Interaktives Fernsehen als Sargnagel für TV-Sender

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Interaktives Fernsehen (iTV) wird den TV-Markt stärker verändern als Online-Publikationen die Print-Branche. „Die Auswirkungen auf die etablierten Fernsehstationen sind dramatisch. Bereits in den kommenden fünf Jahren werden die TV-Sender mit spürbarem Umsatzrückgang im Werbegeschäft zu kämpfen haben“, meint Jan Wendt, Geschäftsführer des Service- und Plattformproviders Netrange MMH. Schon jetzt haben sich der Axel-Springer-Verlag mit bild.de oder in Österreich die Mediaprint mit krone.tv in Stellung gebracht.

Interaktives Fernsehen erobert TV-Geräte (Foto: Philips)

Mit dem Durchbruch von interaktivem Fernsehen ist Experten zufolge bereits in den kommenden Jahren zu rechnen. Voraussetzung für die Verschmelzung von Internet und Fernsehen auf dem eigenen TV ist ein Breitband-Anschluss sowie ein entsprechendes TV-Gerät oder eine Set-Top-Box. Aktuell bietet etwa Philips eine Reihe von Geräten mit dem eigenen Dienst Net TV an, der klassische Internet-Services wie YouTube, eBay und bild.de mit TV-Angeboten wie der ARD Tagesschau und der ZDF Mediathek vereint. Ab Anfang nächsten Jahres werden zudem Set-Top-Boxen und reine IP-Boxen in den Handel kommen, mit denen jedes Fernsehgerät kostengünstig aufgerüstet werden kann.

Neben derartigen Mini-Kanälen können aber auch die etablierten linearen TV-Angebote zukünftig mit webbasierten Widgets und transparenten Zusatzebenen überblendet werden, etwa um Informationen zur laufenden Sendung oder aber die aktuelle Wettervorhersage abzurufen. Zudem wird Video-on-demand im interaktiven Fernsehen der Zukunft eine bedeutende Rolle spielen. „Dabei geht es nicht nur um das Ausleihen von Kinofilmen, was einige Kabelbetreiber heute schon anbieten. Vielmehr werden auch TV-Serien und zehnminütige Clips oder Dokus auf Nachfrage stoßen“, erklärt Wendt.

Der Netrange-Geschäftsführer zeigt sich davon überzeugt, dass Konsumenten auch bereit sind für entsprechenden Content einen Beitrag zu leisten. „Leute geben ja jetzt auch 40 Euro für eine DVD-Serienbox aus. Für das Sehen eines exklusiven TV-Magazinbeitrags wird man nicht 40 Euro bezahlen wollen, aber vielleicht 50 Cent. Voraussetzung dafür ist natürlich die entsprechende Kundenbindung etwa über einen entsprechenden Account oder einen Telco-Vertrag“, so Wendt. Dass entsprechende Click-and-buy-Systeme erfolgreich sein können, habe Apple mit dem iPhone bzw. dem Erfolg seines App-Store eindeutig bewiesen.

Für die Werbewirtschaft bietet interaktives Fernsehen die Chance, direkten und individuellen Zugriff auf Fernsehkonsumenten zu erhalten. „Anders als bei Online vs. Print muss man Werbetreibenden nicht erklären, was TV ist. Der Wechsel passiert innerhalb des Mediums selbst, der ehemals passive TV-Nutzer wird von einem aktiven Konsumenten abgelöst“, rechnet Wendt mit raschen Umschichtungen von Werbeetats innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre.

Die qualitative Betrachtung der Zielgruppe werde dabei eine weitaus größere Rolle spielen als früher. „Wenn eine Sendung statt 100.000 Zuschauer nur 10.000 erreicht, die allerdings für den Werbetreibenden relevant sind, spielt die reine Quantität nur mehr eine untergeordnete Rolle“, sagt Wendt. (pressetext.de)

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