Lesertest i1Display Pro: Farbprofile mit Tücken für Anfänger

Michael Hafeneder geht im Lesertest zum i1Display Pro unter anderem auf die ICC-Farbprofile ein und hat als Anfänger dabei mit einigen Tücken zu kämpfen

0
419

Vorwort

Mir war es vergönnt, das X-Rite i1Display Pro die letzten beiden Wochen ausgiebig zu testen, und ich teile euch in diesem Test meine Erfahrungen und Eindrücke zu diesem Kolorimeter mit.

Bevor ich anfange, geht ein herzlicher Dank an X-Rite und PRAD, die mir diesen Lesertest ermöglicht haben! Gezielt möchte ich mich für den erstklassigen Support der jeweiligen Mitarbeiter bedanken.

Einleitung

Im Blindflug Korrekturen an den eigenen Fotos oder Videos vorzunehmen, ist spätestens beim Druck oder bei der Präsentation an einem anderen Ausgabegerät ärgerlich. Wer sich wundert, warum die gedruckten Fotos im über Monate gestalteten Fotobuch plötzlich viel zu dunkel oder einfach anders als erwartet aussehen, dem kann geholfen werden. Beschimpft nicht den Support des Fotobuchherstellers. Zweifelt auch nicht an euren Augen, sondern an euren Bildschirmeinstellungen. Ein Kolorimeter ist das richtige Werkzeug, um frustfrei ins nächste Projekt zu starten.

Hohe Erwartungen paarten sich bei mir vor dem Test des X-Rite i1Display Pro mit der Furcht, als Laie mit dem Kolorimeter nicht zurechtzukommen. Noch nie zuvor war ich auf die Idee gekommen, meinen Bildschirm zu kalibrieren. Beim Hobby „Foto- und Filmbearbeitung“ gab es in den vergangen 20 Jahren enorme Fortschritte in Hard- und Software. Der Anspruch an die eigenen Projekte (für Familie und Freunde) ist bei mir stetig gewachsen. Nun nehme ich mit meiner Kamera Videos in flachen Bildprofilen (z. B. SLog2/SLog3) auf und verpasse dem Ganzen den richtigen Look durch Color-Grading am PC. Ohne Bildschirmkalibrierung ist das ein sehr undankbares Vorhaben.

Arbeitsplatz
Arbeitsplatz von Michael Hafeneder

Für die Bearbeitung des Bildmaterials nutze ich den Monitor Dell UltraSharp UP3216Q an einem sehr leistungsstarken Area-51-R5-PC von Alienware unter Windows 10. Erneut betone ich, dass ich kein Berufsfotograf oder Journalist bin, vielmehr sind mir das Bilderschießen und Bearbeiten ein wunderbares Hobby.

Unboxing

Das X-Rite i1Display Pro wurde in einem Paket mit 420 g Gewicht geschickt, wobei davon 270 g auf das Produkt entfallen. Die Beschreibung auf der Verpackung ist komplett in Englisch gehalten, was für mich kein Problem darstellt.

Alles sicher verpackt
Alles sicher verpackt

Lieferumfang

  • Kurzanleitung in mehreren Sprachen (EN, DE, FR, IT, ES, JP, CN)
  • CD mit i1Profiler-Software (inkl. Treiber)
  • X-Rite i1Display Pro mit USB-Anschluss

Der Inhalt der Verpackung zeigt sich übersichtlich, aber durchdacht. Obwohl ich kein großer Freund von Plastik bin, gefällt mir die Art, wie X-Rite das Kolorimeter eingebettet hat, sehr gut: in zwei übereinander gestülpte Schalen mit komplett abgerundeten Ecken – ohne Schnittgefahr für die Finger. Das Ganze wirkt auf mich absolut stoß- und witterungsresistent. Die komplette Verpackung kann so, wie sie ist, wiederverwendet werden. Es gibt keine zerrissenen Plastiktüten oder ähnliches unnötiges Beiwerk.

Lieferumgang des i1Display Pro
Lieferumgang

Die Oberfläche des X-Rite i1Display Pro ist komplett aus Kunststoff gefertigt und liegt leicht in der Hand. Trotzdem wirkt es dabei nicht billig. Durch Druck auf den Verschlussmechanismus am Gegengewicht lässt sich dieses spielend leicht entlang des vom Kolorimeter kommenden USB-Kabels bewegen.

Die Kurzanleitung zeigt mit wenigen Worten und leicht verständlichen Zeichnungen, wie die Inbetriebnahme funktioniert. Nach Einlegen der Software-CD startet das Setup automatisch.

Alles zurück auf Anfang

Vor der Messung setzte ich zunächst am rechten Bildschirmrand des Dell UltraSharp UP3216Q über „Zurücksetzen“ alle Parameter auf Werkseinstellungen zurück und wählte anschließend unter „Voreingestellte Modi“ den Modus „Benutzerfarbe“ aus, weil hier auch manuelle Farbkorrekturen am Monitor möglich sind.

