Lesertest i1Display Pro: Vergleich mit anderem Kolorimeter

Lutz Wichert vergleicht das i1Display Pro in seinem Lesertest mit dem Spyder 5 Elite und führt eine Hardwarekalibrierung durch

0
213

Vorwort

Ich habe von PRAD die Gelegenheit bekommen, das X-Rite i1Display Pro ausgiebig zu testen. An dieser Stelle vielen Dank, dass ihr mir dies ermöglicht habt. Ich freue mich nun, euch meine Erkenntnisse mitteilen zu können.

Einleitung

Als nebenberuflicher Hochzeits- und Porträtfotograf weiß ich, dass eine einigermaßen farbkalibrierte Arbeitsumgebung wichtig für die Bearbeitung von Fotos ist. Nur „einigermaßen“, da bei den Abnehmern der Bilder im Normalfall keine kalibrierte Umgebung vorhanden ist und Bilder auf jedem Gerät, ob Monitor, Tablet oder Handy, nachher anders aussehen. Vor dem Test war für die Profilierung bei mir das Kolorimeter Spyder 5 Elite von Datacolor im Einsatz. Damit war eine farbkalibrierte Arbeitsumgebung schon vorhanden, und ich konnte mir sicher sein, dass ich Bilder korrekt bearbeiten kann. Auch war sichergestellt, dass Ausdrucke von Bildern auf dem Heimdrucker dank Softproof so aussehen wie auf dem Monitor. Im Vorfeld war für mich daher spannend, ob man einen Unterschied zwischen diesen beiden Kolorimetern erkennen kann.

Arbeitsumgebung
Arbeitsumgebung

Meine Arbeitsumgebung für die Bearbeitung von Bildern besteht aus dem Hardware-kalibrierbaren Monitor SW320 von BenQ, einem Samsung C32HG70 als Zweit-Display und einem Dell U2414H für Statusmeldungen und Videos. Die Monitore verrichten ihren Dienst abwechselnd an einem Laptop und einem stationären Rechner. Spannend ist in diesem Zusammenhang, ob man nach der Kalibrierung/Profilierung einen farblichen Unterschied zwischen den Bildschirmen bzw. zwischen dem Betrieb mit Laptop und stationärem Rechner erkennen kann.

Produktbeschreibung

Das X-Rite i1Display Pro wird in einer schwarzen schlichten Pappverpackung vertrieben. Neben dem eigentlichen Kolorimeter sind nur eine Kurzanleitung und eine CD mit der notwendigen Software für Windows und macOS enthalten. Auffällig an der Stelle ist, dass in dem Paket kein Produktschlüssel für die Software zu finden ist, wie es sonst üblich ist. Das Kolorimeter dient an dieser Stelle als Dongle, da die Software nur damit funktioniert. Für mich ist dies die erste positive Überraschung, da bei Datacolor Funktions-Updates für die Spyder-Software extra bezahlt werden wollen. Hier hat man die Hoffnung, dass man in Zukunft nicht zusätzlich zur Kasse gebeten wird.

Verpackung des i1Display Pro
Verpackung

Das eigentliche Kolorimeter ist ein Stück Plastik, welches zumindest leichter als das Datacolor-Pendant daherkommt. Es ist gut verarbeitet, hat einen Stativanschluss und ein ausreichend langes USB-Kabel. Um einen Bildschirm zu kalibrieren bzw. zu profilieren, kann das i1Display Pro um 180 Grad gedreht werden, die Optik ist so bei Nichtbenutzung vor Kratzern und Staub geschützt. Außerdem ist in diesem zusammengeklappten Zustand ein Diffusor vor der Optik, damit das Kolorimeter Umgebungslicht messen und die Helligkeit des Monitors anpassen kann.

i1Display Pro Kolorimeter, Kurzanleitung und CD
Kolorimeter, Kurzanleitung und CD

Die eigentliche Software kann von der beiliegenden CD installiert werden oder natürlich auch von der X-Rite-Website heruntergeladen und installiert werden. Auf der Homepage muss man erst einmal schauen, was genau benötigt wird. Neben der eigentlichen Software „i1Profiler“ gibt es noch „X-Rite Device Services V3.1.7.6“. Letzteres wird aber nur für ältere Programmversionen benötigt, welche unter Windows 10 zu einem Zertifikatsfehler führen sollen. Die dazugehörigen FAQs sind nur auf Englisch, was auf einer modernen Website für den deutschsprachigen Raum eigentlich unüblich ist. Hier hätte ich mir von einem professionellen Hersteller schon eine Übersetzung gewünscht.

