Gleichförmigkeitskorrektur: OSD vs. Software
Der ViewSonic VP2788-5K bietet zwei Wege zur Aktivierung einer Uniformity-Korrektur: über einen Schalter im OSD und über eine messbasierte Korrektur innerhalb der Software Colorbration+. Beide Funktionen können unabhängig voneinander und in unterschiedlicher Reihenfolge aktiviert werden, wodurch sich zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten ergeben.
Während die Software-Funktion zumindest kurz dokumentiert wird, bleibt der OSD-Schalter im Monitor-Handbuch ohne Erläuterung. Vor allem das Zusammenspiel beider Varianten wird weder im Monitor- noch im Software-Handbuch beschrieben.
Grundsätzlich gilt für Hardware- wie Softwarekalibrierungen, dass das Ergebnis ausschließlich unter den zum Zeitpunkt der Kalibrierung definierten Bedingungen gültig ist. Problematisch ist daher, dass der OSD-Schalter auch in bereits kalibrierten Cal-Modi aktivierbar bleibt. Eine nachträgliche Aktivierung verschlechtert – messtechnisch nachvollziehbar – sowohl Helligkeitsverteilung als auch Farbreinheit erheblich.
Unabhängig vom gewählten Weg führen beide Varianten zu einem massiven Kontrasteinbruch auf rund 400:1. Gleichzeitig wird ausschließlich die Helligkeitsverteilung beeinflusst. Eine Verbesserung der Farbreinheit findet nicht statt – obschon dies laut Handbuch zumindest für die Software-Korrektur impliziert wird.
Für farbkritische Workflows bedeutet das, dass kein klar dokumentierter und reproduzierbar nachvollziehbarer Signalpfad gegeben ist. Welche Kombination aus OSD-Schalter und Software-basierter Uniformity-Correction in der Praxis sinnvoll ist und in welcher Reihenfolge sie anzuwenden wäre, bleibt mangels Dokumentation offen und muss vom Anwender selbst messtechnisch überprüft werden.
Selbstkalibrierung
Die im OSD verfügbare Option zur Selbstkalibrierung lässt sich zwar starten, der erwartete Positionierungskreis für das Messgerät erscheint allerdings nicht. Auf der Internetseite von ViewSonic ist die Erklärung dafür zu finden: Die Selbstkalibrierung ist derzeit nur mit dem ColorPro Wheel möglich. Bei X-Rite steht lediglich der Zusatz „Kommt bald“.
Dokumentation und Transparenz
Mehrere zentrale Aspekte – darunter die Wirkung der Uniformity-Funktion, die Reihenfolge der Signalverarbeitung, der Zusammenhang zwischen Eco-Modus und Helligkeitsverhalten, die Bedeutung der Regionseinstellung sowie die Charakteristik des Helligkeitsreglers – werden nicht oder nur unzureichend dokumentiert.
Für einen Monitor dieser Preisklasse wäre hier eine deutlich präzisere technische Beschreibung wünschenswert.
Einordnung
Die beschriebenen Punkte betreffen nicht die Panel-Qualität oder die grundsätzliche Kalibrierbarkeit, sondern vielmehr Firmware-Logik, Bedienkonsistenz, Dokumentation und Workflow-Transparenz.
Der ViewSonic VP2788-5K kann sehr gute Ergebnisse liefern – allerdings nur dann, wenn die relevanten Parameter bekannt sind und korrekt kombiniert werden.
Ohne externe Messtechnik und geeignete Prüf-Software lässt sich aber nicht verlässlich beurteilen, welche Kombination aus Modus, Firmware-Stand und Uniformity-Einstellung tatsächlich den gewünschten Zustand erzeugt.
Reaktionsverhalten
Das Reaktionsverhalten haben wir in nativer Auflösung bei 75 Hz am DisplayPort untersucht. Der Monitor wurde für die Messung auf die Werkseinstellung zurückgesetzt.
Eine Beschleunigungsoption (Overdrive) ist vorhanden und unter „Setup Menu/Reaktionszeit“ im OSD zu finden. Hier gibt es die Stellungen „Standard“, „Erweitert“ und „Ultraschnell“. Ab Werk ist „Standard“ voreingestellt. In den Spezifikationen wird eine typische Reaktionszeit von 5 ms (GtG) genannt. Messverfahren: Anfängliche Reaktionszeit („initial response time“), Gamma-Korrektur (RGB-5-Toleranz) und RGB-Überschwinger.
Overdrive, 75 Hz
Die Abstimmung ist in allen Overdrive-Stufen neutral und unter „Standard“ sowie „Erweitert“ ohne jegliche Überschwinger. Aber auch in „Ultraschnell“, wo einige Überschwinger auszumachen sind, ist die Abstimmung noch weitgehend neutral. Die Stufe „Erweitert“ kann ohne Qualitätseinbußen bedenkenlos gewählt werden.
75 Hz, Overdrive „Standard“
Wir messen den Schwarz-Weiß-Wechsel (0–255) mit 11,3 ms und den schnellsten Grauwechsel mit 6,6 ms. Der Mittelwert über alle Messpunkte liegt bei 20,2 ms.
