Display Pilot 2
Display Pilot 2 ist beim BenQ MA320UP nicht bloß ein optionales Komfortwerkzeug, sondern funktional ein zentraler Bestandteil des Bedienkonzepts. Schon das Handbuch macht deutlich, dass der Hersteller zahlreiche Kernfunktionen aus dem OSD in die Software verlagert hat. Dazu zählen unter anderem Farbmodi, ICCsync, iDevice-Farbsynchronisation, B. I.+ Gen 2 beziehungsweise Visual Optimizer, Low Blue Light, automatische Drehung, Desktop-Partition, HDR, Farbschwäche und weitere Systemeinstellungen wie die USB-C-Konfiguration. Kurz gesagt: Wer den Monitor vollständig nutzen will, kommt an Display Pilot 2 praktisch nicht vorbei.
Gerade deshalb fällt der Einstieg negativ auf. Nach der Installation muss der Nutzer zunächst in zwei kleinen Fenstern sowohl den Software- als auch den Nutzungsbedingungen zustimmen. Dazu gehört auch die Einwilligung in eine umfangreiche Datenerhebung. Im Testdokument werden unter anderem Geräte- und Systeminformationen, Seriennummern, MAC- und IP-Adresse, Cookies sowie weitere Nutzungsdaten genannt. Wer nicht zustimmt, kann die Anwendung nicht nutzen. Bei einer optionalen Zusatz-Software wäre das schon unschön, doch bei einem Monitor, dessen erweiterte Steuerung faktisch daran gebunden ist, wiegt es deutlich schwerer.

Ist diese Hürde genommen, präsentiert sich Display Pilot 2 als funktionsreiche, aber nicht immer glücklich strukturierte Schaltzentrale. Die Oberfläche ist klar Widget-orientiert aufgebaut und in Teilen anpassbar. Wichtige Punkte liegen aber nicht immer dort, wo man sie zunächst vermuten würde. Gerade systemrelevante Einstellungen finden sich teils unter „Erweitert“ und damit an einer Stelle, an der man klassische Monitoroptionen nicht zwingend zuerst sucht. Das betrifft auch Funktionen, die bei anderen Geräten schlicht im OSD unter „Systemeinstellungen“ zu finden wären.
Der BenQ MA320UP verfügt zudem über einen links oben im Monitorrahmen integrierten Umgebungslichtsensor. Er kann die Bildschirmhelligkeit auf Wunsch automatisch an das Umgebungslicht anpassen. Wird Visual Optimizer aktiviert, fragt die Software im Übrigen ab, ob nur die Helligkeit oder zusätzlich auch die Farbtemperatur automatisch geregelt werden soll. Im Büroalltag kann das ein Komfort-Feature sein, bei der Bildbearbeitung sind solche automatischen Regelungen dagegen eher kontraproduktiv.
Der erste Screenshot zeigt das Hauptmenü von Display Pilot 2. Ab Werk ist der Bildmodus „M-Book“ aktiv, ergänzt um die iDevice-Farbsynchronisation. Dabei kann man zwischen MacBook, iPad und iPhone als Zielgerät wählen, um die Farbdarstellung des Monitors möglichst eng an das jeweilige Apple-Gerät anzunähern. Das geht sichtbar über ein simples OSD-Ersatzwerkzeug hinaus und richtet sich klar an die Apple-nahe Zielgruppe des BenQ MA320UP. Die Screenshots 3 bis 5 zeigen, welche Geräte dabei jeweils zur Auswahl stehen.
Darüber hinaus beschränken sich die Einstellmöglichkeiten zunächst auf Helligkeit, Kontrast, Schärfe und RGB-Gain. Alle Optionen, die man für eine Software-Kalibrierung benötigt, werden erst im Bildmodus „Benutzer“ sichtbar. Dann bietet Display Pilot 2 durchaus Substanz: Farbtemperatur, RGB-Gain, Gamma inklusive sRGB-Norm und sogar der Farbraum lassen sich wählen. Unnötig unkomfortabel ist allerdings, dass sich Helligkeit und Kontrast nicht mit präzisen numerischen Werten einstellen beziehungsweise ablesen lassen. Zumindest bei der Helligkeit muss man sich im Kalibrierungsprozess zusätzlich über das OSD behelfen.
Ein zentrales Feature von Display Pilot 2 ist ICCsync. Beim Wechsel des Bildmodus wird automatisch das passende ICC-Profil in der Farbverwaltung des Betriebssystems hinterlegt, was im Test zuverlässig, wenn auch teils mit leichter Verzögerung funktionierte. Praktisch ist dabei, dass sich auch selbst erstellte Profile verwenden lassen. Dafür müssen sie dem jeweiligen Bildmodus jedoch ausdrücklich in der Software zugewiesen werden – ein Schritt, den man leicht übersieht. Andernfalls greift Display Pilot 2 weiter auf die hinterlegten Standardprofile zurück.
Im Folgenden zeigen wir noch die Screenshots zu den Konfigurationsmöglichkeiten der Software. Der erste Menüpunkt „Präferenz“ bezieht sich auf die Software selbst. Unter „Erweitert“ findet man dagegen Punkte, die das Innenleben des Monitors betreffen und sonst üblicherweise unter dem OSD-Punkt „Systemeinstellungen“ zu finden wären.

Der Punkt „Über“ ist dabei doppeldeutig. Hier geht es nicht nur darum, etwas über die Software und den Monitor zu erfahren, sondern auch darum, welche Informationen im Rahmen der Software-Nutzung über den Anwender beziehungsweise dessen System erfasst werden: Online-Funktionen, Update-Verhalten, Sprache, Support-Zugänge und die Einbindung eines Cloud-Kontos.

Interessanterweise kann man hier den „Benutzerfreundlichkeitsverbesserungsplan“ auch deaktivieren. Ob eine spätere Deaktivierung die bei der Installation bereits erteilte Zustimmung zur Datenerhebung vollständig zurücknimmt, bleibt aus Nutzersicht allerdings unklar. Die Software lag uns in der Version 1.10.5.0 vor. Unmittelbar nach der Installation wurde zudem ein Update durchgeführt, ohne dass sich die angezeigte Versionsnummer änderte.

Schlussendlich passt Display Pilot 2 konzeptionell gut zum BenQ MA320UP und führt dessen Apple-nahe Ausrichtung konsequent weiter. Die eigentliche Schwäche liegt nicht in der Software selbst, sondern in der starken Abhängigkeit des Monitors von ihr. Ein Gerät dieser Klasse gibt ohne Display Pilot 2 nur einen deutlich eingeschränkten Teil seiner Möglichkeiten preis – und genau deshalb wiegen Zustimmungspflichten, Datenerhebung und teils versteckt platzierte Einstellungen hier schwerer als bei gewöhnlicher Zusatz-Software.










