Test Philips 27E3U7903: 5K-Multimedia-Monitor überzeugt
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Interpolation und Skalierung bei 5K

Der Bildschärferegler wirkt auch an den digitalen Eingängen. Die Standardeinstellung von 50 haben wir für den Test unverändert beibehalten.

Im normalen PC-Betrieb wird der Philips Brilliance 27E3U7903 in der Regel mit nativer 5K-Auflösung (5120 × 2880) angesteuert. In diesem Fall erfolgt die Skalierung von Inhalten – etwa bei Videos oder Anwendungen – durch die Grafikkarte, das Betriebssystem oder den jeweiligen Player, nicht durch den Monitor selbst. Das stellt entsprechend hohe Anforderungen an Zuspielung, Software und Systemkonfiguration.

Das vorliegende Kapitel befasst sich daher ausschließlich mit dem internen Scaler des Monitors. Relevant ist dieser immer dann, wenn der Philips 27E3U7903 ein nicht natives Eingangssignal erhält – etwa von externen Zuspielern, Konsolen oder Kameras oder bei bewusst reduzierter Ausgangsauflösung der Grafikkarte. In diesen Fällen muss der Monitor das Eingangssignal eigenständig auf die native Panel-Auflösung hochrechnen.

Dabei ist entscheidend, ob sich eine Quellauflösung ganzzahlig auf 5K abbilden lässt oder nicht. Auflösungen wie WQHD (2560 × 1440) oder 720p (1280 × 720) lassen sich mit einem exakten Faktor von 2 bzw. 4 auf 5120 × 2880 hochrechnen. In diesen Fällen ist prinzipiell ein sauberes Integer-Scaling möglich, bei dem keine Interpolation erforderlich ist und die Bildschärfe weitgehend erhalten bleibt.

Anders verhält es sich bei gängigen Formaten wie Full HD (1920 × 1080) und 4K (3840 × 2160). Diese Auflösungen sind keine ganzzahligen Teiler der 5K-Auflösung und müssen daher zwangsläufig interpoliert werden. Je nach Qualität des Skalierungsalgorithmus kann das zu weicheren Kanten, leichten Unschärfen oder feinen Artefakten führen – Effekten, die insbesondere bei Text und feinen Strukturen sichtbar werden.

Die folgenden Abbildungen zeigen exemplarisch, wie der Philips Brilliance 27E3U7903 mit verschiedenen Eingangsauflösungen umgeht und welche qualitativen Unterschiede sich dabei in der Praxis ergeben. Ziel ist es, die Leistungsfähigkeit des internen Scalers zu bewerten, und nicht, die Sinnfrage von 5K als Arbeitsauflösung vorwegzunehmen. Dieser Aspekt wird im anschließenden Kapitel separat behandelt.

Testgrafik nativ, Vollbild
Testgrafik nativ, Vollbild
Testgrafik 3840 x 2160, Vollbild
Testgrafik 3840 x 2160, Vollbild
Textwiedergabe nativ, Vollbild
Textwiedergabe nativ, Vollbild
Textwiedergabe 3840 x 2160, Vollbild
Textwiedergabe 3840 × 2160, Vollbild
Testgrafik 1920 x 1080, Vollbild
Testgrafik 1920 × 1080, Vollbild
Testgrafik 1280 x 720, Vollbild
Testgrafik 1280 × 720, Vollbild
Textwiedergabe 1920 x 1080, Vollbild
Textwiedergabe 1920 × 1080, Vollbild
Textwiedergabe 1280 x 720, Vollbild
Textwiedergabe 1280 × 720, Vollbild

Die Schärfe bei nativer Auflösung ist erwartungsgemäß sehr gut. Bei Auflösungen wie WQHD (2560 × 1440) oder 720p (1280 × 720) hat es ein 5K-Display mit ganzzahligen Skalierungsfaktoren zu tun, sodass das Ergebnis wenig überraschend ebenfalls sehr überzeugend ausfällt. Bei 720p ist gut zu erkennen, dass die notwendige Vergrößerung der Pixel hauptsächlich durch das Einfügen zusätzlicher grauer Zwischenpixel realisiert wird. Dadurch wirken Konturen etwas kräftiger und minimal weicher, ohne dass es zu Farbsäumen kommt.

