Bedienung
Für die Bedienung des BenQ PD2770U stehen gleich mehrere Wege zur Verfügung: klassisch direkt am Gerät, über den mitgelieferten kabellosen Hotkey Puck G3 und per Software Display Pilot 2. Damit trägt BenQ dem professionellen Anspruch des Monitors auch bei der Steuerung Rechnung und bietet im Alltag deutlich mehr Komfort als bei einfacheren Standardlösungen.
Direkt am Monitor erfolgt die Steuerung über einen zentral platzierten 5-Wege-Joystick an der Unterseite des Rahmens. Ergänzt wird er durch weitere Tasten für Schnellfunktionen und Ein-/Ausschalten. Die Anordnung ist insgesamt praxisgerecht gelöst: Nach kurzer Eingewöhnung lassen sich die wichtigsten Funktionen sicher bedienen, ohne unter den Rahmen tasten zu müssen. Die Bedienelemente sitzen gut erreichbar, und auch die Druckpunkte geben keinen Anlass zur Kritik.

Zum erweiterten Bedienkonzept gehört der kabellose Hotkey Puck G3. Dabei handelt es sich um einen kleinen externen Controller mit zentralem Auswahlrad, das zugleich als Bestätigungstaste dient. Hinzu kommen mehrere frei belegbare Tasten für Direktzugriffe und ein separater Kanalwahlschalter.

Der Puck erlaubt damit nicht nur das schnelle Umschalten zwischen häufig genutzten Bildmodi, sondern auch einen deutlich bequemeren Zugriff auf wiederkehrende Funktionen, ohne jedes Mal das vollständige OSD aufrufen zu müssen. Mit dem „Looping-Key“ links oben kann man beispielsweise durch die Presets blättern oder mit längerem Druck auch das Menü zur Anpassung des Pucks aufrufen. Gerade im produktiven Alltag ist das ein echter Komfortgewinn.

Die Kommunikation mit dem Hotkey Puck erfolgt über einen separaten Infrarotsensor rechts an der Rahmenseite. Im Test hat das auch problemlos mit Linkshänder-Positionierung bzw. aus etwas größerem Abstand funktioniert.

Zusätzlich besitzt der PD2770U auf der Oberseite einen Umgebungslichtsensor. Solche Zusatzsensoren gehören bei klassischen Grafikmonitoren keineswegs zum Standard und unterstreichen, dass BenQ den Funktionsumfang des Geräts bewusst erweitert hat. Auf Wunsch lassen sich darüber Helligkeit und Farbtemperatur automatisch an die Umgebungsbeleuchtung anpassen. Für die farbkritische Bildbearbeitung ist das in der Regel wenig sinnvoll, weil dort konstante und reproduzierbare Bedingungen gefragt sind. Im normalen Büroalltag kann diese Funktion dagegen einen spürbaren Komfortgewinn bieten.

