Worauf muss ich beim Kauf eines Plasma- oder LCD-Fernsehers achten?

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Einleitung

Zunächst einmal: Anders als oft vermittelt wird, gibt es dabei tatsächlich kaum ein „zu groß“. Letztlich entscheiden Geldbeutel, Platzverhältnisse und Zuspielung über die Bilddiagonale. Auch SD-Material wie herkömmliches PAL-Fernsehen kann auf großen Diagonalen noch ansehnlich wirken, wenn ein paar Grundregeln beachtet werden, die wir im Folgenden aufzeigen.

Kontrastreiches Fundament

Besonders wichtig bei Flachbild-TVs ist ein exzellenter Kontrast, da das menschliche Auge auf Kontraste sehr sensibel reagiert und kontrastarme Bilder emotionslos und flach wirken. Um dem gerecht zu werden sollte der Kontrast des verwendeten Plasma- oder LCD-Panels bereits in der Werkseinstellung gut ausfallen, sodass man bei Bedarf nur noch geringe Korrekturen vornehmen muss.

Der Wert sollte mindestens bei 800:1 liegen und besagt, wie groß der Helligkeitsunterschied zwischen einem schwarzen und weißen Bildpunkt ausfällt. Je höher, desto besser. Um den Kontrast am Bildschirm kontrollieren zu können, sollte bereits beim Kauf eine sogenannte Test-Disc mitgenommen werden. Im Normalfall enthält eine solche CD verschiedene Graustufenbilder, Schachbrettmuster, reale Testfotos und weiteres mehr.

Vorsicht, dynamische Falle!

Wer sich beim Kauf auf die im Prospekt beworbenen Angaben verlässt, erlebt schnell einen Reinfall. Denn gerne werden LCD- und Plasma-TVs nur mit dem dynamischen Kontrast beworben. Dabei werden Farben und Helligkeit des dargestellten Bilds laufend vom Gerät angepasst und im Idealfall kann ein sehr hoher Kontrastwert erzielt werden. Leider handelt es sich aber um einen sehr theoretischen Wert, der in der Regel bei einem Wechsel von einer sehr dunklen Szene zu einer sehr hellen erzielt wird.

Im Gegensatz zum statischen Kontrast bezieht sich die Angabe des dynamischen Kontrasts nämlich nicht auf ein Standbild, sondern immer auf den Vergleich zweier aufeinander folgender Bilder bzw. Szenen. Werfen Sie deshalb einen Blick auf die Hersteller-Spezifikationen und fragen Sie den Verkäufer nach dem statischen Kontrast des Geräts. Denn der höchste dynamische Kontrast nützt wenig, wenn Farben durch die Korrekturen unnatürlich wirken oder in dunklen Szenen kaum noch Details erkennbar sind.

Wie Schwarz ist Schwarz?

Den Schwarzwert eines Flachbild-TVs kann man am besten in einem abgedunkelten Raum testen. Aufgrund der notwenigen Hintergrundbeleuchtung sieht das Schwarz bei den meisten LCD-TVs mit herkömmlichem Backlight immer etwas heller aus als bei Plasma-Bildschirmen.

TV aus der Samsung F9-Serie mit LED-Backlight
Samsung F9 Reihe mit LED-Backlight. (Foto: Samsung)

Zur IFA 2007 hat Samsung mit den Geräten der F9 Reihe (52 und 70 Zoll) eine neue Linie mit LED-Backlight vorgestellt, welches also auf Leuchtdioden statt Leuchtstoffröhren (CCFLs) basiert. Während ein LED-Backlight an sich im TV-Bereich keine wirklichen Vorteile gegenüber der herkömmlichen CCFL-Lösung bietet, ist hierbei das Feature „local dimming“ entscheidend. Die LEDs sind in viele kleine Zonen aufgeteilt, die abhängig vom Bildinhalt in der Helligkeit separat geregelt werden können. Dadurch lässt sich der Schwarzwert bei LCD-TVs drastisch steigern.

Noch sind entsprechende Geräte sehr teuer; in den nächsten Monaten will Sony ebenfalls mit LED-beleuchteten Flat-TVs nachziehen und auch Samsung plant bereits die Nachfolger der F9-Reihe.

Bei der taghellen Beleuchtung in den großen Elektronikmärkten ist es leider nahezu unmöglich den Schwarzwert zu testen. Deshalb ist es besonders wichtig, auf einen hohen statischen Kontrast zu achten.

Eine gleichmäßige Bildhelligkeit ist besonders in dunklen Szenen wichtig; wenn die Bildecken oder Unter- und Oberkante des Bildschirms ungleichmäßig ausgeleuchtet sind oder das Backlight durchscheint, leidet das Filmvergnügen. Keinesfalls sollten helle oder dunklere Flecken auf dem Bildschirm auftauchen.

