Studie: Blaulicht beeinträchtigt weder Augen noch Schlaf

Die deutsche Fachgesellschaft für Augenheilkunde verweist auf neue Forschungserkenntnisse

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Die 1857 gegründete und in Heidelberg ansässige Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft ist auf das Fachgebiet Augenheilkunde spezialisiert und kommt in einer Studie nun zu einem interessanten Ergebnis, das die Blaulicht-Emissionen von LCD-Panels betrifft. Vorige wissenschaftliche Erkenntnisse wiesen darauf hin, dass blaues Licht den Schlaf stören, die Augen ermüden und sogar die Netzhaut schädigen könne. Daher integrieren Hersteller von Monitoren, Fernsehern, Smartphones, Tablets und E-Readern oftmals Blaulichtfilter in die Geräte.

DOG 2021 (Bild: DOG)
Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft gibt Entwarnung in Sachen Blaulicht-Emissionen (Bild: DOG)

Netzhautschäden seien laut der aktuellen Studie allerdings ausgeschlossen, da selbst ein sehr hell eingestellter PC-Bildschirm aus 50 cm Abstand unter 500 lux bleibe und damit kein Risiko für Augenschäden beherberge. Das gelte auch für Kinder, die stundenlang vor Displays hocken. Zum Vergleich werden die Beleuchtungsstärken bei Tages- oder Sonnenlicht angeführt, die ein Vielfaches (bis zu 100 000 lux) betragen.

In einer anderen Untersuchung wurde die Auswirkung des Night-Shift-Modus von iPhones, der blaue Lichtanteile reduziert, auf die Schlafqualität von 167 Probanden (Alter: 18 bis 24) geprüft. Das Resultat: „Es gab keinen Unterschied in Bezug auf die Schlafqualität zwischen der Gruppe, die die Night-Shift-Einstellung aktiviert hatte, und der Gruppe, die keine Night-Shift-Funktion aktiviert hatte, oder der Gruppe derer, die gar kein iPhone genutzt hatten.“ Allerdings zeigt ein Blick in den verlinkten Artikel, dass die Gruppe mit keinem iPhone tendenziell die beste Schlafqualität hatte.

Statt sich auf eine Blaulichtfilterung zu verlassen, empfiehlt die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft derweil, abends vor dem Einschlafen die Display-Helligkeit herunterzuregeln, da ein zu hoher Wert sehr wohl negative Auswirkungen mit sich bringe. Professor Dr. med. Hagen Thieme, seines Zeichens Präsident der Fachgesellschaft und Direktor der Universitätsaugenklinik Magdeburg, zieht folgendes Fazit: „[Die Forschungserkenntnisse] dienen der Aufklärung und schützen Verbraucherinnen und Verbraucher vor irreführender Werbung und verunsichernden Falschmeldungen, die rein kommerzielle Interessen verfolgen.“

Nun bleibt abzuwarten, wie die Hersteller reagieren und ob größer angelegte Studien die Forschungs-Ergebnisse stützen werden. (Quelle: DOG (PDF) via Golem)

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2 KOMMENTARE

  1. Ha!
    Da war sie wieder, die „Wissenschaft“, die sich einig war.
    Und plötzlich ist die Sache doch wieder ganz anders!

    Und hier haben wir wieder ein Musterbeispiel dafür das es dumm und naiv ist auf „die Wissenschaft“ zu hören. Es war schon immer dumm und naiv und auch wir in der heutigen Zeit haben nicht alles endgültig erfasst und begriffen.

    Wer vorschnell Dinge als erforscht und unstrittig einstuft, der irrt!

    Schon immer hielt sich die jüngste Generation für schlauer als alle die es zuvor gab und schon immer haben sie sich im Nachhinein als nichts Besonderes erwiesen.

    Leute, passt auf wenn man euch zu erzählen versucht das „die Wissenschaft“ das so und so sieht. Überlegt euch warum man euch davon zu überzeugen versucht. Meistens will nur jemand Geld verdienen und gerade in der aktuellen Zeit sollte jeder besonders kritisch sein und sich nicht irgend einen Schnellschuss als den Heilsbringer verkaufen lassen.

    • Nein, die evidenzbasierte Wissenschaft hat eben genau den Vorteil, dass sie ihre Erkenntnisse niemals als endgültig betrachtet, sondern sich immer wieder gegenseitig widerlegt (oder zumindest den Versuch anstellt). Was Sie meinen, ist vermutlich eher der mediale Umgang mit Studien, die dann aus Unkenntnis wissenschaftlicher Verfahren gern mit Clickbait und dem Anschein „der einen Wahrheit“ weiterverbreitet werden – und die Leserschaft trägt das dann entsprechend unreflektiert in ihr Umfeld. Dass beispielsweise teils Untersuchungen herangezogen werden, an denen nur eine Handvoll Probanden teilnahm, ist natürlich unseriös. Ähnliches gilt für methodische Fehler bei der Herangehensweise der Forscher – die dann aber eben von anderen Forschern und oft im Rahmen von Metastudien auch widerlegt werden.

      Man muss auch nicht hinter jeder Studie oder Gegenstudie gleich kommerzielle Interessen vermuten. Einfach ein wenig mit wissenschaftlichen Grundsätzen und den Aspekten gut gemachter Studien auseinandersetzen, dann kann man eigentlich problemlos die Spreu vom Weizen trennen. Es gibt im Übrigen hinreichend seriöse, unabhängige Forschungsteams oder Erfinder, deren Errungenschaften nicht zuletzt wir alle – auch Sie – alltäglich verwenden, ohne es zu hinterfragen. Manche Leute picken sich aber halt bestimmte Reizthemen heraus und raten dann zur pauschalen Wissenschaftsskepsis – was mindestens genauso kurzsichtig und naiv ist wie das blinde, undifferenzierte Weitertragen methodisch fragwürdiger und absolut nicht repräsentativer Studien.

      Übrigens:

      „… und auch wir in der heutigen Zeit haben nicht alles endgültig erfasst und begriffen.“

      Korrekt. Aber das, was wir bisher wissen oder zu wissen glauben, ist eben auch ein Verdienst „der Wissenschaft“. Hätten Sie’s lieber, wenn uns wieder (pseudo)religiöse Fanatiker erklären und vorschreiben, wie die Welt aussieht und funktioniert? Genügend dieser Schwurblergruppen stünden ja parat.

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