ICCsync
Ein wichtiger Bestandteil des Kalibrierungskonzepts beim BenQ PD2770U ist die automatische Zuordnung des jeweils passenden ICC-Profils zum aktiven Bildmodus. Genau hier setzt ICCsync an. Die Funktion sorgt dafür, dass beim Wechsel zwischen kalibrierten Modi nicht nur der Monitor intern auf das entsprechende Ziel umschaltet, sondern auch in der Farbverwaltung des Betriebssystems das dazugehörige Profil hinterlegt wird. Nur so bleibt das Farbmanagement in der Praxis konsistent, denn ein korrekt kalibrierter Bildschirm allein genügt nicht, wenn das Betriebssystem oder Farbmanagement-fähige Anwendungen weiterhin mit einem unpassenden ICC-Profil arbeiten.
Bei BenQ-Monitoren mit Softwarekalibrierung übernimmt diese Funktion grundsätzlich Display Pilot 2. Sobald jedoch Palette Master Ultimate installiert ist, wird ICCsync in Display Pilot 2 zwar weiterhin angezeigt, funktional aber von PMU übernommen. Display Pilot 2 dient in diesem Punkt dann nur noch als Anzeige- beziehungsweise Statusinstanz, nicht mehr als tatsächlich steuernde Komponente.
Grundsätzlich funktioniert der automatische Profilwechsel beim BenQ PD2770U auch durchaus brauchbar. Im Test wurde das passende Profil beim Wechsel zwischen kalibrierten Modi in der Regel korrekt zugewiesen, wenn auch nicht immer völlig verzögerungsfrei. Damit erfüllt ICCsync zunächst genau die Aufgabe, die man von einer solchen Funktion erwarten darf: Monitorzustand und Profilzuordnung bleiben im Normalfall miteinander gekoppelt.
Im Detail zeigt sich jedoch, dass diese Kopplung noch nicht ganz ausgereift ist. Problematisch wird es insbesondere dann, wenn Palette Master Ultimate im Hintergrund nicht aktiv ist. In diesem Fall findet auch keine automatische Profilumschaltung mehr statt. Das ist für sich genommen noch nachvollziehbar, weil die Zuordnung technisch irgendwo angestoßen werden muss.
Unschön ist allerdings, dass nach einem späteren Neustart von Palette Master Ultimate nicht zuverlässig geprüft wird, ob das aktuell in Windows hinterlegte ICC-Profil überhaupt noch zum momentan aktiven Bildmodus des Monitors passt. Im ungünstigen Fall arbeitet man dadurch zunächst mit einer falschen Profilzuordnung weiter. Erst beim nächsten erneuten Moduswechsel wird das Profil meist wieder korrekt gesetzt.
Hinzu kommt ein zweiter Punkt: Bei den Werkspresets verwendet BenQ keine wirklich monitorindividuell eingemessenen Geräteprofile, sondern orientiert sich an Standardzielen wie sRGB oder Adobe RGB und weist dafür offenbar die entsprechenden Arbeitsfarbraumprofile zu. Das ist für eine allgemeine Umschaltung zwar praktisch, bleibt messtechnisch aber nur eine Annäherung, weil die tatsächlichen Werkspresets des Monitors eben nicht exakt diesen Zielfarbräumen entsprechen. Genau das ist allerdings die zentrale Aufgabe im Farbmanagement: Ein Geräteprofil soll den tatsächlichen Gerätezustand beschreiben und nicht lediglich das angestrebte Ziel.
Problematisch ist dabei also weniger der reine Profilwechsel als dessen Präzision. Wird einem Werkspreset mit nur näherungsweise getroffenem Zielfarbraum ein generisches Standardprofil wie DCI-P3 zugeordnet, arbeitet das Farbmanagement zwar formal korrekt, basiert aber auf einer unzutreffenden Gerätebeschreibung. Gerade in Photoshop kann das bei stark gesättigten Farben zu systematischen Fehlbeurteilungen führen, weil Profil und tatsächlicher Monitorzustand nicht deckungsgleich sind.
Wirklich präzise wird die Zuordnung daher erst bei einer selbst erstellten Kalibrierung mit individuell erzeugtem Profil. Gerade darin liegt ein wichtiger Unterschied zwischen bloßer Komfortfunktion und tatsächlich sauberem Farbmanagement.
