Fragen zu Farbraum und Kalibrierung

  • Ich habe einige Fragen zum Thema Farbraum und Kalibrierung auf die ich bisher keine Antwort finden konnte.

    Das Thema erscheint mir nicht ganz leicht, aber ich würde es gerne verstehen.


    Gehen wir einmal davon aus, dass ich einen perfekt eingestellten Monitor ab Werk haben und dieser genau 100% sRGB abdeckt. Hiermit erzeuge ich ein Bild.

    Nach meinem Verständnis würde dann eine Person B, die mit einem Monitor der ebenfalls den sRGB Farbraum zu 100% abdeckt, das (nahezu) gleiche Bild sehen.


    1. Deckt mein Monitor den Farbraum nur zu 95% ab, dann kann auch Person B nur ein 95% genaues Bild sehen.

    2. Genauso ergibt sich 95% Genauigkeit, wenn ich 100% aber Person B den Farbraum nur zu 95% abdeckt.


    Nun gibt es Monitore mit mehr als 100% Abdeckung. Nehmen wir an, dass ich einen mit 105% besitze.


    3. Ich 105%. Person B 100%. Erreichen wir hier 100% Genauigkeit oder werden meine 105 auf 100 runtergebrochen und es kommt zu Ungenauigkeiten.

    4. Anders gefragt: Welchen Vorteil habe ich von Monitoren mit z.B. 130% Abdeckung? Ist es vielleicht sogar ein Nachteil beim Erzeugen von Bildern, die dann auf einem Monitor mit "nur" 100% betrachtet werden?


    Kommen wir nun zur Kalibrierung


    Ich kann den Farbraum zu 100% abdecken, der Monitor ist aber falsch eingestellt und kommt nur auf 95%.

    5. Per Hardwarekalibrieung könnte ich diesen wieder auf 100% einstellen ohne Nachteile.

    6. Per Softwarekalibrierung könnte ich diesen auch wieder auf 100% einstellen? Nach meinem Verständnis gleiche ich da per Software aber nur eine Verschiebung aus und mir gehen dadurch Informationen verloren, so dass ich keine 100% Genauigkeit mehr erreichen kann, aber immer noch besser bin als die 95% ohne Kalibrierung.


    Was ändert sich, wenn ich einen Monitor mit 105% Farbraumabdeckung besitze? Der Monitor falsch eingestellt ist und tatsächlich bei 95% liegt.


    7. Per Hardwarekalibrieung sollte ich erneut auf 100% einstellen können ohne Nachteile.

    8. Wie ist es bei der Softwarekalibrierung? Dient hier der 105% Farbraum als Reserve, sodass ich wieder auf 100% ohne Nachteile komme?


    Ich hoffe das war verständlich.

  • Scheinbar doch nicht verständlich.

    Ich versuche es mal so.


    Welchen Vorteil bietet mir einen Monitor mit 120% sRGB? Oder ist es sogar ein Nachteil?


    Folgende Überlegung:

    120% sRGB bedeutet für mich, dass der sRGB Farbraum vollständig abgedeckt ist und darüber hinaus noch mehr Farben dargestellt werden können.

    Klingt erstmal toll, aber nun bearbeite ich ein Bild mit Rosen, Kirschen und Chilis.

    Es liegt viel Rot außerhalb des sRGB Farbraums.

    Auf meinem Monitor sieht es toll aus, aber das Bild dürfte auf einem Monitor mit 100% sRGB Abdeckung wohl schlecht aussehen, da das Rot, welches jenseits des sRGB Farbraums liegt, auf das äußerste Rot des sRGB Farbraums runtergesetzt wird.

    Um also ein gutes Ergebnis zu erzielen müsste ich doch den 120%igen Farbraum auf 100% einschränken und mich erst dann an die Bildbearbeitung machen.

    Oder verstehe ich das falsch?

