Grafik Grafik Grafik Grafik
image
Grafik Grafik Grafik Grafik

REPORTAGE

Wann gibt es endlich Monitore mit OLED-Technologie?

Von Simon Blohm
16.06.2012, 12:38 Uhr

In den vergangenen Jahren haben die Hersteller mit der LED-Technologie mit viel Aufwand einen neuen Standard für Monitore und TV-Geräte am Markt etabliert, da wird mit OLED (organic light-emitting diode) bereits der Nachfolger angekündigt. Wie auch bei LED geht es um bessere Stromspareigenschaften, eine bessere Bildqualität und damit einen größeren Nutzen für den Kunden. Während von OLED bereits in aller Munde ist, lässt die Einführung von Produkten für den Konsumentenmarkt noch auf sich warten. Der folgende Artikel zeigt auf, worum es sich bei OLED handelt, welche Schwierigkeiten die Hersteller bei der Produktion haben und wann endlich mit den ersten bezahlbaren Geräten zu rechnen ist.

Die OLED-Technik im Überblick

OLEDs sind organische Leuchtdioden, die einen wesentlichen Vorteil der bereits in Fernsehern und Monitoren erhältlichen LEDs noch einmal deutlich ausbauen sollen: Die noch kleine Konstruktionsweise. Die einzelnen LEDs lassen sich so klein fertigen, dass sie zu Demonstrationszwecken bereits auf Kunststofffolien gedruckt wurden und nur wenige Quadratmillimeter Fläche einnehmen. Die Hersteller sehen hierin einen großen Vorteil, da die einzelnen Dioden sehr viel gezielter in den Geräten verbaut werden können und so eine Verbesserung der Bildqualität zulassen.

LCD-Monitore mit CCFL (cold cathode fluorescent lamp) haben beispielsweise eine Hintergrundbeleuchtung, die gerade in abgedunkelten Räumen bei schwarzen Bildern einen milchigen Eindruck hinterlässt. Die LEDs gingen hier bereits einen Schritt weiter und konnten aufgrund ihrer geringen Größe im Rahmen der Monitore verarbeitet werden, so dass die Beleuchtung bei dunklen Bildern sehr viel stärker zurückgenommen werden konnte. Die OLEDs werden hier in technologischer Hinsicht sicherlich noch einmal einen deutlichen Sprung mit sich bringen. Da es sich bei OLEDs um leuchtende Dünnfilmbauelemente mit geringerer Strom- und Leuchtdichte handelt, die keine einkristallinen Materialien bei der Fertigung erforderlich machen. So lassen sich die Produktionskosten gegenüber LEDs noch einmal deutlich senken.

Schematische Darstellung der OLED Struktur.

Auf diesen Faktor wird in einem späteren Absatz noch einmal näher einzugehen sein. Die besondere Konstruktionsweise der OLEDs wird es jedenfalls möglich machen, dass diese nicht nur bei Fernehern und Monitoren Verwendung finden werden, sondern auch bei der Herstellung von elektronischem Papier sowie bei der Raumbeleuchtung. Die Verwendung für elektronisches Papier bietet sich deshalb an, weil die OLEDs sich problemlos verbiegen lassen. Das Hauptaugenmerk wird im Weiteren jedoch auf Monitore gelegt.

LG und Samsung stoßen in den Markt vor

Die Ankündigung ist bereits etwas her, aber der erste Schritt ist gemacht. Im Januar des Jahres 2012 haben die beiden großen Elektronikhersteller LG und Samsung aus Korea die ersten Fernseher mit der neuen OLED-Technik vorgestellt. Es handelt sich hierbei um Fernseher mit einer Bilddiagonalen von 55 Zoll und damit eher um High-End-Produkte. Aufgrund der Medienwirksamkeit macht es verständlicherweise Sinn, die Technologie zuerst in solchen großen Geräten vorzustellen. Die beiden Hersteller zielen damit bereits ganz klar auf den Konsumentenmarkt ab und wollen die OLEDs ins Wohnzimmer bringen.

Samsungs neuer OLED TV kommt noch 2012. (Bild: Samsung)

Dabei muss gesagt werden, dass die OLED-Technologie in kleineren Geräten bereits ihre Anwendung findet, wie etwa bei Smartphones oder auch der neuen portablen Spielekonsole von Sony. Großformatige Fernseher wurden bisher jedoch noch nicht vorgestellt, LG und Samsung verstehen sich deshalb in dieser Hinsicht als Pioniere am Markt. Die vorgestellten Geräte weisen eine Tiefe von lediglich 7,6 Millimetern auf und können damit als besonders dünn angesehen werden. Das war bereits einer der großen Vorteile der LED-Technik, die kleinere Gehäuse möglich gemacht hat. Die OLEDs erlauben besonders kleine Gehäuse, da sie nicht auf eine Hintergrundbeleuchtung angewiesen sind, sondern selbst das notwendige Licht aussenden.

