Farbwiedergabe
Bei Monitoren für den Grafikbereich testen wir zunächst die Farbwiedergabe in der Werkseinstellung nach dem Reset sowie – falls vorhanden – in einem sRGB- und Adobe-RGB-Modus. Anschließend wird der Proband mit Quato iColor Display kalibriert. Sofern der Bildschirm eine vollwertige Hardware-Kalibrierung besitzt, wird stattdessen diese in Verbindung mit der Hersteller-Software verwendet.
Farbraumvergleich in CIELAB (D50)
Die folgenden Darstellungen basieren auf den farbmetrischen Daten nach einer Kalibrierung auf D65 als Weißpunkt. Das Bezugsweiß für die Aufbereitung in CIELAB ist D50 (adaptiert mit Bradford).
Weißes Volumen: Bildschirmfarbraum
Schwarzes Volumen: Referenzfarbraum
Buntes Volumen: Schnittmenge
Vergleichsziele: sRGB und DCI-P3
Die nachfolgenden Grafiken zeigen die Farbraumabdeckung zunächst nach der Hardwarekalibrierung auf den nativen Farbraum im Vergleich mit unterschiedlichen Arbeitsfarbräumen:
Die Farbraumgrafiken zeigen einen deutlich erweiterten nativen Farbraum. Der Zielfarbraum sRGB wird vollständig umschlossen. Auch DCI-P3 wird nahezu vollständig abgedeckt, ohne relevante Unterdeckungen.
Die Lage der Primärkoordinaten verdeutlicht, dass der native Farbraum des Panels stark P3-orientiert ist. Der ViewSonic VP2788-5K ist damit klar auf einen erweiterten, video- und medienspezifischen Arbeitsfarbraum ausgelegt.
Der ViewSonic VP2788-5K besitzt ab Werk auch zwei Presets für die Farbräume sRGB und DCI-P3. Deren Ziel sollte es sein, den nativen Farbraum möglichst genau auf den Zielfarbraum zu begrenzen, sodass man auch außerhalb von Farbmanagement-fähigen Anwendungen ein verlässliches Ergebnis erhält.
Die nachfolgenden Grafiken zeigen die Farbraumabdeckung unkalibriert in den jeweiligen Werkspresets:
Das sRGB-Preset begrenzt den nativen Farbraum sehr präzise auf den Zielfarbraum und vermeidet dabei nennenswerte Überdeckungen. Auch im DCI-P3-Preset werden Überschreitungen des Zielraums konsequent unterbunden.
Allerdings liegt die gemessene DCI-P3-Abdeckung bei 91 %, sodass nicht der gesamte Zielfarbraum vollständig erreicht wird. In der Praxis bedeutet dies, dass besonders gesättigte P3-Farben nicht in vollem Umfang reproduziert werden können.
Die folgende Tabelle fasst die Ergebnisse jeweils für das Werkspreset und nach Hardware-Kalibrierung mit Colorbration+ zusammen:
| Farbraum | Herstellerangabe | Abdeckung im Werks-Preset | Abdeckung nach Kalibrierung |
| sRGB | 100 % | 97 % | 100 % |
| Adobe RGB | 88 % | – | 87 % |
| ECI-RGB v2 | k. A. | – | 80 % |
| DCI-P3 RGB | 99 % | 91 % | 98 % |
| ISO Coated v2 (FOGRA39L) | k. A. | – | 97 % |
Messungen vor Kalibrierung und Profilierung
Farbmodus: Custom (Werkseinstellung)
Die Ausgangsbasis für unsere Messungen entspricht den Einstellungen, die bereits im Kapitel „Ausgangsbasis für unsere Beurteilung“ im Rahmen der subjektiven Bewertung beschrieben wurden.
Die Erläuterungen zu den folgenden Charts haben wir für Sie zusammengefasst: Delta-E-Abweichung für Farbwerte und Weißpunkt, Delta-C-Abweichung für Grauwerte, und Gradation.

Die Graubalance des ViewSonic VP2788-5K überzeugt sowohl subjektiv als auch in der messtechnischen Analyse durch ihre hohe Präzision. Die Farbtemperatur liegt mit gemessenen 6400 K nahezu exakt auf den im OSD hinterlegten 6500 K. Das Gamma zeigt einen weitgehend linearen Verlauf, liegt aber im Durchschnitt bei 2,09 und damit deutlich unter dem Soll bzw. der OSD-Einstellung von 2,2.
Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF-Datei heruntergeladen werden.
Vergleich sRGB-Modus mit dem sRGB-Arbeitsfarbraum

Im sRGB-Modus ist der Gamma-Verlauf sehr präzise an die Normkurve angepasst. Mit einem Durchschnittswert von 2,16 liegt er näher am Sollwert als im zuvor betrachteten Standard- bzw. User-Modus.
Der Weißpunkt fällt mit 6800 K hingegen etwas kühler aus als die sRGB-Norm von 6500 K. Abgesehen davon zeigt die Graubalance erneut eine sehr saubere Abstimmung.
Auch die Farbabweichungen bleiben klar innerhalb des vom Hersteller angegebenen Bereichs von Delta E < 2 (Delta-E-2000-Average: 0,56; Maximum: 1,50). Die sRGB-Farbraumabdeckung beträgt 97 % und ist damit bereits sehr hoch.
Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF-Datei heruntergeladen werden.
Vergleich DCI-P3-Modus mit dem DCI-P3-Arbeitsfarbraum

