REPORTAGE: Perfekter Bildgenuss: Auf die Bildfrequenz kommt es an!Von Denis Freund
Die Überschrift mag zunächst verwirren. Denn anders als der gute, alte Röhrenbildschirm (CRT), liefert ein Liquid Crystal Display (LCD) konstruktionsbedingt immer ein flimmerfreies Bild. Im Computerbereich haben sich zur Ansteuerung 60Hz durchgesetzt. Das verleitet zu der Annahme, dass dieses Thema auch für LCD-TVs keine Rolle mehr spielt. Tatsächlich ist die Notwendigkeit, Filmmaterial mit der richtigen Bildwiederholfrequenz wiederzugeben, erst seit vergleichsweise kurzer Zeit in den allgemeinen Blickpunkt geraten. Lange beschäftigten sich nur Insiderkreise und Technikfreaks damit. Auch die Hersteller wenden sich der Problematik inzwischen verstärkt und deutlich offensiver zu. Gerade deswegen ist es wichtig, dieses unterschätzte Thema zu beleuchten. Zu Beginn ein kurzer Blick auf ein entscheidendes Merkmal von TFT-Monitoren: Es handelt sich um sogenannte "Hold-Type-Displays", d.h. der Zustand eines Pixels bleibt über die Dauer einer Bildperiode, also der Anzeige eines einzelnen Bildes, unverändert. Genau dies führt zur flimmerfreien Darstellung, bringt aber als Nachteil die bekannte Bewegungsunschärfe von TFTs mit sich. Sie beruht auf den Wahrnehmungseigenschaften des menschlichen Auges. Auch schnellere Pixelschaltzeiten (Reaktionszeit) können dies nicht verhindern. Die Bildwiederholfrequenz bestimmt die Häufigkeit, mit der das Bild neu aufgebaut wird. Sichtbare Vorteile können hier natürlich nur im Rahmen der Reaktionszeit bestehen. Die im Computerbereich üblichen 60Hz sind dabei ein brauchbarer Wert, ein guter Kompromiss aus Bandbreitenbedarf, technischen Eigenschaften und Bedienbarkeit. Letztere kann bei sehr geringen Bildwiederholfrequenzen durchaus eingeschränkt sein, da beispielsweise der Mauszeiger nicht mehr so genau positioniert werden kann.
Diese Einschränkung tritt jedoch nur bei sehr hochauflösenden Displays und bestimmten Ansteuerungsvarianten auf, weil der zur Verfügung stehenden Übertragungsbandbreite fürs Bild Grenzen gesetzt sind. Für den Heimanwender ist die Problematik irrelevant, denn selbst 30 Zoll WQXGA-Displays mit 2.560 x 1.600 Pixeln können mit handelsüblichen Grafikkarten bei 60Hz betrieben werden. Die zunehmende Verbreitung von Desktop-TFTs, Breitbild-Formaten und das enorme Größenwachstum haben es mit sich gebracht, dass die Geräte seit einigen Jahren zunehmend auch für die Wiedergabe von Videos genutzt werden. Dieser Umstand hat allerdings nicht gerade dazu beigetragen, das Bewusstsein für die Wichtigkeit einer materialgerechten Bildwiederholfrequenz zu steigern und sorgte eher für eine gewisse "Abhärtung" des Betrachters gegenüber Rucklern und anderen Bildbeeinträchtigungen. Vorliegende Bildformate und deren Eigenschaften Dies führt uns direkt zu einer Kernfrage: Was ist überhaupt eine "materialgerechte Zuspielung"? Zur Beantwortung müssen wir zunächst festhalten, welche unterschiedlichen Materialien vorliegen können. Gleichzeitig ist es sehr wichtig, zwischen dem Bildsignal und dem transportierten Inhalt zu unterscheiden. Zur weiteren Vereinfachung unterscheiden wir im Folgenden noch zwischen "Broadcastmaterial" (Fernsehen/ Rundfunk), DVD und den neuen HD-Medien, also Blu-ray und HD-DVD. Die verwendeten Fachbegriffe und Grundlagen werden in unserem Deinterlacing-Artikel ausführlich erklärt. PAL-Broadcast Im europäischen Raum bzw. PAL-Einzugsgebiet ist die Sache noch sehr übersichtlich. Hier haben wir es fast ausschließlich mit 50Hz-Interlacedsignalen zu tun. Diese können entweder tatsächlich Interlacedmaterial (Halbbilder) beinhalten, das entsprechend aus 50 fields/s besteht, oder aber es liegt progressives Bildmaterial (Vollbilder) zugrunde. Weil LCD-TVs auf Vollbilddarstellung basieren, muss in jedem Fall ein Deinterlacing stattfinden. Dabei soll es an dieser Stelle zunächst egal sein, ob dieser Vorgang im TV selbst, im DVD-Player oder anderen externen Geräten stattfindet. Wichtig ist das Endergebnis: Das besteht aus 50fps (engl. frames per second, Bilder pro Sekunde). Zurück zur Übersicht | Zur nächsten Seite Inhaltsverzeichnis: Einleitung
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