LGs neuer OLED TV kommt ebenfalls 2012. (Bild: LG)

Samsungs 55-Zoll-Fernseher wiegt deshalb auch nur 12 Kilogramm, was bei dieser Größenklasse sicherlich außergewöhnlich ist. Doch auch hinsichtlich der Bildqualität sollen diese frühen OLED-Geräte bereits einige handfeste Vorteile aufzuweisen haben. So verspricht der Hersteller, dass die Farben bis zu 40 Prozent kräftiger sein sollen, als es bisher bei den LED-Monitoren möglich war. Ein weiterer Vorteil ist jedoch ganz sicher in der Darstellung eines "echten" Schwarz zu sehen. Anders als in der Vergangenheit ist dieses nun nicht mehr gräulich, sondern wird erzielt, indem die LEDs einfach gezielt in den abgedunkelten Bereichen abgestellt werden. Das dürfte den Kontrast und die Bildqualität im Allgemeinen erheblich verbessern. Ein Vorteil, der so auch bei Monitoren beim Einsatz im Computer-Bereich zum Tragen kommen wird.

Sony bietet OLED-Monitore bis 25 Zoll an

Der japanische Elektronikhersteller Sony bietet mit den Trimaster EL BVM- und PVM-Modellen bereits Monitore mit OLED-Technologie an, hierbei handelt es sich jedoch um Spezialanfertigungen für den professionellen Einsatz. Der größte dieser Monitore ist der PVM-2541. Der eine Bilddiagonale von 25 Zoll aufweist. Besonders hervorgehoben wird bei diesem Geräte die Full HD-RGB-Bildqualität in 10 Bit, wodurch eine besonders breite Farbskale möglich wird. Eingesetzt werden können solche Panels in der professionellen Bildbearbeitung ebenso wie an Studio- und Monitorwänden als auch in Übertragungswagen.

OLED Monitor PVM-2541 von Sony. (Bild: Sony)

Hierbei handelt es sich um hochpreisige Modelle, die nicht für den privaten Einsatz gedacht sind. Sony wirbt mit den spezifischen Vorteilen der OLED-Technologie, wie etwa der schnellen Reaktionszeit bei Kameraschwenks und durchlaufendem Text. Das Gerät ist preislich im Bereich zwischen 4.000 und 5.000 Euro angesiedelt (Stand: Mai 2012). Ein sehr viel kleineres Modell wird mit dem PVM-740 angeboten, der lediglich eine Bilddiagonale von 7,4 Zoll besitzt. Statt 1080p hat dieser OLED-Monitor eine Auflösung von 960 x 540 Pixeln, der Preis liegt bei etwa 2.500 Euro. Die Preise bewegen sich also erheblich über dem Niveau, das Konsumenten von LCD-Monitoren gewohnt sind. Auch die weiteren Ausstattungsmerkmale dieser Monitore lesen sich beeindruckend. HDMI- und 3G-SDI-Eingänge, hochreine RGB-Farbfilter für eine hohe Farbtiefe und Farbsättigung, eine Antireflexionsbeschichtung und vieles weiteres mehr machen diese Monitore für den Einsatz im professionellen Bereich interessant.

Diese Anbieter setzen ebenfalls auf OLED-Monitore

Doch nicht nur Sony bietet OLED-Monitore an, auch andere Hersteller wollen nachziehen. Zwar gibt es noch keine konkreten Produktabkündigungen, es wurden jedoch bereits bei Panel-Herstellern wie Samsung große Bestellungen der biegsamen OLED-Displays aufgegeben. Unter den Käufern finden sich auch Branchengrößen wie Apple und es wird vermutet, dass neben dem iPhone auch entsprechende Macs in Planung sein könnten, bei denen die neuen Displays zum Einsatz kommen sollen. Es wird jedoch damit gerechnet, dass erst ab Ende 2013 oder Anfang 2014 genauere Informationen hierzu vorliegen werden.

SmallHD DP7 OLED (Bild: SmallHD)

Ähnlich wie Sony mit dem PVM-740 hat auch der Hersteller SmallHD mit dem DP7 OLED einen Monitor mit 7 Zoll Display vorgestellt. Es handelt sich hierbei jedoch um einen portablen Monitor, der nur 540 Gramm schwer ist und über SDI-, HDMI-, YpBr- und Composite-Eingänge verfügt. Das Geräte ist für den Herbst 2012 angekündigt und soll voraussichtlich 2.700 US-Dollar kosten (Stand: April 2012).

OLED stellt Hersteller noch vor viele Probleme

Die verzögerte Massenfertigung von OLED-Displays für den Konsumentenmarkt hat viele Gründe. OLEDs bringen den Nachteil mit sich, dass für jedes einzelne Pixel eines Bildschirms eine eigene Diode gefertigt werden muss. Soll etwa ein Full-HD-Panel mit der Technik ausgestattet werden, müssen über 6 Millionen Dioden zur Verfügung gestellt werden. Selbst wenn die Produktionskosten nur bei 0,1 Cent pro OLED liegen, würde der Monitor bereits im Preisbereich von über 6.000 Euro anzusiedeln sein. Aus diesem Grund kann gesagt werden, dass sich die prinzipiellen Vorteile aufgrund der leichteren Fertigung beim konkreten Einsatz im Display bisher noch nicht realisieren lassen.