Im DCI-P3-Preset erreicht der ViewSonic VP2788-5K einen durchschnittlichen Gammawert von 2,52 und liegt damit nur knapp unter der Zielvorgabe von 2,6. Der Verlauf zeigt sich dabei weitgehend linear und normnah. Die Graubalance bewegt sich hier sogar auf Referenzniveau (Delta-C-Average: 0,16; Delta-C-Range: 0,36). Die Farbtemperatur ist mit 6700 K auch hier etwas zu kühl abgestimmt.
Bei den Farbabweichungen zeigen sich hingegen etwas höhere Ausschläge (Delta-E-2000-Average: 1,30; Maximum: 2,64). Einzelne Messpunkte überschreiten damit leicht die Marke von Delta E < 2, bleiben jedoch insgesamt auf einem guten Niveau. Die Farbraumabdeckung liegt allerdings nur bei 91 %.
Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF-Datei heruntergeladen werden.
Insgesamt ermöglichen die Werkspresets bereits eine sehr solide Wiedergabe entsprechender Inhalte – auch in Anwendungen ohne aktives Farbmanagement. Die Graubalance bleibt dabei durchweg vorbildlich.
Messungen nach Kalibrierung und Profilierung
Hardware-Kalibrierung
Im Gegensatz zu Standardmonitoren bietet der ViewSonic VP2788-5K die Möglichkeit zur echten Hardwarekalibrierung. Dabei werden die Kalibrierungsparameter über die USB-Verbindung direkt im Monitor gespeichert. Das anschließend erzeugte ICC-Profil enthält daher keine aktiven Korrekturdaten mehr, die – wie bei einer Softwarekalibrierung – bei jedem Systemstart in die LUT der Grafikkarte geladen werden müssten.
Eine Hardwarekalibrierung arbeitet somit unabhängig von Betriebssystem, Grafikkarte oder Anschlussart.
Der Vorteil liegt in der höheren Reproduzierbarkeit und darin, dass keine zusätzliche Reduktion der Tonwertauflösung durch nachträgliche RGB-Gain-Anpassungen erfolgt. Während bei einer Softwarekalibrierung die Signalverarbeitung in der Grafikkarte verändert wird, bleibt bei einer Hardwarekalibrierung die volle Kanalauflösung des Panels erhalten.
Voraussetzung ist neben der entsprechenden Monitor-Hardware eine herstellerspezifische Kalibrierungssoftware. Universelle Softwarelösungen, wie sie häufig einem Kolorimeter beiliegen, können keine Hardwarekalibrierung durchführen.
Für den ViewSonic VP2788-5K kommt hierfür Colorbration+ zum Einsatz.
Die Software ist nicht direkt im produktspezifischen Download-Bereich des Monitors gelistet. Der Download erfolgt über die zentrale Support-Seite.
Dort steht auch das zugehörige Software-Handbuch zur Verfügung. Der Download führt allerdings nicht mehr unmittelbar zur Installationsdatei, sondern zunächst zum „ViewSonic Display Portal“. Über dieses Portal können anschließend sowohl Colorbration+ installiert als auch Firmware-Updates für den Monitor durchgeführt werden.
Mit Colorbration+ haben wir in der Vergangenheit unterschiedliche Erfahrungen gesammelt. In der hier verwendeten Version 1.3.6.0 arbeitete die Software im Zusammenspiel mit dem ViewSonic VP2788-5K jedoch stabil und ohne Funktionsstörungen.
Im Folgenden wollen wir zunächst kurz den Ablauf der Hardwarekalibrierung mit Colorbration+ vorstellen. Nach dem Start der Software kann zwischen einem Basic- und einem Advanced-Modus gewählt werden. Da der Advanced-Modus trotz zusätzlicher Optionen weiterhin übersichtlich aufgebaut ist, empfiehlt sich dessen Verwendung.

Im nächsten Schritt erfolgt die Auswahl des Monitors und des angeschlossenen Kolorimeter. Der ViewSonic VP2788-5K wird dabei eindeutig als hardwarekalibrierbares Gerät erkannt. Eine Auswahl zwischen Software- und Hardwarekalibrierung besteht nicht, da ausschließlich die hardwarebasierte Methode unterstützt wird.
Anschließend werden die Zielparameter definiert. Im oberen Bereich stehen vordefinierte Presets zur Verfügung. Sie erlauben allerdings nur eingeschränkte Anpassungen; mit Ausnahme der Luminanz sind die Parameter weitgehend gesperrt.
Für eine flexible Konfiguration empfiehlt es sich daher, ein eigenes Preset anzulegen. Dabei ist zu beachten, dass Änderungen zunächst vorgenommen und anschließend explizit gespeichert werden müssen. Erfolgt das Speichern vor der Anpassung der Parameter, sind sie im Nachgang nicht mehr editierbar. Nach dem Speichern bleiben lediglich Helligkeit und Uniformity-Correction veränderbar.
Neben den eigentlichen Kalibrierungsparametern muss auch der Ziel-Speicherplatz im Monitor ausgewählt werden. Der ViewSonic VP2788-5K stellt hierfür drei interne Kalibrierungsspeicher (Cal1 – Cal3) bereit.
Diese Anzahl ist grundsätzlich ausreichend, setzt aber eine bewusste Priorisierung voraus. Werden beispielsweise neben einer Kalibrierung im nativen Farbraum zusätzlich eine sRGB- und eine DCI-P3-Emulation kalibriert, sind alle Speicherplätze belegt. Weitere Varianten – etwa eine separate Kalibrierung mit aktivierter Uniformity-Correction – sind dann nicht mehr möglich.
















