Test BenQ PD2770U: 4K-Profi-Display mit integriertem Messsensor

Einleitung

Mit dem PD2770U positioniert BenQ einen 27 Zoll großen 4K-Monitor der Creative-Pro-Serie für farbkritische Workflows in Grafik, Foto und Video. Das Modell richtet sich erkennbar nicht an den klassischen Office- oder Allround-Markt, sondern an Anwender und kleinere Studios, die eine hohe Farbraumabdeckung, integrierte Kalibrierungsfunktionen und einen Workflow-orientierten Funktionsumfang in einem vergleichsweise kompakten Format suchen. Im BenQ-Portfolio nimmt der PD2770U damit eine auffällige Rolle ein, weil er innerhalb der PD-Serie Ausstattungsmerkmale aufgreift, die man dort nicht ohne Weiteres erwarten würde.

Die technischen Rahmendaten unterstreichen diese Ausrichtung: BenQ kombiniert ein IPS-Panel im 16:9-Format mit 3840 × 2160 Pixeln, 60 Hz, einer typischen Helligkeit von 400 cd/m² und einem nativen Kontrast von 1000:1. Hinzu kommen 99 % Adobe RGB, 99 % DCI-P3 und 100 % Rec. 709, flankiert von werkseitiger Kalibrierung, integrierter Messsonde und dedizierten Kalibrierungsmodi. Damit verspricht der Hersteller einen Monitor, der nicht nur große Farbräume abdeckt, sondern sie auch dauerhaft kontrollierbar und reproduzierbar nutzbar machen soll.

Besonders interessant ist dabei die Positionierung im eigenen Line-up: Ausgerechnet ein Modell der PD-Serie wird von BenQ mit integrierter Sonde, Hardware-Kalibrierung und geplanter Selbstkalibrierung beworben. Das verleiht dem PD2770U innerhalb der Creative-Pro-Reihe einen besonderen Stellenwert, weil er klassische Workflow-Funktionen wie USB-C, KVM und den kabellosen Hotkey Puck mit Ausstattungsmerkmalen kombiniert, die in dieser Form eher an einen noch stärker Farbmanagement-fokussierten Spezialisten erinnern. Auch die Lichtschutzblende unterstreicht diesen Anspruch.

Der PD2770U tritt damit als ungewöhnlich ambitioniertes 27-Zoll-Modell an, das eine professionelle Farbkontrolle und einen modernen Arbeitsplatzkomfort in einem Gerät zusammenführen soll. Für einen hardwarekalibrierbaren 4K-Grafikmonitor ist der BenQ PD2770U auch preislich attraktiv. Das macht ihn zu einem besonders spannenden Testkandidaten.

Detaillierte Informationen zu den Ausstattungsmerkmalen und den Spezifikationen finden Sie im Datenblatt des BenQ PD2770U.

Lieferumfang

Der Lieferumfang des BenQ PD2770U fällt selbst für einen professionell ausgerichteten Grafikmonitor ungewöhnlich umfangreich aus. Zum Paket gehören Panel, Standfuß und Standbein, das externe Netzteil samt Netzkabel, die Lichtschutzblende, der kabellose Hotkey Puck G3 und ein USB-C-Kabel für die direkte Inbetriebnahme. Der Hersteller ergänzt den Monitor damit um Zubehör, das klar auf den praktischen Studio- und Workflow-Einsatz abzielt und den gehobenen Anspruch des Geräts bereits beim Auspacken unterstreicht.

Lieferumfang des BenQ PD2770U
Lieferumfang

Ergänzt wird der Lieferumfang sinnvoll über die BenQ-Webseite: Dort stehen Handbuch, Treiber, Farbprofile sowie die zugehörige Software für Bedienung, Firmware und Kalibrierung zum Download bereit. Gerade bei einem Monitor dieser Klasse gehört das zwar zum erwartbaren Gesamtpaket, unterstreicht aber nochmals die Ausrichtung auf farbkritische Anwendungen und einen erweiterten Funktionsumfang.

