BITKOM und iSuppli: Einschätzungen zur Lage in Japan

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Weil im Hightech-Verband BITKOM viele japanische Technologie-Anbieter organisiert sind, äußerte sich BITKOM-Präsident August-Wilhelm Scheer zur Katastrophe in Japan: Seiner Aussage nach sind direkte Auswirkungen des Erdbebens und des Tsunamis auf die Produktion von Hightech-Produkten begrenzt. „Die Unternehmen bemühen sich, die Fertigung wieder in Gang zu bringen oder sie verlagern Produktionskapazitäten in andere Werke“, sagte Scheer. „Viele der japanischen Hersteller sind global aufgestellt und produzieren auch außerhalb des Landes in der Nähe ihrer Absatzmärkte.“

Panasonic-Fabrik in Himeji, Japan. (Bild: Panasonic)

Mit Lieferengpässen in Deutschland sei vorerst nicht zu rechnen. Unklar sei bislang, wie sich die Schäden an der Infrastruktur, Stromknappheit oder gar ein nuklearer Super-GAU auswirken könnten. Neben Endgeräten werden in Japan auch zahlreiche Komponenten wie LCD-Glas, Chips und Sensoren hergestellt. Dass es bei den Herstellern vereinzelt zu Engpässen kommen könne, sei nicht auszuschließen. Allerdings gelte das nur für bestimmte Teile – die globale Versorgung sei nicht in Gefahr. Laut BITKOM trifft das nur zu, solange die Situation in Japan sich nicht zuspitzt.

Analytiker von IHS iSuppli prognostizieren demgegenüber erhebliche Engpässe von bestimmten elektronischen Komponenten. Die Folge wären Engpässe und ein dramatischer Preisanstieg bei Produkten wie LCD-Panels und Zubehörteilen, NAND-Flashspeicher, DRAM und Mikrokontrollern. Die Experten sind besorgt, dass infrastrukturelle Probleme in den nächsten zwei Wochen die Ausfuhr aus Japan verlangsamen könnten. Mit einem Vorlauf von zwei Wochen würden in der globalen Lieferkette erst Ende März oder Anfang April Engpässen auftreten.

Eine an der Randzone des Erdbebens gelegene 6G-Fabrik von Panasonic war laut iSuppli zeitweise lahm gelegt. Vorläufige Informationen hätten ergeben, dass es ansonsten keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Herstellung von Substratglas, Farbfiltern oder Polarisatoren gegeben hat. Unzureichende Stromversorgung könnte aber sehr wohl zu Problemen führen.

2010 importierte Deutschland aus Japan Hightech-Produkte im Wert von 1,8 Milliarden Euro. 730 Millionen Euro davon entfallen auf Fernseher und andere Unterhaltungselektronik-Geräte.

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