-->

BRANDHEISS

Test X-Rite i1Photo Pro 2: Druckerkalibrierung überzeugt
8/8

Wer beim Farbmanagement insbesondere auch Ausgabegeräte einschließen will, braucht eine umfassendere Lösung wie das i1Photo Pro 2

Scanner-Profilierung

Die Scanner-Profilierung funktioniert ähnlich wie die Kameraprofilierung. Sie ist schnell erledigt, und es gilt hier auch nicht verschiedene Lichtarten bei der Aufnahme zu berücksichtigen. Man scannt zunächst ein Referenz-Target. Über die Software werden Ergebnis und Referenz dann verknüpft und zu einem Profil verschmolzen.

Funktionsweise Scanner-Profilierung (Bild: X-Rite)
Funktionsweise Scanner-Profilierung (Bild: X-Rite)

Profiliert werden können nur Scanner, die eine TIFF-Ausgabe unterstützen. Bei gängigen Office-Multifunktionsgeräten ist das in der Regel nicht der Fall. Wichtig ist auch, dass man sämtliche Autokorrekturen und auch das Nachschärfen des Scans im Treiber deaktiviert.

Es kann eine ganze Reihe von Testcharts verwendet werden. Unterstützt werden IT8-Testcharts von X-Rite, Kodak, LaserSoft und Wolf Faust. Für Auflichtscans kann natürlich gleich der im Lieferumfang befindliche „ColorChecker Classic“ verwendet werden. Durchlicht-Targets sind im Bundle nicht enthalten und müssen separat besorgt werden.

i1Profiler: Wahl des Testchart-Typs und Laden des eingescannten Bildes
i1Profiler: Wahl des Testchart-Typs und Laden des eingescannten Bildes

Das Messgerät benötigt man zur Scanner-Profilierung nicht. Mit Ausnahme der physischen Targets handelt es sich also vor allem um ein Software-Feature, das beim i1Display Pro aber nicht freigeschaltet ist.

i1Profiler: Evtl. manuelle Zuordnung der Referenzdatei
i1Profiler: Evtl. manuelle Zuordnung der Referenzdatei
i1Profiler: Profil-Erstellung
i1Profiler: Profil-Erstellung

Sofern vom Scanner-Treiber unterstützt, kann man das selbst erstellte Profil künftig anstelle des Herstellerprofils automatisch seinen Scans zuweisen lassen. Ansonsten scannt man am besten zunächst ohne Farbmanagement und weist das Profil dann später über geeignete Anwendungen wie Photoshop den Scans manuell zu. Über eine Batch-Verarbeitung lässt sich das auch für eine größere Anzahl an Dateien recht flott erledigen.

Projektor-/Beamer-Profilierung

Die Projektorprofilierung verläuft analog zur Monitorprofilierung. Gemessen wird das von der Leinwand reflektierte Licht. Die Eigenschaften der Leinwand werden so bei der Profilierung mitberücksichtigt. Ähnlich wie die Papiersorte beim Druck können die Leinwand-Eigenschaften durchaus einen erheblichen Einfluss haben. Bei einer wichtigen Fotovorführung auf einer fremden Leinwand sollte man daher vorher eine eigene Profilierung machen. Zur Positionierung des i1Pro 2 dient die beim Lieferumfang gezeigte Stativhalterung.

Sofern man seine Fotos dann via Windows-PC oder Mac aus Farbmanagement-fähigen Anwendungen heraus vorführt, kann man den oftmals deutlich größeren Farbraum hochwertiger Projektoren nutzen, um sein Publikum mit akkuraten Farben zu begeistern.

Bei der Projektorprofilierung wird allerdings eine sprachliche Ungenauigkeit besonders deutlich. Auch wir sprechen oft von Kalibrierung und meinen damit den gesamten Prozess von der Kalibrierung bis hin zur Profilierung. Eigentlich sind das aber zwei eigenständige Abläufe.

Bei der Kalibrierung versucht man grundlegende Parameter des Projektors bzw. Monitors so gut wie möglich auf die Zielwerte zu bringen. Das sind vor allem Helligkeit, Kontrast, Weißpunkt und Gamma. Denkbar wäre aber auch ein Farbraum-Tuning. Die erforderlichen Einstellungen werden am Gerät selbst getroffen und sind daher von der Profilierung unabhängig aktiv.

Bei der Profilierung werden anschließend die Eigenschaften des kalibrierten Gerätes vermessen und wie oben beschrieben ein ICC-Profil erstellt. Bleiben bei der Kalibrierung Defizite offen, kann das Profil auch Korrekturdaten enthalten. Die notwendigen Korrekturen werden dann über die Grafikkarte kurz nach dem Systemstart vorgenommen. Deshalb sieht man bei Software-kalibrierten Monitoren auch am Desktop oft eine mehr oder wenig starke Veränderung, wenn man das Profil im Farbmanagement des OS ein- und ausschaltet.