Insgesamt hinterlässt der Lieferumfang damit einen stimmigen Eindruck: nicht überladen, aber funktional passend ausgestattet und vollständig genug für einen problemlosen Start.

Optik und Mechanik

Der Aufbau des PD2770U gelingt unkompliziert und ist schnell erledigt. BenQ hat die Verpackung dabei sinnvoll vorbereitet: Standbein und Sockel können zunächst separat montiert werden, danach lässt sich das Display samt bereits angesetztem Standbein direkt aus dem Karton entnehmen. Sogar die geschlitzte Schutzhülle des Panels ist auf dieses Vorgehen abgestimmt.

Geschlitzte Display-Hülle ermöglicht Montage direkt im Karton
Geschlitzte Display-Hülle ermöglicht Montage direkt im Karton
Monitorstandbein mit massiver Monitoraufhängung
Standbein mit massiver Monitoraufhängung

Für unsere Abbildungen haben wir die Montage dennoch auf dem Schreibtisch durchgeführt, weil sich die einzelnen Schritte dort besser erkennen lassen. Das Standbein rastet auf der Rückseite des Displays sicher ein und lässt sich bei Bedarf über die Entriegelung ebenso unkompliziert wieder abnehmen. Anschließend wird die Bodenplatte angesetzt und an der Unterseite mit einer Flügelschraube werkzeuglos fixiert. Wer den Monitor statt auf dem Standfuß an einer Wandhalterung oder einem Tragarm betreiben möchte, muss den Fuß entsprechend wieder entfernen und anschließend die rückseitige VESA-Aufnahme mit einer passenden Halterung bestücken.

Große und robuste Aufnahme an der Display-Rückseite
Große und robuste Aufnahme an der Display-Rückseite
Einrasten des Monitorstandbeins am Display
Einrasten des Standbeins

Einen kleinen praktischen Hinweis gibt es dennoch: Die spätere Kabelführung sollte man beim Aufbau von Anfang an mitdenken. Der entsprechende Clip beziehungsweise die Führung sitzt so, dass man sie nicht ganz beiläufig nachrüstet, wenn der Monitor bereits komplett montiert und verkabelt vor einem steht. Gerade weil der übrige Aufbau so benutzerfreundlich gelöst ist, fällt dieser kleine Punkt überhaupt erst auf. Im Handbuch ist er allerdings ebenfalls detailliert beschrieben.

Aufsetzen der Bodenplatte (Fuß) am Monitorarm
Aufsetzen der Bodenplatte
Fixierung mit Flügelschraube
Fixierung mit Flügelschraube

Insgesamt macht der BenQ PD2770U schon bei der Montage einen durchdachten und alltagstauglichen Eindruck. Der Aufbau geht schnell, sicher und ohne Werkzeug von der Hand, und auch die Möglichkeit, den Standfuß bei Bedarf wieder abzunehmen und die VESA-Aufnahme zu nutzen, passt gut zum professionellen Anspruch des Geräts.

Schon nach dem Aufbau hinterlässt der BenQ PD2770U einen ausgesprochen hochwertigen Eindruck. Das gilt nicht nur für die saubere Verarbeitung, sondern auch für die Materialanmutung. Besonders die Bodenplatte hebt sich positiv ab, denn sie besteht vollständig aus Aluminium und vermittelt deutlich mehr Substanz als die bei vielen Monitoren übliche Kunststofflösung. Das Standbein selbst ist dagegen ummantelt, wirkt aber ebenfalls solide und fügt sich optisch stimmig in das insgesamt sachlich-professionelle Design ein. Im direkten Eindruck mutet der Proband damit sogar noch hochwertiger an als der MA320UP vom selben Hersteller.

