Lesertest i1Display Pro: Kalibrierung mobiler Geräte

Der erfahrene Fotograf Franz Haberhauer konzentriert sich in seinem Test des i1Display Pro insbesondere auf das Kalibrieren mobiler Geräte und vermisst hier Funktionen

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Einleitung

Als Fotograf war mir Farbtreue schon immer wichtig. Im Laufe der Jahre habe ich mehrere Generationen von Datacolors Spyder-Kolorimetern genutzt, aktuell das Spyder 5 Elite. 2011 hatte Datacolor eine Kalibrierungslösung mit dem Spyder 3 für Tablets vorgestellt, mit der eine eigene Bildbetrachter-App Bilder farbecht präsentieren sollte. Die Lösung konnte mich damals nicht begeistern und ist seither auch wieder aus den App-Stores verschwunden. Als ich nun bei der Ankündigung des PRAD-Lesertests im Datenblatt des X-Rite i1Display Pro las, dass es auch eine Lösung für Mobilgeräte bietet, entschloss ich mich, mich für den Test zu bewerben, um einmal eine Alternative zum Spyder 5 auszuprobieren, mit dem ich ansonsten zufrieden bin.

Meine Anforderungen

Als Fotograf habe ich meinen Schwerpunkt in der People-Fotografie – hier ist mir nicht zuletzt die Wiedergabe der Hauttöne wichtig – und in der Landschaftsfotogafie. Für Ausbelichtungen, Drucke und Fotobücher nutze ich in der Regel Online-Labore, die mittlerweile Farbprofile zur Verfügung stellen. Allerdings werden Bilder zunehmend digital betrachtet, und das zunehmend auf mobilen Geräten – Smartphones und Tablets. Auch ich präsentiere inzwischen meine Bilder oft auf meinem iPad. Dessen Display ist an sich schon sehr gut, aber es ist natürlich spannend, ob eine kalibrierte Lösung noch eine Verbesserung bringt.

Meine Displays

Als Bildschirme nutze ich einen 30 Zoll großen NEC PA301W sowie den 20-Zöller Sun X7200A mit einem S-IPS-Panel, der schon deutlich über zehn Jahre seine Dienste leistet, an einem Windows-10-Rechner mit einer NVIDIA-Grafikkarte. Dazu ein Apple MacBook Pro (Ende 2013) mit einem 15″-Retina-Display sowie ein Apple iPad Pro 12.9 und ein Samsung Galaxy Note 8.

Auf diesen Displays sollte das X-Rite i1Display Pro zeigen, was es kann
Auf diesen Displays sollte das X-Rite i1Display Pro zeigen, was es kann

X-Rite i1Display Pro und die i1-Profiler-Software

Das X-Rite i1Display Pro kommt in einem Karton mit einer Plastikform, in der das Kolorimeter liegt und die sich auch zur Aufbewahrung eignet, obschon sie etwas kompakter sein könnte. Dabei ist ein kleines Booklet als Kurzanleitung, das mehrsprachig – auch in Deutsch – allerdings nur die Kolorimeter-Hardware, nicht aber die Software beschreibt, sowie eine CD mit der i1-Profiler-Software in der Version 1.7.1.

X-Rite i1Display Pro Verpackung
X-Rite i1Display Pro Verpackung
Lieferumfang des X-Rite i1Display Pro
Lieferumfang des X-Rite i1Display Pro

Nun hat keiner meiner Computer ein eingebautes CD-Laufwerk. Weder in der Kurzanleitung noch auf dem Karton findet sich ein Hinweis auf einen alternativen Download, aber die Suche im Internet liefert schnell die Download-Seite, wo sich die Version 1.8.2 für macOS bzw. 1.8.3 für Windows finden. Mit einem Shortlink wäre es natürlich noch etwas einfacher gewesen. Nachdem in den Notes für die macOS-Version 1.8.2 vermerkt ist, dass diese die Unterstützung für macOS 10.14 (Mojave) hinzufügt, wäre ein Update auf sie für mich ohnehin nötig gewesen. Es werden knapp 750 MB installiert. Während sich der Installer unter Windows 10 etwas Zeit ließ, war die Installation unter macOS sehr schnell.

Die Benutzerführung zeigt grafisch, wann und wie die Messoptik des Sensors freizulegen ist
Die Benutzerführung zeigt grafisch, wann und wie die Messoptik des Sensors freizulegen ist

Danach war auf beiden Plattformen ein Neustart nötig. Es ist keine explizite Lizenzierung erforderlich, nach dem Start des i1 Profiler erkennt dieser nach einigen Sekunden das Kolorimeter und hakt die entsprechenden Optionen an. Später wird bei jedem Wechsel auf die Startseite auf eine Registrierung gedrängt, die dann auch Zugang zum Support bietet. Der i1 Profiler erkannte auf meinem PC sofort die beiden angeschlossenen Monitore. Auf der Startseite des i1 Profiler werden als Programmhilfe Videos angeboten – jedoch nicht mehr zeitgemäß in Flash-Form, wobei zudem die direkte Verlinkung nicht funktioniert. Allerdings sind ausführliche Hilfe-Informationen direkt in die Benutzeroberfläche integriert. Die Benutzerführung ist gut gelöst. Sie zeigt auch an den entsprechenden Stellen mit Grafiken, wie die Messoptik des Kolorimeters, die ansonsten vom Lichtdiffuserhalter bedeckt und dadurch geschützt ist, durch Umklappen des Halters freizulegen und nach Abschluss der Messung wieder abzudecken ist.