Auch die Skalierung von Full HD (1920 × 1080) wirkt insgesamt noch recht originalgetreu. Ausgerechnet bei 4K (3840 × 2160) zeigen sich hingegen deutlich sichtbare Probleme. Der interne Scaler des Monitors arbeitet hier jedoch auf einem vergleichbaren Niveau wie die Grafikkarte – bei Skalierung auf GPU-Seite fällt das Ergebnis nicht besser aus. Auf diese grundsätzliche Problematik gehen wir im folgenden Kapitel ausführlicher ein.

Zur Skalierung abweichender Bildformate stellt das OSD lediglich die Optionen „Breitbild“ und „4:3“ zur Verfügung, was den Handlungsspielraum von vornherein deutlich einschränkt. Eine pixelgenaue 1:1-Darstellung ist zudem nur bei nativer Auflösung möglich.

In allen interpolierten Auflösungen bleiben die Lesbarkeit von Texten und die Darstellung der Testgrafik – dem jeweiligen Skalierungsgrad entsprechend – gut bis sehr gut. Die unvermeidlichen Interpolationsartefakte fallen insgesamt gering aus, und auch Texte mit kräftigen bzw. fetten Schriftstärken bleiben gut lesbar.

5K: Wozu ist das gut? Und für wen lohnt es sich?

Mit 5120 × 2880 Pixeln bietet ein 5K-Display rund 14,7 Millionen Bildpunkte und damit nochmals deutlich mehr als ein 4K-Monitor. In der Theorie verspricht das eine extrem feine Darstellung und sehr hohe Detailauflösung. In der Praxis bringt diese Auflösung jedoch nicht nur Vorteile, sondern auch konzeptionelle und technische Herausforderungen, die je nach Einsatzgebiet unterschiedlich stark ins Gewicht fallen.

Auflösung Pixel (HxV) Diagonale Pixel ppi (≈)
5K 5120 × 2880 5873 px 218 ppi
4K (UHD) 3840 × 2160 4405 px 163 ppi
QHD (WQHD) 2560 × 1440 2937 px 109 ppi
Full HD (1080p) 1920 × 1080 2203 px 82 ppi

5K unter Windows: hoher Anspruch, begrenzter Mehrwert

Unter Windows wird ein 5K-Monitor in der Regel in nativer Auflösung betrieben, ergänzt durch eine Betriebssystem-Skalierung der Benutzeroberfläche. Das funktioniert grundsätzlich, setzt aber eine leistungsfähige Grafikkarte voraus und stellt höhere Anforderungen an Anwendungen und Treiber. Nicht jede Software skaliert ihre Oberfläche sauber, und gerade ältere Programme oder Spezialanwendungen wirken bei sehr hohen dpi-Werten schnell entweder zu klein oder optisch inkonsistent. Der praktische Mehrwert gegenüber 4K ist im normalen Arbeitsabstand zudem deutlich geringer, als es der reine Zahlenvergleich vermuten lässt.

Videos und Spiele: Skalierung als Dauerbegleiter

Bei Videos und Spielen verschärft sich die Situation. Die allermeisten Inhalte liegen in Full HD, 1440p oder 4K vor, praktisch nie jedoch in 5K. Damit ist Skalierung unvermeidlich. Besonders problematisch ist dabei, dass 4K kein ganzzahliger Teiler der 5K-Auflösung ist: 4K-Material muss hochskaliert werden, während es auf einem QHD-Monitor noch sauber heruntergerechnet werden kann. In der Praxis bedeutet das, dass 4K-Inhalte auf 5K-Displays nicht prinzipbedingt schärfer, sondern im Gegenteil eher weicher wirken können – abhängig vom Skalierungsalgorithmus und von der Aufbereitung.