Die Rollenverteilung zwischen Display Pilot 2 und Palette Master Ultimate wirkt dabei unnötig uneindeutig. Für den Anwender ist nicht auf den ersten Blick erkennbar, dass ICCsync bei installiertem Palette Master Ultimate nicht mehr von Display Pilot 2 gesteuert wird, obwohl die Funktion dort weiterhin sichtbar bleibt. Gerade im Fehlerfall oder bei inkonsistenter Profilzuordnung erschwert das die Nachvollziehbarkeit zusätzlich.
Für die Praxis ist ICCsync beim BenQ PD2770U damit eine sinnvolle und grundsätzlich funktionierende Komfortfunktion, aber noch keine vollkommen reibungslose Lösung. Solange Palette Master Ultimate aktiv im Hintergrund mitläuft, arbeitet das System im Alltag meist wie gewünscht. Im Grenzfall zeigt sich jedoch, dass BenQ die Verknüpfung zwischen Monitorzustand, Software und Profilverwaltung noch nicht ganz so stringent umgesetzt hat, wie man es sich bei einem professionellen Grafikmonitor dieser Klasse wünschen würde.
Self-Calibration/Auto-Kalibrierung
Eine Besonderheit des BenQ PD2770U ist die Möglichkeit zur Nachkalibrierung über die integrierte Sonde. Dabei muss man allerdings zwischen zwei unterschiedlichen Ebenen unterscheiden. Die Nachkalibrierung der Werkspresets erfolgt über die OSD-Funktion „Auto Calibration“ und kann dort manuell oder zeitgesteuert ausgelöst werden. Palette Master Ultimate übernimmt in diesem Zusammenhang offenbar vor allem eine Verwaltungs- beziehungsweise Erinnerungsfunktion, ist aber nicht die eigentliche Ausführungsinstanz dieser Preset-Kalibrierung. Darauf deutet auch die Gliederung des Geräts mit eigenem OSD-Menüpunkt „Auto Calibration“ hin, während Palette Master Ultimate an anderer Stelle primär die Durchführung benutzerdefinierter Kalibrierungen beschreibt.
Für die Werkspresets ist das grundsätzlich eine praktische Lösung. Da BenQ hier mit festen Zielvorgaben arbeitet, kann der Monitor diese Modi über die integrierte Sonde selbstständig nachkalibrieren. Der Monitorzustand wird dabei auf ein vordefiniertes Ziel hin korrigiert. Nur in diesem Fall handelt es sich tatsächlich um eine echte automatische Nachkalibrierung. Was dabei jedoch gerade nicht entsteht, ist ein neu vermessenes, monitorindividuelles Geräteprofil, das den tatsächlichen Zustand anschließend erneut präzise beschreibt.
Anders verhält es sich bei selbst erstellten Kalibrierungen. Sie werden über Palette Master Ultimate durchgeführt und sind an die Software- und Profilverwaltung des Rechners gebunden. Der in Palette Master Ultimate hinterlegte Zeitplan ist hier daher nicht als autonome Kalibrierung im engeren Sinn zu verstehen, sondern eher als Erinnerungsfunktion für eine erneut manuell anzustoßende Kalibrierung. Genau an diesem Punkt wird die Systemlogik des BenQ PD2770U unnötig unübersichtlich: Der Begriff „Auto-Kalibrierung“ klingt zunächst nach einem einheitlichen Funktionsprinzip, tatsächlich verbergen sich dahinter aber zwei funktional unterschiedliche Ebenen.
Für den Anwender ist diese Unterscheidung nicht auf Anhieb erkennbar. Bei den Werkspresets steht eine echte OSD-seitige Nachkalibrierung zur Verfügung, bei eigenen Kalibrierungen bleibt man dagegen auf Palette Master Ultimate und damit auf einen laufenden Rechner angewiesen. Der Zeitplan in Palette Master Ultimate ist deshalb funktional doppeldeutig: Einerseits verwaltet er die Nachkalibrierung der Presets, andererseits dient er bei benutzerdefinierten Kalibrierungen letztlich nur als Erinnerungsmechanismus. Gerade bei einem professionellen Grafikmonitor wäre hier eine klarere Trennung beziehungsweise Benennung wünschenswert.