Überschwinger sind keine zu beobachten. Die Abstimmung ist sehr neutral. Das Schaltzeiten-Diagramm zeigt unter anderem, wie sich verschiedene Helligkeitssprünge addieren und wie schnell der Monitor in der Werkseinstellung im besten Fall reagiert.
75 Hz, Overdrive „Erweitert“
In der mittleren Overdrive-Stufe messen wir den Schwarz-Weiß-Wechsel (0–255) mit 10,7 ms und den schnellsten Grauwechsel mit 6,2 ms. Der Mittelwert über alle Messpunkte liegt bei 14,8 ms.
Überschwinger sind nicht zu beobachten, die Abstimmung ist optimal. Aus Qualitätsgründen ist diese Stufe die beste Wahl.
75 Hz, Overdrive „Ultraschnell“
In der höchsten Overdrive-Stufe messen wir den Schwarz-Weiß-Wechsel (0–255) mit 10 ms und den schnellsten Grauwechsel mit 5,5 ms, womit die vom Hersteller genannte Reaktionszeit von 5 ms bei unserer Messung knapp verfehlt wird. Der Mittelwert über alle Messpunkte liegt bei 11,4 ms.
Überschwinger sind jetzt zwar zu beobachten, fallen aber moderat aus. Die Ingenieure haben einen guten Kompromiss zwischen Geschwindigkeitsoptimierung und weitgehend neutraler Abstimmung gefunden.
Latenzzeit
Die Latenzzeit (auch Input-Lag genannt) eines Monitors ist insbesondere beim Spielen ein wichtiger Faktor, da sie beeinflusst, wie schnell Eingaben (z. B. Mausbewegungen oder Tastenklicks) auf dem Bildschirm angezeigt werden. Ein Wert von unter 5 ms kann als sehr gut angesehen werden und ist ideal für professionelle Gamer und E-Sportler, da sie schnelle Reaktionen erfordern. 5 und 10 ms eignen sich noch für ambitionierte Spieler und Videobearbeiter. Als durchschnittlich sind 10 bis 25 ms anzusehen, was für die meisten Nutzer ausreichend für alltägliche Aufgaben ist. Werte über 25 ms können bei schnellen Bewegungen zu Verzögerungen führen und sind für anspruchsvolle Anwendungen nicht mehr empfehlenswert.
Wir haben die Latenzzeit in der nativen Auflösung (5120 × 2880) bei 60 und 75 Hz am DisplayPort gemessen.
Gaming
Der ViewSonic VP2788-5K ist ein Monitor für die Bildbearbeitung und nicht zum Spielen konzipiert worden. Overdrive ist zwar vorhanden, eine Sync-Technologie beherrscht der 27-Zoll-Bildschirm aber nicht.
Unter Blur Busters haben wir einige Tests durchgeführt, um eine Aussage über das Auftreten von Ghosting oder Korona-Effekten treffen zu können. Bei 75 Hz zeigte die Darstellung der UFOs Mikroruckler. Die Bewegungsschärfe der UFOs ist bei 60 Hz und 70 Hz (ohne Mikroruckler) schon sehr unscharf. In der Praxis sind Ghosting-Effekte in allen Overdrive-Stufen auszumachen. Ghosting ist ein Artefakt der Nachlaufbewegung. Es wird durch asymmetrische Pixelübergänge verursacht: Übergänge zwischen zwei Farben können in einer Richtung schneller sein als in der anderen.
Korona-Effekte konnten wir in keiner Overdrive-Stufe erkennen, was sich mit unseren Messungen deckt. Koronas sind Nachzieheffekte, die durch die Beschleunigung der Reaktionszeit (Overdrive) verursacht werden. Die Pixel können über ihren endgültigen Farbwert hinausschießen, bevor sie zurückspringen, was zu einem hellen, inversen Geisterbild führt.
Der ViewSonic VP2788-5K ist weder zum Spielen gedacht noch geeignet.
Sound
Der ViewSonic VP2788-5K verfügt über zwei integrierte Stereo-Lautsprecher mit einer Ausgangsleistung von 2 × 5 Watt. Soweit ersichtlich, sind sie an der Rahmenunterseite angebracht und strahlen nach unten ab. Für integrierte Monitor-Lautsprecher fällt die Klangcharakteristik vergleichsweise kräftig aus. Sowohl die maximale Lautstärke als auch das wahrnehmbare Volumen liegen über dem, was in dieser Geräteklasse üblicherweise geboten wird.

Ab Werk ist die Lautstärke auf 30 % eingestellt. Eine Nutzung der höchsten Stufen empfiehlt sich jedoch nicht dauerhaft, da ab etwa 70 % ein deutlich wahrnehmbares Dröhnen auftreten kann. In diesem Bereich bewegt sich die Wiedergabe allerdings bereits auf einem sehr hohen Lautstärkeniveau.
Audio-Signale können über sämtliche Videoeingänge (HDMI, DisplayPort, Thunderbolt) übertragen werden. Die Wiedergabe erfolgt ausschließlich über die integrierten Lautsprecher; ein separater Audio-Ausgang für externe Lautsprecher oder Kopfhörer ist nicht vorhanden.


















