Zweimal Kinect für fingergenaue Gestenerkennung

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Das kalifornische Start-up 3Gear Systems will fingergenaue, berührungslose Gestensteuerung für Computer wirklich praktikabel machen. Dazu setzt das System des Unternehmens einfach auf zwei Kinect-Sensoren sowie hauseigene Algorithmen, um aus den Daten die Position der Hände exakt zu rekonstruieren. Dazu sind weder zusätzliche Hilfsmittel erforderlich, noch müssen User die Hände unangenehm hoch halten. Punkten will das Unternehmen, das jetzt die Beta-Version eines Software Development Kits für seine Lösung veröffentlicht hat, damit insbesondere in den Bereichen 3D-CAD, Medizin und Gaming.

Fingerzeig über Tastatur: Das neue System erkennt ihn (Foto: threegear.com)

„Das sieht nach einem vernünftigen Zugang aus“, meint Anton Nijholt, Leiter des Fachbereichs Human Media Interaction an der University of Twente. Speziell der Zwei-Kinect-Ansatz sei interessant. „Es ist nicht ungewöhnlich, mehrere Kinect-Sensoren für Gesten- oder Bewegungserkennung zu nutzen. Aber das hier ermöglicht eine Erkennung feiner Fingerbewegungen“, erklärt der Experte. Fraglich sei, ob der Ansatz gerade in den von 3Gear genannten Anwendungen wirklich glänzen kann.

Einer der Mitgründer von 3Gear ist Robert Wang, der noch vor zwei Jahren am Massachusetts Institute of Technology an einem Gestensteuerungs-System mit buntem Elastan-Handschuh gearbeitet hat. Doch User wollen keine Spezialhandschuhe, sondern ein möglichst einfaches System ohne Hilfsmittel oder Spezial-Hardware. Daher setzt 3Gear auf einen einfachen Alu-Rahmen, der um den Bildschirm positioniert wird und die zwei Kinect-Kameras hält. So kann das System Hände und Finger auch dann genau erfassen, wenn sie nicht extra und unbequem hoch gehalten werden, sondern dicht über der Tastatur schweben.

Der Einsatz zweier Kameras beugt etwaigen Problemen mit durch die Hand verdeckten Fingern vor. Die 3Gears-Software wiederum schafft Abhilfe dafür, dass die reguläre Kinect-Software eigentlich nur vergleichsweise grobe Bewegungen erfasst – erst durch die neuen Algorithmen können Finger wirklich präzise erfasst werden. Allerdings betont das Start-up, dass im Moment zwar vorgegebene Gesten genau erkannt werden, frei Handbewegungen allerdings noch nicht. „Die Schwerpunktsetzung auf Finger ist interessant. Der Zugang wirkt sinnvoll, aber noch etwas experimentell“, urteilt Nijholt.

3Gear will damit punkten, dass seine Lösung eine präzise Manipulation virtueller 3D-Objekte ermöglicht. So sollen User beim 3D-CAD Bauteile praktisch von Hand drehen und verschieben oder Waffen in Computerspielen wirklich greifen können. Ebenfalls im Visier hat man den medizinischen Bereich. Hier soll das System eine berührungslose Bedienung von Computern ermöglichen, was für hygienisch kritische Anwendungen interessant ist.

„Ich kann da keine wirkliche Killer-Anwendung erkennen“, gibt sich Nijholt aber skeptisch. In manchen der genannten Bereiche seien Nutzer vermutlich eher an wirklich greifbaren Steuersystemen interessiert. „Ich kann mir auch keine Wii-artige Anwendung vorstellen“, so der Experte. Ein Spiel eines großen Publishers, das speziell auf die Fingersteuerung zugeschnitten ist, hätte aber Potenzial. „Vielleicht wäre es auch nützlich für ein System, das Personen überwacht, die präzise Fingerbewegungen ausführen, und diese erkennt, um bei Unregelmäßigkeiten zu warnen oder korrigierend einzugreifen“, meint der Steuertechnologie-Spezialist. (pte)

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