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Test X-Rite i1Photo Pro 2: Druckerkalibrierung überzeugt
6/8

Wer beim Farbmanagement insbesondere auch Ausgabegeräte einschließen will, braucht eine umfassendere Lösung wie das i1Photo Pro 2

„Vergängliche“ Kamerakalibrierung

Leider ist die Kamerakalibrierung aber keine einmalige Angelegenheit. Die Profilierung muss man für jede Lichtart gesondert durchführen. Die tatsächliche Lichtart bei der Aufnahme erkennt die Software bei der Profil-Erstellung automatisch – unabhängig davon, welchen Weißabgleich man in der Kamera eingestellt hat.

Das sieht man in der Abbildung zum DNG-Profile-Manager in den blau markierten Profilen. Im Dateinamen ist am Ende jeweils der in der Kamera bei der Aufnahme eingestellte Weißabgleich vermerkt. In der Spalte „Lichtart“ sieht man das, was die Software (jeweils richtig) erkannt hat. Den Weißabgleich setzen muss man in Lightroom trotzdem noch, und zwar nach (!) der Zuordnung des Farbprofils.

Die vordefinierten Adobe- bzw. Herstellerprofile kann man nach dem Setzen des manuellen Weißabgleich später jederzeit tauschen. Der Wert für den richtigen Weißabgleich verändert sich dadurch nicht. Bei der Erstellung bzw. Zuordnung des selbst erstellten X-Rite-Profils ist das anders. Hier verändert sich nach der Zuordnung der durch manuellen Weißabgleich ermittelte Wert.

DNG-Profile-Manager zur Verwaltung der Profile. Die Lichtart bei der Aufnahme wird unabhängig von den Kamera-Einstellungen automatisch erkannt
DNG-Profile-Manager zur Verwaltung der Profile. Die Lichtart bei der Aufnahme wird unabhängig von den Kamera-Einstellungen automatisch erkannt

Am besten funktioniert das natürlich unter kontrollierten Lichtbedingungen im Studio. Aber auch hier kann bereits der Wechsel von Lichtformern einen merklichen Unterschied ausmachen. Will man höchste Farbpräzision, muss man für jedes Shooting bzw. Setup ein eigenes Profil erstellen.

Dass man in der Fashion-, Produkt- und Katalogfotografie auf höchste Farbpräzision angewiesen ist, versteht sich von selbst. Aber wie sieht es bei Event-, Tier- und Landschaftsaufnahmen aus? Muss man jetzt den Grizzlybären um ein ColorChecker-Posing-Bild bitten? Das natürlich bitte nicht.

Was bei den Farben gefällt und was exakt realistisch ist, ist auch nicht notwendigerweise das Gleiche. Wem also die Farbinterpretation des Kameraherstellers bzw. seines RAW-Konverters gefällt, der muss nicht notwendigerweise für jede Aufnahmesituation seine Kamera kalibrieren. Nach Einschätzung des Autors scheinen sich zumindest die Nikon-Profile recht stark daran zu orientieren, was sich auch gut im sRGB-Farbraum darstellen lässt.

Die Natur kann aber viel mehr. Insofern kann auch der Tier- oder Landschaftsfotograf durchaus von einer Kameraprofilierung profitieren, um die fantastischen Farben der Natur auch auf Anhieb im Bild sichtbar zu machen. Das Erstellen einer Handvoll von Kameraprofilen für die wichtigsten Lichtarten in natürlichen Lichtsituationen ist im Grunde schnell gemacht und auch ausreichend genau.

Wer in der Hochzeitsfotografie mit einem „Second Shooter“ zusammenarbeitet oder mehrere Kameras unterschiedlicher Hersteller verwendet, kann sich mittels Kamerakalibrierung ebenfalls viel Zeit bei der Nachbearbeitung sparen. Schließlich soll der Kunde konsistente Ergebnisse bekommen und nicht ein Mischmasch an unterschiedlichen Farbdarstellungen.