Im Ergebnis ist die Self-Calibration des BenQ PD2770U damit durchaus nützlich, ihr praktischer Wert hängt aber stark vom Einsatzzweck ab. Für die Werkspresets bietet sie einen echten Komfortgewinn. Im Bereich individueller Hardware-Kalibrierungen bleibt die Lösung dagegen deutlich stärker an Rechner, Software und Profilverwaltung gebunden, als der Begriff „Auto-Kalibrierung“ zunächst vermuten lässt.
Zusammenfassende Beurteilung
Die Hardwarekalibrierung des BenQ PD2770U hinterlässt insgesamt einen guten Eindruck. Der Monitor bietet nicht nur die seltene Kombination aus integrierter Kalibrierungssonde, PMU-gestützter Hardware-Kalibrierung, Preset-Nachkalibrierung und automatischem Profilwechsel, sondern erzielt dabei auch in der Praxis gute bis sehr gute Ergebnisse. Besonders positiv ist, dass der Proband nicht bei einer bloßen Marketing-Funktion stehen bleibt, sondern tatsächlich ein ernst zu nehmendes Farbmanagement-Werkzeug darstellt.
Auf den ersten Blick rückt der BenQ PD2770U damit spürbar in Richtung der CG-Serie von EIZO. Gäbe es diese Referenz nicht, könnte man das Testmodell in vieler Hinsicht bereits selbst als neue Referenzklasse ansehen. Gerade im Vergleich zu den Lösungen anderer Hersteller wirkt BenQ beim Zusammenspiel aus Hardwarekalibrierung, integrierter Sonde, Software und Preset-Verwaltung derzeit deutlich weiter. Der Proband zeigt damit, dass BenQ in diesem Segment längst nicht mehr nur aufholt, sondern bereits eine echte Führungsrolle einnimmt.
Der Abstand zu EIZO zeigt sich allerdings dort, wo nicht mehr nur der Funktionsumfang zählt, sondern das zugrunde liegende Konzept. EIZO erzeugt grundsätzlich gerätespezifische Profile, auch für Presets beziehungsweise Standardfarbräume. Die Kalibrierung ist dort zudem grundsätzlich unabhängig vom Rechner automatisch und zeitgesteuert möglich, weil ColorNavigator die notwendigen ICC-Profile jederzeit lokal direkt aus den Kalibrierungsdaten des Monitors ableiten und neu erzeugen kann.
Beim PD2770U wirkt die Lösung funktional zwar beeindruckend, bleibt im Hintergrund aber weniger stringent. Gerade die doppelte Logik der Auto-Kalibrierung, die uneindeutige Rollenverteilung zwischen Display Pilot 2 und Palette Master Ultimate, die nicht wirklich monitorindividuelle Profilzuordnung der Werkspresets sowie die stärkere Abhängigkeit von Software- und Cloud-Strukturen zeigen, dass BenQ im Detail noch nicht dieselbe Konsequenz und Geschlossenheit erreicht.
Den positiven Gesamteindruck schmälert das jedoch nur teilweise. BenQ hat mit dem PD2770U ein bemerkenswert ambitioniertes Kalibrierungskonzept auf die Beine gestellt, das in dieser Preisklasse derzeit nur wenige echte Alternativen kennt. Noch fehlt es in einigen Punkten an letzter Konsequenz, vor allem bei Speicherlogik, Profilpräzision und Systemtrennung. Die Richtung stimmt allerdings, und genau das macht den PD2770U in diesem Bereich zu einem außergewöhnlich spannenden Monitor.
Messmethodik
Für die nachfolgenden Messungen wurde das Gerät aus Palette Master Ultimate heraus kalibriert (Color-Gamut „Native”, Luminanz 140 cd/m², Gamma 2,2, Farbtemperatur 6500 K, DUE „Uniformity“) und profiliert.
Beides stellt keine allgemeingültige Empfehlung dar. Das gilt auch für die Wahl der Gradation, zumal die aktuelle Charakteristik im Rahmen des Farbmanagements ohnehin berücksichtigt wird. Dabei haben wir sowohl für die Kalibrierung als auch für die Gegenmessung das i1Display Pro von X-Rite verwendet, um Abweichungen durch die Sonde selbst auszuschließen.
Profilvalidierung
Die Profilvalidierung zeigt, wie gut der tatsächliche Zustand des Monitors nach der Kalibrierung durch das erstellte ICC-Profil beschrieben wird und wie präzise das Gesamtsystem daraus reproduzierbare Farben ableiten kann. Bei einer Softwarekalibrierung gehören dazu nicht nur der Gerätezustand des Monitors selbst, sondern auch die Korrektur über die Grafikkarten-LUT, insbesondere bei Graubalance, Weißpunkt und Gradation. Die Profilvalidierung prüft damit das Zusammenspiel aus Monitorzustand, LUT-Korrektur und Profilbeschreibung.