  • Nach der Kalibration (die einen definierten, gewünschten Grundzustand herstellt) wird die Monitorcharakteristik vermessen und in einem Farbprofil festgehalten - sowohl bei Hard- als auch Softwarekalibration. Damit kann ein Farbrechner in farbmanagementfähiger Software bestmöglich in Monitor-RGB transformieren. Grundkonzept dieses ICC-Workflows ist ein geräteunabhängiger Verbindungsfarbraum (PCS). Die im Workflow beteiligten Profile liefern die Übersetzungsvorschrift hinein und hinaus.


    Beispiel:


    Bild-RGB => AdobeRGB-Profil => PCS => Monitor-Profil => Monitor-RGB


    http://www.color.org/slidepres2003.pdf

    http://www.color.org/ICC_white…_role_of_ICC_profiles.pdf


    Heute gibt es i.d.R. auch noch Emulationsmechnismen auf Seiten der Monitorelektronik, die zum Zuge kommen können, wenn eine definierte Darstellung abseits des genannten ICC-Profil-Workflows gewünscht ist.

  • Ich hoffe doch alle :)


    "Damit kann ein Farbrechner in farbmanagementfähiger Software bestmöglich in Monitor-RGB transformieren."


    => In einem entsprechenden Umfeld (Photoshop und Co.) also keine Probleme durch hohe Farbumfänge solange das Monitorprofil korrekt ist. Im Gegenteil.

  • Da brauche ich scheinbar mehr Erklärung.


    Klar ist mir, dass zwischen den Farbräumen transformiert wird. Das geht aber nicht ohne Verluste.


    Bei Wiki finde ich z.B. folgende Aussage:

    "Bei der Umrechnung von einem größeren in einen kleineren Farbraum werden die Farben, die außerhalb des Zielfarbraums liegen, auf dessen Hülle abgebildet (Clipping)."


    Das bedeutet für mich, dass ich im Augenblick der Bearbeitung im sRBG Farbraum sein muss. Bin ich z.B. im besagten 120% sRGB Farbraum, dann führt es zu einem schlechteren Endergebnis, wenn sRGB der Zielfarbraum ist.

  • Du zäumst das Pferd an dieser Stelle von der falschen Seite auf. Die 120% liegen ja monitorseitig vor. Du bearbeitest im konkreten Fall eine sRGB-Datei. Das Mapping für die Darstellung am Monitor ist also umgekehrt (kleinerer Quell- zu größerem Zielfarbraum).


    Natürlich kann es sein, dass der Monitor größere RGB-Arbeitsfarbräume (z.B. AdobeRGB oder ECI-RGB) nicht hinreichend abdeckt. Dann verlierst du mit entsprechenden Dateien in out-of-Gamut Farbwerten Präzision und Zeichnung in der Live-Darstellung (=> wichtiges Detail, denn du konvertierst ja nicht in Monitor-RGB).


    Kurz: Bigger is better.


    Der ICC-Workflow sieht übrigens auch für solche Szenarien (großer Quell-, kleiner Zielfarbraum) alternative Rendering-Strategien vor, firmierend unter einer wahrnehmungsorientierten Transformation. Diese spielen aber für den von uns gerade besprochenen Ablauf keine Rolle (da geht es eher um Ausgabeprofile) und haben ihre eigenen Fallstricke.

  • Wenn ich das richtig verstehe, dann würde ich mich beim Bearbeiten des Bildes nur im sRGB Farbraum bewegen. Unabhängig davon wie groß der Farbraum meines Monitors ist. Natürlich unter der Voraussetzung, dass mein Monitor einen größeren Farbraum besitzt.


    Wenn ich beabsichtige nur sRGB zu erstellen, dann ist ein größerer Farbraum zwar kein Hindernis, aber ich würde wohl unnötig mehr für dieses Feature zahlen.

  • Wenn Du ausschließlich im sRGB-Farbraum arbeiten willst, dann macht ein Monitor mit sRGB-Farbraumabdeckung Sinn. Und selbst wenn der Monitor nur 98 % abdeckt, ist das immer noch sehr gut!