US-User sagen Datenkraken-Apps den Kampf an

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54 Prozent der US-amerikanischen App-Nutzer haben Smartphone-Anwendungen schon aus Datenschutzgründen die Installation verwehrt. Das geht aus einer Studie des Pew Internet & American Life Project hervor. 30 Prozent haben sogar bereits installierte Apps wieder entfernt, wenn sie herausgefunden haben, dass übermäßig viele Daten gesammelt werden. Das bringt die oft geäußerte These, dass vor allem junge US-Amerikaner kein Bewusstsein für Datenschutz haben, ins Wanken. Auch US-Behörden machen jetzt vermehrt Druck auf die App-Hersteller.

Gläserner Mensch: US-User wehren sich (Bild: Pressetext)

„In den USA ist das Verhältnis zwischen Bürgern und Staat historisch ein anderes. In der EU spielt Datenschutz eine weitaus größere Rolle. Allerdings sind von den Auswirkungen der aggressiven Werbevermarktung die Nutzer überall gleich betroffen. Die Smartphone-User spüren die Probleme, die durch App-Hersteller, die sich rücksichtslos ihrer Daten bedienen, entstehen. Das lassen sich die Kunden weltweit nicht gefallen“, sagt Christian Jeitler von quintessenz.

Insgesamt haben 57 Prozent der US-App-Nutzer schon einmal einer App die Installation verweigert oder eine Anwendung gelöscht, wenn sich das betroffene Programm als zu datenhungrig entpuppt hat. Das geht aus der repräsentativen Pew-Telefonumfrage hervor, an der über 1.900 Mobiltelefonnutzer über 18 Jahren teilgenommen haben. Als Begründung für den App-Boykott geben die meisten Befragten an, dass ihnen einfach nicht wohl ist, wenn Firmen und andere Individuen Zugriff auf zu viele Daten haben. Einer von fünf Nutzern deaktiviert deshalb auch die Möglichkeit der Standortbestimmung.

Diese kritische Einstellung in der Bevölkerung ruft jetzt auch Behörden und Gerichte auf den Plan, wie die New York Times berichtet. Das Datenschutzrecht in den USA ist im Vergleich zu Europa praktisch nicht existent. Im Bereich Apps gibt es jetzt aber einige offizielle Vorstöße. Kaliforniens oberster Staatsanwalt hat viele große App-Plattform-Betreiber dazu überredet, dass die Datenschutz-Rechte, die eine App verlangt, klar ausgewiesen werden. Die Federal Trade Commission (FTC), die auch für Verbraucherschutz zuständig ist, hat kürzlich festgestellt, dass Apps, die sich an Kinder richten, zu wenig Auskunft über Datenverwendung geben.

Vorgestern, Mittwoch, hat die FTC neue Richtlinien für App-Entwickler präsentiert, die unter anderem vorsehen, dass Firmen die ausdrückliche Genehmigung der User für jegliche gesammelten und geteilten Daten einholen. Verbindlich sind diese Regeln vorerst nicht. „Eine Kennzeichnung für Apps ist zwar ein erster Schritt, reicht aber nicht aus. Nur die Kombination mit gestärkten Verbraucherrechten und einer Exekutive, die bei Verstößen tatsächlich auch Strafen verhängt, kann die Balance, die derzeit fehlt, wiederherstellen“, sagt Jeitler.

Den Usern könne nicht zugemutet werden, zu verstehen, was bei Apps im Hintergrund alles passiert. „Durch die Verknüpfung von Daten verschiedener Apps entsteht oft ein weitaus akkurateres Bild vom User, als dieser sich vorstellen kann“, erklärt Jeitler. (pressetext)

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