Test ViewSonic VP2788-5K: 5K-Display mit Thunderbolt 4
7/9

Colorbration+

Im nächsten Schritt beginnt der eigentliche Kalibrierungsvorgang, durch den der Nutzer strukturiert geführt wird.

Colorbration+: Device-Selection (Bild aus der ViewSonic-Software)
Colorbration+: Device-Selection (Bild aus der ViewSonic-Software)
Colorbration+: Kalibrierungsparameter (Bild aus der ViewSonic-Software)
Colorbration+: Kalibrierungsparameter (Bild aus der ViewSonic-Software)

Für die Kalibrierung haben wir – wie in unseren Tests üblich – folgende Zielparameter gewählt:

  • Color-Gamut: Native
  • Luminanz: 140 cd/m²
  • Gamma: 2,2
  • Farbtemperatur: 6500 K

Ohne aktivierte Uniformity-Correction ist der Vorgang vergleichsweise schnell abgeschlossen. Die reine Mess- und Anpassungsphase dauert etwas mehr als zwei Minuten.

Colorbration+: Durchführung (Bild aus der ViewSonic-Software)
Colorbration+: Durchführung (Bild aus der ViewSonic-Software)

Nach Abschluss der Kalibrierung zeigt Colorbration+ eine Zusammenfassung der Ergebnisse an. Neben Luminanz, Gamma und Farbtemperatur wird eine Farbraumabdeckung von 99,5147 % ausgewiesen.

Die angezeigten Werte für Luminanz, Gamma und Weißpunkt stimmen sehr gut mit unseren externen Kontrollmessungen überein.

Unklar bleibt hingegen die genaue Referenz für die ausgewiesene Farbraumabdeckung von 99,5 %. Da auf den nativen Farbraum kalibriert wurde, existiert kein definierter externer Zielfarbraum, gegen den klassisch eine Abdeckung berechnet werden könnte. Naheliegend ist, dass die Software intern einen herstellerspezifischen Referenzwert („Panel Default“) verwendet. Eine nähere Dokumentation hierzu ist weder im Monitor- noch im Software-Handbuch zu finden.

Colorbration+: Ergebnis Zusammenfassung (Bild aus der ViewSonic-Software)
Colorbration+: Ergebnis Zusammenfassung (Bild aus der ViewSonic-Software)
Colorbration+: Ergebnis Gamma (Bild aus der ViewSonic-Software)
Colorbration+: Ergebnis Gamma (Bild aus der ViewSonic-Software)

In einem separaten Messdurchlauf haben wir zusätzlich die Option zur Gleichförmigkeitskorrektur aktiviert und für ein bestmögliches Ergebnis die 7-×-3-Felder-Messung verwendet. Das Resultat der internen Überprüfung in Colorbration+ ist in der Abbildung unten rechts zu sehen. Wie daraus ersichtlich wird, zielt die Funktion zur Gleichförmigkeitskorrektur – anders als im Handbuch angegeben – von Haus aus ausschließlich auf die Helligkeitsverteilung ab und lässt die Farbreinheit unberücksichtigt. Das bestätigen auch unsere eigenen Messungen.

Colorbration+: Ergebnis Delta E (Bild aus der ViewSonic-Software)
Colorbration+: Ergebnis Delta E (Bild aus der ViewSonic-Software)
Colorbration+: Ergebnis Uniformity (Bild aus der ViewSonic-Software)
Colorbration+: Ergebnis Uniformity (Bild aus der ViewSonic-Software)

Hinsichtlich der Farbgenauigkeit lässt sich pauschal sagen, dass die Messergebnisse praktisch identisch ausfallen, unabhängig davon, ob die Uniformity-Correction-Option aktiviert ist oder nicht. Wie wir bereits im Kapitel „Bildhomogenität“ gezeigt haben, lässt sich die Helligkeitsverteilung damit zwar deutlich verbessern, allerdings leider auf Kosten des Kontrastverhältnisses, das in diesem Modus nur noch bei etwa 400:1 liegt.

Für die folgenden Messungen haben wir daher die Werte ohne aktivierte Gleichförmigkeitskorrektur verwendet – weder über den OSD-Schalter noch über die Uniformity-Correction in Colorbration+.

Colorbration+: Verification (Bild aus der ViewSonic-Software)
Colorbration+: Verification (Bild aus der ViewSonic-Software)
Colorbration+: History (Bild aus der ViewSonic-Software)
Colorbration+: History (Bild aus der ViewSonic-Software)

Die letzten drei Screenshots zeigen noch die Möglichkeit, aus Colorbration+ heraus Validierungsmessungen zu starten und die Kalibrierungshistorie einzusehen. Ferner kann man manuell nach Updates der Software suchen lassen.