Zurücksetzen des Monitors auf Standardwerte
Zurücksetzen des Monitors auf Standardwerte
Auswahl Modus Benutzerfarbe im OSD des Monitors
Auswahl Modus Benutzerfarbe im OSD des Monitors

Nach Installation der i1Profiler-Software von der mitgelieferten CD erfolgte gleich ein Update von Version 1.7.1 auf 1.8.3.

i1Profiler-Software-Update auf Version 1.8.3
i1Profiler-Software-Update auf Version 1.8.3

Die Messung

Im Programm wurde ich auf der rechten Bildschirmseite vor die Wahl von zwei unterschiedlichen Benutzermodi gestellt: „Basis“ und „Erweitert“. Im folgenden Bild habe ich die unterschiedlichen Auswahlen dargestellt, die der jeweilige Modus mit sich bringt. Die Profilierung des Bildschirms funktioniert in beiden Modi, allerdings bringt der erweiterte Modus zusätzliche Qualitätssicherungs-Optionen und Tools wie „ColorChecker Proof“.

Vergleich beider Benutzermodi
Vergleich beider Benutzermodi

Über „Monitor profilieren“ gelangte ich in das Fenster „Standardmessung“. Der Dell UltraSharp UP3216Q wurde tadellos erkannt. Unter „Weißpunkt“ beließ ich die Einstellung auf „CIE Lichtart D65“ (und somit 6500 Kelvin) und die gewünschte Leuchtdichte bei 120 cd/m². Unter „Gamma“ wählte ich bei der Tonwertkurve „sRGB“. Das Kontrastverhältnis habe ich auf „nativ“ belassen. „Reflexionen messen und korrigieren“ habe ich nicht angewählt, weil der Bildschirm nicht dem Fenster zugewandt war. Das Profil dem Umgebungslicht entsprechend korrigieren zu lassen, lehnte ich ebenfalls ab.

Einstellung für Standardmessung
Einstellung für Standardmessung

Nach diesen Einstellungen ging es durch Drücken von „Weiter“ zu den Standardoptionen fürs Profil: Chromatische Adaption war auf „Bradford“, ICC-Profilversion war auf Version 4 eingestellt, Profiltyp auf „Matrix“. Zunächst stellte ich nur unter ICC-Profil auf Version 2 um, weil ich gelesen hatte, dass unter Version 4 von seltenen Problemen mit der App-Kompatibilität berichtet wurde. Hier möchte ich rückblickend hinzufügen, dass ich weder bei Version 2 noch bei Version 4 mit Problemen während oder nach der Messung zu kämpfen hatte.

ICC-Profilversion 2
ICC-Profilversion 2

Ein Fenster weiter musste ich die Größe des Messfeldsatzes zwischen „klein“, „mittel“ und „groß“ auswählen. Hierdurch wurde die Zahl der Messfelder festgelegt, genauer gesagt 118 (klein), 211 (mittel) oder 462 (groß). Für mich verstand es sich von selbst, mit maximaler Felderzahl, also 462 Stück, zu messen. Das Kolorimeter steckte ich in den USB-Port.

i1Display Pro Positionierung von der Seite
Positionierung von der Seite

Nun gelangte ich an den letzten wichtigen Scheideweg im Messprozess, und zwar zur Frage, ob die Software alle Einstellungen automatisch vornehmen soll (Automatische Monitorkontrolle = AMC) oder ob ich manuell RGB-, Helligkeits- und Kontrasteinstellungen vornehmen will. Zu Beginn entschied ich mich für eine komplett automatische Messung und war erstaunt, dass das Ganze in gerade einmal 2:57 Minuten über die Bühne ging. Das Bild sah danach definitiv etwas dunkler aus als vorher, und ich wollte die manuelle Variante ausprobieren. Da sich beide Wege bzgl. des Positionierens des Kolorimeters gleichen, beschreibe ich diesen Vorgang erst jetzt. Zunächst neigte ich den Monitor leicht nach hinten, um ein bündiges Auflegen des Kolorimeters zu ermöglichen. Dann passte ich die Lage des Gegengewichtes am Kabel durch Druck auf den dafür vorgesehenen Schließmechanismus an der Kabeldurchführung an

Gute Hilfestellung während des Kalibrierungsprozesses
Gute Hilfestellung während des Kalibrierungsprozesses

Der ganze Positionierungsprozess zeigte sich erstaunlich einfach gestaltet und durch Abbildungen am Monitor illustriert. Wie auf dem Bild zu sehen, war bereits der Lichtdiffusor am Kolorimeter weggeklappt (auf den Betrachter zu) und das Gerät mittig auf dem abgebildeten Monitor positioniert. Ab diesem Zeitpunkt startete ich stets die Messung und Stoppuhr auf meinem Handy. Die Software war hier, wie oben erwähnt, bei automatischer Einstellung recht schnell, und die Verzögerung bei der manuellen Messung ist in meinen Augen stark dem dahinter sitzenden Menschen geschuldet. Bei der ersten manuellen Messung benötigte ich insgesamt über zehn Minuten und kam mit der Bedienung am UltraSharp (unter Zeitdruck) nicht zurecht. Wie bereits erwähnt, werden Bildschirmeinstellungen über kleine beleuchtete Tasten am rechten Bildschirmrand verstellt.