Test BenQ MA320UP: 4K-Monitor für MacBooks
4/8

Bildqualität

Entspiegelung

Während der Panel-Rahmen matt gehalten ist, wurde die eigentliche Bildschirmoberfläche bewusst spiegelnd ausgeführt. BenQ setzt hier auf ein sogenanntes Nano-Glossy-Display, das für mehr Bildtiefe, kräftigere Spitzlichter und einen subjektiv höheren Kontrasteindruck sorgen soll. Tatsächlich ist kaum zu bestreiten, dass ein Glas-Display im direkten Vergleich zu einer matten Oberfläche oft brillanter und kontrastreicher wirkt.

Der Nachteil zeigt sich allerdings ebenso deutlich. Gerade bei dunklen Bildinhalten werden Spiegelungen sehr schnell sichtbar, ohne dass man gezielt danach suchen müsste. Bereits aus normalem Arbeitsabstand kann sich der Nutzer mit scharfen Konturen selbst im Bildschirm erkennen und im Extremfall sogar die Uhrzeit auf der Armbanduhr ablesen. Aus seitlichen Blickwinkeln können solche Reflexionen den Bildeindruck zusätzlich verfälschen.

Ausgangsbasis für unsere Beurteilung

Ab Werk ist der BenQ MA320UP auf den Bildmodus „M-Book“ und eine Helligkeit von 29 eingestellt. Die restlichen Werte sind mangels OSD teils auch in Display Pilot 2 nicht eindeutig abzulesen. Diesen Modus haben wir für die Beurteilung bei Werkseinstellung verwendet.

Graustufen

Die Graubalance hinterlässt bereits im Werkszustand einen erfreulich neutralen Eindruck. Auffällig ist allerdings die Durchzeichnung in den dunklen Bereichen. Während die hellen Abstufungen vollständig erkennbar bleiben, gelingt das bei den dunkelsten Tonwerten nur bis einschließlich Stufe 11. Im EIZO-Test mit 16 großflächigen Graubalken wird das noch deutlicher: Die beiden dunkelsten Stufen fallen praktisch zusammen.

Graustufendarstellung vom IPS-Panel des BenQ MA320UP
Graustufen

Bei feinen Grau- und Farbverläufen wirkt die Darstellung insgesamt gleichmäßig. Dank der guten Ausleuchtung bleibt selbst in den dunklen Bereichen am linken Bildschirmrand die Gleichmäßigkeit in der Vertikalen weitgehend erhalten. Farbschimmer oder störende Banding-Effekte sind kaum auszumachen.

Auch die Blickwinkelstabilität überzeugt bereits im Graustufentest. Horizontal zeigt sich das Bild lediglich etwas dunkler, ohne dass die dunklen Bereiche sichtbar aufhellen oder nennenswert Zeichnung verloren geht. Die Farbtemperatur bleibt dabei weitgehend stabil. Vertikal ist dagegen eine deutlichere Veränderung erkennbar: Die Graustufen wirken merklich kühler und tendieren leicht ins Grünliche.

Ausleuchtung

Das linke Foto zeigt ein komplett schwarzes Bild ungefähr so, wie man es mit bloßem Auge bei komplett abgedunkeltem Raum sieht; hier werden die auffälligen Schwächen sichtbar. Das rechte Foto mit längerer Belichtungszeit hebt dagegen die Problemzonen hervor und dient nur der deutlicheren Darstellung.

Ausleuchtung bei normaler Belichtung
Ausleuchtung bei normaler Belichtung
Ausleuchtung bei verlängerter Belichtung
Ausleuchtung bei verlängerter Belichtung

Bei einem herkömmlichen IPS-Panel lassen sich blickwinkelabhängige Aufhellungen in den Bildecken selbst bei frontaler Betrachtung kaum vollständig vermeiden. Gerade bei größeren Displays treten solche Effekte meist noch deutlicher hervor, weil die äußeren Bildbereiche stärker aus dem optimalen Blickwinkel herausrücken. „Blickwinkelabhängig“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Aufhellungen bei direkter, senkrechter Betrachtung der jeweils betroffenen Stelle weitgehend oder vollständig verschwinden.