BenQ PD2770U Ansicht vorn in der höchsten Stellung
Ansicht vorn in der höchsten Stellung
BenQ PD2770U Ansicht hinten in der höchsten Stellung
Ansicht hinten in der höchsten Stellung

Gestalterisch orientiert sich BenQ an einer ruhigen, funktionalen Formensprache ohne modische Spielereien. Die Rückseite erinnert in ihrer klaren Gliederung und der zurückhaltenden Flächengestaltung durchaus an andere aktuelle Modelle des Herstellers und wirkt aufgeräumt sowie zweckmäßig. Auf eine betont Lifestyle-orientierte Anmutung verzichtet der PD2770U aber bewusst. Das passt gut zur Ausrichtung des Monitors, der sich klar als Arbeitsgerät für farbkritische Anwendungen versteht. Die Ansichten in oberster und niedrigster Stellung unterstreichen diesen nüchternen, professionellen Gesamteindruck.

BenQ PD2770U Ansicht vorn in der niedrigsten Stellung
Ansicht vorn in der niedrigsten Stellung
BenQ PD2770U Ansicht hinten in der niedrigsten Stellung
Ansicht hinten in der niedrigsten Stellung

Auffällig ist dabei vor allem die Frontgestaltung. Während die seitlichen Außenränder mit rund 2 mm sehr schmal ausfallen, setzen sich der obere Rahmen mit knapp 3 cm und der untere mit etwa 1,5 bis 2 cm deutlich stärker ab. Hinzu kommt, dass innerhalb dieser Einfassung ein zusätzlicher schwarzer Innenrand sichtbar bleibt. Im aktiven Bildbereich misst er oben und seitlich etwa 6 mm, unten rund 3 mm. Gerade an der Oberkante fällt dadurch auf, dass der Monitor trotz des ohnehin breiteren Rahmens nochmals ungenutzte Display-Fläche stehen lässt. Das ist funktional zwar nachvollziehbar, wirkt optisch allerdings etwas eigenwillig.

Der breite obere Rahmen dürfte nicht zuletzt mit der integrierten Messsonde zusammenhängen, die hier ihren Platz finden muss. Anders als bei besonders rahmenbetonten Office- oder Lifestyle-Geräten steht beim BenQ PD2770U jedoch ohnehin keine maximale optische Zurückhaltung im Vordergrund, sondern ein klar professioneller Auftritt mit erkennbarem Funktionsanspruch. In dieses Bild fügt sich auch die Lichtschutzblende stimmig ein, die den Studiocharakter des Monitors zusätzlich unterstreicht.

Display Ansicht Drehung nach links
Ansicht: Drehung nach links
Display Ansicht Drehung nach rechts
Ansicht: Drehung nach rechts

Bei der Ergonomie ist der BenQ PD2770U erfreulich vollständig aufgestellt. Der Standfuß bietet eine Höhenverstellung von 115 mm, einen Neigebereich von -5 bis +20 Grad, eine seitliche Drehung von jeweils 15 Grad und eine Pivot-Funktion für den Hochformatbetrieb. Damit sind alle heute in dieser Klasse zu erwartenden Verstellmöglichkeiten vorhanden, obschon vor allem die seitliche Drehung eher solide als üppig ausfällt. In der Praxis reicht das für die meisten Arbeitsplatzsituationen dennoch gut aus.

Die folgenden Abbildungen zeigen den minimalen und maximalen Neigungswinkel sowie den Schwenk ins Hochformat.

BenQ PD2770U Ansicht seitlich
Ansicht seitlich
Ansicht seitlich mit maximalem Neigungswinkel nach hinten
Ansicht seitlich mit maximalem Neigungswinkel nach hinten
Ansicht Pivot seitlich
Ansicht Pivot seitlich
Ansicht Pivot von vorn
Ansicht Pivot von vorn

Noch wichtiger als die nackten Zahlen ist hier allerdings die mechanische Umsetzung. Alle Einstellmöglichkeiten funktionieren sauber, sind ausreichend straff und zugleich angenehm kontrolliert. Nichts wackelt, nichts wirkt billig oder hakelig. Gerade diese Kombination aus Stabilität und geschmeidigem Bewegungsablauf überzeugt im Alltag sehr. Der Stand vermittelt Solidität, ohne schwergängig zu wirken, und passt damit hervorragend zum hochwertigen Gesamteindruck des Monitors. Die Bildreihe mit Drehung, Neigung und Pivot macht genau diese gelungene Mechanik gut sichtbar.

