Gesten- und Sprachsteuerung am Fernseher

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Einleitung

Wer hat eigentlich gesagt, dass Fernseher nur mit einer Fernbedienung gesteuert werden dürfen? Diese Frage haben sich offenbar die Ingenieure der großen Elektronikhersteller selbst gestellt und sind mittlerweile soweit, sich mit ihren ersten Antworten darauf auf den Markt zu trauen. Während die traditionelle Fernbedienung mit ihrem Sender und vielen Knöpfen zur Standardausstattung jeder Heimkinokomponente gehört, möchten die neuen Sprach- und Gestensteuerungskonzepte vollständig darauf verzichten.

In Zukunft sollen die Sprache und die Gestik des Benutzers ausreichen, damit Sender gewechselt, die Lautstärke verstellt und die Quelle durchgeschaltet werden kann. Der folgende Artikel beleuchtet die bereits verfügbaren Technologien und versucht zu beantworten, ob die Fernbedienung bald tatsächlich abgeschafft werden kann.

Wie sich Fernseher alternativ ohne Fernbedienung steuern lassen

Zwei Konzepte werden aktuell verfolgt, die gänzlich auf zusätzliche Eingabegeräte verzichten. Dazu gehört zum einen die Gestensteuerung, bei der Bewegungen mit den Armen dem Fernseher signalisieren, dass eine Aktion durchgeführt werden soll. Alternativ hierzu oder als Ergänzung ist auch eine Steuerung per Sprachbefehlen möglich. Der Fernseher reagiert hier auf einzelne Worte bzw. Befehle oder sogar auf ganze Sätze. Was also bisher nur aus Science-Fiction-Serien bekannt war, soll im Wohnzimmer bald Realität werden. Damit könnte die Steuerung von Fernsehern revolutioniert und die klassische Fernbedienung in Rente geschickt werden.

Einer der größten Vorteile der Steuerung ohne Fernbedienung ist sicherlich auch darin zu sehen, dass auch Menschen mit einem Handicap so mehr Möglichkeiten erhalten, ihre Geräte selbständig zu steuern und auf unterschiedlichen Wegen, Befehle abzugeben, ohne dass eine Tastatur dafür verwendet werden müsste. Damit wird das Thema Barrierefreiheit, das bisher eher im Zusammenhang mit dem Computer und dem Internet diskutiert wurde, auf den Heimkinobereich ausgeweitet.

Dieses Steuerungskonzept bietet Samsung an

Als einer der größten Hersteller von Flachbildfernsehern war es anzunehmen, dass Samsung mit einer eigenen Sprach- und Gestensteuerung auf den Markt kommen würde. Und tatsächlich werden die Modellreihen ES7090-, ES8090- und E8090 mit einer entsprechenden Technologie ausgestattet. Samsung setzt dabei sowohl auf Sprachbefehle als auch auf Gesten und möchte damit jeder Sorte von Kunden etwas bieten. Dabei muss der Anwender lediglich den Kanal nennen, auf den umgeschaltet werden soll und das Gerät reagiert sofort. Was leider nicht funktioniert, ist, dass der Sendername selbst genannt wird, der Nutzer muss die entsprechenden Kanalnummern also kennen.

Samsung E8090 TV
Samsung E8090 (Bild: Samsung)

Aktiviert wird der Fernseher übrigens über den Befehl „Hi TV“. Danach werden auf der Unterseite des Bildschirm alle relevanten Befehle angezeigt, mit denen sich etwa die Lautstärke ändern lässt und vieles anderes mehr. Besonders interessant bei diesen Modellen ist die Tatsache, dass per Sprachsteuerung in der Internetsuche nach TV-Programmen gefahndet werden kann. Hier kann tatsächlich einfach der Name der Sendung gesagt werden, es ist jedoch nicht garantiert, dass die Spracherkennung den Anwender auch immer richtig versteht.

LG erlaubt Gestensteuerung mit „magischen Zeigestab“

Auch LG hat Entwicklungen in eine ähnliche Richtung vorgenommen und eine Technologie vorgestellt, die auf den Namen „Magic Remote“ hört. Hierbei handelt es sich um eine Gestensteuerung, bei der jedoch noch immer ein Zeigegerät benötigt wird. Dieses Gerät ähnelt einer Fernbedienung, fungiert jedoch als eine Art Mauszeiger für den Fernseher. Interessant ist bei diesem Konzept auch, dass das Mikrofon für die Sprachsteuerung nicht im Fernseher, sondern direkt im Zeigegerät installiert ist. Auch hier kann der Nutzer eingaben in Suchfelder des Fernsehermenüs direkt in das Mikrofon sprechen, eine mühsame Eingabe über ein Bildschirmtastatur. Hierbei können sogar ganze Sätze und nicht nur einzelne Befehle gesprochen werden, ähnlich wie bei den Lenovo-Fernseher.