Auch bei Spielen gilt: Moderne Titel lassen sich zwar grundsätzlich in nativer 5K-Auflösung betreiben, sofern Grafikkarte und Game dies unterstützen, doch die dafür notwendige Rechenleistung ist selbst für sehr leistungsstarke GPUs erheblich. Hinzu kommt, dass nicht alle Spiele diese Auflösung überhaupt anbieten. In der Praxis wird daher häufig in 4K, 1440p oder 1080p gerendert und anschließend auf 5K skaliert – mit den entsprechenden Kompromissen.

Eigene Tests zeigen, dass die Ergebnisse dabei qualitativ nicht grundsätzlich besser ausfallen, wenn die Skalierung auf GPU-Seite stattfindet. Vor diesem Hintergrund liefert das vorhergehende Kapitel zur Interpolation des internen Scalers eine realistische Orientierung dafür, welche Bildqualität man bei nicht nativer Zuspielung grundsätzlich erwarten kann. Es beschreibt damit nicht nur ein Spezialthema für externe Zuspieler, sondern gibt auch einen praxisnahen Hinweis darauf, welche Kompromisse beim Betrieb eines 5K-Displays mit skalierten Inhalten unvermeidlich sind.

Warum 5K in der Apple-Welt dennoch besser funktioniert

Apple zeigt, dass sich 5K im Alltag angenehmer kaschieren lässt, als es die reine Technik zunächst erwarten lässt. Dafür kommen mehrere Faktoren zusammen: sehr hochwertige Skalierungsalgorithmen, teils aggressive temporale Filter, eine bewusst in Kauf genommene leichte Weichzeichnung sowie typischerweise geringere Sitzabstände bei iMacs und Studio Display. Das Ergebnis wirkt subjektiv sehr stimmig, auch wenn die grundlegende Problematik der nicht ganzzahligen Skalierung physikalisch nicht verschwindet – sie wird eher verdeckt als gelöst.

In Kombination mit macOS, das seit Jahren konsequent auf hochauflösende, skalierte Benutzeroberflächen ausgelegt ist, fügt sich 5K dort deutlich harmonischer in den Alltag ein als unter Windows. Das erklärt auch, warum 5K-Monitore wie der Philips Brilliance 27E3U7903 in der Praxis vor allem als kostengünstigere Alternativen zu Apples eigenen 5K-Displays interessant sind.

Für wen ist 5K sinnvoll? Und für wen eher nicht?

Ein 5K-Monitor lohnt sich vor allem für Anwender, die

  • sehr viel mit feinen Schriften, Vektorgrafiken oder Layouts arbeiten,
  • von einer extrem hohen Pixeldichte bei moderatem Sitzabstand profitieren,
  • und idealerweise in einem Umfeld arbeiten, in dem Betriebssystem und Anwendungen auf
  • hochauflösende, skalierte Oberflächen optimiert sind.

Weniger sinnvoll ist 5K dagegen für Nutzer, die

  • primär Videos in 4K oder darunter konsumieren,
  • viel spielen und auf hohe Frameraten angewiesen sind,
  • oder unter Windows mit Software arbeiten, die mit sehr hohen dpi-Werten nur eingeschränkt sauber umgeht.
  • In diesen Szenarien ist ein guter 4K-Monitor – oder je nach Anwendung auch mit QHD – oft die praktischere und in der Summe ausgewogenere Lösung.
Manuel Findeis

... beschäftigt sich beruflich wie privat seit über 20 Jahren intensiv mit den Themen und Entwicklungen in der IT-Branche. Als freiberuflicher Autor, Testredakteur und Fotograf, kennt er die Anforderungen an ein gutes Display. Für PRAD ist er seit 2013 tätig.

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