Standbein des BenQ PD2770U
Standbein

Auch die Kabelführung ist grundsätzlich sinnvoll gelöst und unterstützt den aufgeräumten Gesamteindruck. Der Clip sitzt stabil, ist praxisnah am Standbein positioniert und erfüllt damit seinen Zweck. Die Öffnung fällt allerdings recht großzügig aus. Dünnere Kabel werden dadurch nicht ganz so straff geführt und können leichter wieder herausrutschen. Das ist kein gravierender Mangel, aber ein kleiner Detailpunkt.

Kabelführung am Monitorarm
Kabelführung

Die Lichtschutzblende selbst macht ebenfalls einen hochwertigen Eindruck. Sie besteht aus einem einzigen zusammenhängenden Bauteil und lässt sich für Transport oder Lagerung flach zusammenfalten. Die seitlichen Elemente werden dazu einfach nach hinten geklappt. Im aufgebauten Zustand helfen kräftige Führungsschienen bei der Positionierung, während Magnete das Einrasten unterstützen. Die Innenseite ist mit lichtschluckendem Material ausgekleidet, was gut zum professionellen Anspruch passt.

Lichtschutzblende zusammengefaltet
Lichtschutzblende zusammengefaltet

Lichtschutzblende: Schienen und Magnete auf der Innenseite
Lichtschutzblende: Schienen und Magnete auf der Innenseite
Lichtschutzblende voll entfaltet
Lichtschutzblende voll entfaltet

Ganz perfekt ist die Passform allerdings nicht. Beim Aufsetzen war im Test ein leichtes Nachjustieren nötig, und oben in den Ecken sitzt die Blende nicht hundertprozentig bündig, sodass bei hellem Hintergrund noch minimal Licht durchschimmern kann. Das ist jedoch Jammern auf hohem Niveau und in der Praxis kaum relevant. Generell erfüllt die Blende ihren Zweck gut, hält Streulicht wirksam ab und bringt einen willkommenen Nebeneffekt mit: Das Display staubt spürbar langsamer ein als ohne montierte Blende.

Ansicht von vorn mit montierter Lichtschutzblende
Ansicht von vorn mit montierter Lichtschutzblende

Das Netzteil ist beim BenQ PD2770U direkt im Gehäuse untergebracht, ein externer Klotz entfällt also. Einen dedizierten Netzschalter zum vollständigen Trennen vom Stromnetz, wie es bei vielen Grafikmonitoren üblich ist, gibt es allerdings nicht. Belüftungsschlitze sind vorhanden, wobei sich im Betrieb weder dort noch auf der Gehäuserückseite eine nennenswerte Erwärmung gezeigt hat.

Display Drehung nach links mit montierter Lichtschutzblende
Drehung nach links mit montierter Lichtschutzblende
Display Drehung nach rechts mit montierter Lichtschutzblende
Drehung nach rechts mit montierter Lichtschutzblende

Insgesamt zeigt sich der BenQ PD2770U damit als sehr durchdacht konstruierter Grafikmonitor mit überzeugender Mechanik, hochwertiger Materialanmutung und einer Gestaltung, die den professionellen Anspruch klar erkennen lässt. Kleine optische Irritationen durch die ungewöhnliche Rahmenkonstruktion ändern nichts daran, dass der Hersteller hier insgesamt ein ausgesprochen stimmiges und wertiges Gehäuse auf die Beine gestellt hat.

Lüftungsschlitze am Monitorgehäuse
Lüftungsschlitze

Manuel Findeis

... beschäftigt sich beruflich wie privat seit über 20 Jahren intensiv mit den Themen und Entwicklungen in der IT-Branche. Als freiberuflicher Autor, Testredakteur und Fotograf, kennt er die Anforderungen an ein gutes Display. Für PRAD ist er seit 2013 tätig.

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