Ortsinformation: Smartphones spionieren User aus

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Die fortschreitende Digitalisierung manipuliert die Menschen immer mehr, indem unter anderem über ihre Smartphones als »Peilsender« die Ortsinformationen für Dritte sichtbar gemacht werden. Die Nutzer erkennen die möglichen Gefahren durch eine ständige Vernetzung wie Suchtverhalten oder Freigeben geheimer persönlicher Daten oftmals nicht. „In den vergangenen Jahren hat sich das menschliche Verhalten sehr verändert. Heute geht man eher ohne Schlüssel als ohne Smartphone aus dem Haus“, sagt Thomas R. Köhler, Geschäftsführer der Gesellschaft für Kommunikationsberatung CE21 und Autor des Buches „Der programmierte Mensch“.

Handy: Online-Dienste manipulieren bewusst (Foto: pixelio.de, J. Kirchner)

„Das Smartphone ist unser ständiger Begleiter, wodurch wir alle möglichen Onlinedienste mit unseren persönlichen Daten – und nicht zu unserem Besten – vertraut machen“, sagt er. Die Menschen liefen aus Bequemlichkeit demnach Gefahr, nur einen Ausschnitt der Realität wahrzunehmen – die der Anbieter. „Es spielen jedoch auch gewisse Detailaspekte eine Rolle, wie beispielsweise Spielmechanismen“, erläutert der Experte. Sogenannte „Gamification“ bilde wie beim Spielen ein gewisses Suchtverhalten.

Internetdienste bauen laut Köhler bewusst suchtbildende Spielmechanismen in ihre Software, um den Nutzer zu manipulieren und zu binden. „Er bleibt in dem Glauben, dass ihm alles zu seinem Gunsten angeboten wird“, führt Köhler aus. Bei den Smartphones stellen vor allem ortsbasierte Daten eine der größten Gefahren dar, worauf Mobilfunk-, App- oder Onlineanbieter Zugriff haben. „Das ist wie Internet-Tracking, nur dass hier persönlichere Daten gesammelt werden, wie zum Beispiel, wo ich im realen Leben gerade bin, arbeite und was ich in der Freizeit mache“, erklärt der Spezialist. Das gesamte Leben würde demnach transparent.

Der erste Bruch mit Hilfe ortsbasierter Daten passierte mit dem Übermitteln von Navigationsdaten über ein Verkehrsfunkservice an „TomTom“, die im Gegenzug laut Köhler gute Verkehrsinformationen an den Kunden herantrug. In den Niederlanden und Australien wurden diese gesammelten Daten jedoch an die Polizei verkauft, die unter anderem einen Radar dort aufstellte, wo sie wusste, dass die Nutzer schneller gefahren sind.

Die Menschen können sich laut dem Fachmann nur bedingt vor den Gefahren des Internets und Smartphones schützen. Es sei einerseits möglich, gewisse Mechanismen, wie beispielsweise „Ghostery“ für Firefox, zu installieren und somit die Transparenz einzuschränken oder andererseits nur die Applikationen zu nutzen, die auch wirklich nötig sind. „Allerdings sind manche Apps wie »Google Now« auf der neuesten Android-Version schon standardmäßig installiert“, schließt Köhler ab. Dies mache es Nutzern unmöglich, sich gänzlich vor Manipulation zu schützen. (pte)

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