Bei externen Zuspielern bleiben diese Korrekturen natürlich außen vor, und auch am Windows-PC oder Mac erhält man nur in Farbmanagement-fähigen Anwendungen genaue Farben. Leider bleibt der i1Profiler von X-Rite hier seinem Namen treu und kümmert sich primär um die Profilierung für einen ICC-Workflow.

Heimkino-Enthusiasten, die auch die Farbraumgrenzen ihres Gerätes für Filmvorführungen tunen möchten, erfahren keine gesonderte Unterstützung. Das ist natürlich schade, denn eine Konsumenten-freundliche Lösung, um auch Projektoren und Fernseher auf die richtigen Farben zu trimmen, würde die Zielgruppe des Gerätes deutlich erweitern und wäre quasi ein Alleinstellungsmerkmal für X-Rite.

Bewertung

4.6

(SEHR GUT)
X-Rite i1Photo Pro 2
(3 Kundenrezensionen)
Preis: 1.689,60 €
(Stand von: 21.05.2022 20:15 - Details
×
Produktpreise und -verfügbarkeit sind zum angegebenen Datum / Uhrzeit korrekt und können sich ändern. Alle Preis- und Verfügbarkeitsinformationen auf https://www.amazon.de/ zum Zeitpunkt des Kaufs gelten für den Kauf dieses Produkts.
)

Preis inkl. MwSt., ggfs. zzgl. Versandkosten
Bei Amazon ansehen *
(* = Affiliate-Link) Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.

Fazit

Das i1Photo Pro 2 wird als Komplettlösung für Fotografen beworben, und unter diesem Aspekt haben wir es auch primär betrachtet. Im Gegensatz zu einem Kolorimeter kann man mit dem Paket von der Eingabe (Kamera, Scanner) über die Bearbeitung (Monitor) bis hin zur Ausgabe (Monitor, Projektor, Drucker) durchgängig und zuverlässig für akkurate und reproduzierbare Farben sorgen.

Qualitativ hat das i1Photo Pro 2 bei uns einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Damit ist nicht nur das Spektralfotometer gemeint, sondern das komplette Set inklusive der Software-Unterstützung und ggfls. auch des technischen Supports. Im Vergleich zum Vorgänger i1Pro gibt es nicht nur zahlreiche Verbesserungen, das i1Pro 2 hat auch äußerlich spürbar an Wert gewonnen.

Bei knapp 1.400 EUR ist man aber schon in einer Preisregion, in der die Anschaffung gerechtfertigt sein muss. Das i1Photo Pro 2 ist zwar eine Komplettlösung für Fotografen, was jedoch nicht bedeutet, dass sie jeder Fotograf unbedingt braucht. Geht es vornehmlich um die Kamera- und Monitorprofilierung, gibt es von X-Rite für ca. 220 EUR ein Bundle, das aus dem sehr guten Kolorimeter i1DisplayPro und dem ebenfalls empfehlenswerten „ColorChecker Passport“ besteht.

Das i1Photo Pro 2 ist eine exzellente Wahl für Reflexionsmessungen – und damit die Erstellung von Profilen für Drucker. Die Möglichkeit zur Lichtfarbmessung am Monitor nimmt man gern mit. Das Gerät wäre auch ohne entsprechende Verwendungsmöglichkeit eine Empfehlung wert. Geht es aber nur um die Kalibration eines Monitors, ist das i1Display Pro aus gleichem Haus die bessere Wahl.

Echte Enthusiasten können beide Instrumente in Kombination einsetzen – mit alternativer Software ist es möglich, die im Grundlagenbereich besprochenen Korrekturen für den eigenen Monitor individuell zu erstellen. Entsprechende Software-Alternativen erweitern auch die Möglichkeiten für die Erstellung von Ausgabeprofilen. Allerdings bietet die i1Publish Pro Suite hier durchaus weitreichende Möglichkeiten (u. a. CMYK, n-Channel, Steuerung des Schwarzaufbaus).

Sofern man den Funktionsumfang des i1Photo Pro 2 benötigt, ist aus unserer Sicht der Anschaffungspreis angesichts der Qualität absolut gerechtfertigt. Bei der Messgenauigkeit ist das i1Pro 2 Industriestandard. Glücklicherweise ist die Anschaffung eines solchen Messgerätes hinsichtlich Lebenserwartung im Gegensatz zu einem Smartphone auch eher mit einem guten Objektiv zu vergleichen.

Testlogo X-Rite i1Photo Pro 2

Gefällt Ihnen dieser Beitrag ?

80%
gefällt es

Interessante Themen

Schreibe einen Kommentar

* Sie müssen das Kästchen aktivieren, ansonsten können Sie keinen Kommentar erstellen. Sollten Sie dennoch versuchen Ihren Kommentar zu posten, ohne akzeptiert zu haben, wird eine neue Seite geöffnet und Sie erhalten einen Hinweis. Alle eingetragenen Daten, inklusive des Kommentars, gehen dabei verloren!