Die Bildhelligkeit muss zudem ausreichend hoch sein, damit das Fernsehbild auch bei starkem Lichteinfall wie Sonneneinstrahlung erkennbar bleibt. Mache Geräte bieten eine automatische Regulierung der Helligkeit mit Hilfe eines Sensors an. Das ist nicht nur bequem, sondern spart nebenbei auch Energie.

Kleine Millisekunden und große Blickwinkel

Ebenfalls von elementarer Bedeutung ist die Reaktionszeit eines Flachbild-Fernsehers, denn sonst sieht das Bild beim Fußballschauen matschig aus oder Tennisbälle gleichen kleinen Kometen mit Schweif.

Die meisten aktuellen Modelle sind ausreichend schnell und Schlieren gehören weitestgehend der Vergangenheit an. Die Reaktionszeit eines modernen Flat-TVs sollte bei unter 12 ms liegen.
Wenn mit mehreren Personen Filme geschaut werden, sollte man unbedingt darauf achten, dass sowohl der horizontale als auch der vertikale Blickwinkel dafür groß genug sind. Sonst hagelt es Beschwerden von den weiter außen Sitzenden. Fast alle Flachbild-Fernseher mit Diagonalen ab 32 Zoll besitzen hochwertige Panels mit ausreichend weiten Blickwinkeln.

Nur bei kleineren Modellen sollten Sie vor dem Kauf nach dem Paneltyp fragen: Ist ein TN-Panel verbaut, so müssen Sie mit Einschränkungen rechnen, besonders beim vertikalen Blickwinkel. Wollen Sie den Fernseher dann an die Wand hängen und blicken von unten auf das Gerät, so erkennen Sie oftmals nur noch ein Negativ.

Schärfe und Rauschfilter – weniger ist mehr

Auch die Bildschärfe spielt beim Kauf eines Flachbildschirms eine wichtige Rolle. Die Konturen von Personen und Gegenständen müssen klar zu erkennen sein und das Bild darf nicht zu weich gezeichnet, also verwaschen wirken. Hier ist es vorteilhaft, wenn die Optionen zur Bildverbesserung (insbesondere Schärfe- und Rauschfilter) abschaltbar sind bzw. über einen eindeutigen Nullpunkt verfügen.

Zwar kann man mit entsprechenden Filtern in der Theorie eine Menge aus dem zugespielten Material herausholen – in der Praxis sind die Umsetzungen jedoch eher mäßig und sorgen oft für mehr Negativaspekte als Verbesserungen. So führt eine übertriebene bzw. schlecht implementierte „3D-NR“, eine Rauschreduzierung, die mehrere Bilder in Folge analysiert, zu starken Nachzieheffekten und einem künstlichen „Video-Look“. Die meist simplen Schärfefunktionen produzieren oft schon auf niedriger Stufe unschöne Doppelkonturen („Ringing“). Hier ist weniger meist mehr.

Schluss mit Vorurteilen: Nur die Skalierung zählt

Fast schon ein Glaubenskrieg ist die Auflösung des Flachbildschirms. Zwei Irrtümer sind weit verbreitet:

1. Ein Panel mit niedrigerer Auflösung ist für die Darstellung von PAL-SD-Material besser geeignet als eines mit hoher Auflösung (z.B. FullHD)

2. Für Blu-ray, HD-DVD und HDTV muss es unbedingt ein FullHD Panel sein, sonst kommt es zu großen Einbußen in der Darstellungsqualität.

Wenn es ums Skalieren geht ist die Auflösung des Panels ziemlich egal. Kann der Flat-TV ordentlich das kleinere Bild (z.B. DVD oder PAL-TV) auf die höhere Pixelzahl umrechnen, wird die Auflösung zur Nebensache. Dies ist nicht weiter verwunderlich, da in der Regel das sogenannte Oversampling zum Einsatz kommt: Es wird zunächst auf eine wesentlich höhere Auflösung umgerechnet, um dann in einem zweiten Schritt das Bild an die Auflösung des Flat-TVs anzupassen (Downscaling).

Bei der korrekten Bildverarbeitung trennt sich die Spreu vom Weizen; hieraus ergibt sich häufig der wesentlich höhere Preis von Geräten, die beim ersten Blick aufs Datenblatt denen im Billigsegment gleichen. Gerne werben die TV-Hersteller mit ungeheuer hochwertig klingenden Namen für die Güte ihrer Elektronik. Genauso wie eine Schwalbe noch lange keinen Frühling macht, bedeuten „Faroudja und Co.“ nicht automatisch eine Top-Bildqualität. Die Umsetzung und nicht der Name auf den eingesetzten Chips entscheidet über das Ergebnis.

Informieren Sie sich am besten vorab im Internet über die Qualität der verbauten Skalierungstechnik, insbesondere, wenn Sie viel PAL-Fernsehen oder herkömmliche DVDs auf ihrem neuen LCD- oder Plasma-TV anschauen wollen.

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