Zirndorf ist Geschichte. Am 10. September hat Metz Consumer Electronics seine neue Fertigungslinie in der Nürnberger Sigmundstraße 189 in Betrieb genommen, und ab sofort entstehen dort die Fernseher der Premiumlinie Metz Classic. Für den fränkischen Hersteller endet damit eine fast 70 Jahre lange Ära am alten Standort.
Das erste Gerät der neuen Linie ist ausgerechnet eines der kleinsten im Programm: der Cubus compact R, ein limitiertes Sondermodell mit 32 Zoll. Klein heißt hier trotzdem nicht sparsam. Metz verbaut ein Full-HD-Panel mit Edge-LED und HDR10, ein Frontlautsprechersystem, einen Triple-Twin-Tuner und einen fest integrierten Digitalrecorder mit einem Terabyte Speicher. Drei HDMI-2.1-Ports, CI+, Bluetooth mit aptX und HbbTV 2.0.3 gehören dazu. Der Preis von 1.299 Euro macht deutlich, an wen sich das Gerät richtet – an Käufer, die Wohnzimmertauglichkeit und Verarbeitung über Zoll und Auflösung stellen.

Der Umzug war für Metz auch die Gelegenheit, die Fertigung neu zu ordnen. In Nürnberg läuft die TV-Montage gebündelt auf einer durchgehenden Linie von 96 Metern Länge. Daneben gibt es einen eigenen Manufakturbereich für die besonders großen Geräte, die sich nicht sinnvoll über ein Band schicken lassen. Untergebracht ist das Ganze in einem bestehenden Gebäude, das Metz umbauen und energetisch modernisieren ließ – neue Heizung, Fotovoltaik, Arbeiten an der Fassade.
Die Produktion war der schwierigste Teil, der Rest folgt schrittweise: Entwicklung, Qualitätssicherung, Verwaltung und After-Sales sollen bis Ende des Jahres in Nürnberg sein, der komplette Standortwechsel bis Ende 2026 abgeschlossen. Alle Bereiche kommen dann unter ein Dach. Für die rund 150 Beschäftigten gibt es dabei eine Nachricht, die bei Verlagerungen selten ist: Die gesamte Belegschaft geht mit, und auch die ausgelagerte Fertigwaren-Logistik kostet laut Metz keine Stellen.
Dass Metz überhaupt noch in Deutschland fertigt, ist keine Selbstverständlichkeit. Die Metz-Werke meldeten im November 2014 Insolvenz an, dem Preisdruck aus Asien hatte das Familienunternehmen nichts mehr entgegenzusetzen. Ein halbes Jahr später übernahm ausgerechnet der chinesische Marktführer Skyworth die TV-Sparte mit 152 der verbliebenen 219 Mitarbeiter und führt sie seitdem als Metz Consumer Electronics weiter. Zur Eröffnung in Nürnberg war Hongjun Zhang, Präsident von Shenzhen Chuangwei-RGB Electronics, deshalb genauso vor Ort wie Metz-Chef Norbert Kotzbauer und Nürnbergs Wirtschaftsreferentin Andrea Heilmaier. Kotzbauer betonte dabei, „Made in Germany“ bleibe der wesentliche Teil der Metz-Identität. In einem Markt, in dem sich fast alle Hersteller aus der europäischen Fertigung verabschiedet haben, ist das tatsächlich das eigentliche Verkaufsargument der Marke.
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