Fahrradtechnik: Handy-App steuert Gangschaltung

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Ein Team von Wissenschaftlern der britischen Cambridge Consultants Limited (CCL) hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Leben von Fahrradlenkern in Zukunft deutlich zu erleichtern. Zu diesem Zweck haben die findigen Forscher das erste vollautomatische Schaltsystem für Zweiräder entwickelt. Der Clou dabei: Das System greift per Bluetooth kabellos auf das eigene Smartphone zurück, um den besten zur aktuellen Tretgeschwindigkeit passenden Gang zu eruieren. Über den verbauten Bewegungssensor des Handys können zudem in speziellen Situationen wie Notbremsungen oder schnellen Abwärtspasssagen schnell die richtigen Gänge gefunden werden.

Fahrrad-Trend: Die Handschaltung als Auslaufmodell (Foto: flickr.com/SLO)

„Automatiklösungen für Fahrräder werden von verschiedenen Herstellern angeboten“, erklärt René Filippek, Pressesprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club e. V. (ADFC). Diese würden auch in der Praxis bereits gut funktionieren. „Ich habe das selbst ausprobiert und muss sagen, dass man sich schnell daran gewöhnt, dass einem das Schalten abgenommen wird“, meint Filippek. Ob sich derartige Systeme auf Dauer durchsetzen können, sei aber schwer abzuschätzen: „Dass diese Technologie entwickelt wird, zeigt, dass hier eine gewisse Nachfrage besteht. Ich glaube, dass sie vor allem für Alltags- und Tourenfahrer oder ältere Menschen interessant sein könnte“, so der ADFC-Experte.

Technisch gesehen basiert das von den CCL-Forschern entwickelte System auf elektronischen Schaltgetriebelösungen wie sie etwa derzeit bereits von Herstellern wie Shimano angeboten werden. Diese werden in der Regel über Kabel mit einem Lithium-Akku und den Schalthebeln am Fahrradlenker verbunden. „Wir haben die Kabel zwischen den Hebeln und Schaltern entfernt und durch eine kluge, energiesparende Bluetooth-Version ersetzt, die für eine besonders lange Laufzeit entwickelt worden ist“, wird Tim Fowler, Commercial Director bei CCL, vom NewScientist zitiert.

Zur Auswahl stehen dabei zwei unterschiedliche Betriebsarten: Im „Manual Mode“ kommuniziert das Schaltsystem per Bluetooth mit einem Smartphone, das sich in der Hosentasche des Radlenkers befindet. Dessen Schaltkommandos werden über eine spezielle App an ein umgebautes elektronisches Getriebesystem weitergeleitet, das auch Bluetooth-Befehle verarbeiten kann. Im „Automatic Mode“ liest hingegen ein Magnetsensor die aktuelle Trittgeschwindigkeit ab. Aus den empfangenen Daten wird dann automatisch der optimale Gang berechnet und eingestellt.

Dass das von den CCL-Wissenschaftlern erdachte System in der Praxis durchaus seinen Zweck erfüllt, zeigen erste Testläufe auf der Straße. „Unsere Tester haben uns bestätigt, dass sie ständig das Gefühl hatten, im richtigen Gang unterwegs gewesen zu sein“, berichtet Projektleiter Mark Wilson. Um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen, müsse das System allerdings auf die individuellen Bedürfnisse der Fahrer eingestellt werden. „Man strampelt zunächst eine Zeit lang und stellt sich dann den Toleranzspielraum für das Hoch- und Runterschalten nach eigenem Wunsch ein“, schildert Wilson. Wann und in welcher Form diese Entwicklung tatsächlich in den Handel kommen wird, stehe zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht fest. (pte)

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