Erst wenn die Messoptik freigelegt bzw. später wieder abgedeckt ist, kann in der Benutzerführung weitergeklickt werden.

i1Display Pro muss komplett auf der Displayoberfläche aufliegen
i1Display Pro muss komplett auf der Displayoberfläche aufliegen

Bedingt durch die hohe Bauform sollte der Monitor deutlich geneigt sein, damit das Kolorimeter sauber aufliegt. Das USB-Kabel ist mit ca. 1,75 m ausreichend lang, das verschiebbare Gegengewicht erfüllt seinen Zweck.

Den Benutzermodus sollte man auf „Erweitert“ schalten. Zum einen, um die ICC-Profilversion von 4 auf 2 zu setzen, was eine breitere Kompatibilität insbesondere mit älteren Anwendungen bietet. Zum anderen kann man die Zahl der Messfelder von 118 auf bis zu 462 erhöhen, was die Genauigkeit erhöht, aber auch die Dauer der Messung auf dem MacBook von gut drei auf über zehn Minuten verlängert. Mein PC schafft die Messung mit 462 Feldern in gut sieben Minuten. Bevor die eigentliche Messung startet, werden kurz der Weißpunkt und die Helligkeit des Monitors geprüft und können dann interaktiv den Zielwerten angepasst werden.

Am Ende der Messung kann das Profil gespeichert, analysiert und gegen andere Profile verglichen werden. Soll- und Istwerte für Weißpunkt, Leuchtdichte und Kontrastverhältnis werden angezeigt. Die LUT-Anzeige gibt einen groben Eindruck, in welche Richtung korrigiert wird. Für einen subjektiven visuellen Vergleich gibt es ein gut ausgewähltes Portfolio von 13 farbigen und 3 Schwarz-Weiß-Porträtbildern, die durch Hauttöne, farbige Hintergründe und Accessoires sowie Farbbalken links und rechts einen guten Vorher-nachher-Vergleich erlauben.

Option zum visuellen Vorher-nachher-Vergleich nach dem Speichern eines neuen Profils
Option zum visuellen Vorher-nachher-Vergleich nach dem Speichern eines neuen Profils

Es kann auch ein eigenes Bild geladen werden – leider nur im TIFF-Format. Eine Aussage zur Abdeckung von Standardfarbräumen, insbesondere sRGB und Adobe RGB, habe ich vermisst. Die 3D-Gamut-Ansicht kann zwar unterschiedliche Profile gegeneinander vergleichen, allerdings funktioniert sie nur mit Profilen, die mit dem i1 Profiler erzeugt wurden – leider aber nicht mit im Profilverzeichnis vorhandenen und z. B. mit dem Spyder 5 erzeugten. Da ist das macOS-Dienstprogramm ColorSync weniger wählerisch und durch die farbige Darstellung der Körper zudem leichter zu interpretieren.

Portfolio an Testbildern im i1 Profiler für den subjektiven visuellen Vorher-nachher-Vergleich – hier in der Verzeichnisübersicht der ColorTRUE-App auf dem iPad
Portfolio an Testbildern im i1 Profiler für den subjektiven visuellen Vorher-nachher-Vergleich – hier in der Verzeichnisübersicht der ColorTRUE-App auf dem iPad

Der erweiterte Benutzermodus bietet Messungen der Monitorqualität, indem die Abweichungen gegen Felder verschiedener Standardfarbtafeln gemessen werden, unter anderem die 24 Felder der X-Rite-ColorChecker-Karte, die ich selbst als Referenz beim Fotografieren verwende. In einem Qualitätsbericht werden die einzelnen Abweichungen sowie verschiedene statistische Werte präsentiert. Das ermittelte Delta E kann für eine Trendanalyse auf einer Zeitachse gespeichert werden.

Qualitätsbericht nach der Messung der Kalibrierung meines NEC PA301W anhand der 24 Felder der X-Rite-ColorChecker-Karte. Auf dem Monitor links unten aufgelegt ist eine originale ColorChecker-Karte. Das rot umrandete Feld ist das mit der stärksten Abweichung, das gelb umrandete das mit der zweitstärksten.
Qualitätsbericht nach der Messung der Kalibrierung meines NEC PA301W anhand der 24 Felder der X-Rite-ColorChecker-Karte. Auf dem Monitor links unten aufgelegt ist eine originale ColorChecker-Karte. Das rot umrandete Feld ist das mit der stärksten Abweichung, das gelb umrandete das mit der zweitstärksten.

Die Qualität der Kalibrierung meiner drei Bildschirme auf D65 und 120 cd/m2 bzw. 90 cd/m2 bei meinem älteren Monitor war sehr gut, wobei der NEC PA301W sowie das Retina-Display des MacBooks schon sehr gute Displays sind, die nur geringe Korrekturen erfordern. Aber auch der ältere Monitor wurde sehr gut kalibriert.