Colorbration+: Application-Information (Bild aus der ViewSonic-Software)
Colorbration+: Application-Information (Bild aus der ViewSonic-Software)

Profilvalidierung

Diagramm: Profilvalidierung
Profilvalidierung

Der ViewSonic VP2788-5K zeigt keine auffälligen Drifts oder unschöne Nichtlinearitäten. Das Matrix-Profil beschreibt seinen Zustand sehr exakt. Eine Wiederholung der Profilvalidierung nach 24 Stunden ergab keine signifikant erhöhten Abweichungen. Alle Kalibrierungsziele wurden erreicht. Die Graubalance ist sehr gut, die Farbwerte zumindest im Durchschnitt ebenfalls.

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Vergleich mit sRGB (farbtransformiert)

Diagramm: Vergleich mit sRGB (farbtransformiert)
Vergleich mit sRGB (farbtransformiert)

Unser CMM berücksichtigt Arbeitsfarbraum- und Bildschirmprofil und führt auf dieser Basis die notwendigen Farbraumtransformationen mit farbmetrischem Rendering-Intent durch.

Bei den Farbwerten liefert der ViewSonic VP2788-5K ein durchgehend stimmiges Ergebnis: Die durchschnittliche Abweichung liegt mit einem Delta E 2000 von 0,56 im exzellenten Bereich, und selbst der Maximalwert von 1,69 bleibt unterhalb der üblicherweise als kritisch angesehenen Wahrnehmungsschwelle im praktischen Einsatz.

In der Grafik fällt der höhere Ausschlag bei Rot lediglich deshalb stärker auf, weil die übrigen Messpunkte auf einem sehr niedrigen Abweichungsniveau liegen.
Die Graubalance erreicht nach der Hardware-Kalibrierung weiterhin ein gutes Niveau (Delta-C-Average: 0,65; Delta-C-Range: 1,26), bleibt jedoch etwas hinter den zuvor gemessenen Referenzwerten zurück.

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Vergleich mit DCI-P3 (farbtransformiert)

Diagramm: Vergleich mit DCI-P3 (farbtransformiert)
Vergleich mit DCI-P3 (farbtransformiert)

Praktisch das gleiche Bild finden wir beim Vergleich mit dem DCI-P3-Farbraum. Die Graubalance liegt mit fast identischen Messwerten auch hier auf einem guten Niveau.

Bei der Farbraumabdeckung zeigt der ViewSonic VP2788-5K mit 99 % sein wahres Potenzial, und die Abweichungen bei den Buntfarben liegen ebenfalls auf einem sehr guten Niveau (Delta-E-2000-Average: 0,54; Maximum: 1,81).

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Farbraum-Emulationen

Farbraum-Emulationen dienen dazu, den Farbraum des Monitors auf einen gewünschten Zielfarbraum zu begrenzen. Das ist immer dann notwendig, wenn eine genaue Farbwiedergabe gefordert ist, aber die verwendeten Anwendungen bzw. Signalquellen kein Farbmanagement unterstützen. Das wären zum Beispiel Office-Anwendungen, die meisten Internetbrowser oder externe Signalquellen wie BD-Player.

Mit den Werkspresets für sRGB und Adobe RGB bringt der ViewSonic VP2788-5K praktisch bereits zwei Farbraum-Emulationen ab Werk mit. Wir haben im Folgenden getestet, ob sie sich mithilfe von Colorbration+ noch mal verbessern lassen.

Vergleich der sRGB-Emulation mit sRGB

Diagramm: Vergleich der sRGB-Emulation mit sRGB
Vergleich der sRGB-Emulation mit sRGB

Mittels Hardware-Kalibrierung lassen sich die Werkspresets beim ViewSonic VP2788-5K nochmals sichtbar optimieren. Der Gamma-Verlauf entspricht sehr präzise der Zielkurve; mit einem Durchschnittswert von 2,19 wird die Sollvorgabe nahezu exakt erreicht. Auch die Farbtemperatur liegt mit 6500 K auf Normniveau.

Die Graubalance verbessert sich deutlich und erreicht ein sehr gutes Niveau (Delta-C-Average: 0,22; Delta-C-Range: 0,96).

Die Abdeckung des Zielfarbraums steigt leicht von 97 auf 98 %. Gleichzeitig reduzieren sich die Farbabweichungen nochmals: Der durchschnittliche Delta-E-2000-Wert sinkt auf 0,37, der Maximalwert liegt bei 1,83.

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Vergleich der DCI-P3-Emulation mit DCI-P3

Diagramm: Vergleich der DCI-P3-Emulation mit DCI-P3
Vergleich der DCI-P3-Emulation mit DCI-P3

Ähnlich positiv zeigt sich die DCI-P3-Emulation nach der Hardwarekalibrierung. Der Gamma-Verlauf entspricht sehr präzise der Zielkurve; mit einem Durchschnittswert von 2,58 wird die Vorgabe von 2,6 nahezu erreicht. Auch die Farbtemperatur liegt mit gemessenen 6433 K sehr nahe am Sollwert.

