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Taiwan: LCD-Fabriken von Erdbeben durchgeschüttelt

Das Erdbeben, welches Anfang März mit Stärke 6,4 auf der Richterskala Südtaiwan heimsuchte, hat bereits jetzt Auswirkungen auf die dort ansässige LCD-Panel-Industrie. Weil die Zerstörungen vor allem bei den Zulieferern nicht unbeträchtlich sind, rechnen Marktinsider damit, dass das Überangebot im zweiten Quartal von sieben auf fünf Prozent abnehmen wird. Wie das Branchenportal Digitimes unter Berufung auf Quellen aus dem Markt schreibt, mussten einige LCD- und Chipfabriken aus Sicherheitsgründen geschlossen werden.

Übersicht der größten LCD-Panelproduzenten (Datenquelle: iSuppli)

„Unsere Partner vor Ort haben bislang keine größeren Schäden festgestellt, die die Produktion längerfristig außer Gefecht setzen“, zitiert Inside-Digital Michael Wöginger, Vorstand der Actron AG, einem bayrischen Vertriebshändler für Display-Lösungen. Zwar werde bereits über Auswirkungen auf die Preise spekuliert. Angesichts der geringen Schäden gehe er jedoch maximal von verlängerten Lieferzeiten aus.

Obwohl die Unternehmen weitgehend Entwarnung geben und die Auswirkungen auf die Produktion als gering hinstellen, scheint auch Chi Mei Optoelectronics (CMO) betroffen zu sein. Das Unternehmen, das eine große Fabrik im Southern Taiwan Science Park betreibt, musste diese kurzzeitig schließen. CMO, mit 13,3 Prozent am weltweiten Produktionsvolumen von LCD-Panels beteiligt, war im Januar auf Platz vier der größten Hersteller.

Die Produktionsanlagen seien aber kaum von dem Beben betroffen, so der Panelriese. Konkurrent HannStar Displays, Nummer sieben der Weltrangliste, musste die 5G-Produktion aus Evaluierungsgründen stoppen und will die Anlagen die nächsten Tage überprüfen. Nach dem letzten Beben waren bis zu fünf Tage vergangen, ehe das Unternehmen die Produktion wieder anlaufen ließ.

Sweta Dash, Seniorchef für LCD-Marktforschung bei iSuppli, warnt jedoch davor, die Folgen des Erdbebens zu unterschätzen: „Es könnte das Angebot an Großformatpanels durchaus stark beeinflussen, je nachdem, wie schnell die Fertigung in den Taiwan-Werken wieder aufgenommen wird“, so der Experte. Nach einer Abschaltung könne die Produktion normalerweise innerhalb von zwölf bis 24 Stunden wieder aufgenommen werden – sofern die Anlagen keine Schäden davongetragen haben.

Daher sei die Inspektion bei CMO und Hannstar von entscheidender Bedeutung dafür, ob die Fertigung für einen längeren Zeitraum ausgesetzt werden müsse. Für diesen Fall prognostiziert Dash Engpässe an Großpanels auf dem Weltmarkt. CMO stellt LCD-Panels aller Größen für Fernseher, Computermonitore und Notebooks her, während Hannstar in der Hauptsache Monitor- und Notebookbildschirme fertigt.

Die Produktionsunterbrechung fällt jahreszeitlich in eine Phase mit geringen Lieferzahlen, in der das Angebot die Nachfrage zu überwiegen beginnt. Weil die Verkäufe in den ersten beiden Monaten des Jahres schlechter ausfielen, als erwartet, füllen sich die Läger auf Seiten der Einzelhandelskanäle. Bereits im Vorfeld des Erdbebens stellte iSuppli eine pessimistische Prognose zu den weltweiten Lieferzahlen: Im Vergleich zum Quartal vier 2009 erwarteten die Experten im ersten Quartal 2010 einen Rückgang um 5,5 Prozent.

Auch der drittgrößte Panelproduzent, AU Optronics (AUO), und Chunghwa Picture Tubes meldeten, dass das Beben nur einen geringen Einfluss auf die Produktion gehabt habe – und das, obwohl beide Unternehmen in Südtaiwan keine Produktionsstätten betreiben. Viel schlimmer wäre es für die LCD-Industrie, wenn die Produktion von Muttergläsern und Glassubstraten durch Erdbeben, Taifune oder Stromausfälle beschädigt wird. Die Instandsetzung dauert dann in vielen Fällen mehrere Monate, denn das Säubern der Schmelzöfen und Wasserbecken ist sehr aufwendig.

Glasfaser- und Substrathersteller Corning hat nach eigenen Aussagen keine Auswirkungen durch das Beben in seinen acht Produktionsstätten in Taiwan zu beklagen. Lediglich einige Trägergläser mussten aussortiert werden; das dürfte jedoch die Produktionsmenge nur unwesentlich beeinflussen. Innerhalb von Stunden seien alle Aktivitäten wieder aufgenommen worden und würden seitdem normal laufen. Der Weltmarktführer ist 2009 Opfer eines Erdbebens und diverser Stromausfälle geworden.

Die deshalb entstandenen Produktionsausfälle hatten in der Vergangenheit die Befürchtung nach Lieferengpässen aufkommen lassen. Rivalen wie Asahi Glass oder Avanstrate meldeten jeweils beträchtliche Schäden an einem Schmelzofen. Die Lieferungen – an Kunden wie CMO und Hannstar – seien jedoch bis auf Weiteres gesichert.

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