Umso erfreulicher fällt der BenQ MA320UP in diesem Punkt aus. Trotz der 32-Zoll-Größe sind die für IPS typischen, rein blickwinkelbedingten Aufhellungen in den Ecken bei frontaler Betrachtung praktisch nicht auszumachen. Auffällig ist allenfalls eine leichte Farbverschiebung: Während die unteren Ecken minimal rötlich wirken, zeigen die oberen Bereiche eher einen leicht bläulichen Einschlag. Echte Randeinstrahlungen sind dagegen kaum vorhanden. Nur in der rechten oberen Ecke lässt sich eine minimale Aufhellung erkennen, und selbst die wird erst aus kürzester Distanz zum Display überhaupt sichtbar.

Glow-Effekt horizontal
Glow-Effekt horizontal
Glow-Effekt von schräg oben
Glow-Effekt von schräg oben

Auch bei bewusst veränderter Sitzposition zeigt sich ein für IPS ungewöhnlich zurückhaltendes Verhalten. Deutlicher wahrnehmbar werden Aufhellungen vor allem bei vertikalen Blickwinkelabweichungen, während sie horizontal erstaunlich gering bleiben. Am stärksten fällt der Effekt aus schräger Sicht von oben auf. Unabhängig von der Blickrichtung (von links oder rechts) kommt dann zur Aufhellung zusätzlich eine leichte rötliche Einfärbung hinzu. Aus tieferer Position wirkt die Aufhellung dagegen eher bläulich. Selbst von schräg oben bleibt der Glow-Effekt aber insgesamt schwächer ausgeprägt, als man es von einem typischen IPS-Panel dieser Größe erwarten würde.

In der Praxis ist das einer der auffälligsten positiven Bildeindrücke des BenQ MA320UP. Der Monitor zeigt gerade in dunklen Bildsituationen ein für diese Klasse ungewöhnlich ruhiges Erscheinungsbild. Ob dies allein auf die Nano-Gloss-Beschichtung zurückzuführen ist oder auf das Zusammenspiel mehrerer Faktoren, lässt sich zwar nicht sicher trennen, doch der Vorteil gegenüber vielen klassischen IPS-Monitoren ist in der Praxis klar sichtbar.

Helligkeit, Schwarzwert und Kontrast

Die Messungen werden nach einer Kalibrierung auf D65 als Weißpunkt durchgeführt. Sofern möglich, werden alle dynamischen Regelungen deaktiviert. Aufgrund der notwendigen Anpassungen fallen die Ergebnisse geringer aus als bei Durchführung der Testreihe mit nativem Weißpunkt.

Das Messfenster wird nicht von einem schwarzen Rand umgeben. Die Werte können daher eher mit dem ANSI-Kontrast verglichen werden und geben Realweltsituationen deutlich besser wieder als Messungen von flächigem Weiß- und Schwarzbild.

Diagramm des Helligkeits- und Kontrastverlauf vom BenQ MA320UP
Helligkeits- und Kontrastverlauf des BenQ MA320UP

Mit nativem Weißpunkt erreicht der BenQ MA320UP im Maximum rund 596 cd/m² und liegt damit sogar etwa 8 % über der Herstellerangabe von 550 cd/m². Herunterregeln lässt sich die Helligkeit auf ein Minimum von 60 cd/m².

Nach der Kalibrierung sinkt die Maximalhelligkeit nur geringfügig auf 592 cd/m². Auch die Minimalhelligkeit bleibt mit 59 cd/m² nahezu unverändert. Der BenQ MA320UP setzt damit klar eher auf eine hohe Leuchtdichte und HDR-Tauglichkeit als auf besonders niedrige Helligkeitsreserven für lange Arbeitssitzungen in vollständig abgedunkelter Umgebung.

Das Kontrastverhältnis beziffert BenQ für das IPS-Panel auf 1300:1. In unseren Messungen wird dieser Wert sogar leicht übertroffen: Auch nach der Kalibrierung erreicht der Monitor im Durchschnitt sehr gute 1379:1.

Manuel Findeis

... beschäftigt sich beruflich wie privat seit über 20 Jahren intensiv mit den Themen und Entwicklungen in der IT-Branche. Als freiberuflicher Autor, Testredakteur und Fotograf, kennt er die Anforderungen an ein gutes Display. Für PRAD ist er seit 2013 tätig.

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