Das Gleiche gilt für alle Liebhaber von Presets, denn letztere basieren immer auf einem bestimmten Profil. Daher werden sie bei einem Modell- oder Herstellerwechsel möglicherweise nicht mehr so funktionieren, wie erwartet. Wenn man als Ausgangspunkt dagegen ein realistisches Kameraprofil verwendet, sind auch die Ergebnisse immer gleich.

Monitorprofilierung

Mag man auch auf eine Profilierung der Kamera in vielen Situationen verzichten können, so ist die Profilierung des Monitors essenziell und aus unserer Sicht immer zu empfehlen. Eine andere Möglichkeit, visuell zuverlässig zu beurteilen, was tatsächlich in einer Bilddatei steckt, gibt es nicht.

Funktionsweise Monitorprofilierung (Bild: X-Rite)
Funktionsweise Monitorprofilierung (Bild: X-Rite)

Der Ablauf ist grundsätzlich recht einfach und wird Schritt für Schritt von der X-Rite-Software begleitet. Das Handling des i1Photo Pro 2 ist im Vergleich zu einem Kolorimeter wie dem i1DisplayPro aber etwas sperriger und komplizierter. Das liegt zum einen an der Größe sowie dem Gewicht des Gerätes und zum anderen daran, dass ein Spektralfotometer vor jedem Kalibrierungsdurchlauf selbst kalibriert werden muss. Dazu wird das Messgerät in die Kalibrierplatte gesetzt.

Monitorprofilierung mit dem i1Photo Pro 2
Monitorprofilierung mit dem i1Photo Pro 2

Die Kalibrierung wird durch den seitlichen Knopf am Gerät gestartet und dauert nur wenige Sekunden. Danach ist das Messgerät bereit zur Kalibrierung des Monitors. Die weiße Kalibrierkachel wird bei Nichtbenutzung durch einen Schieber geschützt.

Sensorkalibrierung des X-Rite i1Display Pro 2
Sensorkalibrierung

Zur Anbringung am Monitor gibt es eine eigene Monitorhalterung mit Gegengewicht. Das Einsetzen am Schreibtisch funktioniert ganz passabel. Hängt die Halterung allerdings bereits am Monitor, ist das Einsetzen etwas fummelig. Aufgrund der Größe des i1Photo Pro 2 braucht man ca. 17 cm Platz von der Oberkante des Monitors, um wirklich in der Mitte messen zu können. Bei kleineren Displays und Notebooks ist das schwierig bis gar nicht möglich.

Der i1Profiler ist die umfassende und bekanntermaßen gute Softwarelösung von X-Rite, mit der sich alle Geräte vom Monitor und Projektor über den Drucker bis hin zum Scanner kalibrieren lassen. Welche Optionen zur Verfügung stehen, hängt vom angeschlossenen Messgerät bzw. gekauften Bundle ab. Das i1Pro 2 ist zwar in allen Paketen das Gleiche, bestimmte Fähigkeiten werden aber per Software freigeschaltet.

Beim Starten der Software wird die Lizenzierung jedes Mal geprüft. Der Vorteil ist, dass man auch nachträglich noch auf ein höherwertiges Paket upgraden kann. Für die ggfls. dafür auch notwendige Zusatz-Hardware bietet X-Rite entsprechende Upgrade-Pakete an. Allerdings vergingen in unserem Test regelmäßig 35 bis 45 Sekunden, bis die Software endlich vom Demo- in den lizenzierten Modus wechselte und man loslegen konnte. Das ist auf Dauer schon reichlich nervig. Beim i1Display Pro gibt es derart lange Verzögerungen nicht.

i1Profiler: Workflow-Auswahl „Basic“
i1Profiler: Workflow-Auswahl „Basic“
i1Profiler: Workflow-Auswahl „Erweitert“
i1Profiler: Workflow-Auswahl „Erweitert“

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