muss ich sowohl die Adobe RGB Kalibrierung wie auch das Adobe RGB Farbprofil auswählen, damit alles richtig aussieht. Der Nachteil dabei ist jedoch, dass die Farben der Windows-Benutzeroberfläche stark übersättigt sind, weil Windows kein Farbmanagement hat. Ich werde darum die Adobe RGB Kalibrierung nur benutzen, wenn ich wirklich einmal mit Material in diesem Farbraum arbeiten muss.

  • Klar brauchst Du ein icc Farbprofil. Der Unterschied ist doch nur, dass bei der reinen Softwarekalibrierung die Grafikkarte verbogen wird und bei der Hardwarekalibrierung in die LUT geschrieben wird. Dennoch benötigen Windows oder Bildbearbeitungssoftware doch ein Farbprofil.

    Ich würde doch gerne nochmal auf diese Aussage zurückommen. Windows hat ja ein Farbprofil, nämlich sRGB. In der Bildbearbeitungssoftware (Photoshop) ist auch sRGB als Standard-Farbraum eingestellt.


    Wozu braucht denn der Monitor auch noch ein Farbprofil, wenn ich doch die Kalibrierung Hardware-seitig vorgenommen habe? Bzw. welche Informationen sind im Farbprofil enthalten?


    Im Falle einer reinen Software-Kalibrierung wäre mir das klar. Dann müsste die .icm-Datei Informationen darüber enthalten, wie die RGB-Werte einzelner Pixel an den Monitor weitergegeben werden. Aber bei der Hardware-Kalibrierung können die RGB-Werte ja unverändert an den Monitor weitergegeben werden ...

  • Nach der Kalibration (die einen definierten, gewünschten Grundzustand* herstellt) wird die Monitorcharakteristik vermessen und in einem Farbprofil festgehalten - sowohl bei Hard- als auch Softwarekalibration. Damit kann ein Farbrechner in farbmanagementfähiger Software bestmöglich in Monitor-RGB transformieren. Grundkonzept dieses ICC-Workflows ist ein geräteunabhängiger Verbindungsfarbraum (PCS). Die im Workflow beteiligten Profile liefern die Übersetzungsvorschrift hinein und hinaus.


    Der zweite, vermessende Charakterisierungsschritt unterscheidet sich also nicht. Bei einer Softwarekalibration werden die Korrekturdaten für den ersten Schritt (eine eindimensionale LUT pro Farbkanal) noch zusätzlich im Profil (in einem speziellen, vom ICC nicht definierten Tag => vcgt) abgelegt und von dort beim Systemstart in die LUT der Grafikkarte geladen.


    Heute gibt es i.d.R. auch noch Emulationsmechnismen auf Seiten der Monitorelektronik, die zum Zuge kommen können, wenn eine definierte Darstellung für fixe (RGB-)Inhalte abseits des genannten ICC-Profil-Workflows gewünscht ist. Das wäre im einfachsten Fall ein im OSD auswählbarer sRGB-Modus, mit dem man für sRGB-Inhalte dann bei guter Umsetzung hinreichende Ergebnisse erzielt. Bei hochwertigen, hardwarekalibrierbaren Monitoren ist soetwas in die Kalibration integriert. Hier kann man explizit auswählen, ob man den vollen Farbumfang nutzen oder definiert einschränken möchte.


    Quote

    Bzw. welche Informationen sind im Farbprofil enthalten?

    Sie liefern die Grundlage für die Transformation aus dem o.g. PCS in Monitor-RGB, beschreiben also das "Farbverhalten". Beispiel:


    Bild-RGB => sRGB-Profil => PCS => Monitor-Profil => Monitor-RGB


    Das Monitorprofil wird dem Monitor auf Windows-Ebene zugewiesen (taucht nicht in Photoshop auf). Farbmanagementfähige Software greift dann darauf zurück (in ganz seltenen Ausnahmen gibt es Anwendungen, in deren Konfiguration man das Monitorprofil explizit hinterlegen muss).


    http://www.color.org/slidepres2003.pdf

    http://www.color.org/ICC_white…_role_of_ICC_profiles.pdf


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    * Insbesondere: Weißpunkt und Tonwertkurve (Gamma). Das stellt aber noch keine farbechte Reproduktion sicher! Dies ist mit drei eindimensionalen Tabellen auch gar nicht möglich, selbst wenn Quelle und Ziel vorab bekannt wären.