Radeon und 144 Hz: Lösungen gegen hohen VRAM-Takt

Gegen einen hohen Strombedarf im Idle sind diverse Kräuter gewachsen – mit Risiken und Nebenwirkungen

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(Originalmeldung vom 18.01.2021, 12:40 Uhr) Wer eine Radeon-Grafikkarte des US-Unternehmens AMD sein Eigen nennt und sie an einem Monitor mit 144 Hz bzw. hohen Bildwiederholfrequenzen betreibt, wundert sich womöglich über eine ungewöhnlich hohe Leistungsaufnahme seines Rechners im Idle – also obwohl der PC aktuell gar nichts zu tun hat. Ursächlich könnte in dieser Konstellation das Zusammenspiel aus Radeon, Gaming-Display und eben hohen Bildwiederholraten sein.

MSI Radeon RX 5500 XT Gaming X 8G (Bild: MSI)
Radeons und bestimmte Gaming-Displays können zu dauerhaft erhöhten VRAM-Taktraten führen (Bild: MSI)

Erkennen kann man das am VRAM-Takt der Grafikkarte, der im Idle ständig auf einem hohen Niveau verbleibt, statt eben lastbedingt dynamisch herunterzutakten und Strom zu sparen. Die Radeon-Software bietet unter „Leistung -> Metrik“ einen Überblick über anliegende Taktraten und die geschätzte momentane Leistungsaufnahme. Im Idealfall sind GPU- und VRAM-Takt auf einem niedrigen zwei- bis dreistelligen MHz-Niveau, wenn das System gerade nichts berechnet, was etwa bei einer Sapphire Radeon RX 6800 XT Nitro+ SE OC für einen Strombedarf von 15 bis 20 Watt sorgt. Ist der VRAM-Takt jedoch am Anschlag, erhöht sich der Wert mal eben um 20 bis 25 Watt – und lässt zugleich die Kartentemperaturen um 10 bis 15 °C ansteigen.

Ohne Not wird hier also Abwärme produziert und die Stromrechnung in die Höhe getrieben. Strittig ist, ob es sich dabei um einen Fehler in der Bildschirm-Firmware oder im Radeon-Treiber handelt. Oder ob dieses Verhalten gar erwünscht ist, wie AMD an manchen Stellen schon mal behauptete. Findige Nutzer ließen sich damit jedoch nicht abspeisen und suchten nach Workarounds. Von denen stellen wir nachfolgend drei an der Zahl vor, die wir auf unserem Testsystem erfolgreich anwenden konnten. Den einen oder anderen Nachteil muss man je nach Methode aber eventuell in Kauf nehmen. Und die Umsetzung der nachfolgenden Lösungen erfolgt ausdrücklich auf eigenes Risiko!

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Bildwiederholrate senken

Wenn das Energiemanagement mit 144 Hz (oder mehr) aus den Fugen gerät, ist das einfachste Gegenmittel womöglich schlicht eine Senkung der Bildwiederholfrequenz. Bei unserem System reicht es, 120 Hz einzustellen – woanders muss man womöglich noch weiter heruntergehen. Während das im reinen Desktop-Betrieb sicherlich kein Problem ist, möchte man in Spielen je nach Genre nicht auf 144 Hz oder mehr verzichten. Wer nicht ständig von Hand die Bildrate umstellen möchte, löst die Prozedur etwa über das portable, also ohne Installation lauffähige Freeware-Tool Display Changer. Einfach eine Textdatei mit folgendem Inhalt (korrekten Pfad nicht vergessen!) anlegen und sie zum Beispiel 144 Hz.cmd nennen, um daraus ein ausführbares Batch-Skript zu machen:

@echo off
„X:\PFAD-ZUR-DATEI\dc64.exe“ -refresh=144

Vor dem Start eines Spiels reicht ein Doppelklick auf die CMD-Datei, um auf 144 Hz umzustellen. Nach der Zocksession kann ein Batch-Skript namens 120 Hz.cmd mit folgendem Inhalt eben wieder ohne Umwege 120 Hz erzielen:

@echo off
„X:\PFAD-ZUR-DATEI\dc64.exe“ -refresh=120

Der Refresh-Wert ist natürlich beliebig an die Bildrate nach Wahl anpassbar. Und sicherlich ließe sich das Ganze auch noch weiter automatisieren.

Timing-Standard ändern

In der Radeon-Software über das Zahnradsymbol ins Menü „Anzeige“ navigieren und bei „Benutzerdefinierte Auflösung“ auf „Neu erstellen“ klicken. Nun wählt man aus der Auswahlliste für den „Timing-Standard“ die Option „CVT-verringerte Austastung“ aus und bestätigt das Ganze mit einem Mausklick auf „Erstellen“. Danach sollte sich der VRAM-Takt wie gewünscht dynamisch senken. Leider gilt das auch für die Farbtiefe, die mit dem Workaround auf 6 Bit begrenzt wird.

Blanking-Lines via CRU-Tool anheben

Ein ebenfalls portables Freeware-Tool namens CRU ist in der Lage, die EDID des Monitors auszulesen und deren Werte anzupassen. Für den Workaround CRU.exe starten, unter „Detailed resolutions“ auf den oberen Wert doppelklicken und den im Lines-Feld fürs „Blanking“ vermerkten Wert um 10 erhöhen. Die Änderung mit „OK“ bestätigen und mit „OK“ die Anwendung schließen. Dann die restart.exe bzw. restart64.exe (bei x64-Betriebssystemen) ausführen und in der Radeon-Software VRAM-Takt bzw. Stromverbrauch checken.

Sollte das nichts gebracht haben, wird die CRU-Prozedur wiederholt und der Lines-Wert um weitere 10 Punkte erhöht. Im Fall unseres LG 27GL850 führte ein Lines-Wert von 100 schließlich zum Erfolg. Zu den Nebenwirkungen dieser Lösung können Display-Aufwachprobleme aus dem Standby gehören, die wir bei uns jedoch bisher nicht beobachtet haben. Falls es bei Ihnen dazu kommt, können Sie sich mit der Tastenkombination „Windows-Taste + STRG + Shift + B“ behelfen.

CRU (by ToastyX)
Workaround via CRU-Tool bei unserem LG 27GL850

Hersteller sind gefragt

Dass sich Käufer von oft sportlich bepreister Gaming-Hardware überhaupt schon eine Weile mit solchen Workarounds behelfen müssen, ist selbstverständlich ein Unding. Hier sollte AMD oder der jeweilige Display-Hersteller per Treiber- bzw. Firmware-Update eine dauerhafte Lösung schaffen. Doch solange das Problem kleingeredet oder negiert wird, dürfte so bald wohl nicht damit zu rechnen zu sein.

Nachtrag (23.06.2021, 13:15 Uhr): Mit dem neuen Radeon-Treiber V21.6.1 ist das VRAM-Taktproblem unter 144 Hz offenbar behoben worden, wie zahlreiche Nutzer im Netz berichten. Auch auf unserem Rechner mit Radeon RX 6800 XT können wir bestätigen, dass der VRAM mit genannter Bildwiederholrate im Idle nun heruntertaktet, wenn auch nicht konstant auf einstellige Werte, sondern meist auf rund 190 MHz. Ob das für alle Systemkonfigurationen und Radeon-Modelle gilt, ist jedoch unklar. Hier ist jeder Anwender selbst gefragt und sollte es einfach ausprobieren.

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