Es bleibt abzuwarten, wie schnell es den Herstellern gelingen wird, ihre Produktionskosten zu senken und finanzierbare Fernseher auf dem Markt vorzustellen. Die Hersteller werden jedoch mit weiteren Problemen konfrontiert, die sich auf die Lebensdauer der Dioden beziehen. Momentan sieht es nämlich danach aus, dass OLEDs eine geringere Lebensdauer aufweisen als herkömmliche Dioden. Als Lebensdauer ist dabei jene durchschnittliche Betriebszeit definiert, nach der die Leuchtstärke einer Diode um die Hälfte abgenommen hat und damit eine deutliche Verschlechterung der Bildqualität einhergeht. Aktuell wird davon ausgegangen, dass bei weißen Lichtquellen mit einer Lebensdauer von 5.000 Stunden zu rechnen ist. Durch verschiedene Techniken wie etwa eine Kühlung und eine niedrigere Anfangsleuchtstärke können diese Werte jedoch dramatisch erhöht werden, weshalb die tatsächliche Lebensdauer eines OLED-Displays nur sehr schwer abzuschätzen ist. Für die kommerzielle Nutzung wird es jedoch in jedem Fall wichtig sein, die Lebensdauer auf ein vernünftiges Maß anzuheben, damit dieses Kriterium sich für die Konsumenten nicht zu einem Argument gegen den Kauf entwickelt.

Diese technischen Vorteile könnten bei der Verbreitung helfen

OLEDs vereinigen eine ganze Reihe von Vorteilen auf sich, die sie für den Einsatz in einer Vielzahl von Geräten interessant machen. Je höher die Produktion von Smartphones, Handhelds und anderen Geräten mit OLEDs ist, desto schneller lassen sich Größenvorteile realisieren und desto schneller ist auch ein kostengünstiger Einsatz in Fernsehern möglich. Wie bereits oben erwähnt ermöglichen OLEDs dank des Verzichts auf eine Hintergrundbeleuchtung einen sehr viel höheren Kontrast als herkömmliche LCD-Technologien. Möglich ist dieses, weil die OLEDs nicht nur als Farbfilter fungieren (so wie Flüssigkristalle), sondern selbst farbiges Licht aussenden.

Besonders interessant für die Wiedergabe von schnellen Bildinhalten ist aber auch die Reaktionszeit. Diese wird mit 0,001 Millisekunden angegeben und ist damit extrem niedrig. Zum Vergleich: Die schnellsten aktuell auf dem Markt erhältlichen LCD- und LED-Displays verfügen lediglich über eine Reaktionszeit von 1 Millisekunde (Herstellerangabe) und sind damit um den Faktor 1.000 langsamer. Gerade auch Gamer werden von diesem Technologiesprung profitieren, da die Schlierenbildung deutlich reduziert werden kann. Da OLEDs zudem weniger Energie verbrauchen bzw. weniger Verlustleistung aufweisen, werden die Geräte weniger warm und es werden kleinere und kompaktere Bauweisen ermöglicht.

Wann mit den ersten OLED-Monitoren im Konsumentenmarkt zu rechnen ist

Wann die ersten erschwinglichen OLED-Monitore den Markt erreichen werden, ist nur schwer vorhersagbar. Die Analysten gehen davon aus, dass das Marktvolumen im Jahr 2017 bereits bei 5 Milliarden US-Dollar liegen dürfte, eine Einführung in den nächsten Jahren ist daher sehr wahrscheinlich. Viele Lizenzabkommen wie etwa jenes zwischen Dupont und führenden asiatischen Displayherstellern weisen darauf hin, dass die Kosten bald unter Kontrolle zu bekommen sein werden. Dupont hat ein Verfahren entwickelt mit dem sich die Dioden kostengünstig in einem Druckverfahren auf die Displays bringen lassen. Da Fernseher mit OLED-Displays jedoch noch dieses Jahr eingeführt werden und nach der Etablierung von LED in Fernsehgeräten die Hersteller bei ihrem Monitor-Angebot schnell nachzogen, könnte mit einem breiteren Angebot an Monitoren bereits 2013 zu rechnen sein.

Fazit

OLED-Monitore sind zwar im Konsumentenbereich immer noch nicht erhältlich, mit einer Markteinführung ist jedoch in den nächsten Jahren zu rechnen. Die OLEDs erlauben bereits jetzt deutlich dünnere Fernseher mit einem besseren Bild. Die Vorteile sind jedoch bereits jetzt erkennbar und werden sich vermutlich mit der Zeit am Monitor-Markt durchsetzen.

Zurück zur Übersicht

Anzeigen
© 2002 - 2017 PRAD ProAdviser GmbH & Co. KG | Alle Rechte vorbehalten! | Impressum | Datenschutzerklärung
Ausgewiesene Warenzeichen und Markennamen gehören ihren jeweiligen Eigentümern.
PRAD übernimmt keine Haftung für den Inhalt verlinkter externer Internetseiten!
Hinweis: Unsere Internetseite wird mit aktiviertem Adblocker teilweise nicht korrekt angezeigt!