Hybrid-TV: Online-Fernseher als potente Haushaltshelfer

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Nachdem HDTV und 3D-Fernsehen lange Zeit die dominierenden Schlagworte der Fernsehwelt waren, gewinnt nun ein neuer Begriff an Bedeutung: Hybrid-TV. Dahinter verbirgt sich die Kombination aus Internet und Fernseher, nicht in erster Linie Fernsehen. Denn geht es nach den Herstellern, soll der Flimmerkasten sich zum Herrscher über Haushaltsgeräte und Haustechnik aufschwingen. Vor allem Senioren sollen dadurch Unterstützung für ein selbstbestimmtes Leben in ihren Wohnungen bekommen.

Das Wählen von Internetdiensten auf dem Fernsehbildschirm lässt sich mit den Applikationen des iPhones vergleichen. (Foto: Philips)

„Über den Fernseher kann man künftig kontrollieren, ob der Herd wirklich aus ist oder ob noch irgendwo Elektrogeräte unnötig laufen. Über die Fernbedienung kann man die Geräte steuern, das spart Strom und bietet einen zusätzlichen Sicherheitsaspekt für Ältere“, erklärt Jürgen Sewczyk von JS Consult/Eutelsat im Interview mit pressetext.de. Diese neue Technologie namens Assistant Living werde von einer breiten Bewegung getragen: Telekomunternehmen, Versicherer, soziale Einrichtungen, aber auch Krankenkassen gehörten dazu, so Sewczyk weiter.

Im abgelaufenen Jahr wurden laut der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) bereits 750.000 Flachbildschirme mit Internetzugang verkauft. Marktanalysten zufolge sollen bis Ende 2010 gut zwei Millionen hybride Endgeräte in deutschen Heimen stehen. Das entspricht einem Marktanteil von 20 Prozent. „Damit ist Deutschland zusammen mit den Niederlanden europaweit führend bei diesem Trend“, so Frank Franz von der GfK. Jürgen Sewczyk rechnet bis Ende 2011 sogar mit bis zu sechs Millionen Hybrid-Fernsehern. „Die Technik ist eingebaut, die kostet nichts mehr. Diesem Trend kann man sich gar nicht mehr entziehen. Jetzt muss man eben nur noch sehen, welche Technologie bzw. welches Design tatsächlich am leistungsstärksten ist“, so Sewczyk.

Mehr Hybrid-TV-Inhalte schaffen und einen Branchenstandard etablieren, so lautet die Herstelleragenda. Innerhalb der deutschen TV-Plattform hat sich deshalb die Arbeitsgruppe „Hybride Endgeräte“ unter der Leitung Sewczyks formiert. Etwa 30 Experten von Mitgliedsunternehmen arbeiten daran, hybride Dienste und Geräte zu definieren. Das System Hybrid broadcast broadband TV (HbbTV) wurde inzwischen bei der europäischen Organisation ETSI (Europäisches Institut für Telekommunikationsnormen) als möglicher Onlineplattform-Standard eingereicht.

Einer der ersten Nutzer dieses Systems war Philips bei seinem NetTV-Angebot. „Mit HbbTV haben wir einen großen Schritt gemacht, circa 15 Hersteller verwenden es mittlerweile. Es ist also schon ein Standard“, sagt Sewczyk. Www über den Fernseher ist anders: „Es ergibt keinen Sinn, direkt im Internet zu surfen. Man sitzt drei Meter vom Bildschirm entfernt, dafür sind normale Webseiten-Inhalte zu klein. Auch längere Texte wie E-Mails auf der Fernbedienung zu schreiben, ist zu mühselig. Es ist also nicht das Internet, das man empfängt, sondern vielmehr der Teletext, der renoviert wird“, erklärt Sewczyk.

Über die Fernbedienung wird man auf die Internetdienste umschalten können. Auf dem Bildschirm erscheint daraufhin ein Portal mit einfachen Miniprogrammen, wie man sie iPhone kennt. Dahinter verbergen sich Dienste wie Wetter, Tagesschau, YouTube und eBay. Auch die Fernbedienung wird dafür weiterentwickelt. Einige Hersteller würden auf der IFA 2010 Modelle vorstellen, die nur noch sechs Tasten besäßen. Alles andere werde über den Bildschirm bedient. Zusätzlich werde auf der Fernbedienung eine Zehnertastatur mit Buchstaben hinterlegt sein wie beim Handy, ist sich Sewczyk sicher. „Die aktuellen Entwicklungen werden das Fernsehen revolutionieren. In drei bis vier Jahren ist es soweit. Alle Marktzeichen stehen dafür.“

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