Lernen 2.0: US-Schulen sammeln iPads wieder ein

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Wenn es um die Verwendung von Tablet-Computern à la iPad im Schulunterricht geht, ist die anfängliche Euphorie längst einiger Ernüchterung gewichen. Bestes Beispiel hierfür ist die aktuelle Aufregung um ein gescheitertes Pilotprogramm an mehreren Schulen in Los Angeles. Dort wurden insgesamt rund eine Mrd. Dollar (738.866.000 Euro) investiert, um 30 Bildungsstätten mit Apple-Geräten auszustatten.

Nachdem sich herausgestellt hatte, dass die Schüler die eingebauten Sicherheitssperren umgehen konnten, um sich Zugriff auf Social-Media-Portale, Online-Spiele und andere Inhalte zu verschaffen, sah sich nun die zuständige Verwaltungsbehörde dazu gezwungen, tausende der verteilten Computer wieder einzusammeln und das gesamte Projekt noch einmal neu zu überdenken.

Schüler mit Tablets: Lernerfolg umstritten (Foto: flickr.com/flickingerbrad)

„Neue Kommunikationsmittel und -technologien können es Lehrern ermöglichen, sich besser auf die individuellen Lernfähigkeiten und -stile der Schüler einzustellen und motivieren auch solche Kinder zum Lernen, die von den traditionellen Methoden gelangweilt sind“, zitiert das Wall Street Journal Bennett Kayser, Mitglied des Los Angeles School Boards. Vor dem Hintergrund dieser Annahme habe das Unified School District in L.A. eine umfangreiche Initiative gestartet, um mehrere kalifornische Bildungsstätten mit iPads auszustatten. „Diese Initiative wurde zu hastig geplant. Viele rote Warnsignale und Bedenken wurden einfach übergangen“, kritisiert Bennett.

„Viele Schulen stürzen sich auf die neuen Technologien und ihre digitalen Versprechen, ohne sich davor ausreichend Gedanken darüber zu machen, was sie da eigentlich tun“, heißt es vonseiten vieler Skeptiker. Oft werde dabei auch einfach blind angenommen, dass sich schon allein die Verwendung von Computern prinzipiell positiv auf den akademischen Lernerfolg und die jeweiligen Leistungen der Schüler auswirken kann. Kritiker hatten den Nutzen von Hightech im Klassenzimmer aber immer bezweifelt. „Die Forschungsergebnisse zu diesem Thema sind nicht eindeutig“, wird klargestellt.

Das Pilotprogramm in Los Angeles musste sich zudem von Beginn an heftige Kritik aus den Reihen der betroffenen Eltern gefallen lassen. Diese hatten sich schon im Vorfeld dafür ausgesprochen, vor einer Umsetzung zunächst alle Vor- und Nachteile der iPad-Verteilung genau zu prüfen. Auch der Preis, den Apple laut Vertrag für die Kooperation mit der regionalen kalifornischen Schulbehörde veranschlagt hat, war aus Sicht der Betroffenen deutlich zu hoch angesetzt: 678 Dollar (rund 500 Euro) wurden für ein einzelnes iPad nach Cupertino überwiesen.

Trotz der offenkundigen Bedenken wurde in Los Angeles im Februar 2013 die erste Phase eines Pilotprogramms gestartet, das vorsieht, jeden Schüler der Region bis zum Ende des Jahres 2014 mit einem eigenen Tablet-PC für den Schulunterricht zu versorgen. Der sonnige US-Bezirk ist aber bei Weitem nicht der einzige, der den Einsatz modernen Technologien im Klassenzimmer vorantreiben will. Laut einer Erhebung des Center for Digital Education werden Schulen, in denen Kinder unter zwölf Jahren unterrichtet werden, 2013 USA-weit knapp 9,7 Mrd. Dollar (rund 7,2 Mrd. Euro) für Technikanschaffungen ausgeben. (pressetext)

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