Die Profilvalidierung fällt beim BenQ PD2770U insgesamt gut aus. Helligkeit und Farbtemperatur liegen praktisch punktgenau im Soll, auch der Kontrast passt für diese Arbeitshelligkeit gut ins Bild (139,23 cd/m², 6538 K, 663:1). Die Graubalance zeigt sich sehr sauber, und auch der Gamma-Verlauf wirkt insgesamt stimmig (Delta-C-Average: 0,22; Delta-C-Range: 0,81; Gamma-Average: 2,21). Die Farbabweichungen des vollständigen Testcharts erreichen ein gutes Niveau (Delta-E-2000-Average: 0,90; Maximum: 2,33).
Damit zeigt die Profilvalidierung, dass das erzeugte ICC-Profil den tatsächlichen Zustand des Monitors nach der Kalibrierung insgesamt gut beschreibt. Für Farbmanagement-fähige Anwendungen bildet die native Hardware-Kalibrierung des BenQ PD2770U damit eine belastbare Grundlage auf gutem Niveau.
Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF-Datei heruntergeladen werden.
Vergleich mit sRGB (farbtransformiert)

Unser CMM berücksichtigt Arbeitsfarbraum- und Bildschirmprofil und führt auf dieser Basis die notwendigen Farbraumtransformationen mit farbmetrischem Rendering-Intent durch.
Der Vergleich mit dem sRGB-Arbeitsfarbraum fällt beim BenQ PD2770U insgesamt gut aus. Die Graubalance liegt auf gutem Niveau (Delta-C-Average: 0,34; Delta-C-Range: 1,30), und die Farbabweichungen erreichen sogar ein sehr gutes Ergebnis (Delta-E-2000-Average: 0,72; Maximum: 1,85). Auffälligere Abweichungen finden sich vor allem bei Rot- und Blautönen.
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Vergleich mit Adobe RGB (farbtransformiert)

Aufgrund der linearen Gamma-Vorgabe fällt die Graubalance hier nochmals etwas besser aus (Delta-C-Average: 0,27; Delta-C-Range: 0,77). Die Abweichungen bei den Buntfarben erreichen trotz der hohen Farbraumabdeckung von 98 % dagegen nur ein gutes, aber kein sehr gutes Niveau (Delta-E-2000-Average: 0,86; Maximum: 2,41).
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Vergleich mit DCI-P3 (farbtransformiert)

Praktisch das gleiche Bild finden wir beim Vergleich mit dem DCI-P3-Farbraum. Die Graubalance hat sich sogar nochmals leicht verbessert (Delta-C-Average: 0,21; Delta-C-Range: 0,68). Die Abweichungen bei den Buntfarben erreichen auch hier trotz der hohen Farbraumabdeckung von 99 % nur ein gutes, aber kein sehr gutes Niveau (Delta-E-2000-Average: 0,89; Maximum: 2,12).
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Vergleich mit ECI-RGB v2.0 (farbtransformiert)

Der Vergleich mit ECI-RGB v2.0 läuft beim BenQ PD2770U quasi außer Konkurrenz und gehört nicht zum Pflichtprogramm. Der BenQ PD2770U bietet jedoch ein echtes Wide-Gamut-Panel und kann selbst den extrem großen ECI-RGB-v2-Farbraum noch zu 90 % abdecken.
Während beim Vergleich mit sRGB, Adobe RGB und DCI-P3 praktisch keine Out-of-Gamut-Farben auftreten – ein direkter Vorteil des sehr großen nativen Farbumfangs –, lassen sich einzelne stark gesättigte Töne von ECI-RGB nicht mehr vollständig darstellen und müssen an der Farbraumgrenze angenähert werden. Das erhöht in diesen Bereichen zwar das Risiko von Tonwertabrissen, die Farbpräzision bleibt insgesamt aber dennoch auf gutem Niveau (Delta-E-2000-Average: 1,49; Maximum: 6,15). Die Graubalance fällt dabei sogar sehr gut aus (Delta-C-Average: 0,24; Delta-C-Range: 0,77).
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