LG Magic Motion Remote | LG Canada

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LG „Magic Remote“ als YouTube Video

Auch Apple wird ein vergleichbares Konzept anbieten

Besonders interessant in diesem Zusammenhang sind auch die Pläne von Apple. Bereits seit Jahren wird darüber spekuliert, dass das US-Unternehmen einen eigenen Fernseher auf den Markt bringen möchte, zu dem auch ein gänzlich neues Bedienkonzept gehören soll. Bisher kann über die konkrete Ausgestaltung eines solchen Bedienkonzepts nur spekuliert werden, es wird jedoch angenommen, dass der Fernseher sowohl über eine Sprach- als auch eine Gestensteuerung verfügen wird sowie über eine Airplay-Schnittstelle und iCloud-Anbindung.

Lenovo-Fernseher verstehen sogar ganze Sätze

Lenovo ist einer der Neueinsteiger im Fernsehermarkt und legt mit dem K91 sogleich ein Modell mit Sprachsteuerung vor. Für den westlichen Markt ist diese Modell momentan aber nur wenig interessant, da nur Chinesisch als Sprache für die Steuerung erkannt wird. Zumindest wurden die ersten Steuerungsbefehle auf Englisch bereits implementiert, die Erkennung ganzer Sätze etwa für die Eingabe in ein Google-Suchfeld funktioniert jedoch nur auf Chinesisch. Auf der Computermesse CES wurde das Gerät bereits vorgestellt und konnte die Fachleute mit seinem Bedienkonzept überzeugen, das in der Muttersprache des Herstellers bereits sehr gut funktionieren soll. Weiterhin wird dieser Fernseher hinsichtlich des Betriebssystems auf Android 4.0 zurückgreifen.

Lenovo K91, Ansicht von vorne und seitlich
Lenovo K91 (Bild: Lenovo)

Kann die traditionelle Fernbedienung bereits abgeschafft werden?

Diese Frage kann vermutlich bis auf weiteres verneint werden. Zwar sind die neuen Bedienkonzepte sehr innovativ und werden sich in vielen Bereichen als alternative Steuerungsmethoden durchsetzen können. Es ist jedoch nicht davon auszugehen, dass die klassische Fernbedienung allzu bald verschwinden wird. Schließlich sind die Sprach- und Gestensteuerungen noch längst nicht ausgereift.

So kommt es etwa bei der Sprachsteuerung immer wieder vor, dass einzelne Befehle noch nicht richtig verstanden werden und es zu Verzögerungen kommt. Auch die Gestensteuerung ist gewöhnungsbedürftig und macht aufgrund des Zeigegeräts noch immer ein wenig Peripherie notwendig. Wie mit anderen Technologien in diesem Bereich auch ist jedoch davon auszugehen, dass die Kinderkrankheiten bald behoben sein werden und dass sich die Sprach- und Gestensteuerung dann als ernstzunehmende Alternative wird etablieren können. Mit Spannung darf in diesem Zusammenhang sicherlich die Markteinführung des iTV zu erwarten sein, da Apple gerüchtweise schon seit Jahren an einem entsprechenden Bedienkonzept arbeitet.

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3 KOMMENTARE

  1. wenn jemand behindert ist und keine möglichkeit hat eine fernbedienung zu bedienen finde ich das klasse.
    aber wenn leute zb. erst bei ihrem i phone ein app öffnen und eine taste drücken um zu sagen umschalten oder was auch immer, ist es mehr als lächerlich.bei spielen finde ich die gestensteuerung klasse, im altag auch lächerlich.
    bald laufen alle nur noch mit ihren handys rum, zucken und geben irgendwelche laute von sich.wow. die industrie macht sie zu neandertaler.obwohl, die waren wohl schlauer.

  2. „Mach mir ZDF an“, „das Zweite“…
    „starte die letzte Heute Show“ (bedeutend schneller als durch die Mediathek zu drücken)
    Usw..
    Das Gleiche mit aufgenommenen Filmen.
    Einfach den namen nennen, und er startet.
    Oder man grenzt in seinen Aufnahmen ein, indem man Schauspieler, Genre usw. nennt.

  3. Sprachsteuerung und Gesten sind zwar moderne Steuerungs-Techniken, jedoch glaube ich, mit der Fernbedienung schneller mein Ziel erreichen zu können:-) Kann aber auch ein Vorurteil sein, da ich diese Techniken noch nie ausprobiert habe.

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