Engpass voraus: Naturkatastrophen beeinflussen die künftige Verfügbarkeit von LCD-Gläsern

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Besorgt äußern sich die Analysten von DisplaySearch zu einer Reihe von Naturkatastrophen, die in der vergangenen Woche in Asien gewütet haben. Japan, Taiwan und China wurden mehrfach von Taifunen und Erdbeben betroffen. Derartige Vorkommnisse immer aufmerksam zu beobachten, rührt daher, dass sie möglicherweise die Displaylieferkette beeinflussen. Vor dem Hintergrund der anhaltenden Knappheit von LCD-Gläsern ist dieses Segment in der Lieferkette derzeit von besonderem Interesse.

In Taiwan ging es los: Taifun Morakot wütete und brachte mindestens zwei Meter Regen auf der Wassersäule mit. Die ausgedehnten Überschwemmungen führten zu Stromausfällen im südlichen Taiwan. Der dort befindliche Tainan Science Park, in dem auch Corning produziert, wurde zwar nicht direkt betroffen, allerdings musste das Wasser im gesamten Bezirk rationiert werden. Ähnlich sieht es im Landkreis Yunlin aus; hier befindet sich ein Werk von Asahi Glass. Ein weiteres Problem neben der Wasserknappheit ist Elektrizität: Man nimmt an, dass die Betriebsstätte von AvanStrate einen Stromausfall erlitt, der zu einem Produktionsstopp führte.

Cornings Kagegawa Glasfabrik wurde am 10. August von einem Erdbeben betroffen, dass in der Gemeinde Shizuoka in Japan auftrat. Infolge dessen brach Feuer aus, hinzu kam Sachschaden. Man ist der Annahme, Corning habe deswegen vier Tanks stilllegen müssen. Pikanter Zusammenhang hierbei: Jede ernsthafte Produktionsstörung in dieser Anlage könnte wiederum Sharps LCD-Produktion im Riesenwerk in Kameyama beeinflussen.

Noch sind die Auswirkungen der Naturkatastrophen auf die Displaylieferkette nicht eindeutig zu erkennen. Aufgrund des komplizierten Beziehungsgeflechts der Glassubstrathersteller untereinander und zu ihren Kunden (vertraglich oder anderweitig) ist die Umverteilung der Glasversorgung eine empfindliche Angelegenheit. Müssen die Hersteller ihre Zuteilungen aufgrund vertraglicher Verpflichtungen zwischen Korea, Taiwan und Japan verschieben, könnte sich der Glasmangel verschärfen. Da Panelhersteller in Taiwan bereits unter eingeschränkter Versorgung von Glassubstrat leiden, würde jede Störung der Glasproduktion in Taiwan oder die Verschiebung von Taiwan nach Japan sie am Erreichen ihrer vollen Produktionskapazität hindern.

Für eine Umverteilung sehen die Display-Search-Analysten verschiedene Szenarien. Um Unterbrechungen bei Sharp gering zu halten, könnte Corning Glas benutzen, dass außerhalb Japans hergestellt wurde. Glas aus Taiwan ist keine Alternative, da es die Versorgung dort einschränken würde. Käme es von Samsung Corning Precision in Korea, so wäre die Wahrscheinlichkeit groß, dass LG Display dadurch benachteiligt würde. Natürlich könnten andere Glashersteller ihre Kapazitäten prinzipiell ebenfalls verlagern, möglicherweise dann aber ihre Verpflichtungen gegenüber den eigenen Kunden nicht erfüllen. Allein Marktführer Samsung muss keine Angst vor Verschiebungen haben: Als einziger Panelhersteller verfügt der Konzern über einen internen Glasproduzenten.

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