Die Graubalance kann das bereits gute Niveau des Werkspresets halten (Delta-C-Average: 0,37; Delta-C-Range: 0,59).

Besonders deutlich ist die Verbesserung bei der Abdeckung des Zielfarbraums: Sie steigt von 91 auf 98 %. Gleichzeitig reduzieren sich die Farbabweichungen weiter (Delta-E-2000-Average: 0,37; Maximum: 1,83).

Auch die Abweichungen bei den Buntfarben fallen nochmals geringer aus und erreichen ein sehr gutes Niveau (Delta-E-2000-Average: 0,48; Maximum: 1,40).

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Reproduzierbarkeit und Signalpfad-Transparenz

Der ViewSonic VP2788-5K zeigt im Messlabor eindrucksvoll, welches Potenzial in seinem Panel steckt. Farbraum, Kontrast und Kalibrierbarkeit bewegen sich – insbesondere nach einer Hardwarekalibrierung – auf einem hohen Niveau.

Im praktischen Workflow offenbaren sich jedoch mehrere Inkonsistenzen, die weniger die Panel-Qualität als vielmehr Systemlogik, Firmware-Implementierung und Dokumentation betreffen.

Auffälligkeiten im Helligkeitsverhalten

Bereits bei der Erstinbetriebnahme fällt auf, dass die Auswahl der Region („Europa“) Einfluss auf Helligkeit und Farbtemperatur nimmt – ohne dass dieser Zusammenhang dokumentiert wird.

Auch das Reset-Verhalten zeigt Inkonsistenzen: Ein vollständiger Werksreset setzt den User-Modus auf 70 % Helligkeit, während ein Reset nur diesen Modus auf 50 % setzt. Zusätzlich reagiert der Helligkeitsregler in einzelnen Modi sprunghaft. Eine Veränderung um lediglich eine Reglerstufe kann eine massiv abweichende reale Luminanz zur Folge haben; der im OSD angezeigte Wert entspricht dabei nicht dem tatsächlich ausgegebenen Helligkeitsniveau.

Firmware-Stand und Teilkorrekturen

Das zum Testzeitpunkt verfügbare Firmware-Update (V032) behebt einen gravierenden Fehler der ursprünglichen Version, bei der die Minimalhelligkeit im User-Modus nicht unter 147 cd/m² abgesenkt werden konnte.

Gleichzeitig bleiben jedoch Einschränkungen bestehen. Mit aktivierter Gleichförmigkeitskorrektur liegt die Maximalhelligkeit weiterhin bei lediglich rund 105 cd/m². Zudem wurde die beschriebene Unlogik im unteren Reglerbereich eingeführt (0 % ist heller als 1 %).

Andere Presets zeigen, dass diese Limitierung technisch nicht zwingend ist. Die folgende Tabelle zeigt die maximal erreichbare Helligkeit in verschiedenen Modi – jeweils mit aktivierter und ohne aktivierte Gleichförmigkeitskorrektur:

Modus GL ein GL aus
User 104 cd/m² 601 cd/m²
sRGB 254 cd/m² 563 cd/m²
DCI-P3 375 cd/m² 539 cd/m²

Die starke Begrenzung betrifft primär den User-Modus – also genau jenen Modus, der die größten Freiheitsgrade für eigene Anpassungen bietet und typischerweise auch für eine Softwarekalibrierung genutzt wird.

Manuel Findeis

... beschäftigt sich beruflich wie privat seit über 20 Jahren intensiv mit den Themen und Entwicklungen in der IT-Branche. Als freiberuflicher Autor, Testredakteur und Fotograf, kennt er die Anforderungen an ein gutes Display. Für PRAD ist er seit 2013 tätig.

Interessante Themen

Schreibe einen Kommentar

* Sie müssen das Kästchen aktivieren, ansonsten können Sie keinen Kommentar erstellen. Sollten Sie dennoch versuchen Ihren Kommentar zu posten, ohne akzeptiert zu haben, wird eine neue Seite geöffnet und Sie erhalten einen Hinweis. Alle eingetragenen Daten, inklusive des Kommentars, gehen dabei verloren!

Nichts verpassen mit unserem Newsletter
Noch mehr Informationen über Display-Technologien in deine Mailbox!
  • Die Top-Artikel der Woche als kompakte Zusammenfassung (wöchentlich)
  • Sonderaktionen wie Lesertests, Spezial-Angebote oder PRAD-Gewinnspiele
(unregelmäßig)
Nichts verpassen mit unserem Newsletter
Noch mehr Informationen über Display-Technologien in deine Mailbox!
Sonderaktionen wie Lesertest, Spezial-Angebote oder PRAD-Gewinnspiele (unregelmäßig)
Die Top-Artikel der Woche als kompakte Zusammenfassung (wöchentlich)