OSD
Trotz seines großen Funktionsumfangs bleibt das OSD des PD2770U insgesamt erfreulich übersichtlich. Es orientiert sich an der bekannten BenQ-Logik mit seitlich angeordneten Hauptkategorien und klar gegliederten Untermenüs. Die Navigation erfolgt zügig, die Darstellung wirkt modern und ausreichend kontraststark, sodass sich auch umfangreichere Einstellmöglichkeiten noch gut überblicken lassen.
Positiv ist vor allem, dass die für die Bildbeurteilung relevanten Funktionen sauber gruppiert sind. Eingangswahl, Bildmodus, Helligkeit, Kontrast, Gamma, Schärfe und Farbtemperatur sind ohne größere Umwege erreichbar. So lässt sich die Farbtemperatur entweder über vordefinierte Kelvin-Stufen oder benutzerdefiniert per RGB-Gain-Regler festlegen. Auch die Gamma-Werte können präzise eingestellt werden, einschließlich der Auswahl der sRGB-Kennlinie.
Gerade bei einem Monitor mit erweitertem Farbmanagement ist das wichtig, weil sich nur so unterschiedliche Arbeitsmodi zügig vergleichen und anpassen lassen. Für die Wahl der Farbraumbegrenzung besitzt der BenQ PD2770U erfreulicherweise sogar einen eigenen Menüpunkt. Selbst bei Grafikmonitoren ist das keineswegs selbstverständlich.
Für die „Auto Calibration“ besitzt der BenQ PD2770U einen eigenen Menüpunkt. Auch spezielle Punkte wie KVM-Zuordnung oder USB-Konfiguration sind sinnvoll in die Menüstruktur eingebettet, ohne das OSD unnötig zu überfrachten.
Gamut Duo ist eine weitere spezielle Funktion, die den direkten Vergleich eines Bildinhalts in zwei unterschiedlichen Farbmodi am Bildschirm ermöglichen soll. Darauf sind wir bereits zuvor in einem eigenen Kapitel eingegangen. Unter dem Menüpunkt „Custom Keys“ bietet BenQ darüber hinaus umfangreiche Anpassungsmöglichkeiten für die Tasten am Monitor und am Hotkey Puck.
Im Alltag überzeugt das OSD damit weniger durch spektakuläre Einzelideen als durch seine insgesamt stimmige Balance aus Funktionsfülle und Bedienbarkeit. Der Nutzer bekommt viele Stellschrauben an die Hand, ohne sich durch unlogische Menüpfade kämpfen zu müssen. Gerade im Vergleich zu manchen Konkurrenzmodellen, die entweder zu schlicht oder unnötig verschachtelt ausfallen, wirkt die Lösung des BenQ PD2770U erfreulich erwachsen.
Hinzu kommt, dass BenQ wichtige Zusatzfunktionen nicht ausschließlich in externe Software auslagert. Auch direkt am Monitor bleibt der Zugriff auf zentrale Optionen erhalten. Das ist gerade im Testbetrieb und bei wechselnden Signalquellen ein Vorteil, weil sich Einstellungen notfalls vollständig am Gerät vornehmen lassen. Die separate KVM-Schnellauswahl fügt sich hier sinnvoll ein und beschleunigt den Wechsel zwischen unterschiedlichen Host-Konfigurationen zusätzlich.
Zusammengefasst präsentiert sich der BenQ PD2770U bei Bedienung und OSD jedoch auf hohem Niveau. Die direkte Steuerung am Gerät ist durchdacht, der kabellose Hotkey Puck G3 erweist sich als echter Mehrwert, und das OSD verbindet einen großen Funktionsumfang mit einer erfreulich klaren Struktur.
Display Pilot 2
Mit Display Pilot 2 bietet BenQ eine zusätzliche Software-Ebene, die das Bedienkonzept des PD2770U sinnvoll ergänzt. Die Anwendung läuft nach dem Start unauffällig im Hintergrund und ermöglicht den Zugriff auf ihre Werkzeuge über ein Symbol in der Taskleiste. Im Unterschied zum integrierten OSD richtet sich Display Pilot 2 klar an Anwender, die Monitorfunktionen lieber per Maus und Tastatur steuern oder wiederkehrende Abläufe stärker automatisieren möchten.
Ein zentrales Feature von Display Pilot 2 ist dabei ICCsync. Beim Wechsel des Bildmodus wird automatisch das passende ICC-Profil in der Farbverwaltung des Betriebssystems hinterlegt, was im Test grundsätzlich zuverlässig, wenn auch teils mit leichter Verzögerung funktionierte. Beim BenQ PD2770U wird dieser Aspekt allerdings von Palette Master Ultimate funktional übernommen und in Display Pilot 2 nur noch als Status angezeigt. Display Pilot 2 ist damit in diesem Punkt nicht die tatsächlich führende Instanz.
Das Hauptmenü von Display Pilot 2 ist Widget-basiert aufgebaut und kann auf Wunsch auch flexibel angepasst werden. Je nach Modell, Serie, vorhandenen Eingängen und aktivierten Funktionen variiert der konkrete Funktionsumfang. Auch die optische Gestaltung wird erkennbar an das jeweils angeschlossene BenQ-Modell angepasst. Da die Darstellung in der Praxis stark Monitor-abhängig ausfällt und das Handbuch hierzu nur sehr allgemeine Beispielansichten liefert, sind die hier gezeigten Screenshots besonders aufschlussreich. Sie zeigen das Hauptmenü des PD2770U, die Auswahl und Anpassung von Farbmodi sowie die Konfiguration der eingeblendeten Werkzeuge.

Im Bereich „Erweitert“ ist beim PD2770U im Gegensatz zum MA320UP nicht viel zu finden. Der MA320UP verzichtet praktisch fast vollständig auf ein eigenes OSD, sodass man hier sämtliche Systemeinstellungen vornehmen kann und muss. Beim PD2770U dagegen bleiben wichtige Systemeinstellungen dem OSD des Monitors vorbehalten. Unter „Erweitert“ kann man stattdessen Anwendungen mit Farbeinstellungen verknüpfen: Wechselt man zum Beispiel zwischen Lightroom und Browser, wird auf Wunsch auch automatisch der Farbmodus gewechselt.

Bei Monitoren mit Hotkey Puck erscheint in Display Pilot 2 zusätzlich ein eigener Bereich zu dessen Konfiguration. Gerade hier spielt die Software ihre Stärken aus, weil sich Tastenbelegungen und Funktionszuweisungen mit der anschaulichen Visualisierung deutlich bequemer anpassen lassen als ausschließlich über das OSD. Für Nutzer, die den Hotkey Puck regelmäßig verwenden, ist das ein echter Komfortgewinn.

Der Menüpunkt „Über“ ist schließlich doppeldeutig. Einerseits bündelt er Informationen zur Software und zum angeschlossenen Monitor, andererseits wird hier auch sichtbar, welche Online-Funktionen BenQ vorsieht. Dazu gehören unter anderem das Update-Verhalten, die Spracheinstellungen, die Support-Zugänge und die Einbindung eines Cloud-Kontos. Positiv ist immerhin, dass sich der „Benutzerfreundlichkeitsverbesserungsplan“ innerhalb von Display Pilot 2 deaktivieren lässt. Die eigentliche Datenschutz- und Cloud-Problematik zeigt sich beim PD2770U jedoch vor allem im Zusammenspiel mit Palette Master Ultimate und wird deshalb im Kapitel zur Hardware-Kalibrierung noch gesondert behandelt.

Schlussendlich ist Display Pilot 2 beim BenQ PD2770U eine sinnvolle Ergänzung, aber kein Ersatz für das gut gelungene OSD. Die Software bietet zusätzlichen Komfort, eine flexible Oberfläche und praktische Automatisierungsfunktionen, bleibt beim Probanden allerdings bewusst in einer unterstützenden Rolle. Das ist insgesamt positiv zu bewerten, weil wichtige Monitorfunktionen weiterhin direkt am Gerät verfügbar bleiben.


