Download-Seite
Download-Seite
Support-Artikel-Seite
Support-Artikel-Seite

Während der Installation müssen mehrfach Zertifikate bestätigt werden, was aber ohne Probleme möglich ist. Vor dem Starten der Software wird dann zuerst das Kolorimeter mit dem PC verbunden. Nach dem Start kann man in der Software direkt erkennen, welches Gerät angeschlossen ist und welche Geräte profiliert werden können. An dem Bild kann man sehen, dass mehrere Monitore oder ein Projektor profiliert werden können. Die Symbole für die Drucker oder den Scanner sind mit einem roten Fragezeichen versehen.

i1 Profiler Software
i1 Profiler

Ersteinsatz

Wenn man die Profilierung startet, kann man verschiedene Optionen auswählen:

  • Gerät und Anzeigetyp
  • Weißpunkt
  • Leuchtdichte
  • Gamma
  • Kontrastverhältnis
  • „Flare Correct“
  • Smart-Control für Umgebungslicht

Wie man erkennen kann, wird im unteren Bereich des Bildschirms das Profilieren des Monitors als Workflow angezeigt. So weiß man immer, an welchem Punkt man gerade steht und was noch auf einen zukommt.

Monitor-Optionen
Monitor-Optionen

Für eine erste Profilierung entscheide ich mich für Standardwerte, die ich auch schon vorher verwendet habe. Es wird ein Weißpunkt von D65 bei einer Leuchtdichte von 160 cd/m² angestrebt. Als ICC-Profilversion wird Version 2 gewählt, und es werden 462 Standardmessfelder verwendet.

Profil-Optionen
Profil-Optionen
Messfelder
Messfelder

Nachdem die Optik des Kolorimeters aufgeklappt und das Gerät flach auf den Bildschirm gelegt ist, kann die eigentliche Messung starten.

Start der Messung
Start der Messung

Da in dem Beispiel Kontrast und Helligkeit manuell am Monitor eingestellt werden können, überprüft die Software die vorgegebenen Parameter. In dem Bild kann man sehen, dass die Helligkeit noch nicht ganz erreicht worden ist, diese kann am Monitor dann manuell nachjustiert werden, und man bekommt sofort eine Rückmeldung über die getätigten Änderungen.

Helligkeit justieren
Helligkeit justieren

Die eigentliche Messung dauert danach ca. 6 1/2 Minuten, in der Zeit werden die vorgegebenen 462 einzelnen Messfelder angezeigt und durch das Kolorimeter gemessen. In dem folgenden Bild ist beispielhaft einer der Rottöne sichtbar.

Eigentliche Messung
Eigentliche Messung

Am Ende der Messung kommt dann ein ICC-Profil heraus, welches direkt auf der Systemebene gespeichert werden sollte, damit das Betriebssystem dieses beim Start laden kann.

Abschluss der Messungen
Abschluss

Ganz am Ende kann man sich auch noch die Sollwerte und die erreichten Messwerte anschauen und einen Vorher-nachher-Vergleich mit einem Beispielbild durchführen.

Anzeige Soll-/Messwerte
Anzeige Soll-/Messwerte

Beurteilung der Software

Gefühlt erschlägt einen die Software von X-Rite beim ersten Start. Im direkten Vergleich ist die Software von Datacolor hier zugänglicher und für Einsteiger eher geeignet. Das Ganze unabhängig vom Basis- oder erweiterten Benutzermodus (X-Rite) bzw. der Grundeinstellung oder Expertenkonsole von Datacolor. Nicht ohne Grund bietet X-Rite auf der Homepage etliche Schulungen, teils auch als Präsenzschulungen vor Ort, an. Es gibt aber auch für den Anwender kostenfreie Online-Schulungen und etliche Tutorials auf der YouTube-Seite von X-Rite.

Der eigentliche Messvorgang ist aber klar gegliedert, und ich als Anwender weiß zu jeder Zeit, was zu tun ist. Gerade die Workflow-Anzeige im unteren Bildbereich kann hier überzeugen. Der Rest der grafischen Oberfläche könnte aber überarbeitet werden, vor allem der linke Bereich versprüht eher den Charme der 1990er-Jahre. Für mich sieht es so aus, als wären hier drei unterschiedliche, grafisch nicht aufeinander abgestimmte Bereiche verarbeitet worden.